Warum Adam Nemec Weltfußballer des Jahres werden soll

Endlich normale Leute!

Adam Nemec spielte einst für Erzgebirge Aue und Union Berlin. Jetzt soll er Weltfußballer des Jahres werden. Findet jedenfalls unser Autor.

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Die Zeit rennt, bald geht es wieder los mit all den Auszeichnungen und Ehrungen. Europas Fußballer des Jahres, Weltfußballer des Jahres, Welttorhüter des Jahres, Weltschiedsrichter des Jahres, Weltgrashalm des Jahres. Kaum auszuhalten, diese Spannung.

Ich mach das nicht mehr mit. Auf der Stelle, hier und jetzt, von meinem Schreibtisch aus, verkündete ich meinen Weltfußballer des Jahres. Die Wahl treffe ich, die Laudatio halt ich auch. Nachfragen oder Verbesserungsvorschläge sind nicht erlaubt.

Also, der Gewinner ist, tadaaahhhh.. Adam Nemec!

Weltvereinswechsler des Jahres

Gute Wahl, denken Sie jetzt bestimmt: »Nemec, Nemec... Der hat doch gerade erst die Slowakei mit seinem Tor gegen Luxemburg zur EM nach Frankreich geschossen. Hätte ich auch drauf kommen können.«

Da haben Sie natürlich Recht, aber meine Beweggründe sind andere. Nemec hat sich die Auszeichnung nicht nur für seine Treffsicherheit, sondern für seine Karriereplanung verdient. Er ist sozusagen auch gleich der Weltvereinswechsler des Jahres.

Denn: Welcher im Vorjahr bei einem mittelmäßigen Zweitligisten ausgemusterte, auf der Tribüne hockende Fußballer kann schon von sich behaupten, 2015 plötzlich die Umkleide mit den klangvollsten Namen der Branche geteilt zu haben?

Plötzlich saß er neben David Villa

Das kam so: Beim 1. FC Union fühlte sich Nemec scheinbar unterfordert mit all den Kopplins und Jopeks an seiner Seite. Trotzig versteckte er sein wahres Talent. Wie ein Hochbegabter in der Grundschule. Endlich freigestellt vom quälenden Unterricht des Herrn Düwel schloss er sich im Januar dem neugegründeten New York City FC an. Manhattan statt Köpenick, Central Park statt Wuhlheide. Plötzlich saß Adam Nemec in einer Kabine mit Spaniens Weltmeister David Villa, seinem neuen Sturmpartner.

Später kamen noch Frank Lampard und Andrea Pirlo hinzu. Nationalspieler unter sich. Endlich normale Leute. Besser konnte es nicht werden. Nemec, der Weltenbummler, erkannte das, zeigte wahre Größe und machte auf dem Höhepunkt seiner Karriere kehrt. Adios David! Goodbye Frank! Arrivederci Andrea! Seit ein paar Wochen spielt er nun für Willem II Tilburg. In Holland.