Alles, was ihr über Polens Auswahl wissen müsst

Auf einen Whisky mit Lewandowski

»RL9« verkloppt Smartphone-Cover und hübsche Schnapsgläser, Maczynski spielt in China, der Trainer ruft gerne »Faken« – so tickt Polens Nationalmannschaft.

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Wojciech Szczesny
Extravagant. Auf kaum einen anderen polnischen Nationalspieler passt diese Beschreibung so sehr, wie auf Wojciech Szczesny. Wenn einer die ganz großen Auftritte liebt, dann ist es der Torhüter - ganz besonders in den Sozialen Netzwerken. Egal, ob es um seine Verlobung mit der polnischen Popsängerin Marina Luczenko oder seinen 25. Geburtstag ging, bei dem Luczenko ihn mit einem Wohnzimmerkonzert einer befreundeten Band überraschte, der Torhüter lässt die Welt gerne an seinem pompösen Leben teilhaben. Doch beim letzten Sommerurlaub hat es der Torhüter offenbar übertrieben. »Heute gehe ich mit einer Katze spazieren«, schrieb Szczesny zu einem Foto, auf dem er mit einem Tiger an der Leine zu sehen ist. Was folgte, war eine Welle der Kritik. Tierquälerei und mangelnden Sinn für den Schutz bedrohter Tiere, musste sich der Profi von vielen seiner Fans vorwerfen lassen. Kritik hagelte es auch von der polnischen Presse.

Sein Trainer Arsene Wenger hatte zu dem Zeitpunkt offenbar schon genug von solchen Eskapaden und den schwankenden Leistungen seiner langjährigen Nummer Eins. Nachdem der Franzose nach einem verloren Spiel beim FC Southampton im Januar den Torhüter rauchend in der Toilette der Umkleidekabine erwischte, brummte er ihm nicht nur eine Strafe von 20.000 Pfund auf, sondern setzte ihn auch auf die Bank. Im Sommer folgte spektakuläre Verpflichtung von Petr Cech. Szczesny wiederum wurde an den AS Rom ausgeliehen. Mit einer Kaufoption für die Italiener.

Artur Boruc
Nach Stationen beim AC Florenz und dem FC Southampton, spielt Boruc seit der vergangenen Saison beim ACF Bournemouth, dem Sensationsaufsteiger in die Premier League. Doch wenn es um seine Klubkarriere geht, verbinden die meisten Fans Boruc mit dem Celtic Glasgow. Zwischen 2005 und 2010 spielte »The Holy Goalie« bei dem schottischen Kultklub, den er, wie er bis heute betont, tief in seinem Herzen trägt. Während seiner Zeit in Glasgow erwies er sich jedoch nicht nur als ein brillanter Torhüter, sondern auch als ein couragierter Mitbürger. Im April 2007 wurde Boruc zufällig Zeuge, wie im Elder Park von Glasgow drei junge polnische Migranten von betrunkenen Rechtsradikalen überfallen wurden. Während andere die Polizei angerufen hätten, griff der Torhüter selber ein und schlug die Täter in die Flucht. Danach fuhr er die verletzten Opfer, darunter eine schwangere Frau, mit seinem Auto in ein Krankenhaus.

Thiago Cionek
Ein Name, der brasilianische Raffinesse und osteuropäische Robustheit verspricht. Und obwohl Cionek im brasilianischen Curitiba, übrigens auch die Heimatstadt von Paolo Rink,  das Licht der Welt erblickte, ist die brasilianische Ballfertigkeit beim ihm überschaubar. Seit seinem Wechsel zum polnischen Erstligisten Jagiellonia Bialystok im Jahr 2008 kennen ihn die polnischen Fans vor allem als einen mittelmäßigen Verteidiger. Dass der Nachfahre polnischer Auswanderer seit dem Testspiel gegen Deutschland im Mai vergangenen Jahres von Nationaltrainer Adam Nawalka trotzdem regelmäßig berufen wird, versteht man an der Weichsel deshalb nicht.

Doch Cionek, der seit 2012 in der italienischen Serie B spielt, hat nicht nur mit Nawalka einen Fürsprecher, sondern auch mit dem Verbandspräsidenten Zbigniew Boniek. Nicht verwunderlich. Dieser war vor seiner Wahl zum PZPN-Präsidenten 2012 im Fußballgeschäft tätig und hat 2008 den Transfer des heute 28-Jährigen nach Polen mitvermittelt.