Wie Magdeburgs Niklas Brandt nach einer Herz-OP zurückkam

Herzensangelegenheit

Nominierung zum Tor des Monats, Herz-OP, Treffer beim Comeback – Magdeburgs Niklas Brandt erlebte in neun Monaten mehr als so mancher Fußballprofi in seiner gesamten Karriere.

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Es ist ein Schuss, für den das Wort »Strahl« erfunden wurde. Perfekt mit dem Vollspann trifft Niklas Brandt den Ball in der 111. Minute des DFB-Pokalspiels zwischen dem 1. FC Magdeburg und Bayer Leverkusen Ende Oktober 2014. Genau im linken oberen Eck von Bernd Lenos Kasten schlägt der Ball ein, 2:1 steht es plötzlich für den früheren Europapokalsieger und damaligen Regionalligisten gegen den Champions-League-Teilnehmer. Zwar schafft die Werkself noch den Ausgleich und gewinnt schließlich das Elfmeterschießen auf dramatische Weise – aber Brandts Traumtreffer kommt eine besondere Ehre zuteil: die Nominierung zum Tor des Monats der »Sportschau«.

Gut acht Monate später liegt der defensive Mittelfeldspieler auf einer Liege im Herzzentrum Leipzig, Röhrchen hängen aus seinem Körper heraus. Brandts Herz muss operiert werden, denn bei dem gebürtigen Berliner wurden Rhythmusstörungen festgestellt. Schon früher habe er immer mal wieder Herzrasen gehabt, erzählt Brandt. Doch in der Vorbereitung zu dieser Saison wird es für ihn unerträglich, beim Laktattest wäre er beinahe umgekippt.

»Leistungssport ist so auf Dauer zu gefährlich«

Der 23-Jährige wird in die Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg eingeliefert, wo ein angeborener Herzfehler diagnostiziert wird. »Für einen normalen Menschen wäre der kein großes Problem gewesen«, sagt Brandt. »Aber Leistungssport ist so auf Dauer zu gefährlich.« So bleiben ihm zwei Möglichkeiten: die Profikarriere beenden oder eine Herz-Operation wagen.

Brandt entscheidet sich für die riskante Variante. Nur örtlich betäubt kann er dabei zusehen, wie ihm Katheter in die Leisten geschoben werden, um eine sogenannte Ablation durchzuführen: das unregelmäßig schlagende Herz wird wieder in seinen Takt gebracht, indem Erregungsherde mit Hochfrequenzstrom verödet werden. Auch wenn das Leipziger Herzzentrum auf solche Operationen spezialisiert ist, ein wenig mulmig sei ihm vorher schon gewesen, gesteht Brandt in seinem ihm typischen Understatement. »Klar musste ich vorher auch an die Fälle von Fußballern denken, die auf dem Platz umfielen und nicht wieder aufstanden«, sagt er.

Defibrillator am Feldrand

2003 der Kameruner Marc-Vivien Foé beim Confederations Cup, ein Jahr später Ungarns Miklós Fehér in einem portugiesischen Ligaspiel, schließlich 2007 Antonio Puerta vom FC Sevilla – zwischendurch schienen sich die Herzinfarkte bei Fußballprofis auf bedenkliche Art zu häufen. Dazu kommen Fälle wie die des früheren Schalkers Gerald Asamoah, bei dem Ende der Neunziger eine Verdickung der Herzscheidewand festgestellt wurde, und bei dessen Spielen fortan immer ein Defibrillator am Feldrand stehen musste.

Oder der Fall des bei den Stuttgarter Kickers aktiven Daniel Engelbrecht, bei dem vor knapp zwei Jahren sogar ein solcher Defibrillator in den Brustkorb eingesetzt wurde. Wahrscheinlich haben diese Vorsichtsmaßnahmen dazu beigetragen, dass es in den letzten Jahren zu keinen tödlichen Herzunfällen in den höchstklassigen europäischen Fußballligen mehr kam.