Wie ist die Stimmung auf Schalke, Leon Goretzka?

»Wir hatten die Fans verloren«

Nach Verletzungspech will Leon Goretzka dieses Jahr auf Schalke durchstarten. Dabei helfen ihm Spaßvögel im Team und ein Trainer, der ganz anders ist als sein Vorgänger.

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Leon Goretzka, Sie sind 2013 als 18-jähriger Schüler von Bochum zu Schalke gewechselt. Horst Heldt sagte damals, Sie müssten erst einmal verstehen, was es »bedeutet, für einen großen Verein wie Schalke zu spielen«. Können Sie uns zwei Jahre später erklären, was es bedeutet?
Horst Heldt hatte damals schon Recht. Von der fußballerischen Umstellung auf die erste Liga mal ganz abgesehen, war mir schnell klar, dass Schalke etwas Besonderes ist. Hier fährt man morgens um neun mit dem Auto zum Training und kommt kaum auf den Parkplatz, weil schon so viele Fans warten, die das Training beobachten wollen. Und wenn man um 15 Uhr wieder nach Hause fährt, stehen sie immer noch da. Das ist schon eine andere Dimension.

Gab es einen bestimmten Moment, als Sie dachten: »Wow, hier gehen die Uhren anders«?
Mir wurde schnell bewusst, dass zum Beispiel die Medien hier ein viel intensiveres Interesse an einem haben. Man liest jeden Tag etwas über sich in der Zeitung. Als es die ersten drei Monate für mich nicht so rund lief, wurde in den Medien sofort an mir gezweifelt. Da wusste ich, dass auf Schalke ein anderer Wind weht. Aber daran habe ich mich schnell gewöhnt.

Haben Sie eine Strategie zum Abschalten, wenn Ihnen der Schalker Trubel zu viel wird?
Nein. Ich bin auch keiner, der im Park spazieren geht, um runterzukommen oder so. Man muss einfach einzuschätzen lernen, wie Schalke funktioniert. Hier geht es sehr schnell sehr emotional in beide Richtungen, auch in den Medien. Das darf man nicht zu sehr an sich heranlassen.

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Kaum ein Verein hat derart viele Talente in seinen Reihen. Ist das Schalker Grundrauschen nicht ein Nachteil für junge Spieler?
Das glaube ich nicht. Außerdem gibt es hier immer genügend andere Themen, die einem als junger Spieler die Last von den Schultern nehmen. Hier ist immer was los, deshalb steht in der Regel jemand anders gerade im Fokus, und man selber kann sich in Ruhe entwickeln.

Dann müssten Sie sich im vergangenen Jahr ja über die Querelen um Boateng, Sam und Co. gefreut haben.
Ich war vergangenes Jahr lange verletzt und kam erst spät aus der Reha zur Mannschaft. Wenn man direkt aus der Verletzung kommt und erstmal einfach nur wieder Fußball spielen will, hat man in der Zeitung eh nichts verloren..

Viele Ihrer Mitspieler sind im gleichen Alter, ist das in Sachen Teamgeist vielleicht auch ein Vorteil für Schalke?
Ich glaube schon. Ich habe mal irgendwo gelesen: »Der Einfluss von Teamwork auf den Erfolg ist wesentlich geringer als der Einfluss von Erfolg auf Teamwork.« Und ich glaube auch, dass das so ist. Wir sind im Pokal gut gestartet, wenn wir jetzt in der Liga nachlegen, kann da sicherlich eine Dynamik entstehen. Vor allem, weil die jungen Spieler empfänglich dafür sind, so eine Euphorie anzunehmen und zu verbreiten.

Der Verein kauft auch gerne mal teuer ein, trotz der Vielzahl an Talenten.
Die Schalker Jugendarbeit ist deutschlandweit die beste, nirgendwo gibt es so eine Durchlässigkeit wie hier. Wir hatten letzte Saison teilweise sechs, sieben Spieler aus der eigenen Jugend in der Startelf. Aber es gibt nunmal hohe Ansprüche auf Schalke, und denen kann man eben auch nur mit dem ein oder anderen gestandenen Top-Spieler gerecht werden. Und die kosten Geld. Wichtig ist, dass man eine gute Mischung findet und den Talenten aus der eigenen Jugend nicht den Weg verbaut.

Sind Ihre Mitspieler auch Ihre Kumpels?
Max Meyer kenne ich schon mein ganzes Leben, wir haben bereits in der F-Jugend gegeneinander gespielt. Da ist über die Jahre eine richtig gute Freundschaft entstanden. Aber auch insgesamt ist die Stimmung viel positiver als letztes Jahr. Und dann hat man natürlich auch Bock, die Jungs auch abseits des Platzes zu treffen.

Und dann reden Sie über Fußball?
Max redet gerne über Fußball, ich eher nicht so. Ich habe ja eh schon den ganzen Tag mit Fußball zu tun, da muss ich nicht auch noch abends darüber reden. Ich bin dann also eher der Zuhörer (lacht).