Wie Lionel Messi zum Teamplayer wurde

Alles für die Mannschaft

Früher galt die Losung: Alle für Messi. Bei der Copa America spielt Messi für alle – und ist so stark wie nie zuvor im Nationaltrikot.

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Dass Lionel Messi der beste Fußballer einer ganzen Spielergeneration oder womöglich sogar der beste Fußballer aller Zeiten ist, daran bestehen wenig Zweifel. Beim kleinen »Floh« vom FC Barcelona warten die Fans nicht mehr auf grandiose Auftritte. Es überwiegt die Sicherheit, dass ein Feuerwerk abbrennt.

Als nach dem Abgang Pep Guardiolas im Jahr 2012 für Barcelona wie auch für den immer wieder von Verletzungen geplagten Messi eine Durststrecke begann, dachten viele bereits an das Ende einer Ära. Aber der katalanische Klub und sein Superstar kämpften sich in den letzten zwölf Monaten zurück. Der dritte Champions-League-Titel beförderte Messi endgültig in den Fußball-Olymp. Ein Platz neben seinen Landsmännern Maradona und Di Stéfano ist ihm sicher.

Lustlos im Nationaltrikot

Neider können mit dem Finger einzig und allein auf seine doch eher durchwachsene Nationalmannschaftskarriere zeigen. In Diensten Argentiniens wirkte Messi immer wieder menschlich. Vielleicht war das weiß-himmelblaue Trikot jahrelang der Kryptonit, der die Fähigkeiten dieses Jahrhundertfußballers auf ein Normalmaß reduzierte. Oder es war schlichtweg die Lustlosigkeit, wie man ihm oftmals vorwarf.

Bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr wurde dies einmal mehr deutlich. Messi trabte meist über den Platz, beteiligte sich nicht an Pressing und Defensivarbeit. Er war der Autist in Argentiniens Angriff, so sah es zumindest von außen aus. Tatsächlich blieb er für die Albiceleste trotzdem überlebenswichtig. Seine fünf Scorerpunkte ebneten unter anderem den Weg in Richtung Finale. Dass Messi trotzdem mit sich und allem anderen nicht zufrieden war, lag wahrscheinlich auch am damaligen Nationaltrainer Alejandro Sabella. Beide fanden nicht zueinander, waren grundsätzlich uneins in taktischen Fragen.

Messis Vertrauter

Ganz anders verhält es sich nun mit Argentiniens neuem Trainer Gerardo »Tata« Martino. Er stammt genauso wie Messi aus Rosario und sein einjähriges Engagement beim FC Barcelona in der vorletzten Saison verdankte er zu einem großen Teil Messi. Für Tata würde Messi so gut wie alles tun. Und so sehen wir bei der Copa América in diesen Tagen einen ganz anderen Superstar, der bis jetzt noch kein einziges Tor aus dem Spiel heraus erzielt hat.

Messi führte sein Team trotzdem bis ins Finale. Er tat dies nur mehr als Vorbereiter. »Er braucht nicht zu treffen, um glücklich zu sein. Er ist nicht besorgt wegen dem Mangel an eigenen Treffern«, versichert Martino. So wackelig wie seine Verteidigung hin und wieder wirkt, kann er sich wenigstens auf großartige Individualisten im Angriff verlassen – allen voran auf einen.