Was haben die Absteiger falsch gemacht?

Am Ende trifft es die Pissvereine

Die Kleinen müssen runter, die Großen bleiben. Warum ist das so? Fünf Gründe, warum Paderborn und Freiburg absteigen mussten – und der HSV in der Relegation landete.

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1. Den Absteigern fehlt die individuelle Klasse – zumindest in Teilen
Aus taktischer Sicht war der Abstiegskampf nicht sehr vielfältig. Ab einem gewissen Punkt setzten praktisch alle Teams auf eine 4-4-1-1-Defensive. Also auf Kompaktheit und auf schnelle Attacken über die Flügel. Teilweise deckungsgleich waren die Strategien der bedrohten Klubs, wenn es darum ging, gegen einen Favoriten aus dem oberen Tabellendrittel ein paar Pünktchen zu ergattern. Freiburg und Paderborn hatten das Problem, dass sie im Duell ähnlicher Spielphilosophien die schlechtesten Ausgangsvoraussetzungen hatten. Ihr Problem war nicht in erster Linie, dass ihre Kader schlechter besetzt waren als die der betuchten Klubs aus Hamburg, Hannover oder Stuttgart. Vielmehr war das vorhandene Talent innerhalb ihres eigenen Kaders ungleich verteilt.

Paderborn überzeugte über weite Teile der Saison mit einem defensivstarken Zentrum, konnte das aber nie mit temporeichen und variablen Außenverteidigern und -stürmern verknüpfen. Freiburg hat wiederum in Mehmedi und Schmid zwei enorm talentierte Flügelflitzer, ihnen fehlte jedoch oft der Spielgestalter im Zentrum, auch weil Kapitän Julian Schuster lange Zeit ausfiel. Letzten Endes konnten sich so auf den letztem Metern die teuren und breiter besetzten Kader durchsetzen, in denen sich immer noch eine Alternative auf jeder Position fand.

2. Haste Scheisse am Fuß, biste Freiburg
Wer zuletzt die U17-EM in Bulgarien verfolgt hat, weiß, dass in dieser Altersklasse 80 statt 90 Minuten gespielt werden. Der frühere Jugendcoach Christian Streich hätte sich solch eine Regelung sicherlich auch für seine Mannschaft gewünscht. Denn wenn in der Bundesliga ebenfalls nach 80 Minuten Schluss wäre, hätte der SC Freiburg 42 Punkte auf dem Konto und wäre damit fast schon ein Kandidat für die Europa League.

Nun weiß jeder Fan, dass das Wörtchen »wenn« im Fußball ähnlich hilfreich ist wie ein Playboy-Heftchen für einen Blinden. Doch diese Statistik beweist, wie eng es beim Freiburger Abstieg eigentlich zuging. Praktisch nie ließen sich die Freiburger von ihren Gegnern abschießen, es war stets spannend bis in die Schlussminuten – bis der Gegner den entscheidenden Treffer erzielte. Nicht umsonst hatte Freiburg von allen Abstiegskandidaten das beste Torverhältnis.  Angesichts der Freiburger Abschlussschwäche und Slapstick-Gegentoren in Serie fühlt sich der Freiburger Abstieg daher unfair, fast schon falsch an. Wahr ist aber auch: Christian Streichs hochintensiver Spielstil brachte die Mannschaft oft an ihre körperlichen Grenzen – und manchmal ging sie darüber hinaus. Vielleicht fehlte deswegen in so mancher Schlussphase das letzte Quäntchen Konzentration - und Glück.

3. Paderborn wird für fehlenden Mut bestraft
Dank des Paderborner Abstiegs dürfen sich zahlreiche Tippspieler über Bonuspunkte freuen. Wer hatte nicht vor der Saison darauf gewettet, dass der Underdog direkt wieder die Erste Liga verlässt? Zeitweise sah es aber so aus, als würde Paderborn alle überraschen. Gerade in der Hinrunde spielte Paderborn ansehnlichen Fußball und überzeugte mit ständigen Systemwechseln und häufigen Anpassungen innerhalb eines Spiels. Andre Breitenreiter wanderte in puncto Flexibilität zeitweilig auf den Spuren von Thomas Tuchel und Pep Guardiola.

Als Paderborn im Verlauf der Rückrunde immer weiter in der Tabelle abrutschte, verloren die Verantwortlichen jedoch zunehmend den Mut. Zuletzt beugte sich Paderborn dem Diktat des Abstiegskampfes und setzte auf ein kompaktes Zwei-Stürmer-System mit zahlreichen Flanken und Flügelattacken. Die Positionen wurden immer konservativer besetzt, der Spielstil dadurch deutlich unflexibler. Gegen Stuttgart half das am Ende nicht. Es ist schwer zu sagen, ob die konservativere taktische Ausrichtung in der Rückrunde eine Mitschuld am Abstieg trägt. Klar ist jedoch, geholfen hat Breitenreiters Mannschaft zumindest nicht.