Der Fußball, mein Leben und ich: Bernd Franke

»Mit Breitner wären wir fast abgestiegen«

In Braunschweig ein Held, bei der Nationalelf der ewige Mann auf der Bank. Keeper Bernd Franke über Trainer Zebec, Abwürfe wie Neuer und Pokerrunden bei der WM 1982.

Volker Schrank

Bernd Franke, wollten Sie schon immer Torhüter werden?
Aber nein. Ich war anfangs Auswahlspieler im Feld und bin erst mit 17 Jahren ins Tor gegangen. Der spätere Bundestrainer Jupp Derwall war damals bei uns im Saarland Verbandstrainer, unter ihm habe ich noch linker Verteidiger oder auch mal vorne im Sturm gespielt.

Hat er Sie ins Tor geschickt?
Nein, es hat sich so ergeben.

Das klingt selbst für damalige Verhältnisse ungewöhnlich.
Ich konnte halt überall spielen. Ich war kopfballstark, schnell und hatte ziemlich viel Power.

Im Zeitalter der Fußballinternate und der Spezialisierung ist das kaum noch vorstellbar.
Es ist ja nicht das Einzige, was sich geändert hat. Zum Beispiel hatten wir Profis bis in die siebziger Jahre hinein noch Halbtagsjobs, selbst einer wie Franz Beckenbauer. Erst danach wurde zweimal am Tag trainiert.

Was war Ihr Halbtagsjob?
Ich habe bei Hertie in der Sportartikelabteilung gearbeitet.

Dann wussten die Leute gleich, wo sie sich beschweren konnten, wenn Sie am Wochenende eine Gurke reingelassen hatten.
Da musste man durch. Die Kritik war damals aber insgesamt nicht so heftig wie heute.

Hatten Sie als junger Keeper ein Vorbild?
Sogar gleich zwei: Fritz Herkenrath und Hans Tilkowski. Deren Spielweise hat mir gefallen, besonders die langen Abwürfe. Das habe ich dann selber auch praktiziert: lange Abwürfe über die Mittellinie, direkt in den Fuß des Stürmers. Ein bisschen so, wie es heute Manuel Neuer macht. Mir kam zugute, dass ich früher auch Leichtathlet war. Ich konnte den Speer 54 Meter weit werfen und war recht muskulös. Also, schon anders muskulös als der Wiese.

Tim Wiese.
Genau.

Sind Muskelmassen, wie er sie auch vor seinen Wrestling-Ambitionen schon hatte, nicht kontraproduktiv fürs Torwartspiel?
Das war sein Problem. Er wurde ja besser, als er die Muskulatur abgebaut hat. Vorher war er das Produkt typischen Gerry-Ehrmann-Trainings: ausschließlich Masse. Natürlich braucht man Muskeln, aber schnelle Muskeln, keine Pakete.

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