Startup oder Cottbus?

Energie 2000

»Done is better than perfect.« Cottbus' Aufstieg anno 2000 ist eines der letzten großen Rätsel der Bundesligageschichte. Auch 15 Jahre später ist eine Frage ungeklärt: Holte sich das Silicon Valley seine Inspiration in der Lausitz? Eine Spurensuche.

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In der Saison 2000/01 spielte der FC Energie Cottbus – für viele unerklärlich – plötzlich erstklassig. Von Anfang an war klar, dass keine Wunder zu erwarten waren. Improvisation und out-of-the-box-Denken waren gefordert, um mit minimalem Etat die Klasse zu halten. Cottbus, dritter Aufsteiger, wollte mehr sein als originelles Groundhopper-Ziel, das Neugierige anlockt. Für fast alle Experten stand das Team aus Brandenburg früh als Absteiger Nummer eins fest. Aber sie machten die Rechnung ohne das Silicon-Valley-Denken der Protagonisten.

»I want to do one thing, and do it well.«
Jan Koum von »Whatsapp« – oder Energie-Präsident Dieter Krein?

War die Liga bereit für den Neuling? Nicht wirklich. Moment, eher so: Um Himmels Willen, nein. Zwar hatte man in den Jahren zuvor schon Neulinge wie Wolfsburg, Unterhaching und Ulm begrüßt, die nicht zum traditionellen Stamm der ersten Liga gehörten. Kleine Märkte, Erstaufsteiger, Unbekannte. Man war also zu Teilen schon daran gewöhnt, dass aufmüpfige Teams aus nicht-traditionellen Erstliga-Märkten in die erste Liga drängten. Aber Energie Cottbus? Vom Rand der Republik? Kein 1.FC, kein VfL, kein Spielvereinigung im Namen, stattdessen das retro-ulkige Energie? Ein Team, das im »Stadion der Freundschaft« spielt?

Das war alles sehr, sehr fremd, und als es zum Ende der Saison 99/00 tatsächlich so aussah, als sollte der FC Energie als Zweitliga-Dritter mit hoch in die erste Fußball-Bundesliga rutschen, war das Wort »Sensation« in jedem Bericht zu finden. Das hatte viel mit der Pikiertheit einer Liga zu tun, in der viele lieber die Bundesliga-Urgesteine Nürnberg und Mönchengladbach hätten aufsteigen sehen als den scheinbar unerforschten Markt an der Grenze zu Polen. Präsident Dieter Krein kümmerte das nicht. Er forderte nur eine Sache: Aufsteigen. Und drin bleiben. Alles andere zählte nicht. Und das war schon schwierig genug.


»Move Fast and Break Things.«
Mark Zuckerberg – oder Bruno Akrapovic?

Der Star der Energie-Mannschaft von 2000/01 war Bruno Akrapovic. Als einziger Name, den man kannte, war er für Reporter der Rettungsanker, ein Mann, der auch in Interviews nicht verkehrt war. Vor der Saison hatte Klaus Stabach seinen Mini-Geldkoffer geöffnet und Bruno von Tennis Borussia Berlin geholt. Da stand der Mittelfeldspieler aber auch schon kurz vor seinem 33. Geburtstag, und Stabach muss sich bewusst gewesen sein, dass er nicht mehr viele Kilometer aus dem altgedienten Haudegen herausleiern würde. Aber für die eine Saison würde es noch reichen. Der knorrige Akrapovic war in einem Haufen knorriger Typen der knorrige König, hatte die meisten Einsätze im Mittelfeld, holte sich mit seiner robusten Spielweise ein paar Mal Gelb und erfüllte die Rolle, die man von einem Anführer erwartet.