Arvid Schenk über sein Albtraum-Debüt

»Es ist masochistisch«

Ende Januar meldete eine Nachrichtenagentur, Arvid Schenk hätte das »schlechteste Debüt aller Zeiten« gespielt. Der deutsche Torhüter hatte mit dem FC Dundee 2:6 im Derby gegen United verloren. Wurde ihm Unrecht getan? Eine Meldung und ihre Geschichte.

imago

Arvid Schenk, Ihren Einsatz für den FC Dundee bei der 2:6-Derbyniederlage gegen United bezeichnete eine Nachrichtenagentur als »schlechtestes Debüt aller Zeiten«. Wurde Ihnen Unrecht getan?
Ganz ehrlich: Mich hat die Kritik nicht wirklich beschäftigt. Ich glaube, wenn man in so einem Spiel als Torhüter sein Debüt gibt, wird man ganz schnell zur Zielscheibe.

Dennoch: Fällt es nicht schwer, so eine ultimative Formulierung auszublenden?
Normalerweise vielleicht. Allerdings tauchte die Headline »Schlechtestes Debüt aller Zeiten« seltsamerweise erst einen Monat nach dem Spiel auf. Da habe das nicht mehr so nahe an mich herangelassen.

Was ging Ihnen denn direkt nach dem Spiel durch den Kopf?
Ich war am Boden zerstört und dachte mir: »Fuck!« Es war furchtbar für mich. Meine Verlobte war im Stadion. Es war mein erstes Spiel vor so einer großen Kulisse (das Spiel fand am 1. Januar 2015 vor 12.964 Zuschauer statt, d. Red.). Natürlich ist man nach so einer Niederlage erst einmal extrem von sich selber enttäuscht, weil man es sich ganz anders vorgestellt hat.

Wie ging es dann weiter?
Der restliche Tag war für mich komplett gegessen, und in den nächsten drei Tagen war ich mental angeschlagen. Beim nächsten Spiel, in dem ich für die zweite Mannschaft auflief, war das aber auch schon wieder vergessen.

Sie haben sich trotz sechs Gegentreffern keinen groben Patzer erlaubt. Wie haben Sie Ihre eigene Leistung nach dem Spiel bewertet?
Ich würde nicht sagen, dass ich gut gespielt habe. Wenn man sechs Dinger bekommt, kann man das als Keeper schlichtweg nicht behaupten. Ich habe aber zumindest das Team noch vor Schlimmeren bewahrt. Deshalb konnte ich nach dem Spiel mit ganz reinem Gewissen nach Hause gehen. Natürlich ist man angefressen, wenn man verliert – egal wie hoch und wie. Die wichtigste Meinung ist aber die vom Trainer, und die war zufriedenstellend.

Was hat er gesagt?
In Schottland macht der Trainer direkt nach dem Spiel keine Ansprache. Ich bin also zuerst einmal nach Hause gegangen und habe das Spiel auf dem Weg mit zwei meiner Mannschaftskollegen analysiert. Sie haben mir gut zugeredet. Am nächsten Tag sagte der Trainer: »Es war verdammt unfair, dass du in so einem Spiel dein Debüt geben musstest, weil die Mannschaft vor allem in der Defensive eine katastrophale Leistung gezeigt hat.«

Waren Sie nervös?
Vor dem Spiel war ich ein wenig angespannt, durch meine Zeit beim FC St. Pauli wusste ich ja, welche Wertigkeit ein Derby bei den Fans hat. Aber als es dann losging, war ich in einem Tunnel: total fokussiert. Ich hätte in der nächsten Partie auch sehr gerne gespielt. Es war allerdings so, dass unsere Nummer eins wieder fit war, und ich ja nur die Nummer drei war.

Haben Sie sich das Spiel denn noch mal angesehen?
Mehrfach. Ich hatte sogar ein paar Paraden, die in den Zusammenfassungen gar nicht vorkommen, weil so viele Tore fielen. Ich weiß, dass es auf keinen Fall an mir lag. In der heutigen Zeit muss man sich als Sportler solche Berichterstattung aber auch gefallen lassen. Ich habe es mittlerweile runtergeschluckt und mir gedacht: »Es geht weiter.«