Ein Deutscher für Irland

»Union-Fans sind wie Iren«

Holstein Kiels Patrick Kohlmann absolvierte einst fünf Spiele für die irische U21. Für die A-Nationalelf hat es allerdings nie gereicht. Warum eigentlich nicht?

imago

Patrick Kohlmann, ist Roy Keane wirklich so böse, wie man denkt?
Wenn wir mit den Jugendnationalmannschaften in denselben Hotels wie die A-Mannschaft waren, habe ich ihn immer nur sehr freundlich erlebt. Allerdings war er zu der Zeit auch schon etwas ruhiger. Und davor durfte er sich auch viele Dinge erlauben – er hat ja eine Menge für den irischen Fußball geleistet.

Wie kam es dazu, dass Sie zwischen 2003 und 2004 für Irland spielten?
Meine Familie mütterlicherseits stammt aus Irland. Und da Irland recht klein ist, bemüht sich der Verband sehr darum, irische Spieler aus dem europäischen Ausland für die Nationalmannschaften zu gewinnen. Letztendlich kam der Kontakt über meinen irischen Onkel zustande. Ich war über diese Chance sehr dankbar und wollte sie unbedingt wahrnehmen.

Fühlen Sie sich denn irisch?
Das Deutsche in mir überwiegt natürlich, vor allem die Ruhrpott-Mentalität – ich bin in Dortmund aufgewachsen und habe lange für den BVB gespielt. Durch den Fußball bin ich aber mehr in die irische Kultur hineingewachsen. Ich konnte das Lebensgefühl besser nachvollziehen und habe mich bei den Reisen mit den Jugendnationalmannschaften stets sehr wohl gefühlt.

Wieso hat es nie für die A-Nationalmannschaft gereicht?
Als ich für die U21 zu alt war, brach der Kontakt ab. Ich hoffte natürlich durch Unions Zweitligaaufstieg noch mal bei den Trainern ins Gespräch zu kommen, aber ich habe nichts mehr von ihnen gehört.

Haben Sie mal über einen Wechsel auf die Insel nachgedacht?
Es gab mal eine Anfrage aus Irland. Zu dem Zeitpunkt wäre ein Wechsel aber ein Rückschritt gewesen, da die irische Liga nicht sonderlich professionell ist. Es gibt vielleicht zwei, drei professionell geführte Teams, der Rest der Mannschaften hat eher einen Hobbycharakter. England und Schottland wären da schon interessanter gewesen.

Stattdessen haben Sie bei Union Berlin gespielt, ein Verein mit einer speziellen Fankultur. Was verbinden Sie mit den irischen Fans?
Die sind eine Klasse für sich. Ich erinnere mich gerne an das Spiel bei der EM 2012 gegen Spanien, als der deutsche Kommentator den irischen Fans für die letzten Minuten das Wort überließ. Irland verlor damals mit 0:4, die Fans feierten trotzdem, als wären sie gerade Weltmeister geworden. Diese positive und friedliche Grundeinstellung ist wohl einmalig. Obwohl, die Union-Anhänger sind ein bisschen wie die irischen Fans.

Werden wir die irischen Fans bei der EM 2016 feiern sehen?
Da sich der Dritte der Gruppe auch noch qualifizieren kann, habe ich eigentlich ein gutes Gefühl. Die Deutschen werden sich trotz der Niederlage gegen Polen den ersten Platz nicht nehmen lassen, aber alle anderen Gegner sind schlagbar – vor allem zu Hause.

Wem drücken Sie morgen die Daumen?
Ganz klar den Iren. Wie gesagt: Um Deutschland mache ich mir keine großen Sorgen, Irland könnte die drei Punkte sehr gut gebrauchen.