Holger Stanislawski und sein Supermarkt

Eier, wir brauchen Eier!

Seit neuestem leitet Holger Stanislawski einen Supermarkt in Hamburg und geht wie immer aufs Ganze. Der bekennende Enthusiast kümmert sich jetzt um Hühnereier und genießt die Freuden der Fleischtheke. Doch keine Sorge: Das Ende seiner Karriere im Fußball ist das nicht.

Benne Ochs
Heft: #
155

Selbst hier kann man sich sofort vorstellen, bei ihm in der Kabine zu sitzen und nervös mit den Stollen auf dem Boden herumzuklackern. Weil man endlich raus und den Gegner vom Platz fegen will, wenn Holger Stanislawski gesprochen hat. Dabei ist von einem Fußballplatz im Besprechungsraum seines Supermarkts weit und breit nichts zu sehen. Aber Stanislawski ist eben Enthusiast, ob es um Fußball geht oder um Hühnereier.

Neulich etwa ist er zu dem Hühnerhof gefahren, der seinen Supermarkt mit Eiern beliefert. Nun erzählt er begeistert, wie großartig es für ihn war, dass auf einer riesigen Freifläche plötzlich viertausend Hühner auf ihn zukamen und an seinen Schuhen pickten. »Dabei gab es um mich herum so ein ganz besonderes Geräusch, wie ich das noch nie gehört habe«, sagt Stanislawski und hält ehrfürchtig einen Moment inne.

Umsatz wie ein großer Zweitligist

Nein, dieser Mann macht nichts nur irgendwie. Oder wie er selber sagt: »Wofür ich mich auch entscheide, ob hier für den Laden, als Trainer oder im Management eines Klubs zu arbeiten, dafür brenne ich lichterloh.« Derzeit lodert Stani in seinem Supermarkt. Wer sich beim Stichwort Supermarkt allerdings kichernd fragen sollte, ob Supermärkte für Leute aus dem Fußball inzwischen das sind, was früher mal Lotto-Toto-Annahmestellen waren, darf kurz die Luft anhalten. »Das ist kein Bauchladen«, sagt Stanislawski.

Um es vorsichtig zu formulieren, denn sein Supermarkt hat eine Fläche von 6200 Quadratmetern, dazu kommen noch 1000 Quadratmeter Lager, was insgesamt ungefähr der Größe eines Fußballfelds entspricht. 100 Angestellte hat der Laden, die sich um 25 000 Kunden in der Woche kümmern. Und wem das zur richtigen Einschätzung immer noch nicht reicht: Der Laden macht mit 27,5 Millionen Euro im Jahr ungefähr so viel Umsatz wie ein größerer Zweitligist.

»Ich bin ja immer etwas schräg und interessiert an vielen Dingen«, sagt Stanislawski. Wobei er diesem Interesse nicht allein nachgeht. Dabei ist neben dem ehemaligen HSV-Profi Alexander Laas noch ein Freund, der über Jahrzehnte Erfahrung im Geschäft verfügt und die ganze Sache eingefädelt hat. Außerdem gehört REWE weiterhin ein Fünftel des Marktes im wohlhabenden Winterhude.

»Wir wollen mit dem Gebäude spielen«

Stanislawski ist kein stiller, sondern ein sehr umtriebiger Teilhaber und derzeit fast dauernd vor Ort. »Ich eigne mir täglich neue Dinge an und bekomme immer mehr Fachwissen.« Schließlich soll nicht nur der Status quo verwaltet werden, sondern der Markt im alten Straßenbahndepot von 1927 demnächst noch einmal komplett umgebaut werden. »Wir wollen ein Stück weit mit dem Gebäude spielen.« Das Angebot soll überdies noch hochwertiger werden, weshalb sich Stanislawski nicht nur auf Hühnerhöfen herumtreibt, sondern auch auf der Suche nach dem besten Fleisch ist. Wie immer an allen Details interessiert, kümmert er sich darum, dass die Rinder oder Schweine nicht aus der Billigschlachtung kommen.