Der Fußball, mein Leben und ich: Carsten Jancker

»Nie wieder eine andere Frisur«

Carsten Jancker wird heute 44 Jahre alt. Wir sprachen einst mit ihm über die Ära Rudi Völler, die Meisterschaft in letzter Sekunde von 2001 und seinen Jubel oben ohne.

Carsten Jancker, als Profi wirkten Sie immer ein bisschen unnahbar. War das Absicht?
Das war keine bewusste Entscheidung, sondern ist einfach meine Art. Ich denke, zuerst wahre ich gerne eine gewisse Distanz.

Liegt das an Ihrer Herkunft, Mecklenburg-Vorpommern?
Es wird uns Norddeutschen jedenfalls nachgesagt.


Sie sind ein Kind der DDR, haben Ihr erstes Bundesligaspiel in Köln gemacht, doch der Durchbruch gelang Ihnen bei Rapid Wien. Dabei sah es zunächst gar nicht danach aus. 
Ich hatte einen Oberkieferbruch und konnte lange nicht spielen, und wenn ich eingewechselt wurde, habe ich viele Chancen vergeben. Doch im Laufe der Saison 1995/96 wurde es immer besser. Am Ende wurden wir Meister und kamen ins Endspiel des Europapokals der Pokalsieger.


Was einer österreichischen Mannschaft nicht alle Tage passiert.
Wir hatten gute Einzelspieler, einen gewissen Lauf und ein gutes Klima im Team. Und wir waren zu Hause eine Macht.

Wie sind Sie als nüchterner Mecklenburger mit den Wienern klargekommen?
Was mich betrifft: Ich habe mich in eine Wienerin verliebt und mich von Anfang an wohl gefühlt.

Wer war die Wienerin?
Sie war die Sekretärin vom Rapid-Manager Werner Kuhn. Aber wir haben erst mal eine Zeitlang versucht, das geheim zu halten.

Wie lange?
Vier oder fünf Monate. Man weiß ja am Anfang nicht, was daraus wird. Und wenn alle gleich Bescheid wissen, ist das insbesondere für die Frau nicht so angenehm. Zumal, wenn sie sich in einem Männerumfeld bewegt.

Wie sind Sie schließlich aufgeflogen?
Wir haben die Leute zu unserer Hochzeit eingeladen.

Rapid Wien hat damals das Endspiel mit 0:1 gegen Paris St. Germain verloren. War die Enttäuschung groß, oder waren Sie froh, überhaupt so weit gekommen zu sein?
Natürlich waren wir sehr enttäuscht. Es mag aber sein, dass wir nicht die richtige Einstellung zu diesem Finale fanden, weil wir zu viel daran dachten, was wir bereits erreicht hatten.