Zehn Europapokal-Sensationen

»Ich raff's nicht!«

Zugegeben: Bayern braucht gegen den FC Barcelona nicht weniger als ein kleines Wunder. Aber Kopf hoch! Köln, Jena oder Kaiserslautern haben's auch geschafft.

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Europapokal der Pokalsieger 1980/1981, 1. Runde
FC Carl Zeiss Jena - AS Rom 4:0 (Hinspiel: 0:3)

»Das Furioso der Zeiss-Elf wird der Roma und ihren Tifosi sicherlich noch lange in den Ohren klingen - und schmerzen...«, kommentierte die »Die Neue Fußballwoche« den 4:0-Sieg gegen den italienischen Spitzenreiter. Jena hatte in der 71 Minute die 0:3-Hinspiel-Pleite  egalisiert. Erst sorgte der eine Minute zuvor eingewechselte Andreas Bielau für das 3:0 für die Elf von Hans Meyer. Dann machte Bierlau 15 Minuten später die Sensation perfekt. Sein 4:0 markierte den Endstand, den 16.000 Zuschauer ekstatisch feierten. In erhabenem Vorstands-Deutsch sprach DFV-Präsident Günter Schneider von »erstklassig offeriertem Fußball«. In Zahlen heißt das: 27:3 Torschüsse, 19:2 Eckbälle, 13:1 Chancen.

UEFA Pokal 1980/1981, 2. Runde
FC Barcelona - 1. FC Köln 0:4 (Hinspiel: 1:0)

Zunächst lief für das katalanische Starensemble um Hans Krankl alles nach Plan – im Müngersdorfer Stadion gewann der FC Barcelona mit 1:0, und ein Sieg im Camp Nou schien nur noch Formsache. Zumal der FC in jenen Herbsttagen 1980 nicht gerade gut in Form war. Im DFB-Pokal war das Team beim SC Freiburg ausgeschieden, in der Liga hatte es das Derby gegen Mönchengladbach verloren. Aber Köln spielte sich gegen den überraschend lethargisch agierenden FC Barcelona in einen Rausch. Die Barca-Fans verloren spätestens beim 0:4 von Dieter Müller die Fassung, es hagelte Münzen und Feuerzeuge in Richtung der Trainerbank von Rinus Michels. Nach Spielende rissen einige Anhänger sogar ganze Sitzbänke aus der Verankerung und warfen sie aufs Spielfeld. Vielleicht war es auch der Frust darüber, dass der FC ihnen Bernd Schuster »untergejubelt« hatte. So jedenfalls nannte Trainer Lazslo Kuabala die Verpflichtung des Blonden. Schuster war für das Spiel allerdings gesperrt und verließ die VIP-Loge bereits vor Abpfiff. Er hatte in jenen Wochen eh andere Sachen zu tun: Die Illustrierte »Interviu« hatte Nacktfotos von seiner Frau Gaby veröffentlicht, die ihm im November 1980 von nahezu jedem spanischen Journalisten unter die Nase gehalten wurden.

UEFA Pokal 1981/82, Viertelfinale
1.FC Kaiserslautern - Real Madrid 5:0
(Hinspiel: 1:3)
Nach einer 1:3-Niederlage im Viertelfinal-Hinspiel der UEFA Cup Saison 1981/82 war am Betzenberg alles andere als Euphorie zu verspüren. Doch durch die Rückkehr von Briegel und Funkel, die beide im Hinspiel verletzt ausscheiden mussten, legte der FCK los, als gäbe es kein Morgen mehr. Bereits nach 15 Minuten hatte Funkel zweimal getroffen und als Schiedsrichter Palotai aus Ungarn noch vor der Pause zwei Madrilenen vom Platz schickte, gab es kein Halten mehr. Die Fans skandierten: »Zieht den Spaniern die Badehosen aus« und die überforderten Spieler Reals kamen völlig unter die Räder. Bongartz und Eilenfeldt erhöhten gar auf 4:0, ehe ein weitere Real-Spieler vom Platz gestellt wurde. Die verbliebenen acht Madrilenen, unter ihnen Spanien-Legionär Uli Stielike, verschanzten sich in der Abwehr, um ein noch größeres Debakel zu verhindern. Als Lauterns Torhüter Hellström auch noch einen Elfmeter der Königlichen hält, brechen alle Dämme. Den 5:0-Endstand besorgte Rainer Geye. Den Schlusspfiff hört kaum noch jemand auf dem Betzenberg, die hilflosen Madrilenen verließen paralysiert die Kleinstadt Kaiserslautern, die viele von ihnen bis heute nicht vergessen haben.

Europapokal der Pokalsieger 1985/86, Viertelfinale
Bayer Uerdingen – Dynamo Dresden 7:3
(Hinspiel: 0:2)
Call it a Comeback! Nach einem 0:2 im Hinspiel und einem 1:3-Pausenstand dachte man in Krefeld zunächst nur an Schadenbegrenzung. Auch ZDF-Reporter Rolf Kramer hatte den Dresdnern in der bei deutsch-deutschen Begegnungen damals üblichen Fairplay-Haltung voreilig zum Erreichen des Halbfinales gratuliert. Aber dann spielten sich die Deutschen in Ekstase, und zelebrierten eine Aufholjagd, die es in über 30 Jahren Europapokal noch nie gegeben hatte. Zwischen der 58. und 86. Minuten gelangen den Uerdingern sechs Tore. Nach dem Spiel blickten die Journalisten in viele ratlose Gesichter. »Wir hatten in der Halbzeit geschworen, uns mit Würde aus dem Wettbewerb zu verabschieden«, sagte Bayers Trainer Karl-Heinz Feldkamp, während Wolfgang Funkel in die Mikrofone japste: »Mir ist ganz schwindelig vor Glück.« Nur Dynamos Coach Klaus Sammer fand schnell die Contenance wieder und analysierte nüchtern: »Wenn man zur Halbzeit 3:1 führt und zu Hause schon mit 2:0 gewonnen hat, dann ist das Endergebnis extrem.« Kann man so festhalten.

UEFA Pokal 1987/88, Finale
Bayer Leverkusen - Espanyol Barcelona 3:2 i.E.
(Hinspiel: 0:3)
»Eigentlich hatten wir das Spiel unter Kontrolle«, so die Einschätzung von Andrzej Buncol zum Hinspiel in Barcelona. Die Betonung liegt auf »eigentlich«, denn Leverkusen verlor die Partie mit 0:3. Erich Ribbeck brachte die Leistung seiner Mannschaft während des Rückflugs einen Motivationsschub, der in folgende Sätzen mündete: »Es ist noch nichts verloren. Wir haben noch ein Rückspiel, in dem wir das Ergebnis drehen können.« Die VIPs im Flugzeug schauten sich verwundert an, dann lachten sie los. Doch Ribbeck sollte recht behalten. Leverkusen fegte Barcelona vom Platz, obwohl nach der ersten Hälfte noch kein Tor gefallen war. Nach 90 Minuten stand es 3:0, nach 120 Minuten und anschließendem Elfmeterschießen feierte die Werkself den größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte: den UEFA-Pokal-Sieg.