Mourinho liebt sich und sein Geld

Je mehr, desto viel mehr

Was der liebe Gott vom Geld hält, kann man an den Leuten sehen, denen er es gibt – zum Beispiel an Jose Mourinho. 14 Millionen verdient der Inter-Trainer und nimmt dieses Zahl zum Anlass, sich für was Besseres zu halten. Mourinho liebt sich und sein GeldImago Wer in Gehaltsverhandlungen steht, sollte nicht bescheiden sein. Hoch ansetzen, sich nicht allzu weit herunter handeln lassen und schließlich: »Nimm, was Du kriegen kannst!« Das ist ein Gebot, das moralisch kaum anfechtbar ist, zumindest nicht in den finanziellen Sphären, in denen du und ich uns bewegen. Benzin immer teurer, Glotze kaputt, Weihnachtsgeschenke – am Ende des Monats ist ja sowieso nichts mehr übrig.

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»Nimm, was Du kriegen kannst!« – das hat sich auch und erst recht Jose Mourinho gesagt, als er mit Inter Mailand um sein Jahressalär pokerte. Dass der Mann, der sich selbst »Der Besondere« nennt, sich nicht mit einem Taschengeld aufwiegen lässt, darf uns nicht umhauen.

Und doch nervt die Zahl, die heute aus in einem nach Luxus, Dekadenz und unsagbarer Arroganz stinkenden Hauch aus der Lombardei herüberwehte: 14.000.000!

14 Millionen Euro verdiene er pro Jahr, posaunte Mourinho vor dem Champions-League-Spiel gegen Werder Bremen den ins Inter-Trainingsquartier in Appiano Gentile gekommenen Journalisten entgegen. Nicht nur, wie schon zuvor kolportiert worden war, derer neun. 14! Damit das mal klar ist.

Nun kann man darüber streiten, ob überhaupt irgendjemand soviel verdienen sollte, dass es ihm zu den Ohren herauskommt. Aber das wird auf Dauer ziemlich langweilig, wenn alle eh schon wissen, wie die Antwort lauten sollte.

Er verdient mehr, also ist auch mehr wert

Recht neu ist, was Mourinho aus seinem Reichtum ableitet. Er nahm das Gehaltsgefälle zwischen ihm und den anwesenden Journalisten zum Anlass, sie zu behandeln wie – man muss es so sagen – den letzten Dreck. Mies, abschätzig und von unfassbarer Selbstverliebtheit getrieben: Man gewinnt den Eindruck, Mourinho habe sich nicht nur eine Rolle angeeignet, die er im Fußballgeschäft spielt, sondern glaube tatsächlich, er sei etwas »Besonderes«. Seine infantile Logik: Er verdient mehr, also ist auch mehr wert.

Es verwundert durchaus, dass keiner der Anwesenden sich erbrach – vor Wut oder wenigstens aus Ekel. Zwar beeilte sich sein Arbeitgeber, die wahnwitzige Zahl zu dementieren. Doch spitzfindige Rechenspiele können das Psychogramm, das Mourinho offenbart hat, nicht mehr ausradieren.

Wohin bloß mit unserer Abscheu? »Der Besondere« badet ja im Hass der Massen wie unsereins in Palmolive. »Wer mich nicht mag, mag mich eben nicht«, konstatierte er mit der Miene eines Cäsaren. »Mir ist das egal.«

Wir können also nur hoffen, dass die Bremer ihm die Hütte voll hauen. Dass auch sie nicht die Rächer der Geringverdienenden sind, darüber wollen wir heute Abend geflissentlich hinwegsehen.

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