Manchester City hängt den FC Chelsea ab

Armer, armer Roman!

Wer bisher dachte, reicher als Roman Abramovich könne man nicht sein, wird nun eines Besseren belehrt: Die »Abu Dhabi United Group for Development and Investment« pumpt astronomische Summen in Manchester City. Manchester City hängt den FC Chelsea abImago Abu Dhabi schlägt Russland auf englischem Hoheitsgebiet. Als Mitternacht in England vorbei und der 2. September 2008 angebrochen war, hatte sich gerade etwas Unerhörtes ereignet. Manchester City hatte Robinho verpflichtet. Zu einem Zeitpunkt, als das Chelsea-Trikot für den jungen Brasilianers längst beflockt schien. Das eigentlich verwirrende an diesem Transfer war, dass Robinho keineswegs aufgrund des sportlichen Reizes einen unerwarteten Haken schlug, sondern ganz einfach deshalb, weil ihm City wie aus dem Nichts den größeren Geldkoffer auf den Tisch geknallt hatte. 40 Millionen überwies Manchester City für den 24-Jährigen nach Madrid. Roman Abramovich, dem bis dahin noch jeder Spielerwunsch erfüllt wurde, blieb mit voller Geldbörse und offenem Mund zurück.

Manchester City hatte Chelsea und seinen allmächtiger russischen Mogul mit deren eigenen Waffen geschlagen: Mit Geld und noch mehr Geld.

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Der nächtliche Transfer könnte einen Vorgeschmack darauf gegeben haben, dass sich die Machtverhältnisse in England nun nachhaltig verschieben werden. Und es ist gut vorstellbar, dass sich die Premier League Sonntagnacht für immer verändert hat.

Denn Manchester City ist seit dem sehr frühen Montag Morgen im Besitz der »Abu Dhabi United Group for Development and Investment« (ADUG ), die den Verein von seinem vorherigen Besitzer, dem früheren thailändischen Premierminister Thaksin Shinawatra, übernommen hat


Der Donald Trump von Abu Dhabi


Manchester City, so der Plan der neuen Besitzer aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, soll nun das neue Chelsea werden. Nicht weniger. Aber durchaus auch mehr. »Wir haben hier ein simples Ziel. Wir wollen aus  Manchester City den größten Verein der Premier League machen«, erklärte Dr. Sulaiman Al Fahim, der der ADUG in Manchester aller Wahrscheinlichkeit nach ein Gesicht geben wird und in seiner Heimat als der Donald Trump von Abu Dhabi gilt. Schon in dieser Saison soll der Klub dafür in die Phalanx der Big Four einbrechen. Manchester United, Chelsea, Liverpool und der FC Arsenal machen die Meisterschaft auf der Insel seit Jahren unter sich aus. Manchester City dürfte nun jedoch über die finanzielle Kraft verfügen, diese Vorherrschaft zu zersplittern.

Ähnlich wie für Chelseas Öl-Magnaten ist eine Ablöse von 40 Millionen Euro für die Scheichs nur Monopoly-Spielgeld. Mit dem Unterschied, dass sie einmal öfter auf »frei parken« gelandet sein dürften als Chelseas Russe. Gerüchten zufolge verfügt die ADUG über ein Vermögen von geschätzten 600 bis 800 Milliarden Pfund. Abramovichs Rücklagen wirken dagegen eher so harmlos wie eine Tüte Russisch Brot.

Mit dem Robinho-Deal haben die Scheichs dann auch gleich ihre gut eingeölten Muskeln spielen lassen und Abramovich am Nasenring durch die Arena geführt. Der Russe aus London, so die Botschaft, ist auf dem Transfermarkt nicht mehr der alleinige Highroller. 

Der Einstieg der ADUG bei City ist der vorläufige Höhepunkt einer kaum noch aufzuhaltenden Entwicklung in der Premier League hin zur Spielwiese der Superreichen, die die Klubs entweder, wie Roman Abramovich, als Spielzeug für den Zeitvertreib begreifen oder aber als eine Art alternatives und sehr lukratives Geschäftsmodell.
Längst ist fast die Hälfte der Liga Teil des Mogulmurmelns. Neben Chelsea, Manchester United und dem FC Liverpool sind auch Teams aus dem breiten und ambitionierten Mittelfeld im Besitz eines einzigen milliardenschweren Freizeitfußballmanagers. Der letztjährige FA-Cup-Sieger FC Portsmouth gehört Alexandre Gaydamak, einem ebenfalls schwerreichen Russen, Fulham wird mit den Harrods-Millionen von Mohamed Al Fayed betrieben, West Ham United wurde meist bietend an einen Isländer verkauft und Aston Villa ist wie auch ManU und Liverpool in amerikanischem Besitz.

Die neue Finanzkraft, mit der diese Vereine in den Wettkampf gehen, hat aber nicht nur dazu geführt, dass die Premier League heute die mit Abstand beste und attraktivste Fußballliga der Welt ist und die englischen Vereine die Champions-League nach Belieben dominieren. Sie hat auch eine schleichende Entwertung des Geldes mit sich gebracht. Auf der Insel werden mittlerweile Fantasiesummen für höchstens durchschnittliche Spieler bezahlt.
Ganz einfach deshalb, weil die Klubs es sich leisten können. Etwa 100 Milionen Euro hat das neue Manchester City im präsaisonalen Wettbieten verpulvert. Und war dabei aber stets in guter Gesellschaft. Portsmouth bezahlte 14 Millionen für Peter Crouch und Tottenham 22 Millionen für David Bentley. Beide Stürmer zählen nicht unbedingt zur erweiterten Weltklasse.

Spieltag für Spieltag prallen so kostspielig aufgemotzte Wundertüten aufeinander.

Der große Verlierer der erneut verschärften Schlacht der grünen Scheine könnte der FC Arsenal sein. Die Gunners wehren sich seit einiger Zeit beherzt gegen eine vollständige Übernahme durch den russischen Milliardär Alisher Usmanov, der bereits Anteile des Klubs hält, und finanzieren sich weiterhin fast schon anachronistisch über Tickets, Sponsorengelder und Fernseheinnahmen. Doch im Norden Londons ist das Geld mittlerweile knapp, weil Arsenal noch immer das neue Emirates-Stadium abbezahlen muss. Arsene Wenger macht deshalb das, was er immer schon gemacht hat: Er bastelt ein Team aus hochbegabten Jungstars. Doch seine fußballerische Krabbelgruppe ist zu leicht, um sich erfolgreich gegen den monetären Orkan der Konkurrenz stemmen zu können. Schon im Jahr 2006, als Gerüchte über eine mögliche Übernahme des FC Liverpool durch Investoren aus Dubai dem Rest der Liga einen Schauer über den Rücken laufen ließen, hatte Wenger erkannt, was der Einstieg der Big Spender für einen Verein bedeutet, der sich diesem Wahnsinn zu entziehen versucht: »Wenn drei, vier Vereine plötzlich die Mittel haben wie Chelsea, können wir nicht mehr konkurrieren. Dann sind wir tot.«

Ganz Unrecht hat er damit nicht, auch wenn das Beispiel Chelsea in den beiden vergangenen Spielzeiten gezeigt hat, dass Geld allein nicht den finalen Erfolg garantiert. Doch zumindest der Beerdigungstermin für die traditionelle Premier League ist seit Montag um Mitternacht ein gutes Stück näher gerückt.