Simão im Interview

»Wir haben Punch«

Simão Pedro Fonseca kennt man nur unter dem Kurznamen Simão. Atlético Madrids Stürmer über die Champions League, die Bedeutung des Spiels gegen Schalke und warum seinem Team verrückte Spiele liegen. Simão im InterviewImago Bei der zurückliegenden Europameisterschaft übernahm der 28-Jährige jenen Part, der eigentlich seinem Mannschaftskollegen vom anderen Flügel, Cristiano Ronaldo, reserviert war: Simão qualifizierte sich als einer der besten Spieler der Euro. Für seinen Klub Atletico Madrid, zu dem er 2007 von Benfica Lissabon für 20 Millionen Euro gewechselt war, ist er von ähnlich überragender Bedeutung. Ob sich Atlético im Qualifikationsspiel zur Champions League gegen den FC Schalke 04 (Hinspiel 1:0 für Schalke) durchsetzen kann, hängt neben dem argentinischen Stürmer Agüero maßgeblich auch von Simão ab.

[ad]

O Simão, der argentinische Fußballtheoretiker Jorge Valdano schrieb voller Anteilnahme, Atlético Madrid sehe sich durch das Duell mit dem FC Schalke 04 »mit kalten Motoren einer völlig disproportionalen Anforderung« ausgesetzt. In Spanien hat die Saison noch nicht begonnen, nun spielen Sie in 90 Minuten um das, wofür Sie eine ganze Saison gespielt haben: um den Einzug in die Champions League. Wie empfinden Sie das?

Es ist ein immenser Druck. Wie ein Spiel auf Leben und Tod. Entweder wir kommen in den Himmel oder... Aber da müssen wir durch. Wir müssen ruhig sein, konzentriert. Atlético ist ein großer Klub, und unsere Aufgabe als Mannschaft ist es aufzuzeigen, dass er noch größer werden kann, zu den besten Europas gehört. Nicht weiterzukommen wäre ein enormer Schlag für alle: für die Fans, für die Klubführung, die große Anstrengungen unternommen hat, um eine Champions-League-taugliche Mannschaft zusammenzustellen, und nicht zuletzt für uns Spieler. Einige von uns haben schon mal Champions League gespielt, andere wollen zum ersten Mal dabei sein.

Die Ausgangssituation ist nach der 0:1-Niederlage aus dem Hinspiel für Atlético nicht gerade günstig.

Das Spiel in Gelsenkirchen war außergewöhnlich schwierig. Vor allem die Anfangsphase. Aber danach hatten wir Möglichkeiten. Jetzt spielen wir in unserem Stadion. Die Chancen weiterzukommen, sind definitiv da.

Welcher Eindruck ist denn der nachhaltigste, den Schalke 04 bei Ihnen hinterlassen hat?

Ich habe letztes Jahr Schalkes Champions-League-Spiel gegen den FC Porto gesehen. Bei unserem Hinspiel vor zwei Wochen hatte ich das Gefühl, das gleiche Spiel noch mal zu erleben. In den ersten 20 Minuten haben die Schalker Vollgas gegeben, enormen Drang entwickelt. Sie wollten unbedingt treffen, das hat man fast schon körperlich gespürt. Sie haben es uns nicht erlaubt, den Ball kontrolliert herauszuspielen, wie es uns gefällt.

War das der Grund dafür, dass Sie, im Hinspiel einer der auffälligsten Spieler Atléticos, sich so weit fallen ließen?

Ja. Wir hatten im zentralen Mittelfeld eigentlich zwei Spieler hintereinander gestaffelt, die den Ballfluss kanalisieren sollten. Aber Raúl García war total zugedeckt. Er hatte immer ein, zwei Leute vor sich. Deshalb mussten Maxi Rodríguez und ich zentraler agieren.

Das dürfte sich im Rückspiel in dieser Form nicht wiederholen?

Ich glaube, nein. Die Schalker liegen in Front. Sie werden versuchen, das Spiel zu kontrollieren und Konter zu fahren. Wir dürfen nicht wieder so tief stehen wie in der ersten Halbzeit auf Schalke. Das Wichtigste wird dann sein, dass wir unser Spiel spielen, das machen, was wir im Hinspiel nicht gemacht haben: Vorlagen herausarbeiten, Chancen herausarbeiten, Tore schießen.

Zu Beginn der vergangenen Saison hatte Atlético bis November einen Schnitt von 3,1 Treffern pro Partie. Eine Zeitlang konnte man meinen, Sie sagten Ihren Gegnern, macht ihr nur zwei, drei, wir schießen eh' mehr.

Glauben Sie mir: So sind wir nie ein Spiel angegangen. Aber es stimmt, es gab einige Partien mit vielen Toren. Uns liegen verrückte Spiele.

Verrückte Spiele?

Ich erinnere mich an Spiele gegen Almería oder Sevilla, mit drei, vier Gegentoren. Wir haben in der Tat eine gewisse Leichtigkeit, um Tore zu schießen. Wir haben Punch.

Nach der guten Anfangsphase ließ Atlético im Winter nach. Wegen des Konflikts zwischen Trainer Aguirre und Mittelfeldmann Maniche alias »O Motor«, der schließlich suspendiert wurde?

Das Problem war vor allem, dass all das in eine Zeit fiel, da einige Spieler verletzt waren, der Trainer umstellen musste. Bis wir unseren Rhythmus gefunden hatten, verging einige Zeit. Aber wir haben immerhin unser Ziel Champions-League-Platz erreicht.

Maniche bleibt nun, dürfte gegen Schalke spielen. Das dürfte das kreative Loch im Mittelfeld beheben?

Spieler mit Qualität verdienen es, zu spielen. Und Maniche hat sehr viel Qualität. Mit dem Trainer ist alles bereinigt. Für uns ist das gut und wichtig.

Sie waren Kapitän bei Benfica, sind portugiesischer Nationalspieler, eine Ausnahmeerscheinung. Hier hat sich Ihre Figur etwas verflüchtigt. Stört es Sie nicht, dass fast nur über Agüero gesprochen wird, der gerade mit Argentinien Olympiasieger wurde, Sie aber oft ausgewechselt wurden?

Das erste Jahr ist immer eine Phase der Eingewöhnung. Und dass der Trainer mich auswechselt... Ich muss das respektieren. Mir gefällt es nicht, zu protestieren, nur damit alle sehen, dass ich unzufrieden bin. Die Fans verdienen das nicht, die Mitspieler auch nicht.

Ihr Saisonziel?

Das Wichtigste ist, die Saison auf einem Champions-League-Platz zu beenden. Und gegen Schalke weiterzukommen. Ich vermisse die Champions League. Sie ist das beste, was es gibt. Und ganz ehrlich, ich finde, wir haben es verdient, dort zu spielen.