Chelsea immer reicher

Irrwitzig viele Nullen

Luiz Felipe Scolari ist fest entschlossen, den Kader nach seinen Wünschen umzubauen. So bietet der FC Chelsea wieder mal Unsummen für Spieler anderer Klubs, zum Beispiel 100 Millionen für Kaká. Chelsea immer reicher Imago Vor exakt einem Jahr weilte der FC Chelsea auf einer Werbe- und Trainingsreise in Hollywood und schien entschlossen, dem gleichzeitig bei LA Galaxy vorgestellten Halbpensionär David Beckham nicht ein Lux des Rampenlichts zu stehlen. Die Londoner hielten sich damals dezent zurück. Eigentümer Roman Abramowitsch und Trainer José Mourinho schlossen unter der kalifornischen Sonne Frieden miteinander, und Bescheidenheit wurde als neues Motto ausgerufen: drei von vier Zugängen waren tatsächlich ohne Ablöse gekommen. Geschäftsführer Peter Kenyon versprach, »bis 2010 finanziell unabhängig« vom russischen Patron zu werden.

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Heute weiß man, dass mit dem Urlaubsende auch die Träume von Normalität schnell wieder ausgeträumt waren. Nach einem Jahr der zweiten Plätze in Liga-Pokal, Meisterschaft und Champions League unter Mourinhos Nachfolger Avram Grant starten die Blues mit dem neuen Trainer Luiz Felipe Scolari, aber in bewährter Manier in die Saison. Rechtzeitig zum Auftakt einer Asienreise - am Montag trifft man auf Guangzhou Pharmaceuticals, das chinesische Pendant zu Bayer Leverkusen - besinnt sich der Verein auf sein Kerngeschäft: Das Geld verbrennende Spielzeug des Oligarchen feuert wieder mit irrwitzig vielen Nullen auf Europas Spitzenklubs.

Ein »astronomisches Angebot« für Kaká


Aus der portugiesischen Nationalmannschaft hat Scolari, 59, bereits Spielmacher Deco (10 Millionen Euro, Barcelona) und Rechtsverteidiger José Bosingwa (FC Porto, 20,3 Millionen Euro) mitgebracht. Der brasilianische Trainer treibt zudem hartnäckig den Wechsel zweier Landsmänner auf die Insel an. In der vergangenen Woche hat Chelsea 40 Millionen Euro für Real Madrids Flügeldribbler Robinho geboten, »aber Madrids Präsident Ramón Calderón will ihn nicht gehen lassen«, berichtete der Berater des Spielers, Wagner Ribeiro, enttäuscht. Die Londoner haben Robinho eine Verdreifachung seines Gehalts auf über sechs Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Da die Spanier sich jedoch nur im Falle einer Verpflichtung von Cristiano Ronaldo (Manchester United) von dem Brasilianer trennen wollen und es in diesem Fall momentan auf einen Deal für Sommer 2009 hinausläuft, hat Chelsea gleich einen noch verwegeneren Angriff unternommen: Wie AC Milans Vizepräsident Adriano Galliani bestätigte, liegt ein »astronomisches Angebot« für den Brasilianer Kaká vor. 100 Millionen Euro sollen die Blauen für die Unterschrift des 26-jährigen Offensivspielers geboten haben, das wäre der bisher teuerste Wechsel der Fußballgeschichte.

Kaká sei unverkäuflich, ließ Vereinsboss Silvio Berlusconi am Sonntag ausrichten. In London aber glaubt man, dass dies nicht unbedingt wörtlich zu verstehen ist. Die Mailänder könnten angesichts der verpassten Champions-League-Qualifikation und nach der teuren Verpflichtung des gefallenen Helden Ronaldinho vom FC Barcelona die russische Finanzspritze bestens gebrauchen, spekulieren sie an der Stamford Bridge.

Das Frank-Lampard-Problem

Mit dem Spieler scheint man bereits Einigkeit erzielt zu haben. »Der Deal wäre für alle Parteien das Beste«, sagte Kakás Sprecher Diogo Kotscho, »Kakás Gehalt würde wesentlich erhöht, und Chelsea ist im Moment der Verein, bei dem man sein muss.« Warum, liegt natürlich auf der Hand. 15 Millionen Euro, so Kotscho, würde allein das Handgeld des Spielers betragen, im Gespräch ist zudem ein Salär in ähnlicher Größenordnung.

Scolari ist entschlossen, den Kader nach seinen Wünschen umzubauen. Er weiß, dass er als neuer Trainer in den ersten Monaten am stärksten ist und rennt mit dem Wunsch nach Superstars offene Türen bei Abramowitsch ein. Der Rohstoff-Milliärdär wünscht sich mehr Spektakel von seiner Truppe - und endlich ein bisschen Anerkennung: Der streng gläubige Kaká, so die Überlegung, würde die Blauen nicht nur auf dem Platz verbessern, sondern auch das Image.

Bevor Portugiesisch offiziell als Amtssprache eingeführt wird und Scolari ein System mit elf Mittelfeldspielern perfektioniert, muss Chelsea noch ein paar Spieler abschieben. Das Frank-Lampard-Problem sollte ebenfalls gelöst werden: Der Vertrag des Engländers gilt noch bis 2009, Lampard kann sich jedoch nicht mit dem Verein über eine Verlängerung einigen. Inters neuer Trainer Mourinho würde seinen alten Lieblingsspieler gerne nach Italien holen. Der abwanderungswillige Didier Drogba blieb verletzt zu Hause, und so mancher Spieler dürfte auch nicht mehr dabei sein, wenn es in zehn Tagen weiter nach Russland zum »Eisenbahn-Pokal« gegen Lokomotive Moskau und den AC Milan geht. Kaká wird mitspielen. Fraglich ist nur: in welchem Trikot.