Der Wettbewerb, den niemand will

Europas zweite Liga

Der Uefa-Pokal ist im Schatten der Champions League zu einem belanglosen Wettbewerb verkommen. Nun soll ein neuer Name für alten Glanz sorgen. Das jedenfalls wünscht sich Karl-Heinz Rummenigge. Der Wettbewerb, den niemand willImago Der Uefa-Pokal ist 15 Kilogramm schwer und besteht aus Silber. Dennoch ist er mehr oder weniger wertlos. Ihn zu gewinnen bedeutet im Fußball nicht mehr viel, weil nur Klubs aus der zweiten Reihe mitspielen. Oder genauer gesagt: Klubs aus der zweiten Reihe und ein Großklub, der gerade zufällig ein schlechtes Jahr hinter sich gebracht hat und zur Strafe in den Niederungen des europäischen Fußballs antreten muss.

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Im vergangenen Jahr war dieser Großklub der FC Bayern München, in diesem Jahr ist es der AC Mailand. Als die Münchner im Uefa-Pokal mit einem 0:4 an St. Petersburg gescheitert waren, sagte Manager Uli Hoeneß: »Wir haben zwei Titel gewonnen und sind nächstes Jahr in der Champions League, wo wir schon lange wieder hingehören. Alles andere ist mir ziemlich egal.« Mit »alles andere« meinte er den Uefa-Pokal.

Ständig an Wert verloren

Das war nicht immer so. Bis 1999 gab es drei bedeutende europäische Klubwettbewerbe, die Champions League, den Europapokal der Pokalsieger und den Uefa-Pokal. Ein Sieg in einem der Wettbewerbe stand jedem Klub gut zu Gesicht, wobei allerdings der Uefa-Pokal durch die ständige Erweiterung der Champions League bereits in den neunziger Jahren an Wert verlor.

Seit der Saison 1999/2000 nehmen auch die nationalen Pokalsieger am Uefa-Pokal teil, außerdem jede Menge gescheiterte Qualifikanten zur Champions League und die Drittplatzierten der Vorrunden der Champions League. Dazu noch die Klubs aus dem oberen Mittelfeld der großen Ligen und ein paar Zweitplatzierte aus den kleinen Ligen. Franz Beckenbauer hatte also recht, als er den Uefa-Pokal zum »Cup der Verlierer« herabwürdigte.

Mit der zweiten Liga lässt sich kein Staat machen


Die Erweiterung der Champions League entsprang dem Wunsch, mehr Geld zu verdienen und den Topklubs sichere Einnahmen zu verschaffen - allzu schwierig ist es wirklich nicht mehr, sich zu qualifizieren. Der Uefa-Pokal ist so die zweite Liga Europas geworden. Und da sich mit der zweiten Liga kein Staat machen lässt, hat Karl-Heinz Rummenigge als Vorsitzender der Interessenvertretung der europäischen Fußball-Klubs (ECA) nun vorgeschlagen, den Uefa-Pokal in Uefa-Europa-Liga (Europe League) umzubenennen. So solle verhindert werden, dass der Wettbewerb als zweitklassig angesehen wird. Genau das ist er allerdings.

Ob ein neuer Name dafür sorgen kann, dass er zumindest nicht als zweitklassig angesehen wird, ist zweifelhaft. Bei der gewünschten Umbenennung geht es natürlich darum, dass ein Wettbewerb, der gebrandmarkt ist als Cup der Verlierer, sich schlecht vermarkten lässt. Wobei Beckenbauers Bonmot mittlerweile fast den Rang eines Markennamens hat. Als englische Übersetzung böte sich ein griffiger Titel an: Losers League.