11 interessante Beobachtungen zum Finale

Mein Freund, der Baum, ist tot

Mit 2:0 besiegt Zenit St. Petersburg die Glasgow Rangers und darf sich UEFA-Cup-Sieger nennen. Soviel für die Statistikfüchse unter uns. Was sonst noch geschah, haben wir protokolliert. Zum Ausdrucken, Wegschmeißen und Vergessen. 11 interessante Beobachtungen zum FinaleImago 1.
In ein Finale zu gehen und dabei zu wissen, dass man so gut wie unfähig ist, ein Tor zu schießen – das ist in etwa so mutig, als überfiele man mit einer ungeladenen Wasserpistole eine Bank. Hut ab, liebe Rangers!

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2.
Da auch Zenit zunächst nicht viel zu Stande brachte, herrschte in der ersten Halbzeit dieselbe Stimmung wie in folgender Kürzestgeschichte des Petersburger Dichters Daniil Charms:

»Da ging einmal ein Mensch ins Büro und traf unterwegs einen anderen Menschen, der soeben ein französisches Weißbrot gekauft hatte und sich auf dem Heimweg befand. Das ist eigentlich alles.«

3.
Und so hielt man sich einzig und allein an der Vorfreude darauf fest, dass Zenit-Coach Dick Advocaat eingeblendet würde und man sich an seiner frappierenden Ähnlichkeit zu Simpsons-Bürgermeister Quimby ergötzen könnte.

4.
Sogar noch öder ging es in der Halbzeitpause zu. Premiere-Experte Lothar Matthäus durfte zum wiederholten Male von seiner Fußballlehrer-Ausbildung berichten, die er kürzlich abgeschlossen hat. Auch der Versuch, das Gefasel emotional aufzuwerten, scheiterte kläglich: Er sei, so Matthäus, »stolz, aber auch ein bisschen zufrieden.«

5.
Trotz des schulischen Erfolgs des Rekordnationalspielers wollte Moderator Dieter Nickles ihn wohl nicht gleich mit der Realität überfordern. Als gleich drei Zenit-Angriffe hintereinander gezeigt wurden, stellte er eine Einstiegsfrage, die vielleicht sogar wir hätten beantworten können: »Wollten die Petersburger von Anfang an Druck aufbauen?«

6.
Zum Glück ist die UEFA-Cup-Saison nun vorbei. Denn andernfalls wären wir wohl noch Zeugen geworden, wie Matthäus sein Zeugnis mitbringt und Moderator Dieter Nickles ihm für die Beurteilung »Im Zahlenbereich von 1 bis 10 kann Lothar schon sicher rechnen« eine 2-Euro-Münze ins Jackett schiebt.

7.
Das 1:0 für Zenit stürzte Kommentator Fritz von Thurn und Taxis in ein stinkendes Bad gomorrhischer Visionen. Mit Blick auf die Glasgow-Fans dräute ihm: »Hoffentlich schlagen sie jetzt nicht alles kurz und klein.«

8.
Ungerührt, ja scheinbar erstarrt verfolgte UEFA-Präsident Michel Platini dieses erste und dann auch das zweite Tor für Sankt Petersburg. Fritz von Thurn und Taxis machte dennoch eine Muskelzuckung beim Franzosen aus und deutete sie sogleich: »Sehen Sie, er bereitet sich schon auf die Siegerehrung vor!« Nein, danke, das hatten wir nicht gesehen.

9.
»Es ist vorbei, Barry Ferguson«
, raunte von Thurn und Taxis dem Rangers-Kapitän nach Abfiff durch den Äther zu. Das wusste der Gemeinte selbst nur allzu gut. Und doch stellt sich dieser Satz in eine Reihe mit den größten Menetekeln, die deutsche Kultur hervorgebracht hat: »Mein Freund, der Baum, ist tot« (Alexandra), »Der Tag, als Conny Kramer starb« (Juliane Werding) und auch »Karl, der Käfer, wurde nicht gefragt« (Gänsehaut).




10.

Einmal von der Muse geküsst, schwelgte von Thurn und Taxis hemmungslos weiter. »Oooooh«, schnaubte er, als während der Ehrenrunde eine volkstümliche Komposition erklang, »da kommt Melancholie auf, bei diesen russischen Weisen.«

11.
Nicht jeder konnte ihm folgen. Nach einigen Sekunden des Nachdenkens fragte ein Fernsehzuschauer irritiert: »Is' da 'n Waisenhaus, oder was?«