Ein Abend mit Franck Ribéry

Don't be like Mike

Bayern Münchens Franck Ribéry hat versucht, Zenit St. Petersburg im Alleingang zu besiegen - und ist grandios gescheitert. Irgendwie erinnert der Franzose derzeit an einen anderen großen Sportler: den jungen Michael Jordan. Ein Abend mit Franck RibéryImago Der Junge spielt einfach gut. Er dribbelt, er passt, er trifft. Seine Gegner stehen oft nur da und schnalzen mit der Zunge, wenn er mal wieder eine seiner spektakulären Aktionen ausführt. Die Experten sind sich in zwei Sachen einig: Er ist einer der besten Spieler, die jemals auf dem Feld standen. Er wird aber - wenn er so weiterspielt - nur schwer einen Titel gewinnen.

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Die Urteile waren knallhart über diesen Michael Jordan im Jahr 1987. 37,1 Punkte pro Spiel hatte der damals 24-Jährige in der abgelaufenen Saison erzielt, holte mehr als fünf Rebounds und gab 4,8 Vorlagen pro Spiel. Sein Team jedoch, die Chicago Bulls, hatte in der regulären Saison mehr Spiele verloren als gewonnen und in der ersten Runde der Playoffs ausgeschieden. Michael Jordan habe gut gespielt, schrieb die Chicago Sun-Times damals, er könne seine Mitspieler jedoch nicht mitreißen. Deshalb sei er nicht wertvoll.

Wer dem Fußballer Franck Ribéry am Donnerstag Abend dabei zusah, wie er versuchte, sich gegen drei Gegenspieler zu behaupten, der muss sich an den jungen Jordan erinnert haben. Ribéry tanzte, er dribbelte, er schoss. Wieder ließ er keinen Zweifel daran aufkommen, dass er der beste Fußballer ist, den der FC Bayern seit langer Zeit in seinem Kader stehen hat. Dennoch blamierten sich die Münchner beim 0:4 gegen Zenit St. Petersburg.

Ribéry hat in dieser Saison Mitspieler, Gegner und Fans verzaubert - ja, sogar die Anhänger gegnerischer Mannschaften jubeln ihm zu, wenn er einen No-Look-Pass spielt oder zu einem seiner unwiderstehlichen Dribblings ansetzt. Er hat mit seinem FC Bayern die Bundesliga dominiert, den DFB-Pokal gewonnen - und ist nun im Halbfinale des Uefa-Cups ausgeschieden.

Ribéry ist kein Spielmacher, wie es Stefan Effenberg war oder auch Michael Ballack. Er ist auch kein dominierender Mann hinter den Spitzen wie der Bremer Diego. Franck Ribéry ist das Sahnehäubchen auf Fußballspiele. Er zaubert gegen den VfL Bochum, er trifft gegen den VfB Stuttgart doppelt, er ist sogar in der Lage, die Nachspielzeit gegen Getafe zu erzwingen. Aber er ist kein Mensch, der bei einem 0:2 seine Mannschaft anfeuert und sie nach vorne treibt. Im Gegenteil: In Petersburg winkte er mehrfach genervt ab und motzte gegen seine Mitspieler. Die anarchische Spielweise, die nach vorne so effektiv ist, sorgt in der Defensive für zahlreiche Lücken - was St. Petersburg vor dem 2:0 etwa clever nutzte.

Van Bommels Sternzeichen: Zerstörer

Wie aber soll ein Spieler wie Ribéry für Glanzpunkte sorgen, wenn seine Mitspieler den Spielbetrieb einstellen, sobald er am Ball ist? Schweinsteigers Leistung darf man nicht mehr mit »WM-Loch«, sondern mit »Normalform« umschreiben, van Bommels Fußballersternzeichen ist nun mal »Zerstörer«, von Zé Roberto sah man erst, dass er mitgespielt hatte, als auf der Anzeigetafel seine Auswechslung bekannt gegeben wurde. Jemand wie Ribéry jedoch braucht Spieler, die eine Partie antreiben und gestalten - dann kann er für die Höhepunkte sorgen.

Ribéry ist 25 Jahre alt, ein Jahr älter als Michael Jordan 1987. Auch Jordan war auf sich allein gestellt, er konnte das Spiel nicht lenken, sondern war der Mann für die entscheidenden Aktionen. Deshalb stellten ihm die Chicago Bulls 1987 Scottie Pippen an die Seite und zwei Jahre später den Spielmacher B. J. Armstrong. Das Resultat: Die Bulls gewannen sechs Meistertitel.

Die Münchner wären gut beraten, es den Bulls nachzutun und Ribéry zwei prägende Mittelfeldspieler an die Seite zu stellen. Dann wird der Franzose nicht nur ein sehr guter, sondern auch ein überaus wertvoller Spieler für den FC Bayern sein.

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