Letzter Halt: Amateurfußball

Honig saugen und Wasser geben

Wer geifern mag, hat wieder ein willkommenes Opfer gefunden: Der geldgeile Monopolist DFB. Der Profifußball ist der Krake enteilt, jetzt will sie sich am Amateurfußball schadlos halten. Ein Entschuldigungsschreiben für den DFB.

Konkret: Es geht um Bewegtbilder von Amateurspielen im Internet. Natürlich ist die erste Reaktion: Mit meinen fußballerischen (Un)Künsten kann ich machen, was ich will. Mein Bauch, mein Kopf, meine Füße gehören mir. Kein Vertrag mit niemand, kein Sponsor, kein Ausrüster, kein Verein als Arbeitgeber. Unabhängig.

Erst wer näher hinschaut, erkennt die Problematik. Die knapp 1000 Profis in Deutschland sind die Lokomotive und haben sich in der DFL selbstständig gemacht. Der Zug aber wird vom DFB gefüllt. Die Fahrgäste zahlen für all das, was die Bahn DFB leistet, einen subventionierten Preis.

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Plötzlich wird in Zeiten des Internets mit Hochgeschwindigkeitszugang der Zug »Amateure« attraktiv, lukrativ. Plötzlich wollen Firmen daraus Kapital schlagen, die Kosten und den Unterhalt für den Bereich »Schiene« (Ansetzungen, Schiedsrichter, Ausbildung, Trainer, Plätze) aber liebend gerne dem DFB überlassen.

Dass der sich wehrt, ist verständlich. Und es ist unredlich, dem DFB plötzlich Geschäftemacherei zu unterstellen. Der Verband will nur dort Investitionen zurückholen, wo es möglich ist. Vor zehn Jahren war die Internet-Möglichkeit noch undenkbar. Wer will jetzt einen Stein auf den DFB werfen, weil er nachdenkt? Und Konsequenzen zieht?

Wahrscheinlich haben sie beim DFB das alles sogar schon vorgedacht. Nur kommuniziert haben sie es nie offensiv. Als fußball.de auf Sendung ging, war die Befürchtung groß, jede Tageszeitung müsse die Ergebnisse und Tabellen zur Veröffentlichung kaufen. Und heute ist man froh, Hunderte Kilometer entfernt eine Stunde nach Spielschluss das Ergebnis seines Heimatvereins Viktoria Doveren zu erfahren - Fußballkreis Mittelrhein, 2. Kreisklasse, abstiegsgefährdet.

Das sind Kosten. Wer dem DFB vorwirft, diese reduzieren zu wollen: Selber machen, besser machen. Aber nicht nur Honig saugen und Wasser geben.