Willkommen, KSC!

»Na, hat es dir auch Spaß gemacht?«

Neun Jahre ist es her, dass der KSC aus der Bundesliga abstieg. Jetzt ist er wieder da! Wir präsentieren die neun imposantesten KSC-Premieren der Bundesligarückkehr. Dass die 1. Bundesliga für den KSC, nach neunjähriger Präsenz im unterklassigen Spielbetrieb, etwas wirklich Besonderes ist, verwundert nicht. Und der Karlsruher Wortführer und Trainer Ede Becker lieferte dafür ja auch nachvollziehbare Argumente: die Gegner seien viel besser und die Stadien viel schöner als in Liga Zwei. Allerdings muss er diese enorme und nachvollziehbare Wertschätzung seiner Mannschaft derart eingebläut haben, dass selbst ein erfahrener Bundesligaspieler wie Andreas Görlitz in den Reihen des KSC die seltsamsten Besonderheiten hervorhob. So erklärte er, vor dem Saisonstart mit immerhin 55 Erstligaeinsätzen gesegnet, dass in der 1. Bundesliga „der Rasen ja auch soviel besser ist“.

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Ede Becker hat wahrlich wundersame Arbeit geleistet, dass er selbst einem Spieler, der nie in der 2. Liga kickte, die Karlsruher Bundesligawertschätzung so sehr einimpfen konnte. Andererseits kann Görlitz’ ehrfurchtsvoller Blick auf das Erstligagrün auch mit dem Zeitpunkt seiner Aussage erklärt werden. Denn als er am Sonntag den Rasen würdigte, war es schon 18:28 Uhr – und somit konnten sich die KSC-Akteure seit fast 45 Minuten sicher sein, ihr erstes Bundesligaspiel gewonnen zu haben. Sie schienen es trotzdem kaum glauben zu können und kosteten dieses unerwartete Glücksgefühl daher voll aus. Torwart Markus Miller wollte den Presseraum gar nicht mehr verlassen und schaute sich in Ruhe mit Günther Koch die Zusammenfassung des zweiten Sonntagsspiels an und auch Manager Rolf Dohmen wollte mit wirklich jedem über den Erfolg reden. Als kein Journalist mehr in Gesprächsnähe war, begann er flugs eine Unterhaltung mit einem etwa zweijährigen KSC-Fan am Mannschaftsbus: „Na, hat’s dir Spaß gemacht?“

Da sich nicht alle KSC-Anhänger in der großartigen Lage des Knirpses in blau-weißer Montur befinden und sich auch an Zeiten erinnern, in denen der KSC die Fanseele aufs grausamste folterte, nun eine Chronik der ersten KSC-Bundesliga-Ereignisse nach neun Jahren:

1. auffälliger KSC-Spieler:
Markus Miller im neon-gelben Signal-Trikot.

1. Ballberührung:
Edmond Kapplani beim Anstoß

1. Foul:
Godfried Aduobe an Engelhardt in der 4. Minute

1. kapitaler Fehlpass:
Michael Mutzel in der 8. Minute (Vittek schoss glücklicherweise danach neben das leere Tor)

1. Torschuss:
Tamas Hajnal in der 22. Minute

1. Tor:
Hajnal in der 45. Minute

1. Auswärtssieg-Rufe der Fans:
in der 74. Minute nach Hajnals zweitem Treffer

1. Fan-Jubel bei einem Einwurf:
77. Minute für Christian Eichner

1. Maik-Franz-Positiv-Ausraster:
in der 84 Minute, nachdem er mit Ball bis in den gegnerischen Strafraum gesprintet war.

Nürnberg spielte nur in der ersten halben Stunde gut, ließ allerdings zahlreiche gegen Chancen gegen aufgeregte Karlsruher aus. So resümierte Club-Trainer Hans Meyer nach der Partie treffend: „Ich wurde in der letzten Zeit ja oft gefragt, was ich tue, um die Euphorie zu bremsen. Nun mit diesem Spiel müsste uns das perfekt gelungen sein.“ In Karlsruhe ist es nun genau umgekehrt. So wurde auch die Erstligawertschätzung der Fans nach dem Erfolg von vollkommenem Glücksgefühl abgelöst. Und Gerüchten zufolge soll Verteidiger Maik Franz gegenüber Anhängern versichert haben: Sollte der KSC einen internationalen Wettbewerb erreichen, wolle er sich das Vereinemblem auf die Fußsohle tätowieren. Das wäre dann wirklich etwas Besonderes.