Ein Klopp will nach oben

Mehr als nur ein One Trick Pony

Nach der ersten Saisonhälfte lag Mainz 05 noch am Boden. Kaum jemand traute Jürgen Klopp zu, die Mannschaft wieder aufzurichten. Doch er schaffte es – und bewies so, dass er mehr ist als ein eindimensionaler Spaßtrainer. Imago Raphael Honigstein wirft in seinem Blogeintrag für den Guardian einen Gedanken auf, der mir am Samstag auch gekommen ist: Hat Jürgen Klopp mit der derzeitigen Aufholjagd von Mainz 05 bewiesen, dass er mehr als nur ein one trick pony ist und sich damit endgültig für höheren Aufgaben qualifiziert?

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In den sechs Spielen seit der Winterpause hat man 16 Punkte geholt und ein Torverhältnis von 10:3 erreicht. Zur Winterpause hat das Duo Klopp/Manager Heidel gezielt mit dem Abwehrmann Andreasen, mit dem Mittelfeldspieler Soto und im Sturm mit Niculae und Zidan verstärkt.

Es gilt natürlich abzuwarten, wie es um die Nachhaltigkeit des Klopp-Effekts in den verbleibenden 11 Spieltagen bestellt ist. Aber für mich war Mainz zur Winterpause (11 Punkte, 11 Tore) tot, Klopps Rhetorik hatte sich totgelaufen, und seit der WM zeichneten sich einige Risse im Mainzer Idyll (Thurk) ab. Einiges war durch Klopps starke mediale Präsenz während der WM verursacht worden. Da zeigte es sich zum ersten Mal, dass vielleicht Mainz auch mal zu klein für Jürgen Klopp sein könnte, wenn Spieler von der Schuhgröße eines Michael Thurk mit Futterneid reagieren und beleidigt zum Lokalrivalen abziehen.

Aber Klopp hat, anders als Thomas Doll, ein anderer der “jungen Wilden” auf den Trainerbänken, die Wende geschafft. Wenn Mainz diesen Lauf konservieren kann, ist Klopp dann nicht jemand, der auf ein Anforderungsprofil des FC Bayerns passen würde wie Arsch auf Trainerstuhl?

Klopp, der Sympathieträger. Klopp, der völlig frischen, klinsmannesken Wind in die durch Hitzfeld & Magath & Hoeneß verkrusteten und phlegmatischen Strukturen des FC Bayerns bringen könnte? Klopp, der ein Händchen für die Führung von jungen (& billigen) Spielern hat? Klopp, der auch für seine taktische Kennerschaft (nicht zuletzt dank seiner Fernsehauftritte) gerühmt wird? Welche Alternativen hat Uli Hoeneß, wenn der ultimative Entscheidungsfaktor wirklich “Trainer muss Deutsch sprechen” ist? Könnte er gegen Ende seiner Manager-Amtszeit nicht vielleicht versucht sein, Ähnliches auszuprobieren wie der DFB mit Klinsmann?

Immerhin will er einer der Fürsprecher für Klinsmann gewesen sein – aus recht ähnlichen Gründen, die nun für Klopp bei den Bayern sprechen könnten.

Ist Klopp bereits reif für die Bayern?

Oder ist der FC Bayern reif für Klopp?


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