FIFA

FA-Boss Dyke fordert Veröffentlichung des Garcia-Berichts

Nach den WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Katar wächst der Druck auf den Fußball-Weltverband FIFA. SID-IMAGES/SID-IMAGES/AFP/

London - Der Druck auf den Fußball-Weltverband FIFA, den kompletten Bericht von Chefermittler Michael J. Garcia über mögliche Manipulation bei den WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Katar publik zu machen, wächst. Der englische Verbandschef Greg Dyke forderte in seinem Brief an das FIFA-Exekutivkomitee erneut die vollständige Veröffentlichung des Garcia-Reports. 

"Wir können so nicht weitermachen. Vollständige Transparenz ist erforderlich, wenn die Handlungen all derjenigen, die sich um die WM 2018 beworben haben, fair beurteilt werden sollen", schrieb Dyke. Dieselbe Meinung hatte Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk von Transparency International vertreten. 

Am vergangenen Donnerstag hatte Hans-Joachim Eckert von der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission in seinem Bericht erklärt, dass die Ermittlungen keine Beweise für Korruption bei den WM-Vergaben 2018 und 2022 ergeben hätten. Garcia will dies nicht hinnehmen und hat Einspruch angekündigt. Der Amerikaner sprach von "erheblich unvollständigen und fehlerhaften" Informationen in der 42-seitigen Stellungnahme des Münchner Richters. 

Eckert hatte immer wieder betont, dass eine komplette Veröffentlichung aus Gründen des Schutzes von Persönlichkeitsrechten nicht möglich sei; die Privatsphäre von Personen müsse nach europäischem Recht gewahrt werden. Schenk schlug das Schwärzen entsprechender Passagen in dem Report vor.

Sie wies darauf hin, dass nur im Falle einer kompletten Publikmachung des Garcia-Berichts eine Beurteilung des Eckert-Reports möglich sei. Der Kontinentalverband für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik (CONCACAF) und der US-Verband USSF hatten in einer gemeinsamen Erklärung die Veröffentlichung des Garcia-Reports ebenfalls postuliert.

Eckert hatte unter anderem dem damaligen Russland-Konkurrenten England unsaubere Machenschaften vorgeworfen. Katar, der umstrittene Gastgeber der Endrunde 2022, kam dagegen ungeschoren davon. "Es besteht dringender Handlungsbedarf, wenn das Vertrauen in die FIFA in England wieder aufgebaut werden soll. Dieser Prozess sollte mit der vollständigen Veröffentlichung des Berichts von Herrn Garcia starten", schrieb Dyke, der vergangene Woche den Abschlussbericht von Eckert als "Witz" bezeichnet hatte. 

Der frühere FIFA-Reformer Mark Pieth (Schweiz) hatte seiner Hoffnung Ausdruck verliehen, dass Garcia den 430 Seiten umfassenden und bislang von der FIFA geheim gehaltenen Bericht über seine Ermittlungsergebnisse auf Umwegen in die Öffentlichkeit lancieren wird. "Es wäre jetzt sicher auch ein guter Moment für einen Rücktritt. Aber hoffentlich wird er seinen Bericht durchsickern lassen", wurde Pieth von USA Today zitiert: "Wir müssen seine Erkenntnisse einfach haben, und meine Erfahrung ist, dass in den USA alles irgendwie durchsickert, wenn das helfen kann." 

Der Basler Gouvernance-Experte war maßgeblich an der Errichtung der unabhängigen Ethikkommission der FIFA beteiligt.

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