11FREUNDE Meisterfeier 2017

Bester Spieler | Robert Lewandowski

1. Robert Lewandowski - 45 Punkte

2. Pierre-Emerick Aubameyang - 36 Punkte

3. Philipp Lahm - 34 Punkte

Ein Arzt riet ihm vom Fußball ab. Der Junge aus Warschau hörte nicht auf ihn und ist heute ein Weltklassestürmer

Früher, als Kind, war Robert Lewandowski dünn. So dünn, dass Peter Crouch neben ihm wie ein Sumoringer ausgesehen hätte. Auch später, als Jugendlicher, wirkte er nicht unbedingt wie einer, der eines Tages Real Madrid mit vier Toren aus dem Stadion schießen würde. Seine Mitspieler nannten ihn „Bobek“, was so viel wie „Kleiner“ bedeutet. Er selbst sagt: „Ich hatte damals Beine wie Fahrradschläuche.“ Vermutlich wäre seine Karriere sogar recht schnell vorbei gewesen, wenn er als 17-Jähriger auf den Vereinsarzt von Legia Warschau gehört hätte. Der befand nämlich, dass Lewandowskis Körper nicht für den Profifußball gemacht sei. Aber der junge Stürmer ignorierte den Rat des Docs - und traf auch danach eine Menge richtiger Entscheidungen. Einige waren pragmatischer Natur, andere auch das Resultat von Zufällen. Wie etwa die Episode aus dem Jahr 2010. Lewandowski war bei Lech Posen zu einem der besten Stürmer der polnischen Ekstraklasa geworden, und regelmäßig saßen Scouts von Premier-League-Klubs auf den Tribünen. Als heißester Kandidat galten die Blackburn Rovers. Doch just an dem Tag, als der junge Pole zu Vertragsgesprächen nach England fliegen wollte, brach der isländische Vulkan Eyjafjallajökull aus und legte den Flugverkehr über Europa lahm. Jürgen Klopp und Michael Zorc reagierten blitzschnell und luden Lewandowski nach Dortmund ein. Später erinnerte sich der Angreifer: „Hat diese Entscheidung mein Leben verändert? Ja. Vielleicht!“ Der Rest ist eine Fußball-Blockbuster-Serie voller Rekorde und Haste-nicht-gesehen-Spiele. Die Geschichte eines Stürmers, der fünf Tore in acht Minuten und 59 Sekunden schoss. Der zweimal Bundesliga-Torschützenkönig wurde. Der fünfmal die Deutsche Meisterschaft und zweimal den DFB-Pokal gewann. Der alleine für die Bayern 110 Tore in 147 Spielen erzielt hat. In der abgelaufenen Saison musste er sich im Kampf um die Torjägerkanone zwar Pierre-Emerick Aubameyang geschlagen geben, trotzdem schoss Lewandowski erneut 30 Tore. Wettbewerbsübergreifend machte er 43, was einen Schnitt von 0,94 Treffern pro Spiel bedeutet. Zum Vergleich: Cristiano Ronaldo kam diese Saison nur auf 0,86 Tore. Was also fehlt ihm noch zum Titel Weltfußballer des Jahres? Vielleicht der Champions-League-Pokal. Vielleicht auch die Show auf dem Platz. Denn Lewandowski ist zwar ein kompletter Stürmer, der spektakuläre Dinge tut – Seitfallziehertore von der Strafraumgrenze! –, trotzdem kommt sein Spiel ohne Bohei aus. Und daher wirkt der 28-Jährige mit dieser angenehm uneitlen Art manchmal wie ein Gegenentwurf zum modernen Fußball, wo Spieler vor Freistößen posieren wie John Wayne und die Black Eyed Peas vor dem Champions-League-Finale Aerobic tanzen. So oder so: Man kann heute mit Fug und Recht der ärztlichen Diagnose von einst widersprechen. Und man darf Blackburn bemitleiden, die im Sommer in die dritte Liga abgestiegen sind.