VfL Wolfsburg

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Eintracht Braunschweig

Wolfsburg-Braunschweig im Liveticker

Halbe Niete

Wolfsburg gewinnt das Relegations-Hinspiel mit 1:0 gegen Eintracht Braunschweig. In einem Spiel, das Werbung für vieles war: Balljungen, Einwürfe und Eishockey. Nur eben nicht Fußball. Hat verzweifelt versucht, diesen Umstand zu manipulieren: Der Liveticker.

20.10 Uhr

Hallo. Willkommen zum Relegations-Hinspiel zwischen dem VfL Wolfsburg und Eintracht Braunschweig. Machen wir es kurz: Möge der Bessere gewinnen. Oder eben Eintracht Braunschweig.

20.15 Uhr

Bevor wir eintauchen in das Elend der Wolfsburger, in die Hoffnung der Braunschweiger Seele, noch die gute Nachricht des Tages. Ihr seid schon so lange auf der Suche nach dieser Eck-Schelle, diesem Flansch, mit dem ihr zuvor immer eure Mikrowelle und die Waschmaschine verbunden hattet? Dieses T-Stück für, ihr wisst schon? Oder einfach einem guten Rat? Dann flugs, auf auf nach Dortmund. Auf zu Thomas Tuchel. Denn der hat »alles, was man braucht«. Außer ein Rezept gegen Aki Watzke.

20.18 Uhr

Aber nun los, hinein in die Materie, wie der Metzger sagt. Relegation 2017. Wer da wohl das Rennen macht? Wir haben unsere Leser befragt. Hier das wenig überraschende Ergebnis (Wobei davon auszugehen ist, dass die Werte für Volkswagen und Wolfsburg um bis zu zehn Prozent manipuliert wurden):

20.19 Uhr

Auch die ARD sendet inzwischen live aus Wolfsburg. An der Seite von Matthias Opdenhövel, der alten Viva-Quaste, steht zur Abwechslung mal nicht Mehmet Scholl, sondern Stefan Effenberg. Sieht super aus, der Tiger. Scheint sich gut von Paderborn erholt zu haben. Sowas dauert ja bekanntlich. Manche bekommen das sogar ihr Leben lang nicht aus den Köpfen - Paderborn. Aber Effe ist eben ein Kämpfer. Mittelfinger raus, und frei sein. Ein großer Mann.

20.20 Uhr

Ach ja. Übrigens. Lokalzeitungen. Doppel-LOL und heavy ROFL:

20.21 Uhr

Zu den Aufstellungen. Wolfsburg mit Mario Gomez. Obwohl zeitgleich das Finale von Germanys Next Topmodel ausgetragen wird. Das nenne ich Vollprofi!

20.23 Uhr

Frage mich gerade, wie wohl das gemeinsame Kind von Mehmet Scholl und Stefan Effenberg aussehen würde?! Komme zu keiner Lösung. Nur soviel ist klar: Es würde Matthias Opdenhövel das Pausengeld weggrätschen. Und sich danach mit einem flotten Spruch über ihn lustig machen. Ein Lausbub, dieser Gianluca-Claudio Schollenberg.

20.27 Uhr

Oha. Die Mannschaften betreten den Rasen. Und der VfL Wolfsburg kommt auch.

20.28 Uhr

Wenn ich das richtig erkenne, hängt über der Wolfsburger »Fankurve« ein Banner mit der Aufschrift »Arbeit, Fussel, Leidenschaft«. Wer hätte das gedacht?! Dass sich das Lebens-Motto der VW-Ultras mit dem meinen deckt?! Werde ich jetzt doch noch Fan des Konzern-Günstlings?! Kurze Antwort: Nein. Lange Antwort: Niemals.

1.

Anstoss Wolfsburg. Klappt. Haben sie offenbar trainiert.

3.

Freistoss durch Malli und am langen Pfosten verpasst Luiz Gustavo nur um die Breite seines Schnurrbarts. Also kaum sichtbar.

5.

Braunschweig geht hier ordentlich drauf, presst früh und ist eklig. Eine ganz normale Geburt also.

8.

Spielerisch sind die Gäste dann aber bisher doch arg beschränkt. Wie ein Scrabble-Weltmeister, der zu einer Runde Monopoly auf Leben und Tod angetreten ist. Und im Fünf-Sekunden-Takt ruft: Schach!

10.

Ziemlich englisches Spiel hier. Viel hoch und weit. Viel Schienbein auf Schienbein. Aber nur konsequent, dass die beiden Teams den Zuschauer am großen Finaltag der Amateure nicht in seinen heute angelernten Sehgewohnheiten stören.

12.

Mario Gomez kommt nach langer Freistoß-Flanke im Strafraum der Braunschweiger zu Fall. Fordert dann irgendwas. Pomade vielleicht. Ein Foul jedenfalls war da nicht im Spiel. Aber Zusammenhänge sind bekanntlich oft ein Rätsel:

14.

Ken Reichel stoppt Daniel Didavi. Allerdings auf Kosten eines eingesprungenen Fouls. Hier die Wiederholung:

 

17.

Weiter wenig Fußball hier. Und mithin also ein Spiel, das beste Werbung ist. Für Balljungen und Ringen.

20.

Schöner Freistoß von Yunus Malli. Doch Braunschweigs Keeper Fejzic rettet im Glücksverbund mit dem Pfosten. Und wieder ein Wolfsburger mehr, der einfach nicht tut, wofür er bezahlt wird.

23.

Auf der anderen Seite Boland freistehend und aus fünf Metern mit einem Kopfball der Marke »Oha«, vergibt kläglich ins Aus. Und irgendwo auf dieser schönen, weiten Welt sitzt Miro Klose, nippt an einem guten Roten und bekommt ganz ungeahnt das kalte Schaudern eines Gottes.

25.

Mehr Freistöße hier als auf einer Swinger-Club-Gang-Bang-Party. Nur leider deutlich weniger Abschlüsse.

28.

Ich würde ja gern Spielszenen beschreiben, allein: Es gibt keine. Das Spiel besteht ausschließlich aus langen Bällen, Einwürfen und besagten Freistößen. Immerhin Daniel Didavi fasst sich ein Herz nun, packt den linken Hammer aus und wemst aus gefühlt Hessen einen Torpedo in Richtung Braunschweiger Kasten. Doch Fejzic hat die Schotten dicht, taucht ab und entschärft. Weiter 0:0, bzw.: Gähn.

30.

Aber was nutzt alles Jammern?! »Wenn wir cool bleiben, bleibt alles cool«, wusste schon DJ Woody. Und der muss es wissen:

31.

Immerhin: Das hier ist die beste Folge von »Takeshi's Castle«, die ich seit langem gesehen habe.

32.

In Anbetracht der Wolfsburger Leistung stand deren Kurztrainingslager vermutlich unter folgenden Schwerpunkten: a) Ausstiegsklauseln im Abstiegsfall richtig anwenden b) Lange Bälle in den Fuß verschiedener Gegenspieler c) Aggressive Körpersprache bei zeitgleicher, vollständiger Schlaffheit.

35.

Bums mich! Valsvik bekommt einen Schuss von Yunus Malli an die linke Hand, oder stoppt den Schuss mit der linken Hand, wer will das schon so genau sagen?! Er tut dies, und das immerhin ist eindeutig, exakt auf der Strafraumgrenze - Elfmeter! Den Mario Gomez souverän zur Führung verwandelt. Germany's Next Top Model der Herzen hat wieder zugeschlagen! Jetzt kann es nicht mehr lange dauern bis zur VW Golf Edition Mario Gomez. Oder ach, benennt gleich einen ganzen Wagen nach dem diesem Mann! Oder die Stadt! Am besten die Stadt. Mario Gomez Stadt bei Fallersleben. Und wenn ihr schon dabei seid: Hört auf den Fußball kaputt zu machen. Danke.

38.

Träsch versucht mit links zu flanken. Was ungefähr in einer Liga spielt mit der Vorstellung, die AFD würde einen vernünftigen Beitrag zur Asylpolitik einbringen. Oder Uli Hoeneß würde differenziert über seine Haft-Strafe sprechen. Oder eben, leider: Braunschweig.

40.

»Job nervt?«, fragt die Bandenwerbung im Wolfsburger Stadion nun und verweist auf eine Jobbörse. Mario Gomez zückt Bleistift und Papier.

42.

Dinge, die allein beim zusehen mehr Spaß machen als dieses Spiel:

43.

Bemerkenswert: Der Teamgeist der Braunschweiger! Nachdem Ken Reichel in der 14. Minute seine gelbe Karte erhalten hat, versuchen seine Mitspieler wirklich alles, es ihrem Kapitän gleich zu tun.

44.

Die gute Nachricht: Gleich ist Halbzeit.

21.16 Uhr

Halbzeit. Ich gehe kurz durchschnaufen. Also kotzen. Bis gleich.

46.

Anstoss zur zweiten Halbzeit. Auch bei dieser Entscheidung sieht Schiedsrichter Sascha Stegemann nicht glücklich aus. Meine Meinung.

49.

Ein Anagramm für »Braunschweig« lautet übrigens »Ab sich weg nur«. Bezeichnend.

50.

Das Anagramm für Wolfsburg lautet übrigens Wolfsburg. Schlimm.

51.

Die zeitiger im Spiel getätigte Behauptung, dies sei die immerhin die beste Folge von Takeshi's Castle, die ich seit langem gesehen habe, ist natürlich übrigens totaler Quatsch. Angesichts der Anzahl an Bodychecks, die dieser Abend hier Minute für Minute aneinander reiht, gilt aber sicher: Dies ist das beste Spiel der Eishockey-WM, das ich gesehen habe.

52.

Freistoß Braunschweig übrigens. Um mal wieder etwas zum Spielgeschehen zu schreiben. Die Folge: Abstoss Wolfsburg. Nachdem der Wolfsburger Wollscheid ins Aus geklärt hat. Das fasst es dann eigentlich recht gut zusammen. Oder anders:

55.

Aus dem Gewühl, welches dieses Spiel ist, dann plötzlich die Kopfballchance für Mario Gomez. Macht er gut, dieser Diesel-Motor unter den Fußballern. Aber Braunschweigs Keeper gibt erneut das U-Boot, taucht ab und kratzt den aufgesetzten Nicker noch von der Linie. Dieser Fejzic wäre einer für Ursula von der Leyen. Aber andererseits: Schlechte Bezahlung, militante Chefs - kann er auch gleich in Braunschweig bleiben.

58.

Das Spiel als Gedicht: Ach, schnödes Ball-Gewitter, durchzuckst unsere Glieder, immer und immer wieder. Würg. Würg. Was reimt sich auf Würg? Wolfsburg.

61.

Ach schau an: Freistoß Wolfsburg. Gefolgt von: Freistoß Braunschweig. Das reißt nun wirklich niemanden mehr vom Hocker. Oder?

64.

Wenn die DFL Eier hat, bricht sie dieses Spiel umgehend ab und bestimmt, dass in der kommenden Saison einfach beide Mannschaften in der zweiten Liga spielen müssen.

67.

Ich zünde mir eine Zigarette an. Ziehe daran. Denke an Morgen, weil das ist ja auch wieder ein Tag. Vielleicht gibt es mal wieder Jogurth mit Obst zum Frühstück? Und ich darf nicht vergessen, den Müll mit runterzunehmen, wenn ich das Haus verlasse. Was hat mein Vater heute eigentlich am Telefon gemeint, als er sagte: »Naja«?! Und macht Angela Merkel die Merkel-Raute wirklich, um eine innere Bande zu ihren Zuhörern herzustellen? Ob es stimmt, dass Pferde masturbieren, indem sie im Laufen dafür sorgen, dass ihr erigiertes Glied gegen ihre Bauchdecke schlägt? Und ist Bibi von Bibis Beauty Palace tatsächlich so resistent gegen diesen Haufen Kritik-Scheisse, der da über sie herein brach? Fragen über Fragen. Und allesamt spannender als dieses »Spiel«. Fußball, Du kannst so hässlich sein.

70.

Was der Erfinder der Relegation wohl heute Nacht träumt? Derweil. Einwurf Braunschweig. Einwurf Wolfsburg. Einwurf Braunschweig. Einwurf Wolfsburg. Ich kaufe ein »a« und möchte lösen: Abpfiff jetzt.

73.

Braunschweig versucht alles. Braunschweig gelingt nichts. Eine Mannschaft, wie mein Liebesleben.

75.

Der Ball ist hier mehr in der Luft, als Franz Beckenbauer im Vorfeld der WM 2006.

77.

Wie sehr es schmerzt, einen Filet-Kicker wie Yunus Malli in diesem Spiel zu sehen. Als müsste Michelangelo an der Volkshochschule Stendal einen Kurs über das korrekte Zeichnen von Strichmännchen geben. Ein Künstler, gefangen im Unbill niederträchtiger Versagensangst. Gefangen im Kampf der Verzweifelten.

79.

Es müsste jeden Moment so weit sein. Es müssten jeden Moment Trilliarden Luftballons vom Himmel über Wolfsburg regnen. Allen eingeprägt: Herzlichen Glückwunsch zum 10.000 Fehlpass. Sponsored by VW. Es wäre die sinnvollste Investition, die der Konzern im vergangenen Jahr über diesen Klub hat kommen lassen.

81.

Wer immer in den kommenden Wochen »Scheiß Sommerpause« ruft, wird nicht unter 25 Minuten Wolfsburg-Braunschweig bestraft.

84.

Fun Fact. Gesamtmarktwert der Mannschaft des VfL Wolfsburg laut »transfermarkt.de«: 154 Millionen Euro. Faktor, um den die Arbeit eines einfachen Fließband-Arbeiters bei VW wertvoller ist als dieses Gemurkse: unendlich.

87.

+++BREAKING NEWS: Der VfL Wolfsburg hat soeben dreieinhalb Flachpässe über teilweise mehr als zwei Meter am Stück an den eigenen Mann gebracht. Jetzt wird es ein Fußballspiel! Oder Origami für Lepra-Kranke.

89.

Jubel in Wolfsburg. Die VW-Kantine serviert morgen Schweinebraten. Passend zu diesem Spiel.

90.

Drei Minuten Nachspielzeit. Die natürlich wie eingeleitet werden? Mit einem Freistoß. Ein Spiel, wie eine Show von Mario Barth. Tausend Gags. Eine Pointe. Und keine davon lustig.

22.20 Uhr

Aus. Aus. Aus. Das Spiel ist: Aus. Der Highlight-Moment dieses Spiels. Auf dem Rasen tobt Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht zwischen den Spielern und Schiedsrichtern hin und her. Ein Strommast von einem Mann. Ein bisschen Gemecker hier. Ein bisschen Trost da. Er weiß, es ist nur Braunschweig. Und dass seine Jungs alles gegeben haben. Dass es schon nicht normal ist, dass seine Jungs überhaupt den dritten Platz der zweiten Liga erreicht haben. Ihm und ihnen gebührt jede Liebe. Und auch die tut manchmal weh. Wie das Spiel der Eintracht heute. Aber dann bilden sie einen Kreis, ganz nah an ihren Fans, und brüllen sich ein Versprechen in die Wahrnehmung. Mehr Entschlossenheit geht nicht, so kurz nach so einem Spiel. Das immerhin lässt für das Rückspiel hoffen. Vielmehr allerdings ist es nicht.

22.25 Uhr

Freunde. Das soll es gewesen sein. Wolfsburg gewinnt mit 1:0. Durch ein Tor von Mario Gomez, in Folge eines zumindest streitbaren Elfmeters. Die gute Nachricht: Noch ist alles drin für Braunschweig. Keine Pointe. Nur ein Adieu für den Moment.



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