Werder Bremen

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Hamburger SV

Werder-HSV im Liveticker

Jesus, wer?

Werder gewinnt das Nordderby und bastelt weiter an einer Auferstehung, in deren Vergleich Jesus wie ein Sitzenbleiber dasteht. Gab den folgsamen Apostel des Fußballgotts: Der Liveticker.

15 Uhr

Moin, moin. Oder wie man in Bremen sagt: Nouri, nouri. Willkommen zum Liveticker, willkommen zu Werder gegen HSV. Was klingt wie die ärztliche Anweisung zu einer ganz fiesen Impfung. Und doch nur Nordderby bedeutet, und Ablenkung von all dem Elend der Welt. Von Dingen, über deren schiere Existenz nur Schrecken empfunden werden kann. Donald Trump. Rassisten. Und das hier:




15.05 Uhr

Die ganzen hellen Kerzen auf dem Bremer Kuchen sind heute offenbar besonders früh aufgestanden, habe ihre drei Gehirnzellen in einen großen Topf geworfen und dann dies hier in den Tag gestellt. Chapeau, vor so viel Dummheit. Und Mützen auf, sonst regnet es noch rein in eure Hohlbirnen:

15.10 Uhr

Am Sky-Mikrofon von Jessica »Schneehase« Kastrop jetzt schon René Adler und Clemens Fritz. Oder ist dies das Finale von »Germanys next Schwiegersohn«? Adler punktet mit verbindlichem Lächeln. Einem Lächeln, so honigsüss, so vertrauensvoll an die Äuglein watschelnd, dass man einen Bausparvertrag abschließen möchte. Und sei es, um eine Hundehütte zu errichten, in der unser neuer Irish-Setter-Rüde namens René sich so richtig am Glück kratzen kann. Fritz hält mit einer Krücke dagegen. Alter Trick. Billig heischend, klar. Aber effektiv. Der Oma-Trick der Herzen. Endstand: Unentschieden auf ganz hohem Niveau.

15.12 Uhr

Richtig schönes Shit-Wetter in Bremen. Doch Adler und Fritz macht das nichts aus!

15.15 Uhr

Jetzt Markus Gisdol am Mikrofon von Rollo »hallo hallo« Fuhrmann. Der Regen prasselt mit sieben Litern pro Gisdol auf sie herab. Doch kein Grund zur Sorge, kein Grund die L'Oreal-Task-Force zu rufen - die Betonfrisur von Hamburgs Supertrainer hält auch diese Naturgewalt aus. Was für ein Teufelskerl. Gisdol auch.

15.17 Uhr

Oh. Jetzt Nouri am Rollo-Fon. Und siehe da, plötzlich scheint die Sonne. Kritikaster könnten nun meinen, das Interview sei vor Minuten schon aufgezeichnet worden, da es noch nicht in Strömen auf das Weserstadion hinunter regnete. Aber was anderes sind Kritikaster als Menschen, die keinem Zauber glauben?! Eben. Und also, ja, es stimmt, wo Alexander Nouri ist, ist Sonne.

15.20 Uhr

Zum Sport. Zu den Aufstellungen. Bremen mit elf Mann. Hamburg ebenso. Schwer, daraus für eine der beiden Mannschaften einen Vorteil heraus zu lesen.

15.25 Uhr

Wolff Fuss kommentiert. Wir lassen uns die Vorfreude trotzdem nicht nehmen.

15.27 Uhr

Claudio Pizarro nur auf der Bank. Eine Niederlage für alle Ästheten. Eine Niederlage für den Fußball. Nouri raus! Meine Meinung.

15.28 Uhr

Die Sky-Kamera folgt Alexander Nouri, wie er über den Rasen schreitet (schwebt?), der für den Moment sein Laufsteg ist. Jeder Schritt ein »Ja!«, jeder Schritt eine Sinfonie aus Fuß und Schulter, die sich jeweils entgegengesetzt mitbewegt, als wolle sie die Fußspitzen Nouris küssen, weil sie golden sind vom vielen Erfolg. Und schon bin ich besänftigt darüber, dass Pizarro nur auf der Bank zu sitzen hat. Nouri darf bleiben. Nordderby gerettet. Puh.

1.

Anstoss. Womit sich konstatieren lässt: Der Matchplan von Jahrhunderttrainer Markus Gisdol ist zu 100 Prozent aufgegangen. Jetzt heißt es: hoffen.

3.

Wieder scheint die Sonne nun. Der Fußballgott hat Bock. Wir auch. Lass mal feiern. Denkt sich auch Werder und beschleunigt von 0 auf 100 in einem Wimpernschlag nur. Angriff über rechts, flache Hereingabe auf Kruse, der freistehend und aus elf Metern zum Abschluss kommt. Aber zu zentral; Mathenia im Tor des HSV bekommt Körper dazwischen, klärt zur Ecke. Und für den Moment scheint es, als wolle der kecke Zopf von Max Kruse lieber alleine wohnen.

5.

Hamburg bisher wie ein Verkäufer am Fischimbiss, dem der Fisch ausgegangen ist. Und vor dessen Tresen aber eine Busladung hungriger Mäuler auf ihr Gaumenglück wartet. Jetzt ist gutes Zeitmanagement gefragt.

7.

Bumms mich! Was bin ich für ein ahnungsloser Trottel. Angetäuscht haben sie, die Hamburger, auf Rentner markiert, um dann einfach mal so, zack-bumm, einen Angriff über rechts zu tanzen. Flanke. Kopfball Gregoritsch. Linkes Eck. Tor. Für den HSV. Und die Betonfrisur von Markus Gisdol startet eine La Ola.

10.

Werder reagiert gekonnt auf den Rückstand. Also aus der Sicht eine Kleinkinds. Ballert die Bälle jetzt einfach reihenweise ins Aus. Und warum auch nicht?! Macht kaputt, was euch kaputt macht!

13.

Und so hat die heimliche, deutsche Königin die Hamburger Führung erlebt:

14.

Steile These am frühen Sonntagabend: Ohne Peter Knäbel wäre das alles nicht möglich gewesen.

16.

Matthias Ostrzolek hat seine linke Seite gut im Griff. Was vermutlich einzig und allein daran liegt, dass die Überblondierung seines Haupthaars die Gegner in die nahe Blindheit scheint. Für mich eine klare blonde Karte.

19.

Was für ein Spiel! Es geht rauf und runter. Mehr Höhepunkte hier als in der Cumshot-Sparte von youporn. Erst scheitert Kostic nach Zuckersteilpass von (wird nachgeliefert..) am stark herauseilenden Wiedwald, dann Grillitsch nach Pass von Kruse und Drehung um die eigene Achse, inmitten des Strafraums, an sich selbst. Zentimeter an der Latte vorbei. Das wiederum kennt man von youporn weniger.

21.

Foul HSV, 20 Meter und zentral vor dem Kasten. Freistoss Werder. Junuzovic gibt in der Vorbereitung, im Anlauf den Da Vinci. Hat nur leider den Zirkel verwachst und wemst den Ball in sterbender Schönheit an den Pfosten. Womit mal wieder bewiesen wäre: Niemand scheitert so schön wie die Österreicher.

23.

Eine Bandenwerbung knapp neben dem Werder-Tor schreibt »hoyer24.de«. Ich kaufe in »z« und bestelle ein paar Tore.

25.

Was so ein Derby aus den Menschen macht! Aaron Hunt gerade tatsächlich mit Selbstbehauptung im Zweikampf. Den er sogar gewinnt, um dann mit fast so etwas wie Dynamik das Spiel fortzusetzen. Irre. Was kommt als nächstes? Eine Hamburger Transferphase mit Sinn und Verstand?

27.

Erstmal kommt Werder, kommt Finn Bartels, die graue Feder. Kommt zum Schuss, der sich nur knapp am langen Pfosten in die Atempause rettet. Hier jetzt mehr Tempo drin, als bei einer Fachmesse für Taschentücher.

30.

Zweikämpfe ohne Ende. Dagegen ist Ultimate Fighting ein Kindergeburtstag. Oder anders:

32.

Gelbe Karte für Zlatko Junuzovic. Legt derart gekonnt einen Hamburger, dass McDonald's ihn ad hoc zum neuen Testimonial beruft.

35.

Jetzt auch gelbe Karte für Grillitsch, der Holtby mit gestreckten Beinen einen Gruß in die Gesundheit stellt. Zum Glück trägt Holtby keinen bleibenden Schaden davon. Die Frisur hatte er vorher schon.

38.

Da gerade Max Kruse in Großaufnahme zu sehen war; Frage: Schauen Fußballer in der Halbzeitpause auf ihr Handy? Checken Facebook, WhatsApp, Kontostände? Rufen mal eben daheim an? »Ja, Papa kommt bald. Muss noch ein bisschen arbeiten, aber spätestens um 19 Uhr bin ich da, und dann spielen wir zusammen.« Wäre das nicht wunderbar menschlich? Oder grundsätzlich bescheuert? Und wo ist da der Unterschied?

41.

Das Spiel verflacht. Will ich gerade sagen. Aber dann! Aber dann!! Kruse mit der Hacke in den Lauf von Junuzovic, der zu Santiago Garcia, dessen Brandfackel von Flanke die Schokoladenseite von Fin Bartels' Innenfuß findet. Ablage nach innen, und ist das Goldstaub, der da mit dem Ball in Richtung Kruse fliegt? Egal, der Maximiser prengelt ihn dann über die Linie. Der Rest ist Wahnsinn. Werder-Wahnsinn. Das ganze Stadion eine Burg aus Ekstase. Das sind Gefühle, wo man nicht beschreiben kann. Außer vielleicht mit: geil.

44.

Und einfach nur, um zu zeigen, dass sie auch das beherrschen, spielen die beiden Mannschaften jetzt eine Runde hoch und weit. Und auch hier: Klares Unentschieden.

16.18 Uhr

Halbzeit in Bremen. Ich schnaufe kurz mal durch. Nicht jedoch ohne euch auf den neuesten Stand zu bringen:

16.29 Uhr

Ich? Ja, muss ja, ne?! Und sonst so? Ach. Immerhin: Carsten Maschmeyer gefällt das:

46.

Anstoss zur zweiten Halbzeit. Damit hat Markus Gisdol nicht gerechnet. Vorteil Werder. Meine Meinung.

49.

Das Spiel geht da weiter, wo es vor der Pause aufgehört hat: Mit dem Gaspedal direkt am Bodenblech. Und das bei Werder-HSV! Als würde ein unbelegtes Schwarzbrot zu einer Geschmacksexplosion führen. Die unerwartete Schönheit ist eben die reinste.

52.

Auch völlig irre: Während Werder eher über den Kampf, den Einsatz und das Tempo kommt, spielt der HSV hier richtig guten, ansehnlichen Kombinationsfußball. Als würde man zu Fips Asmussen gehen und einen Vortrag über den kategorischen Imperativ bei Kant zu hören bekommen.

54.

Grillitsch gibt den Kruse aus der frühen ersten Halbzeit, kommt aus elf Metern und mit rechts frei zum Schuss. Scheitert wie sein Mitspieler vorhin an den blitzschnellen Händen von HSV-Keeper Mathenia. Und Kruse? Scheint den Zopf zu schütteln und zu denken: Ich hätte den gemacht.

56.

Ein Spiel als Taubenschlag. Im Gegenzug Matthias Ostrzolek aus spitzem Winkel gegen Felix Wiedwald. Doch dem Hamburger Linksverteidiger mit der Blondierung eines Textmarkers geht das Wasserstoffperoxid aus, der Schuss wird zum zaghaften Spitzeln. Chancenspliss, wie der Friseur sagt.

57.

Schlechte Nachrichten aus Bremen: Dieses Spiel wird in ungefähr 35 Minuten einfach vorbei sein. Bitter.

60.

+++BREAKING NEWS: Gisdol verhöhnt den Gegner. Pierre-Michel Lasogga macht sich bereit für eine Einwechslung.

62.

Nouri reagiert sofort. Bringt Florian Kainz für Grillitsch. Jetzt also beide Mannschaften zu zehnt.

65.

Werder jetzt mit meiner guten, alten Disco-Taktik: Einfach rumstehen und abwarten, bis das Licht angeht und eine sagt »Dann komm halt mit«.

68.

Der HSV jetzt hier mehr am Drücker als Schmidt-Schallers beim Familienduell. Wir haben 100 Menschen gefragt, was man schlagen kann. Antwort HSV: Werder.

69.

Dennis Diekmeier mit einer Flanke. In seiner Gesamtheit ein gelungenes Remake von Apollo 13. Mit Pierre-Michel Lasogga als Tom Hanks. Und Veronica Ferres als Staub.

71.

Konter Werder. Kruse auf Bartels, Bartels auf Kruse, Kruse mit Vollspann ans Außennetz, statt zurückzulegen. Aber es ist, wie es ist: Alle elf Minuten verliebt sich Max Kruse in sich selbst.

73.

Gelbe Karte für Dennis Diekmeier. Der Santiago Garcia fällt. Und so ganz nebenbei die Abschlussprüfung zum Förster geschafft hat.

76.

Das Spiel jetzt für den Moment flacher als Holland. Und genauso erfolgreich.

77.

Man muss eben nur meckern! Tor Werder. Konter über Kruse, der ganz uneigennützig in den Lauf von Florian Kainz legt, dessen satter Linksschuss durch Mathenias Beine ins Tor rauscht. Der Rest ist grün-weißer Jubel. Und rot-weiße Trauer. Das Farbenspiel eines Derbys. Die Schönheit des Spiels. Und irgendwo in Hamburg sucht ein Mann namens Klaus-Michael Kühne nach seiner Geldbörse.

80.

Raffael van der Vaart im Mittelfeld des HSV heute wieder unsichtbar.

82.

Gerade einen guten Gag gesehen: Bremen nur noch zwei Punkte von einem Europa-League-Platz entfernt.

85.

Gisdol reagiert, bringt Waldschmidt und Jatta für Kostic und Holtby. Keine Pointe. Der geneigte Werder-Fan lacht trotzdem.

87.

Kruse wiederholt und gekonnt mit der Hacke. Das muss dieses Bauchgefühl sein, von dem man immer wieder hört.

88.

Das Spiel jetzt wie das Duell zweier Boxer, die den Gong nicht gehört haben, keine Kraft mehr im Tank wissen und dennoch Schwinger für Schwinger in den Kampf stellen. Die Luft zerreißt, und jeder reklamiert jeweils Wirkungstreffer für sich. Und wir, die wir am Rand sitzen, schauen dem Schauspiel staunend zu, in der ewigen, inneren Suche nach dem weißen Handtuch.

90.

Uh. Ah. Tor HSV durch Jatta. Und doch nicht, weil abseits. Niemand reklamiert. Früher war mehr Verzweiflung.

90.+2

Fünf Minuten Nachspielzeit! Was man in fünf Minuten nicht alles schaffen kann! Einen Hochzeitsantrag in die Welt reden. Beim Roulette alles gewinnen und wieder verlieren. Eine Fünf-Minuten-Terrine kochen. Und was macht der HSV? Gibt den Ball zu Pierre-Michel Lasogga. Dem Dampfgarer des Nichts.

90.+3

Foul Werder, Freistoß HSV. Torwart Mathenia kommt mit nach vorn und steht sich die Hoffnung in die Beine. Doch die Bremer Abwehr klärt souveräner als Peter Zwegat eine Steuerfrage. Raus aus dem Strafraum. Der neue Hit an der Weser.

17.25 Uhr

Und dann ist es aus! Bremen gewinnt das Nordderby mit 2:1. Alexander Nouri macht den Platzsturm, doppelte Becker-Faust inklusive. Markus Gisdol wirkt innerlich zu Boden gedrückt, als würde seine Beton-Frisur tatsächlich die fünf Tonnen wiegen, die sie vermuten lässt. Und so ist das, furchtbar ungerechtet - es endet. Einfach so. Ich verabschiede mich in diesen Sonntag, und gebe ab an den Spielfeldrand, wo René Adler tief ins Gespräch verwickelt ist. Bis zum nächsten Mal, liebe Freunde.

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