Tunesien

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England

Tunesien - England im Liveticker

Southgeht doch!

England zeigt gegen Tunesien, warum es wahrscheinlich wieder nicht Weltmeister werden wird. In der Nachspielzeit sorgt Kane trotzdem für den Harry in der Suppe. Hat 90 Minuten lang schlechte Wortspiele geübt: der Ticker. 

imago

19:45 Uhr

Guten Abend, liebe Freunde. Endlich England. Es kribbelt ein wenig. Können gar nicht sagen, wo wir das England-Debüt auf der Vorfreude-Skala von 1 bis Kleinkind-an-Weihnachten einordnen würden. Mindestens jedoch ein Full-English-Breakfast an ‘nem verkaterten Sonntagvormittag. Mit Hunger gekommen: Jonah »All you can piek« Lemm und Gareth »Speichelfluss« Joswig.

19:48 Uhr

Herrliche Bilder im Vorbericht: besoffenen dicke Engländer, die offenkundig keine Sonnencreme besitzen. Peinlicher sind nur besoffene dicke Deutsche, die offenkundig keine Sonnencreme besitzen.

19:52 Uhr

Hat man auch noch nicht erlebt: Mückenplage an der Wolga. Die Kameramänner, die heute das zweifelhafte Vergnügen haben, im Stadion von Wolgograd zu arbeiten, haben schon beim Aufbau ihrer Stative 20 Stiche im Gesicht gefangen, so eine Fieldreporterin. Torhüter bezeichnet das ARD dann zielsicher als »Fliegenfänger«. Ergänzt von Bildern von Fußballern, die Insekten töten. Sie alle werden sich noch nach Mücken zurücksehnen, wenn Sie in vier Jahren im Wüstensand von Katar verdursten. Funfact: Das Stadion in Wolgograd hat statt 87 Millionen circa 400 Millionen Euro gekostet. Feuchter Baugrund und unvorhersehbare Autankosten vermutlich.

19:54 Uhr

Vorab schon mal ein kleiner Disclaimer: Mit dem Namen Harry Kane verbietet sich wirklich jedes Wortspiel. Schöne Grüße auch an meine ehemaligen Mitschüler Christiane Schmidt und Johannes Beere.

19:57 Uhr

Die englische Hymne. Immer noch die beste Fußballhymne überhaupt. Meine Meinung.

19:55 Uhr

Die Hymne der Tunesier läuft. Unbekannte Gesichter zu unbekannter Musik. Hier die Taktik der Tunesier in meinem persönlichem Experten-Check:

19:58 Uhr

Die Aufstellungen: WAAAS?! England ohne Viererkette? Das ist nicht mehr mein England. Gareth Southgate hipstert mit laptop, frischgeöltem Bart und joy-division-Turnbeutel auf das Spielfeld. Grüßt beiläufig über den Sonnenbrillenrand und legt eine Vinyl auf seinem tragbaren Plaztenspieler auf. Spielt Midnight City von M83. Und irgendwo liegen sich Roy Hodgson und Brian Clough weinend in den Armen.

1.

Anstoß: Cheers.

1.

Zugegeben, Tunesien ist natürlich kein Knallergegner. Aber dass England hier gleich seine A-Jugend auflaufen lässt, finde ich ein bisschen überheblich.

2.

Just Joking! Englands Durchschnittsalter ist mindestens so hoch wie das eines Berliner Start-Ups. Dienstältester mit 32 Jahren Ashley „Young“. Eine Wortspiel-Möglichkeit wie mein 11Freunde-Stundenlohn: zu billig, um nicht drauf anzuspringen.

3.

Alter, Lingard hat in der dritten Minute (!) eine Chance, so hundertprozentig wie reiner Alkohol. Zieht aus etwa zehn Metern schneller ab als selbstbewusste Hausfrauen ihre Kaltwaxstreifen. Warten Sie, ich greife kurz in meine Floskelkiste. Muss er machen!

4.

England drückt hier, hat schon wieder eine geile Chance. Aber Abseits. Die Tunesier fühlen sich beschissen: »So wurde das in den vergangenen Jahren aber nicht von euch kommuniziert«. Hätte ich gewusst, dass das hier so schnell losgeht, ich hätte mich doch wenigstens rasiert!

5.

Vor zwanzig Minuten hätte ich noch Donald Trump den Tweet »England wird Weltmeister« ans Herz gelegt. Aber Sie merken, liebe Leser: Ich habe anscheinend nun wirklich keine Ahnung.

7.

Tunesien übrigens mit Wahbi Khazri... und anderen Menschen, die anscheinend irgendwo auf der Welt ein bisschen Geld fürs Kicken bekommen. Einer von ihnen liegt am Boden, hat einen Ellenbogencheck bekommen. An der Seite ätzt Putin: »Steh auf! So begrüßen wir uns jeden Tag im Kreml, du Lusche!«

9.

Simon über Tunesien: »Auch wenn die alle nicht in hohen Ligen spielen, die können alle den Ball halten und auch ein bisschen was damit machen.« Der Mann denkt auch, das »War stets bemüht« in seinen Praktikazeugnissen bedeutet etwas Gutes.

10.

Und dann die brisante Info: Pickford fühlt sich nicht wohl im englischen Tor. Aber ganz ehrlich: Alles andere wäre ja auch kontraproduktiv, oder?

11.

Ladies and Gentlemen: 1:0 für die drei Löwen, die jungen Milden. Natürlich durch Harry Kane. Der Ball flattert nach einer Ecke irgendwie auf seinen Fuß, als hätte er sich gedacht: »Dort sieht's gemütlich aus«. Und zärtlich umarmen Kanes Zehenspitzen dieses Leder und liebkosen es ins Netz. An der Seitenlinie ext Southgate ein Pale Ale. England is back, Bitches!

13.

Dieser Harry Kane... von dem hat Opdenhövel ja vor dem Spiel noch erzählt, er wäre der erste skandallose Kapitän der englischen Nationalmannschaft. Naja, wenn man von seinem Namen absieht. Joswig schreit laut auf und wirft mir eine Dose Bohnen an Kopf: »Ich. Hab. Gesagt. Keine. Wortspiele!« Ein Mann wie ein Wirbelsturm.

14.

Jetzt habe ich nicht hingeguckt und Tunesien wechselt einen Torhüter ein?! Glauben die, mit zweien klappt's besser? Das meine Freunde, sage ich aus privater Erfahrung, ist ein Irrglaube.

17.

Beim tunesischen Torwart »Hassen« geht es nicht weiter. Manche sind traurig nach dem Feiern, andere glücklich nach dem Hassen (Audio-88-Voice). Die Tunesier wechseln jedenfalls »Farouk Ben Moustapha« ein. Was das auf Deutsch heißt, weiß niemand.

20.

Offenbar nerven Steffen Simon noch immer zahlreiche Moskitos. Sagt »Stichstelle« statt Schnittstelle. Naja, jedenfalls geht jeder englische Pass in die Tiefe genau dort rein. Trinkt noch eine Flasche Autan: der Ticker.

23.

Stabiler Sprint vom tunesischen Außenverteidiger Bronn. Holt immerhin eine Ecke. Der Nachschuss nach der rausgeköpften Ecke schliddert dann allerdings einem Slitti über den Fuß. Keine Pointe.

24.

Englands Lingard bekommt eine astreine hohe Flanke auf den Fuß. Gerade einmal fünf Meter vor dem Tor fällt sie wie in Zeitlupe runter. Bälle, wie man sie sich beim Hochball mit Kumpels wünscht. Verzieht trotzdem wie jemand, der zum ersten Mal in seinem Leben auf dem Bolzer spielt. Wird dann kommentarlos aus Soutgates Whatsapp-Gruppe entfernt.

27.

England in der Defensive auf einmal so sicher wie ein Dreizehnjähriger beim ersten Besuch in der Dorfdiskothek. Maguire schüttet einen Pint abgestandes Bier über seinen Mitspieler aus. Ist aber egal: Tunesiens Offensive ist gerade auf der Toilette, um ein bisschen Clearasil nachzucremen.

30.

Findet ihr auch, dass Simon, wenn erin einen langsameren Laber-Modus verfällt, fast wie Rethy klingt? Vielleicht auch nur mein Trauma. Böses Foul auf jeden Fall.

33.

Der Texas Ranger in Walker kommt raus. Lässt nach einer tunesischen Flanke in den englischen Strafraum seinen Ellenbogen stehen. In den Ben Youssef sich reinlegt, als wäre er eine Badewanne voller Nutella. Mhm. Elfmeter.

35.

Elfmeterstand 1:0. Spielstand 1:1. Sassi schläft fast ein beim Anlauf, löffelt ihn dann aber knapp an Pickford dabei. TOR! Schmeckt dem weniger. Egal. We got ourselves a game, lad.

36.

Ich möchte hier kurz zur Diskussion stellen, dass das ungefähr so deutlich ein Elfmeter war wie Käse aus Wurst gemacht wird. Aber es pfeift eben Wilmar Roldan. Falls Sie nicht wissen, wer das ist: Fragen Sie mal einen Mexikaner.

37.

Und Lionel Messi schreibt aufgeregt eine SMS an Sassi: »Bruder, kannst du mir Nachhilfe geben?«

39.

Was ist das denn? Freistoß England, der Ball drei Mal näher am Tor als ich am Wochenende an einem Leberschaden, aber irgendwie blockieren die Tunesier so selbstbewusst die weiße Linie, dass die Berliner Polizei glatt die ganze Mannschaft als Drogen-Präventionsteam einkauft.

41.

Lingard, der irgendwie so aussieht, als würde er gerade nur dabei sein, um eine Physik-Arbeit zu schwänzen, probiert's schon wieder. Aber in beiden Fällen sage ich: Da muss vor dem Abschluss mehr kommen.

42.

Aiaiaiaiai, Lingard schon wieder. Bekommt einen Pass aus dem Halbfeld wie mit dem Maßband berechnet auf die Picke gelegt. Aber nur Pfosten. Und so langsam erinnere ich mich wieder an die EM 2016.

44.

Ich finde ja, Simon klingt bei der Aufzählung von arabischen Namen wie ein sehr deutscher Familienvater, der bei Kleinanzeigen zufällig ein Fahrrad in Neukölln gekauft hat und sich nun durchs Klingelschild kämpft. Nicht, dass nach dem Spiel die Geldbörse weg ist.

45.+3

Irgendwie scheinen gerade alle sauer. Hier wird mehr gecheckt als in langen Pokernächten. Und das Spiel jetzt so zäh, Discounter streiten schon um die Rechte - für ihre Billigfleisch-Werbung.

20:49 Uhr

Halbzeit, 1:1. Habe ich dieses Spiel nicht schon einmal bei der WM gesehen? Bin ich gefangen in einer Endlosspirale, verdammt dazu, Favoriten sterben zu sehen? Steht in meinem Pass morgen plötzlich Phil Connors? Wenn ihr diesen Eintrag im Ticker zu Argentinien gegen Island lest: Bitte rettet mich!

20:51 Uhr

Mindestens genauso schaurig wie Englands Turnierbilanz der vergangenen Jahre: die Tagesschau.

20:53 Uhr

Finde es aber schön, dass mit Horst Seehofer heute zumindest einer gut aus der Mitte über rechts kommt.

20:56 Uhr

Kann mal jemand Walkers Ellenbogen vor die Parteizentrale einer großen deutschen Partei aus Bayern stellen? Frage für 15 andere Bundesländer.

20:58 Uhr

Kurz zur Info: Flüchtlings-News gibt es um 23:15 Uhr wieder.

20:59 Uhr

Und jetzt wirbt die ARD auch noch für ihre Multimedia-App: »Seien Sie der Regisseur«. Und beim ZDF kann man selbst Kommentator spielen. Was kommt nur in vier Jahren? Eine Scheich-App? Oder ein Schmiergeld-Simulator, bei dem man sich ganz echt in die Rolle eines dicken Goldbarrens versetzen lassen kann? Leute, ich will doch einfach nur Fussek gucken.

21:02 Uhr

Baden-Baden auch schon islamisiert. Hitzlsperger spricht vor einem tunesischem Halbmond. Sagt trotzdem: »Macht Spaß hier.« Matussek fährt schon mal Twitter für einen GEZ-Tweet hoch. Bis gleich.

46.

»Viel Spaß« wünscht der Bommes mit der zweiten Halbzeit. Simon nimmt sich das gleich zu Herzen und beginnt historisch: »1,8 Millionen Leute sind hier in Stalingrad gefallen!« Enjoy (Klopp-Voice)!

48.

Beide Mannschaften spielen abwechselnd den Ball ins Seitenaus. Nichts passiert. Wann bringt Southgate endlich Gazza?

52.

Nach einem bisschen tunesischen und ergebnislosen Druck gibt es eine Ecke für England. Maguire und Kane versuchen ihrerseits sich in die Ellenbogen von tunesischen Verteidigern zu kuscheln, aber der Schiri sieht nichts. Und der Video-Schiri schaut sich gerade eine Zweite-Welkriegs-Doku über Stalingrad an.

55.

Verwaltungsmodus on, nichts passiert. Man könnte jetzt sagen: ein ordentliches Spiel. Wenig Fouls, alle halten sich an die Vorgaben der Trainer, Dienst nach Vorschrift. Gerade wird ein Meeting im Mittelfeld kurzfristig verschoben, weil Ashley Young die Power Point-Präsi vergessen hat. Egal: Henderson setzt noch einen dekoffinierten Kaffee auf, während Maguire einen Apfelstrudel vom Bäcker holt. Setzt sich aus Langeweile mit dem nackten Arsch auf den Kopierer: der Ticker.

58.

Glücklicherweise können wir Ihnen gar Bildmaterial dieser spannenden Phase zeigen:

62.

Währenddessen macht Simon weiter Werbung für Apps: »Es macht super Spaß, wenn man mal selber Regisseur spielen kann«, sagt er. Kann man in der App eigentlich das Spiel auch ohne Kommentar schauen? Ja? Shut up and take my money.

63.

Gerade mal kurz die Worte »Russland« und »Bier« gegoogelt. Und erfahren, dass Bier das zweit beliebteste Getränk ist, weil - Achtung! - viele Russen es als harmlose Alternative zu Wodka sehen. Klingt eigentlich nach einem Land, in dem sich die Briten wohlfühlen sollten...

67.

Freistoß England, aber wie ich, wenn ich betrunken versuche auf kariertem Papier das Haus des Nikolaus zu zeichnen: Weit am Kasten vorbei.

70.

Wenn diese WM so weiter geht, wird noch Belgien Weltmeister. Aber das wusstet ihr »Experten« ja alle schon vor vier Jahren.

71.

Jetzt für Tunesien im Spiel: Ben Amor. Wenn gleich noch seine Brüder Ben Eros und Ben Merkur aufs Feld kommen, hilft England nur noch Beten.

73.

Das Spiel jetzt so in die Mitte gerückt, die CDU schreibt die Aufstellung beider Teams gleich in ihr Parteiprogramm. An der Seitenlinie macht sich Angela Merkel fleißig Notizen, ehe ihr Gianni Infantino, ein arabischer Scheich und ein russischer Braunbär gleichzeitig den Schreibblock aus der Hand reißen: »So leicht sägst du unsere Verbündeten nicht ab«. Ich wusste es schon immer: In Russland ist das Klima eher unangenehm.

76.

Foul an Alli. Wurde zuletzt von Larry Paul so energisch flachgelegt.

79.

Delle Alli wird ausgewechselt. Heute ungefähr so viel zu sehen wie Pumuckl damals, als er noch keinen Klebstoff inhaliert hat. Rein kommt für ihn Loftus-Cheek. Aber vielleicht bin ich auch high. Hätte nicht Hajo Seppelt etwas Zeit, um mich zu testen?

82.

Simon sagt: »Hätte gedacht, dass England heute mal mehr als ein Tor schießt. In den letzten neun WM-Partien ist ihnen das nie gelaungen.« Prustet dann ins Mikro, als wenn es keine Räusper-Taste gebe. Tja, da Southgeht nix.

84.

Stones bekommt im Strafraum bei der Faustabwehr des tunesischen Keepers dessen Unterarm ins Gesicht. Ist wohl Beatles-Fan.

86.

Freistoß England. Der ungefähr so viel einbringt wie ein Spendenlauf beim Baby-Yoga. Darauf ne Milch.

88.

Die englischen Kids laufen zwar wie vogelwild herum, allein es bringt nichts. Rennen ziel- und rastlos durch die Gegend, als hätten sie zu viele chemische Substanzen im Berghain geschmissen. Those kids aren't allright. Gareth Southgate mahnt an der Seitenlinie: »Nur noch Three Lines!«

89.

Loftus-Cheek legt sich den Ball zu weit vor. Rennt der Pille hinterher in den Strafraum. Aber vergebens: Der Ball kullert über die Linie. Halbärschig, möchte man sagen.

91.

TOOOOOOR! HARRY! MUTHAFUCKIN'! KANE! Steht nach einer Ecke genau am richtigen Ort. Schraubzwingt dann den Kopfball dermaßen fachgerecht ins linke Eck, dass sich alle Ikea-Bauanleitungen spontan selbst entzünden. Harry! Kane! 2:1. Southgeht doch.

93.

»Die armen Nordafrikaner«, weint Simon jetzt. Jaja, aber nachher wollt ihr alle wieder die Grenzen schließen. Brot für die Welt, aber die Salami bleibt hier.

94.

Aus! Aus! Aus! Kane rettet den Engländern mit einem lexikongerechten Stürmertor beide Butt-Cheeks. Mal wieder. »Football's coming home« spielt nach dem Abpfiff in Wolgograd. Simon sagt »Farewell« aus Stalingrad. Und wir legen uns ins Ermüdungsbecken in Baden-Baden.

21:57 Uhr

Hitz und der Bommes zerlabern alles andere. Schiedsrichterleistung. Torhüterpech. Platzende WM-Träume. Whatever. Wir schalten um auf die N24-Doku »Die Mückenhölle von Stalingrad«, ölen uns mit Autan ein und legen uns zum Abkühlen in die Wolga. Gute Nacht auch vom Chor der Roten Armee!