Südkorea

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Mexiko

Südkorea-Mexiko im Liveticker

Hossa, Hossa, Hossa, Hossa!

Fiesta, Fiesta Mexicana, Heut geb ich zum Abschied für alle ein Fest... Und so weiter. Mexiko schlägt Südkorea und steht schon fast im Achtelfinale. Der Ticker soff Schnaps mit Rex Gildo.

Screenshot Youtube

16:45 Uhr

Freunde, und schon wieder ein Ticker, ihr werdet uns nicht los. Falls ihr schon längst die Übersicht verloren habt, schon viel zu betrunken seid, bis heute gar nicht wusstet, dass Südkorea überhaupt dabei ist oder bei der Google-Suche nach tollen koreanischen Restaurants in Mexico-City bei diesem Ticker gelandet seid: kein Ding. 2. Spieltag der Gruppe F, Südkorea gegen Mexiko. Ach so: Fußball. WM.

16:47 Uhr

Südkorea verlor gegen Schweden, Mexiko gewann gegen ein gewisses Deutschland. Und auf einmal rasten sie alle aus. Bester Kommentar eines enthusiastischen Fans im ARD-Vorbericht: "Er ist unser Gott!" Frage: Was machen wir nur mit Jogi, wenn er uns jetzt doch noch zum Titel führt? Idee: Gröjaz - Größter Jogi aller Zeiten. Und der Bundespräsident überreicht einen riesigen Popel aus purem Gold.

16:50 Uhr

Südkoreas Hoffnungen ruhen auf Heung-Min Son, ehemals Bundesligist. Was der wohl über den HSV denkt? Ob er ihn längst vergessen hat? Ob er noch jeden Tag mit Uwe Seeler telefoniert, weil sich Uwe mal wieder Sorgen macht? Uwe: "Er ist der Son, den ich mir immer gewünscht habe."

16:55 Uhr

Ein paar der Mexikaner, die Deutschland vor ein paar Tagen den Hintern versohlt haben und ein ganzes Land in kollektives Entsetzen stürzten, sollen übrigens beim 1:0-Sieg leicht Grippekrank gewesen sein. Zwei der Schweden heute Abend haben übrigens Fußpilz. Mal gehabt. Deutschland zittert.

16:57 Uhr

Auszug aus der mexikanischen Hymne:
Mexikaner, beim Ruf zur Schlacht
das Schwert und das Zaumzeug bereit
Auf dass die Erde in ihrem Innern erbebt
durch den donnernden Schall der Kanone

Junge, Junge. Mesut Özil singt leise mit.

1.

Was ich von diesem Spiel erwarte? Ganz ehrlich: ich bin bei dieser WM nur zum Spaß hier. Ich will Unterhaltung und Tore und lustige Flitzer und verrückte Abwehrspieler, die verrückte Grätschen auspacken. Ja, bei dieser Weltmeisterschaft bin ich nur Mode-Fan. Mit einem Blazer aus alten Panini-Ausgaben und einer sündhaft teuren Uhr, die aus nicht zurückgegebenen Cola-Bechern verarbeitet wurde. Nachher dann erstmal Deutschland-Bolivien, WM 1994. Um runter zu kommen.

3.

Frage an Mexikos Guardado, wie man sich auf das Spiel vorbereitet habe: "Unser größter Feind können wir selbst sein." Kollege Gallardo grätscht sich pflichtbewusst selbst über den Haufen.

5.

Südkoreas Tea-Yong Shin wird auch als "Jogi Löw Asiens" bezeichnet. War mal Assi von Uli Stielike und bekam zum Abschied hoffentlich des Ulis Lieblingssakko überreicht. Wenn man lange genugt auf das Muster schaut, winkt einem Erich Ribbeck zu.

6.

Breaking News: Südkorea schon jetzt mehr Kilometer gerannt, als die Deutschen in Spiel Nummer 1! Der Jogi Löw Asiens riecht sich verschmitzt an der linken Achsel. Sie riecht nach Hoffnung und sündhaft teurer Bodylotion.

7.

Bergmanntaktik der Südkoreaner: sie stehen tief. Wann bringt Tea-Yong Shin Joachim Hopp?

9.

Ach, Südkorea. Ich denke an 2002 und an Zieges Frisur. An den übermenschlichen Olli Kahn und dann den menschlichen Olli Kahn heulend am Pfosten sitzend. Neuvilles Freistoß gegen den Pfosten im Finale! Carsten Janckers Jubel gegen Saudi-Arabien! Da holt mich Steffen Simons Stimme ins Hier und Jetzt zurück. "Salcedoooo...nicht dran. Aber Ecke für Mexiko." Und das Bild von Christian Ziege verblasst. Auch ok.

11.

Hübsch zu sehen, wie sich die Mexikaner in jeden Ball reinschmeißen, als müssten sie ihre Mamas vor einem Vollspannstoß von Jörg Albertz bewahren. Währenddessen ist Sami Khedira eingeschlafen und träumt von Brasilien. Campo Bahia und so.

13.

Was für eine Szene! Flanke Son auf den langen Pfosten und als einer seiner Mitspieler das Ding volley in den Giebel schweißen will, wirft sich Lozano, der doch eigentlich ein Stürmer ist, in den heranfliegenden Fuß des Gegners. Gegentor verhindert, hübsche Prellung mitgenommen, was ein Typ. Uli Borowka beantragt die mexikanische Staatsbürgerschaft.

17.

Ein Lärm ist das, man versteht seinen eigenen Tick nicht mehr.

20.

Taktik sehr offensichtlich: Mexiko hat den Ball, Südkorea igelt sich hinten ein und setzt auf Konter. Wütender Anruf von Uli Stielike bei seinem früheren Assistenten, fordert vehement einen Libero oder doch zumindest das WM-System. Tuuuut.... "Shin? Shiiiin?" Aufgelegt. Vor Wut zerfetzt der Uli seine Cordhose.

23.

Neuer Lieblingstorwart gefunden: Hyun-Woo Cho hat den Körper eines feierwütigen Berliner Club-Gängers, die Frisur von Boyband-Mitgliedern aus den frühen Nuller-Jahren und den flehenden Blick eines entlaufenen Hunde-Welpens. Solche Typen hat sich Olli Kahn früher in sein Müsli gemischt.

24.

Für kantige Abwehrrecken, die einen von der Linie gekratzten Kopfball genauso schön finden, wie den Fallrückzieher von der Strafraumkante, ist dieses Spiel bislang ein einziger Leckerbissen. Eben hat sich Son versucht, nicht einmal, sondern dreimal. Und in zwei dieser Schüsse schmiss sich heldenhaft ein Mexikaner. Und während ich noch nach einem abschließenden Gag suche, um eine Schleife um diesen Eintrag zu binden, dieses...Elfmeter!!

25.

Handspiel in Südkoreas Strafraum. Jetzt also Strafstoß. Vela legt sich das Ding zurecht, mein Lieblingstorwart versucht die guten alten Psychotricks, angepfiffen... TOOOOOR!!!! 1:0 für Mexiko! Und ganz Rostow ist eine einzige Fiesta.

28.

Vela, beflügelt von seinem Tor, schlurft so elegant durch die gegnerische Abwehr, als seien es Kellner auf einer Stehparty, greift sich im Vorbeigehen noch ein Häppchen und legt dann quer: Direktabnahme, drüber! Muss er machen, denkt Fredi Bobic und nimmt irgendetwas volley.

31.

Kernige Grätschen, mutige Läufe, kernige Grätscher, die sich nach der Beendigung mutiger Läufe schmerzverzerrt die Oberschenkel massieren und trotzdem weiter Vollgas geben - so geht man in ein Gruppenspiel einer Weltmeisterschaft. Es grüßt, nach schwerem Moschusduft riechend, ihr Alex Raack, Ausputzer a.D.

34.

Hin und her und hin und her. Habe längst einen steifen Tenniszuschauer-Nacken. Co-Kommentator Karsten Braasch massiert mir den Schmerz mit seiner Vorhand weg. Danke, Karsten. Und coole Brille!

35.

Bitter: Habe mich eben vor lauter Freude über Mexikos Fans an einem Hugo Sanchez-Salto versucht und tickere jetzt mit angebrochener Wirbelsäule. Alles für den Dackel, alles für den Tic

37.

Südkorea bislang wie das Abschlusszeugnis eines netten, aber unbrauchbaren Praktikanten, den man auch deshalb nie vergessen wird, weil er an seinem ersten Abend dem Chef in die Plattensammlung kotzte: "Stets bemüht." Uli Stielike schreibt den Praktikumsbericht.

40.

Wenn man ihn so von oben betrachtet, sieht der Jogi Löw Asiens tatsächlich wie der Jogi Löw Asiens aus. Ob er Jogis Bewegungen vor dem Spiegel einstudiert hat? Ob er sein Koreanisch mit einem schrulligen badisch unterlegt hat? Mag er Klinsi? Liest er seinen Kindern Sommermärchen vor? Und: bekommt er heute auch von Mexiko auf den Sack?

42.

Sachen, die es hoffentlich gibt: eine geheime WM-Tippspielrunde mit Kim Jong-un, Donald Trump und Dennis Rodman. Ob sie auch zusammen in den Urlaub fahren, um die Kohle am Ende gemeinsam für Billigbier und polnische Zigaretten zu verprassen? Mein Tipp: Unentschieden.

44.

Schöner feiner Seitenwechsel von Südkoreas Lee. Oder wie man in Südkorea sagt: Ein Lee Bes Be Weis.

Halbzeit

Puh, erstmal durchatmen. Dose Bier stechen und fünf Kippen auf einmal rauchen. Aus Solidarität zum Tempo dieser ersten Halbzeit. Zum Glück spielt nachher Deutschland, muss man sich am beim Zuschauen nicht so anstrengen. Bis gleich, Freunde.

46.

Schwer beeindruckt vom sich tapfer durch die Werbung kämpfenden Mario Götze starten wir alle zusammen in die zweite Halbzeit. Kuntz-Säge von mir an euch alle da draußen. Ganz ehrlich: schon Bock auf Deutschland-Schweden?

48.

Carlos Vela. Ich frage mich die ganze Zeit, ob der Mann mehr Gold im Fuß, als Öl auf dem Schädel hat. Blitzschneller Anruf bei Udo Walz, aber der schneidet mir das Wort ab.

47.

Und da die erste spektakuläre Aktion der zweiten Halbzeit: ein erster Ehrentribünenbesucher hat sich vom Häppchenstand loseisen können und steckt kurz den Kopf raus: Was, noch immer Gruppenphase? Noch einen Krabbenschnaps, bitte!

50.

Wird an dieser Stelle Zeit, dem ruhmreichen THC Franziskaner zum Aufstieg zu gratulieren. Stark. Deutlich schwächer: das Niveau in dieser zweiten Hälfte. Mittelfeldgeplänkel, ein Zustand, so merkwürdig wie sein Begriff.

52.

Was ist Lady Di auf den Schultern von Chicharito?
Die Prinzessin auf der Erbse.

55.

Auf der kleinen Erbse, verzeiht. Ihr merkt: hier passiert gerade nicht viel. Bisschen wie beim Jugendlichen-Petting: vorsichtiges Abtasten. Was komisch ist, weil man sich doch eben schon so nahe kam. Aber so ist das eben mit den Teenagern, man weiß nie, was man kriegt. Von der Seite reicht mir ein junger Mann, der Tom Hanks verblüffend ähnlich sieht, eine Praline und weitere abgedroschene Phrasen aus den Untiefen der deutschen Sprache.

57.

Torwart Cho bislang souveräner als Boris Becker in Wimbledon. Ein koreanischer Peter Schmeichel mit der Optik eines aufgedrehten 90er-Jahre Ravers. Irre.

59.

Und dann wieder dieser Cho! Guardado mit einem feinen Linksschuss, der, auch noch abgefälscht, auf Südkoreas Winkel zufliegt und dann im letzten Moment von Peter Schmeichel-son ins Aus geklatscht wird. Jetzt auch Steffen Simon begeistert. Er springt auf, die schöne Brille aus Horn rutscht ihm leicht von der Nase, er ruft: "Was haben die für einen Super-Torwart zwischen den Pfosten!" Beruhigt und setzt sich, nippt am alkoholfreien Bier. Sortiert die Unterlagen, sortiert sich selbst. Weiter geht´s. Super-Torwart.

63.

Und, zack, ist das Spiel wieder da. Mittelfelder werden überrannt, als gäbe es auf der anderen Seite einen Großbrand zu löschen, und ein Ball nach dem anderen wird aufs Tor geschossen. Solche Minuten bräuchte ich früh morgens als Wecker-Ersatz, ich schwöre, ich würde aufspringen und voller Vorfreude auf den Tag den besten Kaffee aller Zeiten kochen, 10 Kilometer joggen, 8 Stunden arbeiten und abends 3 Halbe trinken gehen. Inklusive Sit-ups vor dem Einschlafen.

65.

TOOOOOOOOOORR!!!! 2:0 für Mexiko! Die kleine Erbse hat sich seiner Prinzessin entledigt und schließt einen Konter erfolgreich ab. Macht dann die Prinzenrolle. Heute ein König. Ich leg mich fest: Mexiko im Achtelfinale.

67.

Und jetzt im Spiel: Pete Sampras! Die Legende vom FC Barcelona.

70.

Mexikanische Festtage in Russland. Muss man dem modernen Fußball lassen: wenn er für solche Momente sorgt, ist er halt immer noch König. 40.000 Mexikaner singen so laut, dass sich Wladimir Putin in Moskau nervös an den austrainierten Ohrläppchen zieht und sich fragt, woher dieses Geschrei in seinem Kopf kommt. Ehe er auf einem Bison reitend oben ohne eine neue Kaserne einweiht. Die er selbst gebaut hat. Aus Stahl. Den er selbst gegossen hat.

73.

Tja, nun, und Südkorea? Die bleiben bislang blass. Und werden sich wohl aus diesem Turnier verabschieden. Wobei: ein Spiel ist ja noch. Gegen Deutschland. Was hat dann dieses Spiel wohl für einen Einfluss auf die Leistung der Mannschaft gegen Deutschland? Hauen die sich heute Nacht einen rein und machen in Rostow die Nacht zum Tag? Gehen sie grimmig-schweigend zu Bett und konzentrieren alle Energie auf das letzte Spiel? Frage an den 11FREUNDE-Experten Günther Netzer: "Keine Ahnung." Ach so.

76.

Herrliche Szene eben von Pete Sampras: Longline mit der Vorhand, ans Netz, Schmetterball... Ok, Schluss damit. The one and only Rafa Marquez spielte eben einen Fehlpass, nur um das Ding dann einfach selbst auszubügeln. Ein absoluter Klassiker unter Ü32-Verteidigern. Eigene Schnitzer mit Grätschen wieder gut machen. Rafa, Kiste, ne?

79.

Ich vermisse Miguel Herrera. Ihr auch?

83.

Mexiko also. Geile Truppe, gute Fans, Turniermannschaft. Applaus, Applaus.

85.

Derweil Mexiko das hier sauber zu Ende bringt, mault Simon, weil Jogi seine Aufstellung noch nicht bekanntgegeben hat. Müller draußen? Reus von Anfang an? Und wie geht es eigentlich Sebastian Rudy mit der ganzen Situation?

86.

Es gibt die Weißwurstgrenze, es gibt die Grenze zwischen arm und reich, es gibt die Olé-Grenze bei Fußballspielen. Wird immer dann erreicht, wenn sich eine Fanszene in völliger Gewissheit eines bestimmten Triumphs befindet. Wie jetzt die Mexikaner. Das Olé - der hübsche Bruder der hässlichen Laola-Welle.

88.

Oha. Özil erstmals seit 2010 bei einem WM-Spiel nur auf der Bank. Schluck. Kommt dann in der 76., zwirbelt eine Traumflanke auf Gomez, schießt eine Bude selber, morgen wird die Nationalhymne auf ihn umgeschrieben.

90.

Bullshit-Bingo mit ARD-Kommentatoren: Treffer!
"Rostow darf sich auf eine mexilkanische Nacht freuen." Gleich kommen der "souveräne Sieg" und "aufopferungsvoll gekämpft"!

90.+1.

Stattdessen Simon nach einer Verwarnung: "Der hat schon Gelb!" Ob er morgen auch wieder arbeiten muss?

90.+3.

TOOOORR!! für Südkorea, nur noch 1:2. Son mit einem so schönen Linksschuss, dass es Andy Brehme spontan im (rechten) Zeh juckt. Juckt bei ihm rechts wie links. Wirds noch mal spannend?

90.+4.

"Corona bringt den Freistoß", ruft Simon und ich kann es nicht fassen. Selbst die Freistöße hamse jetzt schon verkauft, Schweine, Miese, Gangster! Scheiß moderner Fußball. Erkenne dann: es handelt sich um den eingewechselten Jesus Manuel Corona. Vergebt.

Abpfiff

Nix da. Ende, Aus, 2:1 für Mexiko! Gratulation, schwer verdient, für mich ein heißer Kandidat fürs Viertelfinale. Aber auch nicht mehr. Südkorea ist raus. Ich jetzt auch. Ihr wollt doch eh alle Deutschland-Schweden gucken, gebt´s schon zu. Auf bald!