Serbien

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Schweiz

Serbien-Schweiz im Liveticker

Shaq-Ka

45 Minuten über waren sie lebhaft wie ein Bankschließfach. Dann drehten Shaqiri und Xhaka die Partie und die Schweiz mächtig auf. Hechelte an der Seitenlinie dem Fähnchen im Wind hinterher: der Liveticker.

19.45 Uhr

Gruezi. Nun also Serbien gegen Schweiz. Urs Meier im ZDF-Studio parliert schonmal von der Euphorie, die bei den Eidgenossen herrsche. Wenn er das jetzt noch seinem Gesicht vermittelt, bin ich geneigt, ihm zu glauben. So muss ich sagen: kann man pfeifen, muss man nicht.

19.48 Uhr

Zu den Aufstellungen. Hier die serbische: Stojkovic - Ivanovic , Milenkovic , D. Tosic , Kolarov - Matic , Milivojevic - Tadic , Milinkovic-Savic , Kostic - Mitrovic

19.49 Uhr

Der -ic-Quotient liegt damit bei 90,91 Prozent. Was ziemlich genau meinen IQ-Quotienten entspricht. In diesem Sinne. Hopp, Serbia!

19.50 Uhr

Und hier die Aufstellung der Schweiz: Sommer - Lichtsteiner , Schär , Akanji , R. Rodriguez - Behrami , G. Xhaka - Shaqiri , Dzemaili , Zuber - Seferovic

19.51 Uhr

Was einem -ic-Quotienten von 9,09 Prozent entspricht. Was umgerechnet »Echte Liebe« ergibt.

19.53 Uhr

Schiedsrichter der Partie: Felix, der Brych-Pilot. Also auch Deutsche unter den Opfern. Bitter.

19.54 Uhr

Die Mannschaften betreten den Rasen, zur offiziellen Hymne aller Gute-Laune-Eventies, »7 Nation Army« von den White Stripes. Und niemand singt mit. Darf man das?

19.56 Uhr

Aber jetzt schon die serbische Hymne. Schmissig. Genau der richtige Song, um eine Zahnwurzel-Behandlung über sich ergehen zu lassen. Ausgeführt mit einem Presslufthammer. Von einem Wildschwein mit Zuckerschock.

19.57 Uhr

Die Hymne der Schweiz hingegen: eher piano. Wie ein Aperitif auf einer Soiree. Oder wie immer das heißt, wenn Uschi und Klaus sich nichts mehr zu sagen haben.

1.

Anstoss. Felix Brych bisher bester Mann hier. Wir sind wieder wer!

2.

Bela Rethy, der dieses Spiel, nun, sagen wir, kommentiert, weiß: »Ivanovic ist von Trainer Krstajic zum Außenverteidiger umfunktioniert worden«. Und irgendwo in Portugal malt Ivanovics Ex-Trainer bei Chelsea, malt José Mourinho ein Kreuz auf das ausgedruckte Portrait-Foto von Rethy.

3.

Was mich wundert: diese ewige »Wanda«-Werbung bei der WM. Und da sagen sie, Musik sei tot. Pah. Bzw.:


4.

Kopfball von Mitrovic, zwingt Sommer zu einer fantastischen Parade. Oder wie man in Mönchengladbach sagt: war was?

6.

Und dann ist auch Yann Sommer machtlos, oder zu klein, ungefähr einen Meter. Flanke von rechts, Mitrovic steht gut drei Lada frei von Fabian Schär und köpfelt ins serbische Glück. Ja hast Du Töne? Aber klar: jeiks.

9.

»Die Schweizer haben auf Dreier-Reihe umgestellt«, weiß Bela Rethy. Der weiter im 0815 kommentiert.

12.

Freunde, Achtung, der fliegt tief. 11FREUNDE präsentiert das Schweizer Bankgeheimnis: Bürki, Mvogo, Djourou, Elvedi, Lang, Moubandjé, G. Fernandes, Freuler, Zakaria, Drmic, Embolo, Gavranovic

15.

Serbien erneut mit Schema F wie Flanke. Erneut ist es Mitrovic in der Mitte. Erneut vollkommen unbedrängt. Köpft über das Tor. Dennoch: Bis jetzt der beste Teil von »Allein zu Haus«, den ich je gesehen habe.

17.

Dieser Felix Brych wäre einer für die Bayern. Läuft nicht viel, diktiert das Spielgeschehen und ist noch ungeschlagen.

18.

»Die Serben müssen nicht viel tun, der Fehlpass kommt von alleine«, so Bela Rethy. An dieser Stelle bitte beliebigen BAMF-Witz einfügen.

19.

Erneut Mitrovic, der es diesmal mit einem Fallrückzieher versucht. Hübsch anzusehen und vollkommen brotlos. Ein Mann, wie meine Morgenroutine im Bad.

21.

Serbien hier weiter auf dem Gaspedal, Angriff auf Angriff stellen sie in den noch jungen Abend. Und alles mit der Dringlichkeit eines deutschen Mahnbescheids. Die Schweiz hingegen noch immer im ersten Gang. Bei Motor aus.

24.

Das, was die Serben hier veranstalten, muss dieses »alles raushauen« sein, von dem immer alle sprechen. Eine richtige Rock'n'Roll-Truppe ist das. Wie dieser Halbstarke drei Häuser weiter, vor dem einen die Eltern immer gewarnt haben. Der, der schon mit 11 geraucht hat, der immer so aussah, als habe er schon ALLES gesehen auf dieser Welt. Also auch das Nachbardorf. Und Brüste.

27.

Ein Bild von Bela Rethy wird eingeblendet. Darunter steht zu lesen: »Reporter«. Aber macht nichts, liebes ZDF. Wir alle machen Fehler.

30.

Erste Chance für die Schweiz. Und was für eine! Zuber löffelt den Ball zu Dzemaili, der allerdings fünf Meter vor dem Tor und recht zentral am Ball vorbeisäbelt. Hatte mit dem Florett gerechnet. Bitter.

33.

Milinkovic foult Schär. Schärs beste Szene bisher.

35.

Serbien jetzt wie der große Bruder, der in der Rauferei mit dem jüngeren Stammhalter mal eben ein bisschen lockerer lässt. »Na, komm, mach doch«, scheinen sie zu rufen. Und die Schweiz? Lässt schlapp die Arme und Fäuste hängen, schaut mitleidig in den Moment und röchelt: »Wo bin ich?«

37.

Die Schweiz nun in Dauer-Ballbesitz. Links, rechts, vor (aber nicht zu weit) und zurück (ziemlich weit). Wie ein Glücksrad-Kandidat, der »Nur M*t« an der Tafel stehen sieht und lösen möchte: »Nur Met«.

40.

Xherdan Shaqiri im Dribbling. Einwurf Serbien. Bezeichnend.

43.

Eine Ecke von Tadic segelt durch den Schweizer Strafraum, segelt bis zu Matic, der am hinteren Pfosten ganz ungedeckt und für sich steht. Gelungene Überraschung der Schweizer. Damit hat Matic offenbar nicht gerechnet. So wie ihr niemals mit folgendem Wissens-Leckerbissen. Tadic heißt so, weil seine Eltern so heißen. Gern geschehen.

45.

Im Boxen nennt man das, was die Schweiz hier veranstaltet: Mist. Richtig großer Mist.

45. +1

Langsam mache ich mir dann aber doch Sorgen. Felix Brych noch ohne Torschuss!

21.02 Uhr

Tolle Geste der Schweizer, kommen wieder auf den Rasen.

46.

Anpfiff zur zweiten Halbzeit. Oder wie man in der Schweiz sagt: muss ja.

48.

Wir lernen: Was andernorts »One-Touch-Football« heißt, heißt bei den Schweizern: Verkackte Ballannahme.

50.

Schöner Angriff der Schweizer jetzt, die nun mit ordentlich Schwung agieren. Gute Seitenverlagerung von Shaqiri zu Rodriguez, der mit rechts zum Torschuss ansetzt. Resultat: Einwurf Serbien. Und da sage noch einer, er hat in Wolfsburg nichts gelernt.

52.

Alter! Granit Xhaka nach einem erneut schönen, schnell vorgetragenem Konter und nach einem abgewehrten Schuss von Shaqiri mit dem Dampfhammer des »Jetzt aber«. Wemst aus 25 Metern, die sich in dem Strahl, der der Schuss ist, anfühlen wie 25 Kilometer, ein Pfund in den Winkel, dass es die eidgenössische Metzgerinnung schon morgen zum Sinneswandel treiben könnte. »Sie hätten gern etwas deftiges? Wir hätten hier zehn Pfund Xhaka.« Oder wie der Rex-Gildo-Fan in mir brumft: Hossa!

55.

Quo vadis, Serbien?! Was, wenn mich meine Latein-Kenntnisse nicht täuschen, so viel heißt wie: kacke! Aber wie ich meinen Jungs immer sage: Nachlegen, Männer, nachlegen! Von einem Bier wirst Du nicht glücklich!

57.

Dieser Shaqiri! Zwirbelt einen Arjen-Robben-Gedächtnis-Schlenzer an den Pfosten. Wo hat er das nur her..?!

60.

Wo immer die Schweiz der ersten Halbzeit geblieben ist, ich hoffe es geht ihr schlecht. Die der zweiten Halbzeit allerdings: <3

63.

Filip Kostic verlässt den Platz. Wird für die Relegation geschont.

66.

Bela Rethy möchte einen Strafstoß für die Serben. Gilt andersrum vermutlich genauso.

68.

Serbien jetzt wieder Herr im Ring. Kolarov mit einer schönen, flachen Hereingabe von links, findet Mitrovic und bei ihm einen Systemfehler vor: »Wie, nicht mit dem Kopf? Womit denn dann? Wirklich? Mit dem Fuß? Aber den brauche ich doch, um zu laufen! Und um den Schweizern in den Hintern zu treten? Ach. Gegen den Ball? Mit dem Fuß? Aber ich könnte doch auch zum Kopfball runter! Was? Einwurf für die anderen? Ok. Wir reden später weiter!«

71.

Die bittere Erkenntnis des Abends: der Schweiz fehlt einer wie Marco Streller.

73.

Das Spiel verflacht. Noch ein bisschen weniger Unterhaltung, und die Übertragung wird auf ZDF Kultur fortgesetzt.

74.

Abseits. Aber immerhin: Außennetz Gavranovic. Was wie ein super Vorname für kommende Kinder aus Berlin-Hellersdorf klingt, ist Tatbestand Kaliningrad. Was wiederum wie ein super Name für eine Band aus Berlin-Hellersdorf klingt. Geschichten, die nur der Fußball schreibt. Oder Berlin-Hellersdorf.

75.

Wer Bela Rethy einen »wunderbaren Kommenator« nennt, hat den Fußball nie geliebt.

76.

Nicht zu verwechseln mit »Schweizer Konto«: Schweizer Konter. Das eine ist in aller Welt begehrt. Das andere leider eine Luftnummer. Übeltäter diesmal: Shaqiri, die Mini-Playback-Ausgabe des klassischen Alleinikov. Dribbelt sich in serbischer Entschlossenheit fest, statt zum mitgelaufenen Gavranovic zu passen. Auf der anderen Seite: nimmt sich vermutlich alles nix.

79.

Xhaka mit einem Außenrist-Fehlpass in Richtung Zuber. Wenger out. Meine Meinung.

82.

Ein Spiel, wie ein Gespräch mit meinem Life-Coach jetzt: viel geht nicht mehr.

83.

Aha! Das Spiel hat dann doch noch eine Pointe in petto, einen Klassiker: Torchance Gavranovic. Kennste, kennste, kennste? Abstoss.

85.

Freistoß für die Schweiz. Freistoß durch Rodriguez. Und er bekommt, was er will: Ecke. Die wiederum mündet in einen Einwurf. Und so, Freunde, so verwaltet man einen Punktgewinn.

90.

Liebe Schweiz: Nennen sie ihre Kinder Shaleinikov! Denn Xherdan Shaqiri läuft ins Glück, läuft aus der eigenen Hälfte einen Konter gegen Tosic und jede Anspannung, vollstreckt souverän zum 2:1 für die Schweiz. Was für ein Schlussakkord unter dieses seltsame, zugleich wunderbare Spiel. Als wäre die Kirsche auf der Torte ein Tischfeuerwerk aus »Ätsch«.

90. +3

Die Schweiz wechselt, bringt einen Verteidiger. Drmic neu in der Partie.

21.54 Uhr

Schluss. Die Schweiz gewinnt mit 2:1. Was irre ist, weil das mindestens zwei Tore mehr sind, als man ihnen nach der ersten Halbzeit zugetraut hat. Was auch irre ist, weil das zwei Tore weniger sind, als man den Serben nach der ersten Halbzeit zugetraut hat. Aber, Freunde, so ist das: ein Spiel hat 90 Minuten, und der nächste Gegner ist immer der nächste. In unserem Fall: das Feierabend-Bier. In diesem Sinne: Prost und bis morgen.