Schweden

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Schweiz

Schweden-Schweiz im Liveticker

Geh schweden!

Ein Spiel, schlimmer als die Verlesung eines Steuerbescheids während einer Zahnwurzelbehandlung. Warum die Schweiz verlor, was es nicht zu gewinnen gab, weiß: der Imperativ-Generator vom Liveticker.

15.45 Uhr

Hallo und herzlich willkommen zum Spiel um Platz 8. Borussia Schweizbach gegen Schweden. Seid ihr auch schon so gespannt wie ich? Ja? Ach komm, wir ziehen trotzdem durch.

15.47 Uhr

+++BREAKING: 

15.48 Uhr

Aber gut, zurück zum aktuellen Geschehen. Kommen wir zur Aufstellung der Schweden: Olsen - Lustig , Lindelöf , Granqvist , Augustinsson - G. Svensson , Ekdal - Claesson , Forsberg - Berg , Toivonen

15.49 Uhr

Schon wieder ohne Oscar Wendt. Was immer ein Fehler ist. Weil: 

15.50 Uhr

Kommen wir zu Schweiz: Sommer - Lang , Djourou , Akanji , R. Rodriguez - Behrami , G. Xhaka - Shaqiri , Dzemaili , Zuber - Drmic

15.51 Uhr

Die Eidgenossen also ohne Stürmer. Mutig.

15.52

Für uns neutrale Querschläger, für uns Einheitsbrei aus Gedankenlosigkeit und Unbill ist dieses Spiel ja eine Killershow der Klischees. Wikinger gegen Fondue. Blond gegen Langsam. Wasa gegen Kuckucksuhr. Begreifen wir dieses Aufeinandertreffen also als Lehrstunde und saugen auf, was uns geboten wird. In diesem Sinne: Hoppbullar.

15.53 Uhr

Die Mannschaften kommen auf den Rasen. Und Valon Behrami noch ohne Foul. Was kommt als nächstes? Ein richtiges Fußballspiel?

15.54 Uhr

Die Hymnen. Zunächst die schwedische. Als würde Oma ein letztes Mal in ihrer Erinnerung tanzen und dazu also ihr Lieblingslied spielen. Auf der Nähmaschine.

15.55 Uhr

Hingegen die Schweizer Hymne. Eine Ode aus sanft. An wen nur? Die Neutralität? Die Liebe? Das Geld? Wir wissen es nicht. Aber für den Fall der Fälle, hier unsere IBAN: 11FREUNDEbIttEbIttE

1.

Anstoss Schweden. Und irgendwo in Los Angeles hockt Zlatan Ibrahimovic auf einer Gedankenstatue seiner selbst und raunt: Hätte ich besser gemacht.

3.

Ein Beginn, ungefähr so spannend wie die Gesamtausgabe »Heidi«, gelesen von einem Schaf.

6.

14 Spieler auf dem Rasen haben, hatten oder werden mit der Bundesliga zu tun haben. Und niemand von ihnen hatte jemals etwas mit Eintracht Frankfurt zu tun. Wenn uns die bisherige WM eines gelernt hat, dann, dass somit beide Teams zugleich ausscheiden werden. Und wenn man sich diese Anfangsphase so anschaut, muss man sagen: sie geben sich redlich Mühe.

9.

Steven Zuber mit einem ersten »Achtungszeichen«, wie man so sagt. Ein Achtung, so still wie das Husten eines sterbenden Rebhuhns in den entfernten Wäldern Tadschikistans. Der Schweizer ist eben ein zurückhaltendes Wesen.

10.

Dagegen die Schweden! Zwei fette Chancen! So fett, dass sie bald schon als abschreckendes Beispiel für kommende Weight-Watchers-Kampagnen weiterleben werden. Zunächst Marcus Berg, diese Hamburger Legende, zieht voreiliger ab, als Klaus-Michael Kühne sein Engagement beim HSV für immer beenden kann. Über den Rest legen wir den HSV - den Mantel des Schweigens.

12.

Lang mit einer »guten Idee«, wie Kommentator Tom Bartels befindet. Nachdem eben jener Lang einen sehr langen Ball viel zu unpräzise auf Dzemaili gespielt hat. Eine gute Idee. Dieses moderne Sympathen-Synonym für »schlecht gemacht«.

15.

Die Schweiz um Spielkontrolle bemüht. Und auch das, dieses Bemühen, nur ein qualvoller Versuch, gegen die eigene Ideenlosigkeit anzuleben. Dann doch lieber Island, doch lieber: Huh und lang und hoffen.

17.

Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, da hat jemand ein »Worst Of« des »German Clasico« zwischen Dortmund und den Bayern eingelegt. Aber kann nicht sein, Shaqiri spielt.

20.

Das Spiel in Schweizer Gebärdensprache:

23.

Zuber mit einem Kopfball, der in verzweifelten Zeiten aus dem Schrank geholt werden könnte. Dann würden die Weisen, die noch verblieben sind, darüber beraten: »Ja, doch, durchaus. Noch etwas Dürre die kommenden Tage, und wir nennen es eine Chance! So sei es, ja ja.«

26.

Ein Spiel für Herzpatienten. Aufregung ausgeschlossen.

28.

»So werden sie Drmic nur schwer ins Spiel bringen« tadelt Tom Bartels die Schweizer Bemühungen. Der Gladbach-Fan in mir wütet gegen den Fernseher: Anders auch nicht, Tom! Anders auch nicht!

29.

Heureka! Wir haben eine Torchance. Marcus Berg schön aus der Drehung, mit links und in die vergessene Ecke von Yann Sommers Tor. Doch der Schweizer Goalie macht auf Katze, geschmeidet sich in ungeahnte Länge und flutscht den Ball davon. Und Berg? Hält es mit dem Familien-Motto: 

32.

Gelbe Karte für Lustig. Hat wohl einen Namensgag gemacht.

33.

Mesut Özil für mich wieder komplett unsichtbar.

34.

Das kommt eben dabei raus, wenn keine Mannschaft verlieren will. Und keine Mannschaft gewinnen kann.

36.

Immerhin: das beste Quidditch-Match, das ich je gesehen habe.

38.

Hui. Gerade wollte ich der Ödnis ein Steno schenken, und dann tatsächlich: Fußball. Zuber und Dzemaili spielen Doppelpass, einen richtigen Doppelpass, und dann kommt Dzemaili zum freien Schuss und zielt hinüber. Als würde man Jahre auf seine eine Chance warten, das große Wort zu schwingen, vor der versammelten Firmenbelegschaft vielleicht. Es hat sich viel angestaut, viele gute Idee und Sätze auch. Und dann tief Luft holen und los, Tiger, das ist deine Chance, alle Augen auf deinen Lippen. Und Du? Du lässt es hinaus in die Welt, das ganze: »Ja, äh, pffffffffff...«

41.

Auf der Gegenseite Ekdal mit der Riesen-Chance. Schöne Flanke von Lustig, und dann kommt Ekdal zur Überlegung: Mit dem Fuß, den Haaren, dem Kopf oder vielleicht mit einem Portrait von Uwe Seeler, ich müsste da doch noch irgendwo eines haben, im Stutzen vielleicht, ich schaue glatt mal nach. Und dann: huch. Der Fußball ist so schnell geworden.

43.

Dzemaili, Ekdal. Würde mich nicht wundern, wenn gleich noch Björn Schlicke ins Spiel käme, um die WM im Alleingang doch noch nach Deutschland zu holen.

45.

Die gute Nachricht: gleich ist Halbzeit.

16.45 Uhr

Die schlechte Nachricht: Dafür nun die heute-Nachrichten mit dem Seehofer, Horst. Wir müssen durchschnaufen.

46.

Anstoss zur zweiten Halbzeit. Die schlechteste Nachricht nun also seit: Anstoss zur ersten Halbzeit.

48.

Das Spiel, wie es wirklich ist: Einwurf Larsson, Kopfball Granquist, Abstoss Schweiz. Wiederholung Abstoss Schweiz. Pause. Pause. Pause. Stillstand. Pause. Abstoss Schweiz, Kopfballduell, Zweikampf, Ballverlust, Ballverlust. Forsberg läuft gegen Schiedsrichter. Ein Einhorn kotzt. Langes Holz in den Strafraum. Toivonen fällt der Ball vor die Füße. Abstoss Schweiz. Bitteschön. Dankeschön.

51.

Schöne Flanke von Drmic, nur leider mit Denkfehler, denn der Ball segelt in Richtung des Kopfes von Xherdan Shaqiri, der darüber, schlau ist er ja, so tut, als hätte er die Orientierung verloren. Der Ball also fällt ihm hilflos auf den Rücken. Als würde ein Lachs versuchen, einen Football zu fangen. Mit einer Hand.

53.

Eckball Schweiz folgt auf Eckball Schweiz folgt auf Eckball Schweiz. Die Quadratur des Kreises ist ein Höllenrad.

55.

Der schwedische Trainer, der Norweger ist, sieht aus wie eine Mischung aus Karl-Theodor zu Guttenberg, Heinz Schenk und der Motorhaube eines 54er Cadillac Seville. Was das heißt? 0:0. Bitter.

57.

Noch drei Minuten, und das Spiel ruft selbstständig bei der Notfallseelsorge an.

59.

Das beste Spiel immerhin, das Johan Djourou nie für den HSV gemacht hat.

62.

Vermarktungs-Praktikantin Anna, die für zwei Tage in der Redaktion zu Besuch ist, meldet sich zu Wort: »Der eine da soll mal zum Friseur gehen.« Tja. Das stimmt nachdenklich.

64.

Auch Scouts unter den Opfern.

66.

Bums mich! Tor. Schweden. Forsberg. Abgefälscht, natürlich. Wie anders, als hässlich, als glücklich, könnte dieses Spiel an seinem Resultat schrauben? Forsberg wemst zentral und in bester Gewaltroller-Manier Richtung Yann Sommer und dann ärgert sich Manuel Akanjis rechtes Füßlein dazwischen, lenkt diese Beleidigung eines Torversuchs zur Führung.

69.

Die Schweiz auf der Suche nach einer Antwort, findet: Josip Drmic. Als wolle man eine mathematische Gleichung mit einem Messer lösen.

72.

Seferovic und Embolo jetzt im Spiel. Die Schweiz also nun mit einem Stürmer.

75.

Schweden mit einem richtigen Offensiv-Feuerwerk, und also mit fast so etwas wie einer Chance. Danach Ecke, Abstoss. All die Feinheiten, die eine gute Partie Mahjong so braucht.

78.

Ach guck. Eine Chance der Schweiz! Eine richtige Chance. Nach Ecke kommt Embolo zum Kopfball, setzt sich gut durch gegen die schwedischen Türme und trifft dann doch nur einen weiteren Schweden, der sich am Pfosten postiert hatte. Oder wie man Schweden sagt: Glück auf.

81.

Bei den Schweden kommt der Schwager von Dirk Nowitzki ins Spiel. Schlau, jetzt auf »Fade away« zu setzen.

83.

Embolo mit der nächsten Möglichkeit. Der einzige Schweizer hier, der nicht von der schleppenden Monotonie des Spiels angesteckt scheint. Kurvt unwiderstehlich in den Strafraum, verliert dann den Ball. Ist aber verständlich, die Objektverwirrung: Auf Schalke bekommt man den eher seltener zu Gesicht.

86.

Powerplay der Schweizer jetzt. Klingt nach einem Paradoxon, stimmt aber tatsächlich. Bis Ricardo Rodriguez an den Ball kommt, ihn sich auf den rechten Fuß legt und sein Glück sucht. Ein trauriges Glück. Als würde Hollywood einen Film über Wolfsburg drehen. Mit Veronica Ferres in der Hauptrolle. Als Bahnhof.

89.

Gleich wird sich zeigen, ob Schiedsrichter Damir Skomina ein Humanist ist oder nicht.

90.

Drei Minuten Nachspielzeit. Halb Humanist, halb Sadist also.

90.+1

Und jetzt kommt die Schweiz doch noch zu ihrer Chance. Kopfball, fünf Meter vor dem Tor. Aber zu zentral. So muss es sich anfühlen, wenn man hinunter in die Hölle blickt. Oder einfach nur durch die Tür zum Sado-Maso-Keller.

90.+2

»Schweiz mit nur einem Ziel«, sagt Bartels. Wollen die etwa auch nach Hause?

90.+3

Ganz eindeutig! Olsson läuft alleine aufs Tor, aber Lang mit einer Kurzschlussreaktion: foult den Schweden. Schiedsrichter Scomina zeigt auf den Punkt, zeigt Rot. Und mir fällt ein: Der Mann, also Lang, ist bald Gladbacher. Na toll.

90. +5

Und dann bleibt doch alles anders. Freistoß statt Elfmeter. Nur: rot bleibt rot. Und Schweden in Führung.

17.53 Uhr

Dieser letzte Freistoß der Schweden zerschmettert noch an den Fäusten von Yann Sommer und anschließend die Träume der Schweizer am Schlusspfiff. Oder so. Wer jetzt noch einen geschmeidigen Abbinder erwartet, melde sich bei dieser Partie. Diesem Lokus der Erwartungen. Bäh. Bäh. Bäh. Wir gehen jetzt träumen und wachen rechtzeitig zu Kolumbien-England wieder auf. Adieu.