Schalke 04

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BVB

Schalke-Dortmund im Liveticker

Re: Vier-Vier-Derby

Schalke schlägt Dortmund und zugleich noch jede Behauptung, dass man Fußball spielen muss, um im Fußball erfolgreich zu sein. Weiß bestens, wie das funktioniert und grätschte die 90 Minuten Revierderby aufmerksam über die komplette Tastatur: der Liveticker.

15 Uhr

Moin, oder wie man im Ruhrgebiet sagt:Wat?! Gleich mal Domenico Tedesco im Interview, der viel Nettes und Nichts zugleich sagt. Selten einen Trainer erlebt, zu dem ich auch nach 30 Spieltagen noch keine Meinung habe. Ein Mann, ganz ohne Angriffspunkte. Ein Mann wie ein Mobilfunkverkäufer.

15.05 Uhr

Und direkt darauf: Peter Stöger im Interview. Trägt die gelbeste Jacke seit Erfindung der Sonne. Zusammen mit dem österreichischen Sing-Sang, der seinen Mund da verlässt, schubst er einen so direkt in die Transzendentale, der Stöger, der Peter. Und »Heja BVB, Heja BVB, Shanti, Shanti«. Und wir gehen in den Kaktus. Und einatmen. Und ausatmen.

15.10 Uhr

Zu den Aufstellungen. Hier die Startelf des FC Schalke 04: Fährmann - Stambouli , Naldo , Kehrer - Schöpf , Bentaleb , D. Caligiuri - Harit , Goretzka - G. Burgstaller , Konoplyanka

15.11 Uhr

Was auffällt: Aus den Namen der Achsenspieler Fährmann, Naldo, Goretzka und Burgstaller lässt sich folgendes Wort bilden: FährNaGoBu. Ein deutliches Zeichen, das Domenico Tedesco da setzt.

15.12 Uhr

Kommen wir zur Aufstellung der Gäste aus Dortmund: Bürki - Piszczek , Sokratis , Toprak , Schmelzer - Dahoud , Sahin - C. Pulisic , Reus , Philipp - Batshuayi

15.13 Uhr

Wobei sich aus dieser Aufstellung herauslesen lässt: BüToSaRe. Bedenklich.

15.19 Uhr

Schiedsrichter der Partie ist übrigens Manuel Gräfe. Optimale Wahl. Der Mann, der bei jeder seiner Entscheidungen die Anmutung eines Berliner Eckkneipen-Wirts in die Welt stellt. Der mit jeder Geste zu rufen scheint: »Jungs, Jungs, Jungs. Gaanz ruhig. Hier hat nur einer wirklich dicke Eier. Und das bin ich. Und wenn ihr nicht gleich brav seid, packe ich Euch am Schlawittchen und bohner mit euch den Pflastersteinweg vor der Tür. Haben wir uns verstanden?« Und die Jungs verstehen, weil sie wissen, dass es besser für sie ist. So ist das mit der Autorität. Immer gut, wenn sie natürlich ist. Will meinen: Immer gut, wenn eine subtile Drohgebärde mitschwingt. In diesem Sinne: Viel Spaß mit diesem Ticker. Haben wir uns verstanden?!

15.24 Uhr

Auf Schalke singen sie jetzt. Klingt wie: »Klang schon in den 50ern kacke, aber die Trompete fetzt.« Und dann beschweren sich die Menschen über Helene Fischer in der Halbzeitpause. Naja. Vertreiben wir uns die Zeit lieber mit einem Bild vom im Stadion anwesenden Ilkay Gündogan, vor dessen Gesicht in dieser Sekunde eine Salz-Bretzel gehalten wird. Und so ist für jeden was dabei.

15.27 Uhr

Immer wenn ich diesen Schalker Spielertunnel sehe, diesen auf Bergstollen getrimmter Plastik-Tönnef, muss ich derbe lachen. Oder wie heißt das, wenn einem das Essen wieder hochkommt?

15.28 Uhr

»Blau und Weiß — das sind die Farben von ganz oben« prengelt ein riesiges Banner über der Schalker Nordkurve. Und dann schauen wir in den Himmel, ganz nach oben, dort, wo die Sterne daheim sind, nach denen sie auf Schalke so gern greifen, und was sehen wir da? Richtig. Den Stern des Südens. Kotz.

15.30 Uhr

Und nochmal Domenico Tedesco im Bild. Steht da in weiß-weißen Turnschuhen, eng-enger Jeans und Polo-Shirt. So wird man zur Legende. In Golf GTI-Kreisen.

1.

Anstoss Schalke. Noch 0:0. Tedesco und Stöger raus. Meine Meinung.

1.

Kehrer mit einem schlampigen Rückpass, ein Dortmunder spritzt dazwischen, doch Ralle Fährmann macht, was Ralles so machen: dicht.

3.

Dortmund gleich mal mit ordentlich Druck, Tedesco wütend an der Seitenlinie. Fuchtelt mit den Armen und Fingern. Wenn mich mein Gebärdensprachkurs nicht täuscht, sagt er soviel wie: »Ich tanze Samba auf der Nummer 23 süß sauer.« Ist halt seine Stärke, die Ansprache.

5.

Kehrer erneut mit dem Pass zum Gegner. Bewirbt sich recht unverhohlen für eine Anstellung beim Erzrivalen. Aber dann doch nur Ecke Dortmund, Ecke durch Reus, der daraus das macht, was einst (hoffentlich) auf meinem Grabstein stehen wird: Sah gut aus, blieb aber ohne Chance auf Erfolg.

6.

Im Gegenzug - muss man mal sagen, das macht hier ordentlich Bock - Allessandro Schöpf mit einem wunderschönen Distanzschuss. Doch das ist nicht die kurze Ecke, auf die er da zielt, und also fischt Roman Bürki das Aufsetzer-Geschoss locker zur Ecke. Die dann nichts einbringt. Ein Tick wie eine ganz normale Diät: Jo-Jo. Und schlußendlich sinnlos.

8.

Peter Stöger an der Seitenlinie sieht einmal mehr so aus, als würde es jederzeit heißen können: »Hab einen!« Und dann holt er die Leine ein, wuchtet die Makrele in die Höhe und lässt wirken.

11.

Das Spiel verflacht. Wirkt jetzt, als würden zwei Kleinkinder inmitten eines bis dahin doch ereignislosen Boxkampfes zugestehen: Ah, haben wir beide unsere Controller vergessen.

13.

Aha. Man muss nur meckern!! Goretzka mit der Hackenablage auf den durchstartenden Burgstaller, der frei zum Schuss kommt am rechten Strafraumeck. Und beim nächsten Tick hat es die 16. Minute. Irre.

16.

Es wogt nun wieder so hin und her, wie ein altes Segelschiff im wilden Sturm. Ohne Gefahr, dass etwas passieren würde, denn dazu ist der Rumpf zu stabil. Toprak vor Burgstaller? Aye, Aye, Captain. Und Ecke Caliguiri und Konter Dortmund und Foul Konoplyanka an Reus. Sehen sie hier die Expected Goals-Rate für dieses Spiel: Skorbut.

19.

Langes Holz, was, natürlich, bedeutet: Burgstaller am Ball. Steht dann allein gegen vier Dortmunder. Versucht es trotzdem. Es hat halt auch sein Gutes, wenn man es mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht so hat. Wahrscheinlich. Gut, in diesem Fall endet das Alles im Nichts. Aber das muss wahrscheinlich nichts heißen.

22.

Sokratis gegen Burgstaller. Und der Grieche greift tief in die Trickkiste seiner Bibliographie, zitiert seinen ureigenen Klassiker: »Arm draußen«. Was in die Moderne übertragen bedeutet: Ächz, Krach Bumm.

24.

Freistoß Reus. Gefühlte Entfernung: Dortmund. Aber das macht nichts, Reus zwirbelt, flattert diesen Ball in Richtung Fährmann, dass es eine Freude ist. Und Ralle fliegt und faustet nach diesem Ball, dass es eine Freude ist. Toll. Freudenhaus Revierderby. Küssen bei Sympathie erlaubt.

26.

Freistoß auch auf der Gegenseite. Caliguiri sucht Kehrer, findet Kehrer. Aber der ist kein Air Jordan, sondern Air Kehrer, und das wäre, um im Bild zu bleiben, eine Pleite-Airline, da sie im völlig falschen Moment abhebt und so deutlich ihr Ziel verfehlt. Denn eigentlich steht Kehrer da ganz Solo im Strafraum, muss nur im richtigen Moment abspringen und seinen Kehrer in die Flugbahn halten. Wie heißt es so schön: Timing ist keine Stadt in China.

29.

Wenig Fußball jetzt. Selbst Nabil Bentaleb grätscht, als müsste er sich umgehend für den kommenden Mixed-Martial-Arts-Abend qualifizieren. Spezialität: Königs-Aua.

32.

Schalke mit der Konter-Chance. Vier Blaue gegen drei Schwarz-Gelbe. Doch Konoplyanka dividiert die Szene falsch und löst mit: Ballverlust. Tedesco notiert: Ergebnis UND Lösungsweg falsch. Bitter.

35.

Unglaubliche Stimmung weiterhin. Obwohl nichts passiert. So stelle ich mir Schützenfeste vor.

38.

Tolle Szene jetzt: Zwei Dortmunder, zwei Schalker, ein Ball. Alles aufeinander. Eher Freistil denn griechisch-römisch. Und schon mal gar kein Fußball. Merkt dann auch irgendwann Schiri Manuel Gräfe, der auf Freistoß entscheidet. Für Schalke. Und erstaunlicherweise also nicht für den Ball. Bitter.

41.

Schalke übernimmt die Spielkontrolle. Und das sieht genauso übel aus, wie es klingt.

42.

Das Spiel nun wie mein Leben: Halbchance auf Halbchance . Burgstaller mit seinem Ich-Leg-Den-Ball-Mit-Der-Rechten-Hacke-Auf-Meinen-Linken-Fuss-Und-Verlier-Dann-Den-Ball-Burgstaller-Signature-Move. Anstatt einfach nur zu burgstallern, also abzuschließen. Und dann Goretzka mit der Innenseite, die sich sofort als Weltrekord-Versuch für harmlose Gewaltroller bewirbt. Dass Roman Bürki vor Lachen nicht zu Boden geht, ist ihm hoch anzurechnen.

45.

Sieh an, sieh an, eine richtige, echte Chance: Naldo mit dem langen Ball auf Konoplyanka, der den umgekehrten Robben macht, von links außen nach rechts innen zieht und abschließt. Doch eine Chance macht noch keinen Robben. Und so geht dieser Ball am langen Pfosten vorbei. Dann ist Halbzeit. Ein 0:0 der Sorte 0:0. Aber, liebe Freunde, es hätte auch genauso gut andersherum stehen können.

46.

Schürrle kommt für Philipp. Trotzdem pfeift Manuel Gräfe die Partie wieder an.

49.

Es sind die großen Fragen, die die Menschheit beschäftigen: Woher kommt alles Leben? Wird es jemals Weltfrieden geben? Wie konnte Schalke mit diesem Fußball 15 Siege einfahren?

50.

Es kann nicht mehr lange dauern, bis der Wendekreis von LKW's in Burgstaller gemessen wird.

51.

Tor, Tor, Tor! Und schon ist eine der größten Fragen der Menschheitsgeschichte beantwortet. Die Lösung lautet: Konter. Caliguiri erobert den Ball weit vorne von Marcel Schmelzer, muss dann nur noch rüber legen zu Konoplyanka, der das Ding mit einer soliden Punktnaht ins linke, obere Ecke schweißt. Toll. Oder um es mit Freddie Mercury in David Bowie's »Under Pressure« zu sagen: Ee do ba be
Ee da ba ba ba
Um bo bo
Be lap

54.

Domenico Tedesco verrenkt am Seitenrand alles, was er hat. Aber täuscht es, oder erinnern die taktischen Anweisungen des Schalke-Trainers nicht frappierend an das hier?!?

57.

»Schalke ist wacher als der BVB«, so der Sky-Kommentator. Also: Wach.

60.

Und auf der Tribüne sitzt, wenn mich nicht alles täuscht, »Bild.de«-Chef Julian Reichelt neben Schalke-Boss Clemens Tönnies, der sich in einen Rausch klatscht: Endlich eine Home-Story. Aber Vorsicht, Herr Reichelt: Wer mit Clemens Tönnies in den Schacht hinabfährt, landet am Ende in der Schlachterei. Oder schlimmer noch: bei Gazprom.

63.

Dortmund furchtbar bemüht. Noch furchtbar ideenloser. Als würde jeder dem Mitspieler nicht nur den Ball sondern auch den frommen Wunsch zupassen: Mach was Geniales! Und der Mitspieler grübelt und grübelt: Mmh, was Geniales, was Geniales. Und es fällt ihm nichts ein, dem Sisyphos der Stunde. Und dann schiebt er den Stein der Verantwortung, der der Ball ist, einfach wieder an den Anfang, der der nächste Mitspieler ist.

66.

Noch mehr Ballbesitz für den BVB, und das Spiel wird ein Fall für das Kartell-Amt.

69.

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72.

McKennie kommt für Goretzka. Nur konsequent von Tedesco, den einzigen Mann vom Feld zu nehmen, der hier richtig Fußballspielen will. Kann er jetzt wirklich nicht gebrauchen, der Schalker Coach.

74.

Gute Chance für Schalke, doch McKennie zeigt gleich mal, wofür ihn Tedesco gebracht hat: Sichert den Ball freistehend am Fünfer mit einer soliden Drehung weg vom Tor. Der dadurch um den Faktor »Häh?« verlängerte Angriff nimmt so wichtige Sekunden von der Uhr.

75.

Schürrle im Gegenzug mit der Chance. »Warum geht er da nicht weiter«, fragt der Sky-Kommentator. Und fasst damit in Worte, was man sich bei Schürrle ja immer irgendwie fragt: Warum?

77.

Burgstaller mit der gelben Karte für ein Foul an Sokratis. Was das Spiel für den Moment ziemlich gut zusammenfasst. Beileid auch.

80.

Batshuayi mit einer Kopfballchance. Weit vorbei. Was blöd ist weil...

85.

Di Santo und Götze machen sich für ihre Einwechslung bereit. Setzen also beide Trainer auf Ergebnissicherung.

82.

Im Gegenzug ein Schalker gefoult wird, was Naldo einen Freistoß schenkt, also ein Freilos aus diesen läppischen 30 Metern, aus denen er einen Strahl loslässt, der eigentlich unter die Genfer Konventionen fallen sollte. Oder was immer dafür sorgt, dass Menschen sicher leben. Gut, die Mauer der Dortmunder war jetzt auch eher eine Absichtserklärung. Aber wie heißt es so schön von Urologe zu Urologe: Strahl ist Strahl.

88.

Reus mit einer Schusschance, wird zentral von Pulisic bedient, zielt aber viel zu mittig. Für einen kurzen Moment scheint es, als würde Ralf Fährmann daraufhin eine Anzeige gegen Reus erstatten wollen. Wegen Beleidigung.

90. +1

Batshuayi plötzlich mit viel Wiese und nur noch Fährmann vor sich, ehe aus dem Super-Nichts, aus einem schwarzen Loch, oder wo immer Zeit- und Raumreisende so herkommen, Stambouli den Ball vom Fuß grätscht, als gelte es eine Atombombe zu entschärfen. Und so freuen sie sich dann auch, die Schalker, so pumpen sie ihre Muskel und Augen auf. Und vielleicht wird man sich heute Abend zuraunen: Wo warst Du, als Stambouli uns rettete? Und vielleicht wird die Antwort dann immer wieder heißen: »Hä? Hömma! Schaaaaaaaaaaalke. Schaaaaaaaaaaaaaaalke!« Ehe dumpf ein Kopf, oder sonst ein weniger benötigtes Körperteil der Ermattung Tribut zollt und Richtung Boden sinkt.

90. +4

Woran man erkennt, dass Manuel Gräfe kein Fußball-Fan ist? Er lässt laufen.

90. +5

Dortmund nur noch zu zehnt, nachdem Batshuayi die Stambouli-Grätsche nicht so wirklich gut überstanden hat und vom Rasen muss. Gute Besserung!

17.26 Uhr

Und dann geht Domenico Tedesco zu Boden. Klingt dramatisch, ist aber was Schönes. Also für alle, die es mit Schalke halten. Denn Tedesco jubelt einfach nur, da es Aus, Aus, Aus ist. Was wird von diesem Spiel bleiben? Ein 2:0-Sieg für Schalke, klar. Eine wirkliche herausragende Stimmung und lange Zeit auch Spannung. Und aber, vor allem: Ein erschreckend schwaches Spiel. Wer immer die Eintönigkeit der Bundesliga, wer immer Bayern-Alleingänge satt hat, sollte sich dieses Spiel anschauen und sich fragen, ob es wirklich etwas mit Geld zu tun haben kann oder muss, wenn im Duell des Tabellenzweiten gegen den Tabellendritten so eine dünne Suppe serviert wird. Allen anderen: Glück auf. Beißt jetzt und wie immer am liebsten der besten Schuhsohle der Stadt herum: der Liveticker. Gute Nacht.