Russland

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Ägypten

Russland-Ägypten im Liveticker

No Salah

Russland siegt 3:1 und schickt Ägypten vermutlich schon wieder nach Hause. Dachte mit Frühlingsgefühlen ans nächste Sommermärchen: der Ticker.

19:45 Uhr

Herzlich Willkommen, liebe Freunde! Zweiter Spieltag is on: Russland gegen Ägypten also. Oder wie Freiheits-Fans sagen: Demokratie-Index-Weltranglisten-Platz Nummer 135 gegen Nummer 130. Und irgendwo spielen Kim Jong-Un und Dennis Rodman ein Basketball-One-on-One ohne Ball. Verlierer: die Demokratie. Und natürlich Alex »so weit die Füße tragen« Raack und Gareth »Systemirrelevant« Joswig. Viel "Spaß".

19:47 Uhr

Welke setzt noch einen drauf: Grüße aus Tschetschenien, sagt er. Heuteshowt dann fast noch eine Photoshop-Phillipp-Grafik in den Hintergrund. Zum Glück rettet der andere Olli mit seiner Titanenhaftigkeit die Situation und zerlabert die Spannung mit einem Sermon über irgend eine Sportart.

19:50 Uhr

Von Anfang an übrigens dabei: Mo Salah. Und noch wichtiger: Dessen Schulter. Ist nach einem Pferdekuss von Real-Pony Ramos nach etlichen Wochen endlich wieder heilgecremt.

19:53 Uhr

Achtung harter Fakt. Gleich endlich wieder zu hören: Die bekannteste Nationalhymne der Welt. Fact-Checkt das von mir aus selbst. Wir halten uns aus Angst vor dem Gulag jedenfalls schon die Brust.

19:55 Uhr

Ägyptens Hymne und Mannschaft in der Nahaufnahme: Mo Salah anwesend. Rest mittelbekannt.

19:56 Uhr

Hier dann nochmal zum Mitsingen die russische Hymne.

19:57 Uhr

So. Dann wolln wir mal. Ach, da schau her, hallo Herr Putin. Was machen sie denn hie...*KGB-Handkantenschlag*

19:59 Uhr

Nun denn, Genossen, auf ins Gefecht! Zum großen vaterländischen Fußball mit Mütterchen Russland und Väterchen Putin.

20:00 Uhr

Habe mich vertan: Kenne doch noch jemanden aus der ägyptischen Mannschaft. Trezeguet spielt auch mit. Dann lege ich mich jetzt auch fest: Ägypten wird Weltmeister

1.

Und die Kugel rollt. Mo Salah noch nicht am Ball. Tränen in der 11Freunde-Redaktion. Sergio Ramos gefällt das.

2.

Mega-Fehlpass der Ägypter, Konter Russland, Steilpass kommt nicht an. Mit einem Taschentuch aus Stahlbeton trocknet Wladimir Putin unsere Tränen.

3.

Spielidee von Ägypten schon jetzt zu erkennen: Langholz und vorne hilft der liebe Gott. Oder Mo Salah. Schön ist das nicht, aber wir essen, was uns auf den Rasen gestellt wird. Zum Nachtisch soll Hany Ramzy Nektarinen mit Spannstößen teilen. Haben wir gehört.

6.

Russlands Welle der Euphorie ist offenbar noch längst nicht ausgeritten. Auf dicken Surfbrettern peitschen die Gastgeber durch die Abwehr von Ägypten. Was heißt eigentlich Hühnerstall auf Arabisch?

7.

Die Schriftart auf den Trikots haben wir zuletzt bei Gameboy-Spielen gesehen, die auf langen Fahrten in den Urlaub irgendwann zwischen den Autositzen verschwanden. Gleich neben der Flitze-Feuerzahn-Kassette.

9.

Es funkt und kracht bei jedem Zweikampf. Würde uns nicht wundern, wenn gleich Rüdiger Nehberg an einem der Zusammenstöße sein Lagerfeuer entzündet und nur mit einem Lendenschurz bekleidet in Richtung Sibirien entschwindet. Dort dann nur Essen aus der Gulag-Kanone.

14.

An der Seitenlinie: Hector Cuper. Namen wie schwere Arbeitsgeräte. War schon Trainer in:
Mallorca
Valencia
Parma
Sevilla
Georgien
Santander
Mailand und Ordu
Jetzt: Ägypten. Die guten alten Wandervögel, mögen sie nie aussterben.

16.

Der unvergleichliche Trezeguet sprintet von links in den russischen Strafraum. Hat dort mehr Platz als ein Polarwolf in der sibirischen Tundra. Will den Ball ins rechte Eck schlenzen. Trezegeht knapp vorbei.

18.

Ein Russe läuft geradeaus. Zwanzig Meter, dreißig Meter - bis ihn ein Ägypter einholt. Dann bleibt er beleidigt stehen, guckt hoch zur Tribüne, stellt Blickkontakt mit Putin her. Der hebt den Daumen. Freistoß. Klare Sache.

21.

Die Russen trotz allem ganz gut dabei. Quergeschiebe gibt's bislang noch gar nicht. Sobald ein Russe den Ball hat, rennt er kopflos nach vorne. Etwas zu kopflos? Vielleicht sollte mal jemand Hajo Seppelt auf ein paar Blutproben rumschicken. Ist schon vom Zuschauen high: der Ticker.

23.

Gute Grätschenfrequenz bisher. Die Russen pflügen jedem noch so schwer erreichbaren Ball hinterher. Wie sich das gehört in einem Arbeiter- und Bauernstaat. Flanken spielen können sie trotzdem nicht: Gazinsky flankt Richtung Seitenaus. In der Mitte schimpft Dzyuba: »Verdammter Diktaturensohn!«

26.

Salah das erste Mal in Tornähe am Ball. Wirkt von nahem auf einmal viel kleiner. Sucht dann auch nicht den eigenen Abschluss, sondern Trezeguet, der sich mit Bein und Ball in einem antikapitalistischem Bollwerk verhakt.

28.

Mo storcht derzeit eher durch den Salahd. Hat vermutlich Angst, dass der russische Trainer Cherchesov gleich den hier einwechselt, wenn Salah zuviel nervt.

31.

Russlands halbhohe Flanken derzeit so erfolgreich wie ein Wettrüsten mit Ronald Reagan. Fliegen aber auch in einem derart hohen Bogen in den Strafraum, dass man von Star Wars sprechen könnte. Aber wo hat Ägypten den Raketenabwehrschirm her?

33.

Die Hektik dieses Spiels erinnert mich an ein Wrestling-Match. Nicht im Bild: wie Hector Cuper von den Nasty Boys mit einem Klappstuhl bearbeitet wird.

35.

Schon jetzt mehr Flanken als bei den alljährlichen Christian-Ziege-Summer-Games (feat. Jörg Heinrich). Fast genauso oft hat Oliver Schmidt jetzt den Gag mit den Pharaonen gebracht. Ein Königreich für eine Pyramide über dem Reporterplatz.

38.

Bisschen traurig sind wir ja, dass Ägypten Torwart-Opa El-Hadary wieder draußen lässt. Der wollte hier eigentlich zum Rekordmann werden. Und irgendwo in Kolumbien, in seiner Effzeh-Garage mit den Barhockern, die wie der Oberlippenbart von Christoph Daum geformt sind, sitzt Faryd Mondragon und streichelt liebevoll die Gehhilfe aus Platin, die er einst als ältester WM-Teilnehmer aller Zeiten von den Grauen Panthern überreicht bekam.

40.

Doppelpass von Mo Salah und das Volk schreit vor Entzücken. Entsetzen, als der Angriff doch versandet. Die Last des Genies: jeder erwartet hier von diesem Mann bei jedem Ballkontakt die ganz große Kunst. Außerhalb der Kameras malt Salah einen echten Picasso in den Rasen, mit seinen Stollen.

42.

Aha! Erste richtig gefährliche Chance des Spiels und bitte raten sie, wer uns den Gefallen tat? Genau: Pablo Picasso.

43.

Schönster Spitzname dieses Turniers: "der sibirische Wunderjunge". Verliehen von Oliver Schmidt an Aleksandr Golovin. Juve soll schon dran sein, natürlich. Mein Tipp: der spielt in vier Jahren beim VfB Stuttgart.

45.

Halbzeit gleich vorbei, Mo Salah noch immer auf dem Platz. In seinem Hotelzimmer sitzt Sergio Ramos und reißt einem Marienkäfer die Flügel aus.

Halbzeit

Und Pause. Ging zunächst zur Sache wie auf einem niedersächsischen Schützenfest bei der ersten Bierflaschen-Prügelei, kühlte sich dann aber doch noch etwas ab. Geht gleich weiter. Mit Mo Salah, dem sibirischen Wunderjungen und Hector Cuper. Jetzt erstmal Merkel, Macron und Horst Seehofer. Das ZDF weiß einfach, wie es geht. Bis gleich.

20:49 Uhr

»Heute ist schon Dienstag«, klausclebert es, »der Montag ist schon vorbei.« Guten Morgen. Dann, gähn, Flüchtlings-News. Irgendwas mit Merkel und CSU. Wir legen uns lieber wieder hin und warten wieder auf den Spieltag.

20:56 Uhr

Huch, schon ein paar Minuten nichts von Ägyptens Superstar gehört: Zeit, etwas überzukompensieren: MoSalahMoSalahMoSalahMoSalahMoSalahMoSalahMoSalahMoSalahSchulterMoSalah.

20:59 Uhr

Kennt 17 verschiedene Ausdrücke für Schulter: Oliver Welke. Dazu läuft Schnittfutter von, nun ja, Mo Salah.

21:00 Uhr

Oliver Schmidt: »Viel Oldschool-Fußball in der ersten Hälfte.« Und irgendwo trinken KRS-One, Ice-T und LL Cool J ihre Tränen aus einem Weinbrandt-Glas. Sitzend vor einem Kaminfeuer im karierten Frottee-Bademantel.

46.

Und dann, aus dem Nichts: TOOOOR! EIGENTOR! So unbeachtet wie ein Baum im sibirischen Urwald fällt hier ein Eigentor vom ägyptischen Verteidiger Fathi. Dessen Knie schlenzt den Ball schöner ins lange Eck als es Mo Salah auf der anderen Seite je könnte. Autsch. 1:0 für Putin.

49.

Nochmal die Zeitlupe vom Treffer. Wir können nicht hingucken. Je öfter man es sieht, desto mehr schmerzt es. Und später gibt es dann noch ein Arschvoll von Großfathi.

52.

Frage: Wenn ein Eigentor mitten in der Sibirischen Steppe fällt und keiner dort ist, um es zu sehen und zu hören, woher weißt du dann, dass es wirklich gefallen ist?

54.

Ägypten jetzt bemüht, versucht es mit einer Mischung aus halbhohen Flanken vor den Strafraum und Flipper-bumps. TILT!

56.

Dann plötzlich doch die Chance für Mo Salah. Gar nicht schlecht, doch abgeostblockt von einer russischen Kante.

57.

Gelbe Karte für einen Russen, der keinen Vodka mittrinken wollte. Zurecht.

59.

Schenkt noch einen ein: Denis Cheryshev. TOR! Nach einer, Achtung, hochprozentigen Kombination über Außen. Russland schon fast Weltmeister! Trinkt keinen mit: Mo Salah. 2:0!

62.

WAAAS BITTE? Artyom Dzyuba mit dem 3 zu 0. Dreizunull. Was. Ist. Denn. Hier. Los. Acht Buden hat Russland damit bereits während dieser WM geschossen. Und eines schöner als das andere. Ägyptens Trainer reagiert und wechselt Salahs Schulter aus.

64.

Zwei Spiele, 8:0-Tore. Erleben wir hier das russische Sommermärchen? Wer bringt Väterchen Frost ein Glas Eiswürfel? Ist Dzyuba der neue Miro? Golovin der neue Podolski? Und wo zur Hölle steckt eigentlich Franz Beckenbauer?

66.

Die Hütte von Dzyuba können wir uns immer und immer wieder anschauen. Schlackse, die Bälle streicheln. Schneller Anruf bei Karsten Bäron: "...immer und immer wieder..."

67.

Schmidt spricht von live im russischen Frühstücksfernsehen gequälten Orakel-Bären. Man muss dieses Land nicht mögen, aber langweilig wird es mit ihnen nicht.

68.

Ach, Ägypten. Da quälen die sich durch die WM-Quali, erwischen eine auf den ersten Blick machbare Gruppe, dann verletzt sich Salah und jetzt bekommen die hier die nächste Naht. 28 Jahre nur zuschauen für Nichts. Unser Beileid.

70.

Elfmeter für Ägypten! Nein! Freistoß! Oder? Video-Schiri? Schiri-Video? Völlige Konfusion...und während wir auf die endgültige Entscheidung aus einem fernen Büro-Zimmer warten, ist die Spannung schon fast dahin. Salah: gegen Akinfeev...TOR! Nur noch 1:3. Und die Kameras zeigen gelangweilte Ägypter mit diesen dämlichen Pharao-Hüten, die sich selbst filmen. Irgendwie alles grotesk, diese Mischung aus Video-Warterei und WM-Folklore. Wann geht die Bundesliga nochmal los?

75.

Russland antwortet mit einem Kopfball. Uwe Seeler nimmt vor Freude einen Koffer mit einer Million Rubel an.

76.

Fatih leitet den nächsten ägyptischen Angriff ein. Wird dann von Muttih ermahnt, nicht immer so viele Fehlpässe zu spielen und schickt seiner Geliebtih vor lauter Ärger ein verschwommenes Penis-Bild. Wenn das Großfatih wüsste!

78.

Duracellartige neue Betriebsamkeit bei den Ägyptern. Und dann: Foul im Strafraum! Oder? Es geht längst weiter. Mein Gott, der moderne Fußball. Die WM 82 konnten wir damals noch in Ruhe mit der Schreibmaschine und den verdienten 11Freunde-Brieftauben tickern. Damals, als uns Toni Schumacher die Jacketkronen zahlen wollte. Ach...

80.

Ein Ägypter geht mit einem stiernackigen Russen in den Pressschlag. Überschlägt sich, der Russe läuft unbeeindruckt weiter. Hat vermutlich gar nicht gemerkt, dass er einen Zweikampf bestritten hat. Wirkt ein bisschen wie ein Sparring-Kampf zwischen einem Kaninchen und Ivan Drago.

83.

Ägypten versucht noch einmal ehrenhaft ein bisschen Stress im russischen Strafraum zu machen. Genau: Versucht. So in etwa sieht das dann aus:

85.

Youri Zhirkov geht, Kudriashov kommt. Sie alle wirken schon jetzt wie Nationalhelden in Putins Geschichtsbuch der großen vaterländischen WM. Schon jetzt hat die Weltmeisterschaft für Putins Russland mehr gebracht als fünf Jahre Entspannungspolitik. Sanktioniert sich selbst: der Ticker.

88.

David Odonkor auf einmal für Russland auf außen, spielt einen Hackentrick in den Strafraum. Da wollte er zuviel. Vermutlich den Weltmeistertitel. Hier habt ihr es zuerst gehört. Denn Italien ist ja nicht da, um sie zu stoppen.

90.

Die Ägypter versuchen einfach weiterzuspielen. Schlagen weinend lange Dinger hin und her. Rotz und Tränen laufen. Und jetzt auch noch das: Uns erreicht soeben die Eilmeldung, dass Sandro Wagner aus der ägyptischen Nationalmannschaft zurückgetreten ist. Sturzbäche.

93.

Zwei »Hitzköpfe« treffen sich nochmal zum Infight an der Mittellinie. Doch der Russe ungewohnt streitunlustig. Zieht zurück. So was habe ich auch noch nicht erlebt. Und ich war bei so mancher Parkplatzparty dabei. Ein Schluck Vodka, ein Schluck Eistee. Listen and repeat.

95

Dann isses soweit. Abpfiff. Sommermärchikovski ist perfekt. Achtzueins steht es zwischen Russland und Iran-Ägypten. Mit eckigen Toren und kantigen Zweikampfverhalten. »Carstenjanckeresk«, sagt Oliver Kahn. Und was soll man sagen? Recht hat er. Und wo Salah? Richtig: No Salah.

21:56 Uhr

Russlands Trainer im Field-Interview. Trotz sechs Punkten und achtzueins Toren macht er das Gesicht zur Faust. Direkte Anweisung vom Chef vermutlich. Das ist unser Stichwort: Wir machen den polnischen Abgang bei der Russendisko. Nastrovje!