Inter Mailand

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Schalke 04

Retro-Ticker: Inter-Schalke 1997

Eurofight Club

Erste Regel: Du sprichst nicht über den Eurofight Club, du tickerst ihn. Erstmals in unserem Retro-Ticker: Inter Mailand-Schalke 04, das Finale.

46.

Herzlich willkommen, schnallt die Buffallos fest und legt Lou Bega ein. Wir melden uns heute aus den Neunzigern. Unser Retro-Ticker zum Finale 97 Inter gegen Schalke. In der nächsten Woche tickern wir Dortmund gegen Juve. Ganz so, als wären auch wir wieder in den 90ern, Jungfrau und voll mit Pickeln. Also nichts anderes als 20 Jahre später. Ay caramba.

50.

Wahnsinn: Das Bild ist körnig, Werner Hansch trompetet seine Weisheiten unters Volk und auf dem Bildschirm trabt Ciriaco Sforza an Andreas Müller vorbei, beide in Zirkuszelt-großen Synthetiktrikots. Fühle mich, als wäre ich wieder 13 Jahre alt. Darauf erstmal eine Schale Smacks und nebenher die Matheaufgaben. Außerdem ist morgen Fußballtraining und vielleicht kann ich nach dem Spiel noch ein wenig Nintendo spielen. Hach...

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Problem übrigens: Die DVD, die Kollege Ulrich aufgetrieben hat, zeigt keine Spielminuten an. Aber vielleicht war das damals auch eine einfachere Zeit, als der Fußball so Klimbim noch nicht brauchte: Spielminuten, WMs in Katar, Synthetikfußbälle für 250 Euro, Syndesmosebänder...

54.

Und wenn ich Radek Latal schon sehe, muss ich einfach lossingen - Lataaaal lataaal - Radoslav Latal, zur Melodie von Henry Valentinos "Im Wagen vor mir" und mir wächst automatisch eine tschechische Zündschnur und Schnäuzer.

56.

"Ein kleiner Ellbogencheck von Zamorano gegen Linke - sehr angenehm, wie die Herrschaften sich da ergänzen.“ Werner Hansch jetzt schon in Topform.

57.

Alter Schwede, Inter Mailand 1997: Ivan Zamorano vorne drin. Wird wegen eines Ellbogenschlags leicht ermahnt, während auf der Bank Roy Hodgson sitzt und hinten drin Giuseppe Bergomi seine Rentenversicherungsbeiträge ausrechnet. Davor Djorkaeff und Sforza, die sich parallel zum Uefacup-Finale ein Endspiel um die größte Gockelhaftigkeit liefern. Sforza mit leichten Vorteilen. Und in Gladbach macht sich Stefan Effenberg warm.

58.

Schuss von Sforza, drüber. Und im Schalker Fanblock hüpfen die Dauerwellen und Freundschaftsarmbänder. Und irgendwo weint der menschgewordene Wackel-Dackel Wolle Petry vor Rührung in die gehäkelte königsblaue Hutablage.

62.

Geil: Konter Schalke und neben mir Kollege Ulrich, der ganz genau weiß, wie das Spiel hier ausgehen wird, weil er es schon hundertmal gesehen hat, ruft laut: »Jetzt! Spiel!« Allein: Nemec spielt den Ball ins Abseits.Enttäuschung in der Redaktion, über das wahrscheinlich unmöglichste nicht geschossene Tor des Universums.

64.

Berti Vogts gerade im Bild. Fun Fact: Damals hatten die Schalker einen Mega-Hals auf Bundestrainer Berti Vogts, weil der damals weder Thon noch Eigenrauch noch Oliver Held noch (ok, lassen wir das) zur Nationalmannschaft einlud. Gängiger Gesang: Berti raus ! Berti raus ! Man kann sich vorstellen, was im Hinspiel los war, als Inter Mailand im Finale einen gewissen Nicola Berti einwechselte.

66.

Aaaaalter, Mike Büskens mit der Riesen-Chance, wirft all seine Büskenshaftigkeit in einen Schuss aus 30 Metern, den Gianluca Pagliuca gerade so noch aus dem Winkel fischt. Dann auf der Gegenseite Paul Ince (!) mit der Volleyabnahme aus 20 Metern, die knapp am Schalker Gehäuse vorbeistreicht. Ich dachte eigentlich, hier erwartet mich Neunzigerjahre-Rumpelfußball, bei dem die Nasenpflaster das optische Highlight sind. Aber dieses Spiel ist richtig geil.

68.

Was ein Spiel - wir haben ja hier keine Minutenanzeigen und sind schon in der 68. Gerade kommt die Einblendung: Minute 62. Wir sind also sechs Minuten weiter und wissen schon mehr. Wobei wir ja eigentlich 20 Jahre und 6 Minuten weiter sind, aber wer weiß das schon außer Marty McFly. Paul Ince setzt einen satten Schuss auf das Tor - doch Schalkes Motto bleibt das gleiche wie bei jedem Besuch der Cranger Kirmes: Hauptsache erst einmal keinen kassieren.

70.

Marc Wilmots an der Seitenlinie, hat eine Kopfnuss abbekommen und muss gepflastert werden. Oder wie er es nennen würde: Warm-up.

71.

Und die Schalker Kurve: BÜÜÜSKENS BÜÜSKENS !! Plötzlich Yves Eigenrauch vorne drin, was macht der Kerl da? Zitieren wir ihn selbst:
eure haltung, eine andere als erwartet. nicht rund wie der ball selbst, läuft er, kein oooh, aaah, neee aus den kehlen ist zu hören. das herz scheint am rechten platze, anders als erfahren, wird von euch gegeben, worauf schon oft gehofft. keine unruhe, keine täuschung ist zu spüren, allein das wollen und der glaube beflügeln uns.

Jetzt bin ich auch heiß.

72.

Reich jetzt mit der Frage: "Wo ist denn Ronaldo? Hat Yves den nicht im Finale ausgeschaltet?" Das war natürlich 97/98, eine Saison später im Viertelfinale. Seht es Reich nach, er kommt aus Hessen, da scheinen die in der Schule solche wichtigen gesellschaftspolitischen und historischen Ereignisse einfach auszulassen, weil sie den ganzen Tag üben, wie man einen Eimer Wasser umkippt.

74.

Bergomi geht raus. Muss sich wohl noch für den Geisterbahn-Attraktions-Europacup schonen: 

77.

Zamorano Drehschuss, aber Lehmann ist da. Hansch: »Das war ein Röllerchen!« Jetzt nur nicht überheblich werden, dieser Zamorano kann eigentlich immer ein Tor schießen - aber diesmal lege ich mich fest: NICHT IN DIESEM SPIEL!

78.

Übrigens schön, dass Giuseppe Bergomis McDonalds-Augenbraue dem Fußball erhalten geblieben ist und noch ein paar Jahre als Ali Daeis Schnurrbart drangehängt hat.

79.

Schalke kontert jetzt - das war ja noch die Zeit, in der man schlicht "konterte". Wenn du da einen nach Gegenpresing gefragt hättest, hätte er dich zur Entbindungsstation geschickt.

81.

Einblendung: "Djorkaeff mit 75 Ballkontakten und 3 Assists" - 3 Assists beim Stand von 0:0? Nicht schlecht. Da merkt man mal, wie gut der war.

83.

Schalke jetzt arg unter Druck. Erst muss Thon vor Zamorano retten, anschließend dann Zanetti mit dem Fernschuss. Unfassbar, dass Zanetti damals schon mit dabei war. Gibt es eigentlich Fotos vom Inter-Trainingsgelände anno 1997? Nur um mal zu gucken, ob da irgendwo ein DeLorean parkt.

84.

Skandal !!!!! Paul Ince schlägt Johan de Kock ins Gesicht. Dem heiligen de Kock!!! Der Schiedsrichter sieht nichts. Dieser Ince muss gesperrt werden, egal wo er gerade sitzt oder liegt. Nachträglich sperren! Wo ist das verdammte Sportgericht der Uefa? Das ist wie mit Mord - Tätlichkeiten gegen de Kock verjähren nicht.

86.

Und dann das: Kohleschwarze Tränen auf Ulrichs Gesicht, denn Ivan Zamorano hat gerade das 1:0 geschossen. Einwurf Inter, Verlängerung und dann wieselt Zamorano das Ding irgendwie an Lehmann vorbei. Das vielleicht Strafraumstürmer-artigste Tor der Geschichte. Hätte mich nicht gewundert, wenn noch Ulf Kirsten mit dreckigem Trikot ins Bild gesprintet wäre, um den Ball endgültig über die Linie zu drücken.

89.

Paul Ince, der alte Treter. Hat gerade eben schon Johan de Kock eine gelangt, tritt jetzt dem am Boden liegenden Mike Büskens in den Rücken. Kann man den nachträglich noch sperren? Vielleicht zwei Spiele bei den Alten Herren?

90.

Sie waren so nah dran!!! Schalke wäre mit einem 0:0 durch. Dann dieser Zamorano. Es könnte Verlängerung geben, wenn es so bleibt. Doch wir wissen nicht, ob wir das durchstehen. Doch dann ein Hoffnungsschimmer. Gelb-Rot für Salvatore Fresi! Inter nur noch zu zehnt.

91.

Gelb-Rot für Fresi, nach einer Blutgrätsche an Max. Jungejunge. Was auf jeden Fall feststeht: 1997 haben die sich in den Zweikämpfen noch anders gegeben. Hier ein Symbol-GIF

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90.+2.

Schluss. verlängerung. Charly Neumann auf dem Rasen. Der diese ganzen Erfolge im Europacup schon Jahre vorher erahnte:

93.

Verlängerung läuft. Marco Kurz noch auf der Bank, fraglich, ob er noch reinkommt. Andi Müller zur Seitenlinie: »Marco, schon dich lieber. Ich brauche dich später noch, um Hoffenheim fast zu ruinieren.«

96.

Man kann ja von Werner Hanschs Stil halten, was man will. Aber der Mann hat Zeit seiner Karriere mehr Leidenschaft unters Volk gebracht als Barry White.

97.

Roy Hodgson als Inter-Trainer ! Wie schlimm wäre das für ihn, wenn er hier gegen Schalke verliert. Das wäre ungefähr so, als würde er als Nationaltrainer gegen irgendeine dahergelaufene Nation bei der EM rausfliegen wie, sagen wir einfach mal, Island!

98.

Wechsel bei Schalke - Ingo Anderbrügge kommt. Der Mann, der mit seinem Schuss seinerzeit selbst Atome spalten und Rosi und Christian Neureuther trennen konnte.

101.

Geile Geschichte von Johan de Cock, live aus einer lange vergangenen Ära: Der Mann ist als Halb-Profi zur EM gefahren, zu seiner Zeit bei Roda Kerkrade hat de Cock noch halbtags als Ingenieur gearbeitet. Muss man sich mal heutzutage vorstellen: Matija Nastasic halbtags an der Metzgertheke. Guido Burgstaller von 8 bis 13 Uhr auf dem Bürgeramt Gelsenkirchen-Süd, wie er Personalausweise ausstellt. Max Meyer in einem Trockenbau, Zementsäcke schleppend, und die Kollegen maulen wieder, wenn er um 14 Uhr zum Training aufbricht.

104.

Wilmots blutverschmiert, Büskens mit offenem Mund, Nemec mit wallendem Haar. Die Spieler jetzt wie Michelangelos Gemälde, in der Sixtinischen Kapelle des Fußballs - San Siro - es riecht nach Sensation. Könnte aber auch der übliche Bürodunst am Donnerstagmittag in Friedrichshain sein.

105.

Der ausgewechselte Sforza beschwert sich von der Bank aus. Hansch lapidar: »Auf einmal ist er ganz munter.«

106.

Geil auch, dass die Reporterfloskeln 1997 exakt die gleichen waren. »Sehr gut zugestellt.«, so Hansch. Lässt ein »Sie machen die Räume dicht, stehen sehr kompakt« folgen. Wenn er gleich Ingo Anderbrügge als falschen Neuner bezeichnet oder Radek Latal für sein Vertikalspiel lobt, dann fress ich ein Fußballlehrer-Zertifikat.

108.

Übrigens, Fußbälle sahen 1997 noch so aus.

Liebe Kollegen von Uhlsport: Zeit für eine Retro-Kollektion

106.

Nicht verwechseln: Bergomi


Berg, Omi

108.

WWWWUUUUUUUUUUUUAAAAAAAAAAAAAHHH - ich mach mich nass. Maurizio Ganz hebt den Ball laaaaaaang an, an , an - an die Latte. Dann schiebt sich Büskens davor und zieht das Foul. Alle beruhigen, weiter 1:0 Inter. Meine Nerven, wenn das Ding drin gewesen wäre, hätten wir ein längeres Gesicht gezeigt als Yves Eigenrauch.

110.

»Ganz starke Partie vom jungen Zanetti«, lobt Hansch. Da schließe ich mich an: Aus diesem Zanetti könnte was werden.

113.

Oliver Held jetzt im Spiel. Schlägt erstmal eine Flanke hinters Tor. Und irgendwo in Köln klatscht Toni Polster einhändig Applaus.

116.

Maurizio Ganz nochmal mit der Chance für Inter, aber er vertändelt. Und Roy Hodgson so: 

117.

Mal ganz ehrlich: Wie großartig Olaf Thon zockt. Olaf is all you need! Und jetzt eine unglaubliche Szene: Oliver Held auf Ingo Anderbrügge, der mit rechts abzieht - gehalten. Richtiger Aktivposten: Oliver Held. In Köln besser bekannt als begnadeter Torwart mit starken Reflexen.

118.

Huub Stevens gibt Kommandos und rennt an die Auslinie. Genau das Richtige. Schließlich ist Stevens der Einzige, der einen Wadenkrampf seiner Spieler wegstarren kann.

119.

Es läuft auf das Elfmeterschießen hinaus. Zeit für euch noch mal alles nachzulesen: In unserer neuen Ausgabe 11FREUNDE #186 lest ihr unsere Titel-Reportage »Summer of 97 - Wie Dortmund, Schalke und der Ruhrpott siegten«. Jetzt am Kiosk, bei uns im Shop und im iTunes-Store und Google-Play-Store.

120.

Zanetti raus, Berti rein. Was ein Auftritt.

121.

ELFERSCHIESSEN - Hansch: Wir müssen mit Ihnen durch die Hölle gehen. Klingt nach einem normalen Werbespruch von Sat.1.

1. Elfer Schalke

Anderbrügge läuft an. Verwandelt per Nackenspoiler-Vollspann.

1. Elfer Inter

Zamorano kommt, der Torschütze, muss ja gut drauf sein. Und LEHMANN !!!!! ist untern , patscht den Ball nach außen -GEHALTEN ! das Bein fliegt nach. Zamorano erlebt die LEHMANN-Pleite und Schalke führt.

2. Elfer Schalke

Olaf Thon, Steine, Scherben: Drin.

2. Elfer Inter

Djorkaeff schießt, Lehmann in der richtigen Ecke, doch kommt nicht mehr ran, Tor. Inter verkürzt.

3. Elfer Schalke

Max Power. Tor.

3. Elfer Inter

Lehmann jetzt zu Winter: I ll keep standing in the middle. Und Winter verschießt - er nahm sogar die Eckfahne. Wenn Wilmots jetzt trifft, dann ist es Gewissheit.

22:37 Uhr

Werner Hansch: "Ich darf mich jetzt nicht selber übertreiben" - Sätze, die man genau in diesen Momenten hören will beim größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Wir wissen momentan nicht, ob wir weinen oder das der Schweiß der Mittagspause ist.

4. Elfer Schalke

Wilmots, Junge. Mach eeeeeeeees, tu es für den Kollegen Ulrich, der gerade als 30jähriger 12-jähriger neben mir sitzt und mitleidet, als wäre 1997 erst gestern gewesen. Und er macht es, WIlmots macht Schalke zum Uefa-Cup-Sieger. Und Kollege Ulrich zieht morgen sein Wilmots-Trikot mit Stolz in der Schule an.

AUS AUS AUS!!!

Was viele nicht sehen: Huub Stevens macht nach dem entscheidenden Elfer den Eintrag in sein Notizbuch - bevor er losjubelt. Charly Neumann zieht blank - genau in diesem Moment springt unsere DVD raus. Dieser verdammte Jugendschutz. Schalke gewinnt also den UEFA-Pokal und wir springen raus in die Friedrichshainer Nachmittagssonne und starten mit blutverschmiertem Wilmots-Trikot einen Autokorso bis zum Mailänder Dom. Machts gut, Freunde. Wir dürfen uns jetzt nicht selbst übertreiben.

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