Portugal

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Marokko

Portugal-Marokko im Liveticker

Marok k.o.

Ronaldo und seine Rumpelkicker gewinnen mit 1:0 gegen Marokko, die Nordafrikaner scheitern am portugiesischen Zement und der Ticker starb in Schönheit. Die Nachlese.

13:45 Uhr

Manchmal hilft einfach ein Blick auf bild.de, um sich in Stimmung für ein WM-Spiel zu bringen:
"Welcher Star hat die geilste WM-Frisur?"
"Jogi-Show am Sotschi-Strand - hat er wirklich alles im Griff?"
"Bierhoff deutet neue Startelf an"

Leider (noch) nicht gefunden:
"Nach dem superaffentittenpeinlichen Aus unserer Jogi-Panzer gegen kleinwüchsiges Mexiko: Bild löst sich vor Schande auf! Alfred Draxler zieht auf einsame Insel!"
Wir hoffen weiter.

13:50 Uhr

Und dann noch diese Meldung. Pietro Lombardi hat den erfolgreichsten WM-Song "geschrieben". Falls noch irgendwer einen Beweis dafür haben wollte, wie räudig der moderne Fußball eigentlich geworden ist. Zeitgleich philosophieren Hitzlsperger und Opdenhövel über den Umstand, dass Cristiano Ronaldo kein Tattoo hat. Hitz: beim Praktikum in Berlin damals gar nix gelernt?

13:52 Uhr

Rührige Geschichte, um das Image des ARD-Experten gleich wieder aufzupolieren: habe damals den Hammer tatsächlich mit auf einen Bolzplatz in Lichtenberg schleppen können, wo wir brav warteten, bis drei 14-Jährige das Tor freigaben, nur um dem Vize-Europameister dabei zuzusehen, wie er ein langes Eisen nach dem nächsten über den Fangzaun ballerte. Sah herrlich aus, wie Hitzlsperger umständlich über den Zaun kletterte. Bis er eine Flanke per Fallrückzieher in den Winkel schraubte. Sah noch herrlicher aus. Nur um mich dann in seinem Mini Cooper S (natürlich) nach Hause zu bringen. Seelige Zeiten.

13:55 Uhr

Ach ja, Portugal-Marokko. Hymnen laufen schon und Portugal schmettert brav ins Rund. Marokko deutlich lauter, klarer Punktsieg für die Nordafrikaner. Hymne klingt, als würde gleich Krieg geführt werden müssen. Pepe fängt vor Geilheit an zu zittern.

13:57 Uhr

Marokkos Amrabat mit einem Helm, wie wir ihn zuletzt auf dem Schädel von Petr Cech sahen. Aufgrund einer Gehirnerschütterung aus dem Spiel gegen den Iran, prahlt Steffen Simon und ich rücke mein Olaf-Marschall-Nasenpflaster zurecht.

1.

Anstoß. An der Seitenlinie lehnt lässig Marokkos Trainer Herve Renard an der Ersatzbank. So cool sah man zuletzt den Marlboro-Mann seinem Lungenkrebsleiden entgegen reiten. Gegen diesen arschcoolen Typen sieht Portugals Fernando Santos aus wie ein verwirrter Rentner, der verzweifelt seine Pfeife sucht. Hoffentlich reitet Renard gleich mal vorbei und schafft Abhilfe.

4.

Tor. Pardon: TOOOOOOR!!! 1:0 für Portugal. Durch Cristiano Ronaldo. Ecke, Kopfball, Bude. Viertes Tor in diesem Turnier. Wie sagte der frühere Kollege Patrice Evra kürzlich: der Mann ist eine Maschine. Auf dem Kopf wie immer gut geölt. Portugal führt.

6.

85. Länderspieltor für Ronaldo. Ihr seht mich still und leise applaudieren. So gut wie Martin Max isser trotzdem nicht.

7.

Und mein Freund Herve Renard? Lehnt noch immer an der Bank und träumt vermutlich von der weiten Steppe, Kaffee vom Lagerfeuer und herb riechenden Pferdedecken. In dem Moment galoppiert schon wieder Ronaldo an ihm vorbei. Renard denkt an vergifteten Hafer.

11.

Und da zeigt sich auch Marokko. Die alte Bundesliga-Keule Benatia steigt hoch und köpfelt, aber das Ding hätte selbst meine Oma mit der Mütze rausgewedelt. Und die ist längst nicht mehr und trug auch nie Mütze.

13.

Finde ich gut, dass sich Marokko zusammenreißt und wütende Angriffe startet. Derweil gehen die ersten Lobeshymnen über Ronaldo ein, aber ich bleibe dabei: ein Martin Max hätte seine Hütten auch gemacht.

15.

Da!! Ich hab´s ganz genau gesehen. Ronaldo wird gefoult, will schnell ausführen und spielt einen - festhalten - Fehlpass. Von wegen Maschine. An der Seitenlinie macht sich Martin Max warm.

17.

Hübsche Geschichte eigentlich, dass Portugal im ersten Spiel sich aufgrund einer Fehlinformation beim Jubeln zurückhielt und beim Bau eines Menschenknäuels einen Mann brav auf dem Spielfeld ließ. Brauchte es alles nicht und ich frage mich: wie verbreiten sich solche falschen Weisheiten? Und warum hat den Marokkanern noch niemand gesagt, dass drei Ecken verdammt noch mal ein Elfer sind?

19.

Chance für Marokko, am Seitenrand hebt Fernando Santos verwirrt die Hände und überlegt, wann er Eusebio bringen kann und ob das mit der Währungsreform so eine gute Idee war.

23.

Und auf einmal erzählt Steffen Simon im Guido-Knopp-Duktus von nordkoreanischen Zwangsarbeitern, die unter anderem die Pressetribüne, auf der er gerade sitzt, unter miesen Bedingungen gebaut haben sollen. Mehr Infos dazu: irgendwo im Internet. Wir kommentieren uns die Welt, wie sie uns gefällt. Ich freue mich schon riesig auf Katar. Wer noch?

25.

Benatia latscht Ronaldo in die Hacken und der bricht kreischend zusammen. Schreit nach einer letzten Ölung, einem letzten Blick auf seine Kinder, sein Leben und seine 8000 Tore ziehen an ihm vorbei - dann geht es weiter. Viele tausend Kilometer entfernt muss Carlos Valderrama anerkennend nicken und zerrt sich dabei prompt die Schulter.

28.

Portugals Guerrero zeigt tiefe Kratzspuren an seiner Hüfte und während ich das schreibe, hakt der Boulevard hoffentlich die nächste Nutten, Koks und wilde Party-Schlagzeile in die Druckmaschinen. Aber, ach, es war nur ein Gegenspieler. Wie öde.

30.

Ein Marokkaner geht im Strafraum zu Boden, hält sich das Gesicht, als habe ihn eben ein Traktor überfahren, alles schreit und brüllt nach Gerechtigkeit, dann geht es weiter. Fußball, Bühne der wilden Emotionen und fetten Kurzzeit-Dramen. Apropos: Freistoß Ronaldo!

32.

In die Mauer. Donald Trump ballt anerkennend die Becker-Faust. Der Ticker fordert dipomatische Immunität.

34.

Das bessere Team gegenwärtig: Marokko. Besser in den Zweikämpfen, schneller in der Umschaltbewegung, zielstrebiger im Aufbau, doch vorne wartet eben kein Ronaldo, sondern Männer, die Bouhaddouz, El Kaabi, En-Nesyri oder Fajr heißen. Kopf hoch, Jungs!

36.

Auch so lange nicht mehr gesehen: Guerrero wird mit den Knien voran über den Haufen gegrätscht. Ich warte sehnsüchtig auf den Tag, da der erste Abwehrspieler mit den Hoden voran in die Gegner rutscht. Oli Kahn schickt mir einen grimmigen Zustimmungssmiley. Morgen fahren wir beide zusammen an die Ostsee, Barsche jagen mit purer Willenskraft.

38.

Heidewitzka! Pass von Ronaldo in den Lauf von Kollege Guedes (sprich: Guätsch), der spitzelt mit dem Außenrist, aber die Hand von Munir verhindert das 2:0. Alles muss man alleine machen, denkt Ronaldo und streift sich das Torwart-Trikot über, füllt die Wasserflaschen auf und fährt den Teambus in Position.

42.

Wenn ich noch einmal das glatte Babypo-Gesicht von Joshua Kimmich sehe, während der für einen Rasierer wirbt, muss ich mir leider einen Schnauzbart des Hasses wachsen lassen. Um mir die Haare dann einzeln rauszureißen, damit der Schmerz die Wut überdecke.

45.

Schiri Mark Geiger aus den USA packt noch drei Minuten oben drauf. Der Mann ist eigentlich Mathelehrer. Pepe rotzt ihm eine Spuckekugel gegen den Hinterkopf, muss dafür nachsitzen und bekommt einen Eintrag ins Klassenbuch. Der Ticker hat mal wieder Hofdienst.

Halbzeit

Hübsch war´s. Munteres Spielchen hat man so was früher genannt, als es noch das Wort "munter" gab und Heribert Faßbender in der Halbzeit Weißbier für sich und Experte Kalle Rummenigge orderte. Gute Idee eigentlich! Bis gleich.

46.

Weiter geht´s. Ronaldo sprintet ins Abseits. Mal wieder typisch.

47.

Guedes mit dem nächsten Versuch, wird aber von der eisenharten Defensive zusammengefaltet. Und, ach du Schreck, ganz offensichtlich haben seine Ohren etwas abbekommen. Der arme Junge!

49.

Marokko macht Spaß. Und wird trotzdem die Vorrunde nicht überstehen, wenn das hier heute verloren geht. Was dann wohl Freund Renard macht? Vermutung: mit seinen attraktiven Freunden eine Party an der Anlegestelle der Rafaello-Frau feiern. Ich komme +1 und bringe den Bärenmarke-Teddy mit. Komasaufen mit Meister Propper.

50.

Beste Schussposition für Ronaldo und der vielleicht beste Kicker aller Zeiten prügelt den Ball über das Stadiondach. Hat den Zenit damit ganz offensichtlich endgültig überschritten. PS: Martin Max wäre das nicht passiert.

54.

Amrabat am Ball, schon längst ohne Helm. Auch mutig, fünf Tage nach einer Gehirnerschütterung wieder aufzulaufen. Gleich bricht er sich den Unterarm und nimmt sich Tennisstunden. Mit einem Schläger aus Stahlbeton.

55.

Was Marokko fehlt, ist ein anständiger Stürmer mit Torgefahr bis unters Stadiondach. So bleibt die Mannschaft noch immer ohne Tor bei dieser WM. Als würde man zum Partyurlaub nach Ibiza aufbrechen und am Ende ungeknutscht zurückfliegen. Die Drinks gehen auf Ronaldo.

57.

Und, dann, fast: TOR! Aber eben nur fast. Freistoßflanke von Marokko wird mit dem Schädel verlängert, Ball titscht einmal auf, so einer geht eigentlich rein, aber Rui Patricio wischt den Ball ins feinster Keepermanier aus der Gefahrenzone. Eine Parade, so schön wie Martin Max.

61.

Eben Gewaltkopfball von Benatia. Vielleicht der am besten frisierte Wandschrank dieses Turniers.

63.

Neu im Spiel seit ein paar Minuten: Gelson. Jimbo Jones und Kearney Zzyzwicz laufen sich bereits warm. Haha.

66.

Portugal agiert nach der guten alten WM-Weisheit: Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss. Ronaldo bekommt eine Möhre extra.

67.

Schlimmes Bild: während unten das Tor eingeblendet wird (4. Minute, wir Älteren erinnern uns), sieht man auf dem Rasen, wie sich zehn Portugiesen in der eigenen Hälfte verschanzen und vorne nur Ronaldo durch die Gegend eiert. Es stinkt nach Verwaltungsakt und einem Gegentor. Vielleicht jetzt. Freistoß durch Ziyech. Drüber. Und auf der Tribüne stimmen alte Männer den Gassenhauer "Oh, wo bleibt das 1:1?" an. Ich finde: Das war super, das war elegant!

70.

Marokko wie es drängt und drückt. Und bleibt doch so torgefährlich wie ein angetrunkener Jürgen Kohler. Der konnte immerhin Bierkästen aus dem Strafraum köpfen. Hilft Marokko nur auch nicht weiter.

74.

Portugal heute irgendwie recht schäbig. Hinten wird Zement angerührt, vorne auf Ronaldo gehofft. Nur scheint der ebenfalls was von dem Zement abbekommen zu haben, die Beine schwer, der ganze Spieler recht ideenlos. Nur hat Marokko bislang noch kein Mittel gegen den Zement gefunden. Wann holt Renard den Presslufthammer raus?

77.

Endlich Spektakel bei Portugal: ein Abwehrspieler klärt die Pille per Fallrückzieher. Beste Szene in Halbzeit zwo.

78.

Benatia! Wieder mit dem Kopf. Aber erstens doch mit der Schulter und zweitens so gefährlich wie ein vierjähriges Mädchen mit Wassereis. Wo bleibt das Bum Bum?

80.

Ecke Marokko. Aus dem Hintergrund müsste Dirar schießen, Dirar schießt... drüber. Fraglich, ob er davon in den nächsten Jahrzehnten am Tresen erzählen wird. Noch immer scheint in Moskau die Sonne. Dem CR7 sei Wedder.

83.

Selbst Ronaldo verstolpert jetzt hier die Bälle und Portugal rumpelt sich zu drei Punkten. Klassische Turniermannschaft. Steile These: ist Portugal das neue Deutschland? Hat sich Carsten Jancker all die Jahre als Ronaldo verkleidet? Freistoß. Schluss mit den träumerischen Visionen. Der Ball liegt quasi an der Strafraumkante und Jancker mit seinem typischen Stechschritt. Prügelt den Ball in die Mauer, versucht dann einen Elfmeter zu schinden. Gott, ist das hässlich.

86.

Neues Headset für Mark Geiger. Weil hier sonst nix passiert.

88.

Und Portugal bringt: Adrien. Rocky Balboa drückt ganz fest die Arthritis-Daumen.

90.

Ach, Marokko. Dummes Eigentor kurz vor Schluss gegen den Iran, dumme Niederlage bahnt sich an gegen Portugal und im dritten Gruppenspiel wartet Spanien. Möge wenigstens der Rückflug glimpflich verlaufen.

90.+1.

Wundersamer Pepe. Zeigt innerhalb von zwei Minuten sämtliche Facetten seiner "Kunst". Wehrt erst einen Schuss mit dem breiten Rücken ab und packt vor Freude über so viel defensives Geschick die Kuntzsche Säge aus, bricht dann nach einem Schulterklopfer von Benatia schreiend zusammen und geht anschließend direkt in den Nahkampf. Kann nur hoffen, dass der Mann in seiner Freizeit kleinen Kindern über die Straße hilft. Gut fürs Karma.

90.+3.

Wieder Marokko, wieder eine Chance, wieder Benatia, wieder vergeben. Einer dieser Tage, an denen das Spiel noch 90 weitere Minuten gehen könnte, ein Tor für Marokko fällt heute nicht mehr. Was irgendwie auch mit Martin Max zu tun hat.

Abpfiff

Schluss, Ende, Aus. Portugal fährt einen am Ende doch sehr unattraktiven Sieg ein, aber wann waren drei Punkte schon mal wirklich hässlich? Die neuen Rumpel-Panzer der Fußball-Welt werden von einem Mann angeführt, der doch eigentlich Gold in den Gliedmaßen hat. Und Marokko? Hat der Welt bewiesen, dass sie kicken können, nur die Bude wollte einfach nicht fallen. Und wird nach dem letzten Gruppenspiel gegen Spanien nach Hause fahren. Mach ich jetzt auch. Peace out!