Portugal

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Island

Portugal-Island im 11FREUNDE-Liveticker

-sons of Anarchy

Weil Halldorsson fast alles hält und Bjarnason das erste EM-Tor der Landesgeschichte schießt, holen vogelwilde Isländer ein Unentschieden gegen Portugal. Dabei spielt bei denen ein Gockel mit. Findet auch mal ein Korn: der Ticker!

Heute um 20:45 Uhr...

... geht »es« hier los.

20:45 Uhr

Guten Abend. INKLUSION wird beim ZDF (und bei uns) großgeschrieben. Anders ist nicht zu erklären, dass ein offensichtlich Schizophrener einen Beitrag über Cristiano Ronaldo verfertigen durfte. Gar nicht mal so geil, einerseits. Andererseits...

20:50 Uhr

Ronaldo ist ein Selbstdarsteller, Portugiesen werden alle vom Fado gebeutelt, als Nächstes wahrscheinlich was über Island und Schafe. Die ZDF-Vorberichterstattung so espritbefreit wie eh und je. Das ist entsprechend natürlich nichts Neues. Ich kann nur immer noch nicht fassen, dass es denen, die es machen, nicht selbst irgendwann zu langweilig wird.

20:52 Uhr

Man könnte ja zum Beispiel mal was über Türken und Schafe... ach nee, lieber nicht.

20:55 Uhr

»Ihr Kommentator ist Bela Rethy!« Und alle so: Yeah!

20:56 Uhr

Gedanken, die mir so kommen, wenn ich Bela Rethys Stimme höre: Es ist gefährlich, über den Konstruktivismus nachzudenken. Man könnte nämlich zu der Erkenntnis gelangen, dass man überhaupt keine Freunde mehr hat. »Seltsam, im Nebel zu wandern!«, schrieb Hermann Hesse. »Kein Mensch kennt den andern, jeder ist allein.« Wir alle haben unsere subjektive Wahrnehmung und basteln uns daraus ein Weltbild, das mit keinem anderen kompatibel ist. Dass wir also über das Gleiche reden, selbst wenn wir uns im Einklang wähnen, mag im Einzelfall zutreffen (soziale Optimisten nennen das »Seelenverwandtschaft«), gesichert ist es nie.
Das gilt auch und vor allem für Fußballfans. Ein Hamburger etwa lebt in einer anderen Realität als ein Münchner: Der eine hält die Welt für einen höllischen Ort, an dem er für eine fremde Schuld büßen muss, der andere möchte nirgends anders leben als hier, wo er forever number one ist. Reden sie also über das Gleiche, wenn es um Fußball geht? Wohl kaum. Sie sprechen durch die dicken Nebelschwaden der eigenen Realitäten.
Dass es manchmal schon an der Artikulation scheitert, musste ich unlängst selbst erfahren. Ich fragte einen portugiesischen »Freund« (ich benutze den volkstümlichen Ausdruck wider besseren Wissens), wie denn der Ruf von Cristiano Ronaldo in seinem Heimatland sei. In seinen durchaus interessanten Ausführungen erwähnte er einen gewissen Schorsch Mensch. Diesen Namen hatte ich noch nie gehört. Das sei doch Ronaldos Berater, sagte er beinah beleidigt. Seltsam, dachte ich. Der Superstar wird von einem Mann beraten, der offenbar Urbayer ist? Ich stellte mir einen CSU-Wähler mit Seppelhut und Lederhosen vor, der bei Real Madrid um Gehaltserhöhungen verhandelt. Schorsch Mensch eben.
Mein »Freund« schrieb den Namen in seiner Verzweiflung schließlich auf einen Zettel: JORGE MENDES. »Aha!«, rief ich. »Chorge Mändäs!« - »Nein«, sagte mein »Freund« müde. »Schorsch Mensch.« Kein Mensch kennt den anderen. Jeder ist allein.
Und jetzt viel Spaß bei den Hymnen, die die Spieler natürlich nur zum Schein zusammen singen.

20:57 Uhr

Die isländische Hymne. Schönes Lied. Um an Silvester besinnlich aufs Jahr zurückzuschauen. Oder halt auf die EM-Qualifikation.

20:59 Uhr

Die portugiesische Hymne. Cristiano Ronaldo ersetzt »Portugal« durch seinen Namen, jeder sucht eben nach Inbrunst, wo er sie vermutet.

1. Minute

Anstoß. Island mit dem ersten Ballkontakt der EM-Geschichte. Historisch. Aber was machen die Schafe auf dem Feld?

3.

Erstaunlich. Rethy hat noch von keinem einzigen Isländer den Brotberuf genannt.

2.

Die Isländer spielen, als wären sie eine zehnte Klasse auf Besuch in Berlin: Euphorisch, besoffen, und niemand weiß, wo es langgeht.

4.

Hatte Island tatsächlich schon zwei Chancen? ZWEI? Wäre ich Joachim Löw, ich würde mir in die Hose langen und noch mal nachzählen.

6.

Schon sechs Minuten gespielt, und Cristiano Ronaldo sitzt immer noch im Mittelkreis auf seinem Mofa und lässt den Motor aufheulen. EM, du bist doch auch nur eine Vorstadt.

7.

Vorläufiger Karrierehöhepunkt von Hannes Halldorsson, dem isländischen Keeper: Sein Zehn-Meter-Abwurf wird in Supersuper-Slowmotion gezeigt. Geht leider ins Aus.

9.

Die Isländer erstaunlich souverän. Viel zu souverän für meine lauen Witzchen über sie. Aber gut, kann ich jetzt auch nicht mehr ändern. Määäääh.

11.

Was mich schon die ganze Zeit beschäftigt: Interessiert sich Björk eigentlich für dieses Spiel? Fragen wir sie doch selbst:

12.

Ronaldo hackt vollkommen ohne jeden gegnerischen Kontakt einfach in den Rasen, fällt unelegant auf die Schnauze und reklamiert dann einen Freistoß für sich, heult, als er ihn nicht bekommt. Na gut, das ist jetzt natürlich auch billig, aber angesichts solcher Szenen kann ich meinen Hass dann auch nicht mehr zurückhalten.

14.

Überhaupt erstaunlich, wie persönlich Ronaldo auch nach mehr als einem Jahrzehnt in diesem Beruf noch immer jede Körperberührung nimmt. Verklagt er eigentlich täglich seinen Masseur?

16.

Das mit der isländischen Souveränität legt sich jetzt zunehmend. Lag vielleicht doch eher an Portugal.

18.

Bela Rethys ZDF-Porträtfoto sieht aus, als wäre er der Mitarbeiter des Monats in einem Baumarkt in Mainz. Abteilung Lacke und Farben. Als hieße er Bernd Rether und kommentierte in seinem Keller hobbymäßig Fußballspiele, nach langem Üben auch für ein paar Nachbarn. Als... Moment mal!

19.

Schuss von Portugal, Parade von Island. Immer wieder erstaunlich, dass auch in den entlegensten Winkeln der Welt die Kulturtechniken den unseren gleichen. 

20.

CR7 heißt jetzt nicht nur wie ein Roboter, sondern bewegt sich auch so beim Versuch, einen Isländer auszuwachkeln. Der muss immerhin lachen.

22.

Kopüfball Nani, Glanztat Halldórsson – die wahrscheinlich größte Parade in der Geschichte des isländischen Fußballs. Waren zwar nur zehn insgesamt, aber hey: Das war echt mal cool, ihr possierlichen Exoten.

24.

Kopfballchance für Ronaldo, knapp drüber, dennoch selbstgefälliges Grinsen. Wie mich meine Missgunst anödet! Aber ich kann nichts dagegen tun.

26.

Halldórsson knallt Ronaldos Lupfer weg, als würde er in seinem Garten spielen. Mit seiner dreijährigen Tochter. Mit einem Luftballon. Aber pssst, sonst:

28.

Island zum ersten Mal seit zehn Minuten wieder in der portugiesischen Hälfte. Zwar nur dreißig Zentimeter und auch nur für zwei Sekunden, aber immerhin.

30.

»Am Ende fehlt die letzte Präzision«, sagt Rethy. Kann ja mal vorkommen.

31.

Und da ist es dann. Fado ist jetzt der isländische Nationalsound, 1:0 für Portugal, das einfach viel zu schnell ist. Am Ende schiebt Nani ein, und die Isländer sehen aus, als wären sie mit einem Eisberg kollidiert. Hauptsache, die Band spielt weiter. Fado.

34.

Ronaldo sieht, umringt von bärtigen Fahrradkuriertypen, aus wie der Münchner Immobilienhai, der zum ersten Mal seit dem Kauf eines Hauses in Friedrichshain nachschauen will, wer da eigentlich so wohnt.

36.

Es gibt gerade wenig, was für sie Hoffnung macht, dennoch holen die Isländer irgendwie eine Ecke raus. Nach der alles aber nur noch schlimmer ist.

38.

Also Ecke Island. Rethy: »Alle stehen vor Rui Patricio.« Bis auf Halldórsson, der sitzt aufm Klo. 

40.

Ein Isländer verhindert im Rutschen eine Ecke. Für Island. Bela Rethy: »Das hat er gut gemacht.« Ansichtssache.

42.

Pepe bislang noch ohne Foul. Wachsen jetzt seine Stollen ins Unendliche, wie bei einem Biber die Zähne, wenn er nichts zum Nagen findet?

43.

Eine unfassbar slowe Superzeitlupe gibt einen Hinweis darauf, warum Gunnarsson so langsam die Haare am Hinterkopf ausgehen. Könnte an seiner Kopfballtechnik liegen.

45.

Foul an Nani. Pepe schaut den isländischen Delinquenten neidisch an. Will noch mal nachtreten, doch der Halbzeitpfiff verhindert Schlimmeres.

21:50 Uhr

Das heute-journal. Russische Hooligans. Auf den Rängen und in der Politik. Danach wird es nur schlimmer und schlimmer. Wir machen mal kurz Pause.

22:00 Uhr

Willkommen zurück in Frankreich bzw. zurück in der heile UEFA-Welt, die ja in jeder Halbzeit in einem Werbespot mit Pierluigi Collina bschworen wird. Hier ein Ausschnitt.

46.

Anstoß Portugal. Ronaldo führt naturgemäß direkt aus.

49.

Gelegenheiten für Portugal. Vergeben. Ronaldo bleibt gelassen: »Ach, wisst Ihr, Jungs«, sagt er zu den Isländern. »Ich habe so viele Gelegenheiten, ich kann sie gar nicht alle nutzen, hehehe.« Dann zeigt er einen Zwinkersmiley auf seinem Handy. Da kontern die Isländer zwar schon, aber pssst, sonst:


50.

Nä! Bzw. Mä! Plötzlich die Isländer mit wahnsinnig viel Platz, ich denke noch, komisch, wie der da auf rechts rumjoggen kann, da segelt auch schon die Flanke in den Strafraum und erstaunlicherweise darf auch noch von links einer ranjoggen, Bjarnason nämlich, und zack: Bjarnason unsterblich. Erster EM-Torschütze ever.

53.

Sigthórsson lächelt wissend.

55.

Jetzt übertreibt Bjarnason aber, holt sich auch noch die erste Gelbe Karte bei einer EM ever ab. Echter Rekordmann. Gewissermaßen der Cristiano Ronaldosson Islands.

58.

Was auch nervt: Dass Ronaldo nach abgeblockten Schüssen immer guckt wie einer, der in einem portugiesischen Laientheater Hiob spielt.

60.

Sehr fair, wie Vieirinha mit der Flanke extra wartet, bis auch alle Isländer zurück im eigenen Strafraum sind. Einwurf.

63.

Bela Rethy preist die ZDF-App an wie Walter Freiwald Staubsauger auf allessauber.tv.

65.

Die Isländer auf den Rängen brüllen sich die Wikingerseele aus dem Leib. Was auch immer das für ein Song ist, es ist nicht die isländische Hymne. (Wir berichteteten.)

66.

Bjarnason hat jedenfalls entschieden, sich tatsächlich unsterblich zu machen oder gleich auf dem Platz zu sterben, rast jedem Ball hinterher, verpasst nur ganz knapp vor dem portugiesischen Tor.

67.

Übrigens: 8% Prozent der isländischen Bevölkerkung sind zu dieser EM nach Frankreich gereist. »Bestimmt wegen mir«, sagt Ronaldo. Natürlich nicht. Aber pssst, sonst:

68.

Pepes Stollen haben jetzt wieder ihre ursprüngliche Länge.

71.

Portugal bringt Breno. Prompt brennt es im isländischen Strafraum lichterloh.

73.

Die Isländer reklamieren auf geradezu hysterische Weise Handspiel. Haben offenbar gerade auf ihren Smartphones das eklige Löw-Video gesehen.

73.

Noch zwanzig Minuten. Die Portugiesen stehen tief.

75.

Island mit der nächsten, na gut, nennen wir es »Chance«. Ist ja schließlich Island.

76.

Erneuter Wechsel bei Portugal. Quaresma kommt, klatscht mit dem Außenrist ab. So typisch.

78.

Wer das Wunder von St. Etienne eventuell noch verhindern könnte: Der eben eingewechselte Quaresma. Hat keinen Bock auf die Faxen, macht gleich ordentlich Dampf. Dabei kommt Faxe doch aus Dänemark. Gemein.

80.

»Sigthórsson geht«, so Rethy, »und erspart uns damit ein Wortspiel.« UNS? Hat er UNS gesagt? Heißt das, er nervt sich selbst genauso sehr wie UNS? Die Geschichte des 11FREUNDE-Livetickers muss neu geschrieben werden! Von UNS!

83.

Ecke Portugal. Pepe mit dem Hasskopfball. Drüber.

86.

Portugal wechselt wie hier die Spieler so oft aus wie Dolly Parton das Silikon.

87.

Ronaldo mutterseelenallein im isländischen Luftraum, steigt hoch, höher, zieht sich schon das Trikot aus und macht das Siegerselfie, wird dann aber vom Blitz geblendet und köpft Halldorsson in die Arme. Nach der Landung Tränen.

88.

Jetzt Chance für Finnbogason – oder wie Rethy ihn nennt: »der Augsburger«. Da ist man einmal froh, der provinziellen Enge der Bundesliga entkommen zu sein, die frische, klare Luft geheimnisvoller Länder einzusaugen, doch dann: Rethy. Der Mainzer.

90.

Erstaunlich: Ronaldo Zähne strahlen noch immer wie die Schuhe Gottes.

92.

Bjarnason bewirbt sich vergeblich um die erste Gelb-Rote Karte der isländischen EM-Geschichte. Beim darauffolgenden Freistoß zeigen sich die Vorteile der heimischen Viehzucht. Die Isländer halten ihre Herde im Strafraum problemlos zusammen.

94.

Und jetzt doch noch mal das: Freistoß für Portugal, und Cristiano Ronaldo baut sich auf wie ein Fünfjähriger, der, bevor Oma und Opa am Sonntagabend nach Hause fahren, noch mal sein peinliches neues Kunststückchen vorführen will, Oma guckt gequält hin, Opa sitzt schon am Steuer und flucht leise auf diesen nervigen kleinen Penner, gleich geht die Sportschau los, was will der denn noch, der ist wie sein Vater, der Schwiegersohn, der Investbankbanker, niemals hätte er seiner Tochter erlauben dürfen... doch dann: in die Mauer. Und Abpfiff. Na, dann können wir ja losfahren. Hupen noch mal. Und sehen im Rückspiegel den verwöhnten Pimpf mit seinen neuen teuren Schuhen. Gib Gas Opa, hier wird eh nie geblitzt.

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