Panama

1
2

Tunesien

Panama-Tunesien im Liveticker

Ja komm, is' gut jetzt

Panama gegen Tunesien, das pure Leben. Bisschen schön, bisschen scheiße, bisschen spannend, bisschen langweilig. Hat immerhin den Cloud-Rap entschlüsselt: der Liveticker.

19.50 Uhr

Guten Janosch auch, wie man in Panama sagt. Was steht an? Ach so! Dann aber los. Starten wir mit dem Offensichtlichsten: Was haben Panama, Tunesien und Deutschland gemeinsam? Richtig, keines der Länder war jemals NBA-Champion, Mitglied der Spice Girls oder Liebling der Deutschen. Und ach ja, keines der Länder wird nach dem Ende der Vorrunde noch an dieser Fußball-Weltmeisterschaft teilnehmen. Also: Stand jetzt, wie Nico Kovac sagen würde. Die Deutschen jedenfalls sind deshalb schon längst wieder zurück in der Heimat. Panama und Tunesien hingegen zeigen Anstand und bleiben noch was in Russland. Und wenn man schon mal da ist, kann man die Zeit auch für ein kleines Spielchen nutzen. Klingt gut? Begleiten wir trotzdem!

19.53 Uhr

Zu den Aufstellungen. Den Beginn macht Panama: Penedo - Machado , R. Torres , Escobar , Ovalle - Gomez - Godoy , Avila , Barcenas , J. Rodriguez - G. Torres

19.54 Uhr

Eine Aufstellung wie aus dem Wiedervorlage-Script für Drehbuchautoren von Drogenkartell-Serien. Wobei man auch sagen muss, dass diese Namen ganz hervorragend zu den Sorten-Namen von Ritter Sport passen würden. So als MC-Generator für angehende HipHop-Superstars. Escobar Halbbitter. Avila Knusperkeks. Godoy Vollnuss. Wenn ich Cloud-Rap richtig verstanden habe, bin ich jetzt schon Fame.

19.55 Uhr

»Ist ne weite, ist ne harte Anreise«, sagt Reporter Florian Nass über die Fans aus Panama. Endlich ein Mann, der seine Hausaufgaben gemacht hat!

19.56 Uhr

Die Aufstellung Tunesiens: A. Mathlouthi - Nagguez , Haddadi , Meriah , Bedoui - Chaalali , Skhiri , Sassi - F. Ben Youssef , Khazri , Sliti

19.57 Uhr

Besonders gefällt mir: Haddadi. Klingt wie das Resultat wirklich sinnloser Bemühungen. »Ich so hin zu ihr, stell die Leiter an den Balkon, habe das Klavier auf dem Kopf, und dann: Haddadi!«

19.58 Uhr

Sollte es jemals dazu kommen, dass die Tabellenkonstellation sich nicht über direkte Vergleiche, Penisvermessungen, Fair-Play-Tabellen oder so Unfug wie Torverhältnis regeln lassen, schlage ich vor: Hymnen-Battle. In diesem Fall hätte Panama mit seiner schwelgerisch und zugleich doch kraftvollen Nationalhymne gute Karten auf eine Wild-Card. Tunesien hingegen kommt dann eher über den grünen Tisch.

1.

Anstoss. Es gibt eben keine Kleinen mehr.

2.

+++BREAKING: Der Kapitän Panamas, Román Aureliano Torres Morcillo, hat nicht nur einen der besten Namen des Turniers, er sieht auch noch aus wie eine Mischung aus Christian Karembeu und Michael Ballack. Als hätten die beiden mit ihren Lenden einen erotischen Zweikampf bestritten, und aus der Grätsche ihrer Leidenschaft ist dieser Román Aureliano Torres Morcillo geboren. Ob sie ihn El Capitano nennen in ihrer Heimat? Und warum nicht?

4.

Die Ausgangslage dieser Partie zu beschreiben, fällt schwer. Versuchen wir es mit einem Vergleich aus dem Tierreich, steigen hinab in das primitivste Fach. Es ist also, als würden zwei Jungs die gerade hintereinander von den gleichen zwei Damen einen Korb erhalten haben, sich darum streiten, wer den besseren Anmachspruch auf Lager hat. Oder schlicht: mitleiderregend.

6.

Toll! Ein Freistoß nach Foul. Wie die Großen! Einwurf Deutschland.

7.

Erste Chance für Tunesien, für einen rothaarigen Tunesier namens Fakhreddine Ben Youssef. Und wie endet diese Szene? Haddidi! Sie erinnern sich. Da steht der gute Ben Youssef ganz passabel im Strafraum, ein Ball ist praktischerweise auch in der Nähe, aber dann melden sich ausgerechnet in diesem so hoffnungsvollen Moment die Knie zu Wort, verlangen ihr Recht. Und ehe Ben Youssefs Großhirn befinden kann, wie dämlich das weitere Vorgehen wohl wäre, kniet er sich den Ball ins Vergessen. Aber seien sie unbesorgt, liebe Leser: Auch in dieser Szene kamen keine Tiere zu Schaden. So unwahrscheinlich das klingt.

10.

Tolle Szene für Panama im Gegenzug. Insofern man Stolpern toll findet natürlich. Ein Stürmer, wir nennen aus Schutz vor der Privatsphäre des Opfers keinen Namen, versucht sich im Dribbling. Eine Szene deren Abfolge stark an eine betrunkene Riesenschildkröte beim Balztanz erinnert.

15.

Super Stimmung in Saransk. Es ist eben die Stadt der Geher. Und davon ist gerade nun wirklich reichlich zu sehen auf dem Rasen.

18.

Fun Fact: sieben von zehn Einwohner Panamas haben noch nie vom van Halen-Song »Panama« gehört. Und das sieht man auch.

20.

Ihr wollt es doch (vielleicht) auch: 

24.

Ich mag die Mannschaft Panamas. Aber unter uns: sie sind wirklich sehr, sehr schlecht. Das macht sie mir zwar gerade sympathisch, weil ich mich damit, klar, ganz gut identifizieren kann, aber es stimmt mich auch nachdenklich, dass diese Mannschaft tatsächlich vor den USA gelandet ist in der Qualifikation. Was viele Fragen aufwirft, wie zum Beispiel: Wie? Oder: Wie? Oder: Wie zur Hölle?

27.

Wobei man auch sagen muss: wer immer denkt, England und Belgien seien aufgrund ihrer ersten beiden Spielen bei dieser WM unbedingte Titelkandidaten, sollte mit nicht unter 15 Minuten dieser Partie hier bestraft werden.

30.

»Was passiert eigentlich, wenn das WM-Starterfeld von 32 auf 48 Teams erhöht wird«, fragt Jahrhundertreporter Florian Nass. Ich kaufe ein »ö« und möchte lösen: Das WM-Starterfeld wird von 32 auf 48 Teams erhöht. Wird mir die GEZ-Gebühr jetzt automatisch erlassen oder muss ich noch irgendwo unterschreiben?

31.

Leichter Rückhandfehler Tunesien jetzt. Panama antwortet mit einem Doppelfehler. Breakball für die Zuschauer.

33.

Andererseits: Die Durchschnittstemperatur in Panama liegt über das Jahr gesehen bei circa 28 Grad. Und da ist er wieder, dieser Gedanke, der mich seit Jahren fesselt. Wenn ich in Italien bin, oder auf Kreta zum Beispiel. Oder irgendwo, wo das Leben nunmal schön ist, weil es das Wetter auch ist. Und dann also denke ich mir: Kein Wunder, dass die Deutschen so wahnsinnig erfolgreich und diszipliniert sind. Bei dem Wetter.

34.

Ja, Haddidi auch! Tor für Panama! Rodriguez hält einfach mal drauf, der Schuss wird abgefälscht und trudelt ganz Unschuldslamm, der er ist, ins Netz. Das hat sich nicht abgezeichnet, das ist unverdient und sah wirklich auch nicht schön aus. Aber wie sagt man in den Straßen Panamas? Modern Talking.

35.

Hier die Formel, nach der sich die Wahrscheinlichkeit für diesen Führungstreffer Panamas vorab berechnen ließ: o

36.

Ich war noch niemals in Saransk, ich war noch nie in der Mongolei
Ging nie durch Süd-Ossetien in zerrissenen Jeans
Ich war noch niemals in Saransk, ich war noch niemals richtig frei
Einmal verrückt sein und aus allen Zwängen fliehen

38.

»Tunesien zeigt zu wenig«, so Kommenator Florian Nass. Jetzt also auch noch Islam-Kritiker.

39.

Pa steht für das Parallelogramm, dass Du mir in mein Herz gespielt hast.
Na steht für die Namen, mit denen Du mich um den Verstand bringst.
Ma steht für die Marmelade, die ich gern mal mit Dir quetschen quetschen würde.

41.

Torchance Tunesien, aber da behindern sie sich gegenseitig. Noch so eine Szene, und das Glückslos der Aktion Sorgenkind gilt ab sofort ihnen.

43.

Aber was bekommen sie stattdessen. Florian Nass, dieser Tausendnassa, weiß es natürlich: »Die gelbe Karte geht nach Tunesien.« Herzlichen Glückwunsch auch von mir! Die restlichen Gewinner wer telepathisch benachrichtigt.

45.

Eine Art Glocke hallt einsam durch das weite Rund von Saransk. Erfahrene Geher wissen: letzte Runde

45. +1

Und dann nochmal die faustdicke Chance für die Tunesier, die im Prinzip eine Double-Fist ist. Aber Panamas Torhüter Jaime Penedo bekommt rechtzeitig den Arsch runter. Macht mit dieser Assoziation, was ihr wollt. Ich mache Pause. Halbzeit.

46.

Anstoss zur zweiten Halbzeit. Sie machen hier halt, was sie können.

47.

Ich entschuldige mich vorab für folgenden Tick. Nach Sissi »Schicksalsjahre einer Kaiserin« nun der nächste Schocker für Tunesien: Sassi raus. 

50.

Freunde, wenn ihr, aus welchen Gründen auch immer, noch zu diesem Spiel schalten wollt - lasst euch nicht irritierten, das Spiel firmiert entgegen jeder Erwartung nicht unter »Schlachthof« und läuft im BR.

51.

Ben Youssef mit dem Tor. Schiebt aus fünf Metern, nach flacher Hereingabe von rechts, zentral und ungedeckt ein. Ich würde gern sagen: ohne Probleme. Aber dafür, dass er aus fünf Metern, nach flacher Hereingabe, zentral und ungedeckt steht, macht er es noch ziemlich spannend. Aber gut, Unter diesen Voraussetzungen reicht es eben, nur zu 60 Prozent den Ball und zu 40 Prozent den Rasen zu treffen. Wenn das doch nur für alles im Leben gelten würde, sofern man nur nah genug dran ist. »Ach, sie wollen die Fahrkarte nur zu 60 Prozent bezahlen? Dann müssen sie aber noch ein bisschen näher kommen.« Wäre das Leben dann nicht viel schöner? Nein? Aber günstiger! Ist das denn nichts?

54.

Und wieder Ben Youssef, erneut beeindruckend, beeindruckend schwach. Schiebt seinen langen Körper schön in Stellung, fast so wie Dieter Baumann auf den letzten Hundert, und dann kommt er frei zum Abschluss. Prüfungsinhalt diesmal offenbar: mauern. Noch zentraler, und dieser Abschluss würde als Sammelpunkt für Touristengruppen deklariert.

57.

Panama auf der Suche nach einem Kanal. Oder irgendeinem Ausgang aus der Dauerbelagerung durch Tunesien. Findet Zuflucht in tunesischen Ecken. Zu denen klären sie nun im Minutentakt. Szenen, wie in einem Louis de Funes-Film: »Ah, wie, oh, sie kommen aus Tunesien und wollen was? Ein Tor? Nein, Ja, nicht, doch?! Na dann, kommen Sie, kommen Sie, ab zur Ecke, schnell, schnell. Puh. Pah. Nein.«

60.

Eines muss man Tunesien lassen. Man erkennt die Handschrift von Jogi Löw deutlich.

63.

Alter! Tre Fiori führt mit 3:0 gegen Bala Town in der Europa League Qualifikation. Und Tunesien? Schießt hier das 2:1. Durch ihren mit Abstand besten Mann. Khazri, die Nummer 10. Schiebt eine Hereingabe von links problemlos über die Linie. Womit bester Mann heißt: naja. Aber man ist ja mit wenig zufrieden. In diesem Fall also: eigentlich nicht.

66.

Aber nicht immer nur meckern!!! Wenden wir uns den positiven Dingen zu: nur noch 23 Minuten.

69.

Panama jetzt immerhin mit mehr, als das Gros der 11FREUNDE-Redaktion, mit einem Abschluss. Aber wie das Gros der 11FREUNDE-Redaktion schon ahnte: bringt nix ein.

72.

Tor für Panama. Aber zählt nicht. Angeblich vorher Foulspiel. Lächerlich, sage ich. Aber ich habe auch gerade nicht hingeschaut. Um irgendwas sollen mich die Zuschauer im Stadion doch beneiden können.

75.

Kurzer Dialog eines tunesischen Spielers mit seinem Trainer: »Belgien führt mit 1:0, wir sind raus.« Spieler: »Aber Trainer, wir waren doch schon vor dem Spiel raus.« Trainer: »Aber wenn England jetzt noch ein Tor schießt oder sogar gewinnt, sind wir raus.« Spieler: »Ok. Aber..« Trainer: »Wenn Panama jetzt noch der Ausgleich gelingt, sind wir raus!« Spieler: »Was sollen wir denn jetzt tun?« Trainer: »Was weiß ich denn? Rede einfach weiter mit mir, bis der Schiedsrichter uns ermahnt. Dann können wir hinterher sagen, wir hätten alles versucht!« Spieler: »Aber wir haben alles versucht!« Trainer: »Nicht so laut!«

78.

»Oh, der sitzt auch, dieser Fuß von Gabriel Gomez«, sagt Florian Nass jetzt. Das macht mich dann doch neugierig. Und siehe da, wikipedia hilft wie so oft weiter: »Naß ist Live-Reporter bei den großen Radsportveranstaltungen, unter anderem bei der Tour de France. Er war Kommentator bei sechs Olympischen Spielen. Bei der Handball-Weltmeisterschaft 2007 und bei der Handball-Europameisterschaft 2016 begleitete Florian Naß die deutsche Mannschaft für die ARD jeweils zum Titelgewinn und saß bei beiden Ereignissen während der Übertragung des Endspiels am Mikrofon.« Keine weiteren Fragen mehr.

81.

Das Spiel jetzt eindeutig mit einem Hungerast. Oder ist das das letzte Kräftesparen vor dem finalen Berganstieg? Ist das Maillot Jaune jetzt in Gefahr? Und wieso ruft mich Jan Ullrich eigentlich nie zurück? Weil ich ihn nie angerufen habe? Kann es so einfach sein?

85.

Panama mit der Möglichkeit, in Überzahl stürmen sie da in Richtung tunesisches Tor. Und dann packt er ihn aus, der Spieler Panamas, den tödlichsten aller Pässe. Derart ins Leere, derart fernab aller Spieler auf diesem Platz. Wie die ultimative Beweisführung für ein Theorem, dass es erst noch zu finden gilt.

89.

Fünf Minuten Nachspielzeit. Aber:

90. +3

Lieber Max Eberl, sie wollten ja nicht zu dieser WM reisen, weil: gibt ja nix zu sehen, alles schon bekannt. Wie sie sich geirrt haben! Hier also nun mein Scouting-Bericht zu Panama-Tunesien: -

90. +4

Schöne Szene nochmals durch Anibal Godoy, zieht aus 18 Metern einfach mal direkt ab. Doch der Ball streicht knapp am Ziel vorbei. Oder wie man seit gestern sagt: Deutschland.

21.55 Uhr

Und dann ist es vorbei. Das letzte Spiel der Vorrunde dieser WM. Es ging um nichts, und war dann auch: nichts. Zumindest spielerisch. Für die Jungs auf dem Rasen, für die Fans im Stadion und viele Menschen in Panama und Tunesien ist das sicherlich anders. Und das ist, ganz unironisch, ganz wunderbar. Freuen wir uns also mit denen, die sich freuen. Ansonsten gilt: weiter, immer weiter. In diesem Sinne: Prost.