Manchester City

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Tottenham Hotspur

Manchester City - Tottenham im Liveticker

VAR was?

Und ob was VAR. Das unglaublichste, wahnwitzigste, grandioseste Spiel des Jahres - wird entschieden durch den Videobeweis. Oh schöne neue Fußballwelt. Muss eine Woche in die Eistonne zum Regenerieren: der Liveticker.

20:45 Uhr

Freunde, herzlich willkommen zum Liveticker. Manchester City gegen Tottenham also. Oder wie Pep Guardiola es nennt: Eh egal, im Halbfinale ist sowieso Schluss. In diesem Sinne: Let's go...

20:47 Uhr

Die Sky-Experten heute, von links nach rechts: Didi Hamann. Ein Raffael-van-der-Vaart-Doppelgänger, der aussieht, als würde er bei einem Van-der-Vaart-Doppelgängerwettbewerb den siebten Platz machen, weil er für echte Ähnnlichkeit ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen hat. Irgendjemand, den ich nicht kenne. An der Taktiktafel hier, Dings, äh, ihr wisst schon, der stressige Holländer, der immer so laut ist. Hätte nicht gedacht, dass ich das mal sage, aber ich vermisse Metze und Calmund und sogar ihre Witsel-Afros.

20:53 Uhr

Knappe Kiste heute übrigens mit dem Ticker. Mein Internet zickt, hab dem O2-Hotlinemenschen erklärt, was meiner Meinung nach das Problem ist (Dass ich die AOL-CD mit den 200 Freistunden nicht in meinen C64 kriege), der hat dann aber aufgelegt. Glücklicherweise kam dann ein technikaffiner Freund vorbei und hat es geschafft, mein Super Nintendo ans Modem anzuschließen. Und tja, jetzt läufts. Oh, und da sind auch schon die Aufstellungen: Bei Manchester heute Allejo neben Beranco im Sturm, dahinter Sieke und Kuhnert, auf den Flügeln Guentehr und Klahold. Soso...

20:58 Uhr

Wusstet ihr's? Das menschliche Gehirn hat etwa 100 Billionen Synapsen. Und das ist etwa ein Viertel aller in einem normalen Sky-Werbeblock Werbung schlaltenden Wettanbieter. Ein Wunderwerk der Natur.

20:59 Uhr

Die CL-Hymne. Und irgendwo in Turin weint Cristiano Ronaldo Tränen in A-Moll.

21:00 Uhr

Schön auch: Die höchstwahrscheinlich von einer ekligen PR-Agentur in die Wege geleitete "Choreo". Da heben die Schnösel in der Berliner Jung-von-Matt-Loge anerkennend die Lachsschnittchen zum Prosit.

1.

Anstoß. Dann direkt der Ball platt. Siri: Zeig mir ein Symbol meines Lebens.

4.

Guardiola im legeren Opas-Wollmantel-mirdochegal-Look. Könnte wetten, er riecht nach Pfeifenrauch und Abendbrot, und wenn Mikel Arteta nicht aufpasst, nimmt Pep ihn gleich auf den Schoß und erzählt ihm eine Gute-Nacht-Geschichte.

5.

Und Tooooooor für City. De Bruyne, der von Hansi Küpper beharrlich De Bröhne genannt wird, legt rüber auf Sterling, der zieht nach innen und schlenzt ins lange Eck. Tor. Oder wie Küpper sagen würde: Störling ins lange Öck, Tör.

6.

Übrigens: Das Pfund Sterling liegt aktuell bei 1,15 Euro. Finde ich bei dem Pfund Sterlings eben deutlich zu billig.

7.

Leute, was ist denn hier los. Gewusel vor dem City-Strafraum, dann steht Son völlig frei und schießt das 1:1. Und Leute: Hier mag es jetzt Unentschieden stehen, aber einen Gewinner haben wir auf jeden Fall schon: Mich, weil es wird heute keine Verlängerung geben. Wo ist der Deinhardt?

10.

WAAAAAAAASSSSSS??????? Konter Tottenham, Son schon wieder frei, schlenzt den Ball ins lange Eck. 2:1 Tottenham. Hier meine professionelle Einschätzung der Dinge, die hier gerade passieren. Ahibvt7gß54f z cp g34f vüw9 cü2f 479^g7gfv f g duvb19rubv1v ubnf9u.

11.

Leute, ich verarsche euch nicht: Konter City, Bernardo schießt das 2:2. Wenn noch ein einziger Mensch auf der Welt irgendwann jemals wieder einen Satz anfängt mit "Was der Fußball vom Handball lernen ka-", dann komm ich höchstpersönlich vorbei und beendet die Debatte per Volleyschuss.

15.

Vielleicht ist dieses Spiel nur ein PR-Gag, um die neue Werbepartnerschaft der Uefa mit Doppelherz standesgemäß publik zu machen?

19.

Leute, mal ne Frage in die Runde: Sind Arbeitsrechtler anwesend? Wüsste nämlich gern, ob man sich eine höhere Gage einklagen kann, wenn man unvereinbart Akkordarbeit leisten muss. Frage für einen Freund.

21.

Wahnsinn. Ein Spiel wie Bremen - Hoffenheim circa 2009. Gleich bringt Schaaf seine Nachwuchshoffnung Nelson Valdez, der dann das 5:4 schießt. In der 96. Minute.

23.

Un. Fucking. Fassbar. Hacke Bernardo. Flanke De Bruyne. Tor Sterling. Leute, schließt mir dieses Spiel direkt an die Venen an. Ich will, dass es nie wieder aufhört.

26.

Mein tiefstes Beileid an alle Menschen auf der Welt, die sich jetzt gerade auf die Couch fläzen mit dem Gedanken, ach, komm, ich zapp mal rein, und dann einen tiefen Moment der Enttäusschung erleben.

27.

Ich leg mich fest: Der erste Satz wird 6:4 an City gehen.

31.

Aber Leute, soll ich mal ehrlich sein? Bisschen Realtalk? Geiles Spiel und so, klar, aber ist mir komplett egal, wer hier heute gewinnt. Und wenn das Ding 23 zu 62 ausgeht. Ist mir auch egal, wer im Parallelspiel gewinnt. Ich will einfach nur, dass Eintracht Frankfurt im Sommer Ajax Amsterdam im Europäischen Supercupfinale schlägt. Mehr will ich echt nicht.

33.

Wobei, nee. Ist mir überhaupt nicht egal, wer hier gewinnt. Ich will, dass City rausfliegt. Warum? Weil wir so keine Gefahr laufen, noch eines dieser fürchterlichen, fürch-ter-lichen PR-Jubelvideos zu sehen.

35.

Nächste Chance Bernardo. City hier mittlerweile mit mehr Chancen als Tom Hiddleston auf einer Marvel-Cosplay-Fetischparty.

37.

Wanyama geht zu Boden, Son muss den Ball rausspielen. Watnyama das wäre, wenn der vom Platz müsste. Hust.

39.

Nächste Chance, diesmal Agüero. Jungejunge, ein Spiel wie der erste Kuss. Aufregend. Unerwartet. Irritierend. Überfordernd. Wunderschön. Mal Nina aus der 6b anrufen, ob sie das Spiel auch guckt,  ob sie immer noch Caught in the Act hört und ob es das Feld hinter ihrem Haus noch gibt, mit der Bank unter dem Baum.

41.

Jetzt hat es Sissoko erwischt, wird wohl runtermüssen. Aber gut, wenn man eine Anfangsphase spielt, die sich schon als Zuschauer anfühlt wie ein halber Iron Man, dann kann man sich schonmal die Adduktoren zerren.

44.

Nächste Chance, aber Son verzieht. Kleiner Service von uns: Hier mal das Spiel aus Sicht der Torhüter:

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45+1.

Bin mir sicher: Bei Opta und Konsorten stellen sie gerade auf Schichtbetrieb um, allein um der Menge an Torschüssen beizukommen.

45+3.

So, Pause. Weiß nicht, was ihr macht, aber ich guck jetzt n paar Schalke-Highlights, um wieder runterzukommen.

22:04 Uhr

Kleiner Gag zwischendurch: Im TV läuft Werbung mit Schalke 04 als Werbeträger. Müsste wirklich lange überlegen, was Schalke mir aktuell verkaufen könnte. Vielleicht eine Stricknadel, um mir damit die Augen auszustechen? Eine Jahreskarte beim örtlichen Handballverein? Eine sechswöchige Reise auf eine einsame Insel, um nicht Gefahr zu laufen, aus Versehen ein Schalke-Spiel im TV zu sehen?

46.

So, Anpfiff City. Acht Sekunden sind vergangen, kein Tor bislang. Props an die Abwehrreihen, geht doch.

49.

Geht gut los. Solo De Bruyne, Foul, dann Freistoß De Bruyne, allerdings drüber. Hat alles in allem zwei Minuten gedauert und jetzt habe ich das dringende Bedürfnis, Hansi Küpper folgendes Video zu zeigen:

51.

Jetzt immer wieder De Bruyne. Holt sich hinten die Bälle und trägt sie unnachahmlich elegant nach vorne. Puh. Kevin de Bruyne Fußball spielen zu sehen fühlt sich an, als würde er einem die Augen massieren. Mit den Füßen. Und es ist wunderschön.

53.

De Bruyne, was ein Kicker. Dass der mal in Wolfsburg war, kann wirklich nur ein Fehler in der Matrix sein. So ein Kicker. Und dann 8.000 gelangweilte Schichtgesichter auf den Rängen, die die Karten im Getränkemarkt zur Cola-Kiste dazubekommen haben. Als würde man mit Stradivari-Geige Bachs Violinkonzerte spielen. Im Vorprogramm von Jürgen Milski im Bierkönig.

55.

Also das ist wirklich das krasseste Spiel seit langem. Jetzt gab es sogar noch eine hinterhältige Grätsche von hinten. Jetzt noch eine Tätlichkeit, eine Rudelbildung und ein Volleytor vom Strafraum nach einer Ecke und ich bin ein glücklicher Mensch.

60.

Unfassbar. City macht das 4:2, Agüreo haut das Ding aus spitzem Winkel in die Maschen. Aber: Was eine Vorarbeit von De Bryune. Lässt fünf Leute stehen und legt den Ball zu Agüero. Eine Voorarbeit, so schön, ich werde einen Miss-Vorarbeit-Contest ins Leben rufen, nur damit diese Vorarbeit ihn gewinnen kann.

64.

Muss ich echt sagen: Das ist die beste Vorstellung von City seit damals 1986 in der Wuhlheide. Spielt mal "Am Fenster".

66.

Das Spiel hier ist so on fire, gleich hagelt es hunderte Millionen Euro Spenden von irgendwelchen Milliardären für den Wiederaufbau.

67.

Wobei, wenn man so drüber nachdenkt, ist genau das bei City mit Einstieg der Scheichs ja passiert.

70.

Und immer, wirklich immer wieder Kevin de Bruyne. An jeder Aktion beteiligt, macht immer was Kluges. Im Ernst: Man könnte den Mann in ein Ikea-Bällebad schubsen, er würde mit jedem einzelnen Ball etwas Sinnvolles anfangen.

72.

Mal so zwischendurch eine kurze Liste mit Dingen, die genau so in der Infobox zu den verletzten Spielern beider Mannschaften auf kicker.de stehen und die ich aber auch denke, wenn ich mal schmerzfrei die Treppe hochkomme:
Bravo (Achillessehne)

75.

Wahnsinn. Tooooooooor für Tottenham. Unfassbar. Unglaublich. Ich pack das nicht mehr. Leute, das ist kein Fußballspiel mehr, das man sich hier anguckt. So müssen sich die Statisten früher in Bud-Spencer-Filmen gefühlt haben, wenn sie ein knappes Dutzend Backpfeifen in kürzester zeit kassiert haben.

77.

Tottenham jetzt wieder weiter, nach drei Minuten VAR-Generve, weil da eventuell eine Hand im Spiel war. Und an der Seitenline legt sich Pep Guardiola eine Serviette um den Hals, holt Salz und Pfeffer und das gute Besteck, um gleich den Vierten Offiziellen zu fressen.

81.

Sowieso Guardiola, was eine Erscheinung. Es läuft ein Spiel seiner Mannschaft und in zwei Sekunden Kameratotale sind sämtliche emotionalen Stadion unserer Spezies auf seinem Gesicht zu sehen. Selten hat die Floskel von Genie und Wahnsinn so zusammengepasst wie bei Pep. Dieses tiefe, fast transzendentale Verständnis des Spiels. Diese krampfige, asketische, wütende Verbissenheit. Würde mich nicht wundern, wenn er nach der Station bei City aufhört und man ihn nie wieder sieht. Und dann entdeckt irgendein Journalist in ein paar Jahren einen völlig verwilderten Emeriten in den Wäldern Kataloniens, mit langem, weißen Bart und kleiner gelber Schleife auf den zerissenen Klamotten, der sich von Regenwasser und Tannennadeln ernährt und nachts den Himmel nach Sternenbildern absucht, die innovativen Taktikformationen gleichen, und der nur noch mit einem Wort zu kommunizieren weiß: "Sssssssssupersuper!"

83.

Derweil sieht Wanyama die Gelbe, nach dem taktischten aller taktischen Fouls. Klare Sache für den Schiri: Wennyama nicht jetzt, Wanyama dann?

84.

Jetzt bringt Guardiola also Leroy Sané. Jetzt, in der 84. Und irgendwo im Schwarzwald nippt Jogi Löw wissend an seiner Nivea-Tube.

87.

Ein aufreibendes Spiel. Ein Spiel wie zehn Spiele. Weiß schon gar nicht mehr, wie oder wann das erste Tor gefallen ist. Fühlt sich wie eine Ewigkeit an. Wahrscheinlich hat Jürgen Klinsmann es geschossen. Und Dino Toppmöller und Uwe Rösler haben zurückgeschlagen.

90.

Sanches kommt. Dreckiger Wechsel, um Zeit von der Uhr zu nehmen. Ein Dirty Sanches sozusagen.

90+3.

UNFASSBAAAAAAAR. Fehler Eriksen, Tor Sterling. Was soll ich hier noch schreiben, Leute. Das Prinzip Fußball ist durchgespielt.

90+4.

Ach. Du. Kacke. Abseitsposition. Der VAR hat entschieden. Und 50.000 Menschen wird inmitten der größten Ekstase ihres Fanlebens der Stecker gezogen. Klar, Gerechtigkeit und so weiter. Aber das ist so bitter.

22:57 Uhr

Und das war's. Das unglaublichste Spiel des Jahres, so viel ist sicher. Ich werd mich jetzt eine Woche im Schwarzwald in einer Kurklinik einmieten, um überhaupt wieder zu Atem zu kommen. Und jeden Tag eine Eistonne voller Dopelherz trinken. Und dann geht's vielleicht wieder. Aber sicher bin ich nicht. Macht's gut, Leute. Wir sehen uns in der Selbsthilfegruppe der #MCITOT-induzierten Schleudertrauma-Patienten.