Werder Bremen

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Bayern München

Liveticker: Werder Bremen - Bayern München

Ein Geben und Bremen

Serge Gnabry doppelpackt Bayern aus der »Krise« und Niko Kovac kann endlich seine Sorgenfalte aus dem Anzug bügeln. Hat keine Tickets mehr fürs Pfeiffkonzert bekommen: der Ticker.

15:15 Uhr

Hallo und herzlich Willkommen! Oder wie man in München sagt: »Für eure Scheißstimmung seid ihr selber verantwortlich!« Und trotzdem wollen euch die Sonnenscheine von 11FREUNDE mitnehmen, zu einem Fußballfest, zu einer Feier, zu einer Party. Wer als erstes kotzt, ist noch unklar. Bis dahin eure Gastgeber: Jonah »Uhrenliebhaber« Lemm und Tobias »Steuersünder« Ahrens.

15:17 Uhr

Die Übertragung geht gerade erst los, und schon ist klar, wohin die Reise an diesem Nachmittag gehen könnte. Denn sonst fragte Sky-Reporter Patrick Wasserziehr (... nein, nicht nach Kaffee!), ob sich der Gegner etwas zutraue. Dann immer nur müdes Gelächter. Diesmal: Angriffsstimmung. Wow. Beziehungsweise: Juhu!

15:25 Uhr

Laut Sportdirektor Hasan Salihamidžić probiert es Arjen Robben. Angeschlagen. Also... auf der Bank. Wirkte holprig, unwissend. Aber gut, das passiert mal, schließlich hatte »der Meester« erst kurz vor Interviewbeginn nochmal die Aufstellung geändert.

15:27 Uhr

»Uli Hoeneß hat noch Fans«, sagt Martin Groß. Was Groß nicht sagt: Der, der das Foto mit Bayerns Präsident gerade machen wollte, war Uli Borowka. Sicher nur, um Hoeneß zum Dank mit einer Blutgrätsche gastfreundlich wegzuflexen.

15:30 Uhr

Wenn ich heute einen Wunsch frei hätte, dann diesen Jubel...

1.

Anstoß Bayer, keine Probleme. Ist das die Wende?

2.

Es geht also los, die Stimmung irgendwo zwischen »in Ordnung« und »bissig«. Aber klar, geht ja für beide Klubs jetzt auch darum, die Winterpause auf den Europa-League-Plätzen zu verbringen.

3.

Jerome Boateng macht heute übrigens sein 250. Bundesliga-Spiel. Oder wie es in der Bayern-Elf heißt: »ein Youngster«.

4.

Die Bayern versuchen hier erstmal Kontrolle reinzubringen, wenngleich auch mit kleinen Spitzen: Kimmich mit einem Hackenpass im Mittelfeld. Wenn sie hier noch offensichtlicher versuchen, Dominanz vorzutäuschen, kauft sie gleich Jens Spahn für sein PR-Team ein.

6.

Und dann: Lewandowski mit der ersten Chance, kommt ohne viel Gegenwehr zum Abschluss. Ich wünschte, das selbe könnte ich über meine Schulzeit sagen.

6.

War aber dann doch eher ungefährlich. Und an der Seitenlinie guckt Niko Kovac so angespannt, der Zeugwart hängt gleich die gewaschenen Handtücher an seiner Stirnfalte auf.

9.

Hm, bisher gefühlt nur Bayern am Ball. Spielen hier - muss man zugebenen - ganz kluges Kurzpass-Spiel im Mittelfeld. Dann bricht Bremen mal durch, Ecke, Johannes Eggestein holzt das Ding irgendwo in die Weser. Fühlt sich ein bisschen an wie der Kampf um die CDU-Spitze: So wenig gute Aussichten, dass man schon beginnt, sich die schlechten Chancen schönzureden.

12.

Die Bremer hier wie der verkaterte Typ, der schon vor Kneipenöffnung nervös vor der Tür steht: hoffen auf Kontermöglichkeiten. Kruse bekommt den Ball, schlägt nach vorne. Aber Osako kommt nicht dran, der Ball rollt ins Aus. Das Ding hier versetzt noch niemanden in Freudenwallungen. Habe ich auch das letzte Mal so gesagt... Ach lassen wir das.

15.

Hab kurz nicht hingeguckt, dann steht Müller doch mal vor dem Tor. Hat sich aber im Abschluss vom Benehmen Uli Hoeneß' in den vergangenen Wochen inspirieren lassen: War echt daneben.

17.

Die Fans schweigen also in der ersten Halbzeit, was sich für Werder Bremen zunehmend als Problem rausstellen dürfte. Nicht nur, dass der Heimvorteil futsch ist, nein, die Bayern fühlen sich auch noch wie in der Allianz Arena.

19.

Entschuldigt bitte, wenn mancher Tick mit Zeitverzögerung kommt. Unser Sky-Go ist gerade zum dritten Mal ausgefallen. Liebe Kollegen, es ist Wochenende, da muss man nicht die schlechten Gewohnheiten ausm Job mit reintragen!

19.

Wow, und jetzt rauscht Ribery über die linke Seite heran. Mit einem Wahsinnstempo, nur eine kurze Körpertäuschung schon steht er im Strafraum. Dann wird Ribery gefällt, aber kein Pfiff. Kein Vorwurf, Schiri Dingert hatte ihn mit Robben verwechselt.

20.

Und jetzt: TOOOOOR für die Bayern! Die bisher überlegener waren als Angela Merkel auf 'nem Einzelgespräch am G20-Gipfel. Querpass auf Serge Gnabry, der freier ist als eine Friedenstaube, aber erst an Pavlenka scheitert, dann doch noch trifft. Ein Tor, höchstens reingedrückt, aber so befreiend, dass tausende Bayern-Fans ihr Wohnzimmer spontan als FKK-Bereich deklarieren.

24.

Ha! Genial! Als erste Reaktion machen es die Bayern so, wie ein Großteil der Bundesliga. Stellt sich nach der Führung erstmal hinten rein. Und da soll noch einer sagen, die Bayern wären nicht verdientermaßen Tabellenfünfter!

26.

Liebes Christkind,
ich habe keine Wünsche zu Weihnachten. Ich bin gesund, meine Familie auch, die Wohnung ist warm und Brot liegt auf dem Tisch. Aber wenn ich du mir doch unbedingt einen Wunsch erfüllen willst, dann zeig mir das Gesicht von Uli Hoeneß, in der 90. Minute, wenn gerade Claudio Pizarro zum 1:1 getroffen hat.

28.

Könnte jemand Joshua Kimmich bitte einen Kalender in die Hand drücken? Der Flaumember ist vorbei.

29.

Lewandowski mit der nächsten Chance. Bayern spielt es ganz simpel nach vorn, aber Werders Defensive wird gerade derart auseinandergerissen, dass man nur hoffen kann, Banksy stecke dahinter.

31.

Bremen mit der Doppelchance! Erst Gebre Selassie, dann Sahin mit einem Fernschuss. So gefährlich, dass Manuel Neuer schon reklamiert hatte.

32.

Bremen jetzt so wie ich während der Mittelstufe: Hat einfach zu lang gepennt und muss sich jetzt ordentlich anstrengen, um noch in die richtige Bahn zu geraten.

33.

Aber dann: Osako, dieser Ailton-Light, aber trotzdem in einer besseren Version. Bekommt eine so perfekte Flanke, dass man damit locker hätte die Titanic retten können. Egal, Osako hält so klug die Birne hin, dass seine Stirn nach dem Spiel in eine Hochbegabtenklasse eingeschult wird. Ein Mann wie ein Funkmast: Bringt das Ding ins Netz. 1:1.

36.

Und irgendwo unterschreibt Brazzo eine eidesstattliche Erklärung, dass er sich vor dem Spiel um Osakos Haaransatz bemüht hatte.

37.

Wenn man die ganze Bremer Mannschaft abzieht und das Gegentor und die 33. Minute, dann hat Bayern hier bisher ein gutes Spiel gemacht.

38.

Ribery geht raus, Coman kommt rein. Und irgendwo spielt Jupp Heynckes die Marseillaise. Auf seinen Sorgenfalten.

40.

Serge Gnabry verirrt sich in den Bremer Strafraum, läuft aber dann wieder raus. Ist wohl noch alte Gewohnheit. Dann foult irgendwer irgendwen, nicht genau zu erkennen, weil Bayern hier wütender herumwuselt als Prenzlauer-Berg-Muttis beim Hallhuber-Schlussverkauf. Die Szene endet im Nichts. Da soll noch einer sagen, die Bayern wären kein Punk.

41.

Man dachte also, es wird eine Vorführung. Die Berliner Volksbühne hatte schon die Rechte angefragt, Lars Eidinger schon die Rolle des heroisch-nackten Uli H. geprobt. Und dann kommen die Bremer, seit vier Spielen ohne Sieg, und machen, klar, alle bayrischen Hoffnungen auf eine Emanzipation so sehr zu Nichte, dass man sie gleich in »Werder Preußen« umbenennen mag. Man würde sich ja freuen, aber ganz ehrlich, in dieser schön-wirren Bundesliga-Saison war das doch genauso zu erwarten. Ich liebe es.

45.

Ohne Verlängerung geht's in die Pause. Und irgendwo knurrt Kalle Rummenigge: »Betrug! Normalerweise wird so lang gespielt, bis wir führen.«

16:20 Uhr

»Da wäre es ja wahrscheinlicher, dass Lukas Podolski mit einem Elefanten hier reinreitet« - Gemein, jetzt trauen sie schon in der Werbepause den Bayern keinen Sieg mehr zu.

16:24 Uhr

»IN DEN LETZTEN 8 SPIELEN GEGEN WERDER HABEN DIE BAYERN 30 TORE GESCHOSSEN UND NIE VERLOREN!!«

16:29 Uhr

Wie das Spiel aus der Sicht von Uli Hoeneß verläuft... 

16:33 Uhr

Niko Kovac dürfte »mit vielen Dingen zufrieden gewesen sein in der 1. Halbzeit«. Hier eine Liste, die ihn zufriedenstellten: 

- Niko Kovac ist immer noch Trainer. 
- Hoeneß hat nicht von »Scheißdreck« gesprochen. 
- Rewe hat die kleinen Weißwürste ohne Pelle, die Kovac so mag, gerade im Angebot.
- Niko Kovac ist immer noch Trainer.
- Niko Kovac ist immer noch Trainer der Bayern. 

46.

Bremen führt den Anstoß aus. Klarer Fall: Die haben sich was vorgenommen.

48.

Und Niklas Süle mit der ersten Chance, Kopfball. Aber vorbei. Wobei ich sagen muss, bei all der Krise der Bayern, ich diesen Süle wirklich faszinierend finde. Wie er kühlschrankartig durch die Gegend läuft, wahrscheinlich eine Viererkette mit sich selbst bilden könnte, wenn er nur einmal tief einatmen würde. Aber gut: Der Trend geht zur Fünferkette. Die Bayern laufen den Trends hinterher. Bezeichnend.

49.

Und jetzt: 2:1 für die Bayern! Weil Müller durch den Strafraum müllert, sprich stolpert, aber den Ball natürlich nicht verliert. Und dann mit einer Flanke Bremens Moisander »findet«, der den Ball an Gnabrys Bein abfälscht, und von dort ins Tor. Ich würde sagen: Glück. Aber mich beschleicht das bittere Gefühl, dass Thomas Müller das alles so gewollt hat. Genial, beziehungsweise: Hochverdient.

53.

Aber an wen bei dieser Führung mal wieder niemand denkt: In einem Münchener Hotel sitzen fünf Kritiker und müssen ihre Doppelpass-Reden umschreiben. Wenn das so weitergeht, muss Mario Basler diese Woche noch zum Arbeitsamt.

55.

Und wer freut sich nicht, auf die späteren Rückblicke, in denen ein Uli H. (Triplesieger 2018/19) davon erzählt, wie der FC Bayern das Ruder umriss, in dem sie Paul Breitner vor die Tür setzten.

58.

Bayern jetzt mit Querpässen, auf Sicherheit bedacht, aber ohne große Aktionen nach vorne. So seriös und langweilig, sie könnten sich nächstes Jahr fürs Europaparlament bewerben.

61.

Veljkovic wie eine Wohnung mit Altersschäden: Die Leiste ist kaputt. Langkamp kommt.

63.

Eine Frage drängt sich auf, auf die ich sonst eigentlich die Antwort scheuen würde: Kommen die Bremer Spieler hier nochmal?

65.

Im Moment erinnert Werder hier noch einen 16-Jährigen beim ersten Date: Gibt sich schon Mühe, ist aber zu schüchtern, um am Ende zum Schuss zu kommen.

67.

Sahin hingegen hier so dreckig, Andreas Scheuer ordnet nach dem Spiel eine Hardware-Nachrüstung an seinem Zweikampfverhalten an. Kimmich schiebt den Ball frech vorbei und Sahin, dieser Pflegel, holzt seinen Gegenspieler einfach um. Typisch, immer auf die Kleinen.

70.

Coman mit einem Kevin-Kühnert-Gedächtsnistrick: Kommt mit ein paar Schlenkern über links. Passt den Ball rein, Gnabry steht da, spielt die Kugel aber weg, irgendwo in die Ungefährlichkeit. Wahrscheinlich, weil er sich beim dritten Tor sonst schämen würde, dass das sein Ex-Klub ist.

73.

Ecke Bayern, getreten von Kimmich, aber geklärt. Dann taucht Alaba aus dem Halbfeld aus und hält aus zirka 25 Metern drauf, aber weiter am Kasten vorbei als orientierungslose Elektriker. Hält sich danach trotzdem so theatralisch das Gesicht, dass man denken könnte, er hätte gerade einen Stromschlag bekommen.

76.

Die fünf Minuten, die Pizarro jetzt erstmal braucht, um alle alten Bekannten mit Handschlag zu begrüßen, gibt's natürlich hinten dran.

75.

Claudio Pizarro kommt für Nuri Sahin. Und Brazzo raunt durch die VIP-Lounge: »Der wäre doch auch mal einer für uns!«

77.

Drei Worte, so selten in diesem Spiel, man könnte sie bei »Bares für Rares« für viel Geld verkaufen: Chance für Bremen. Kruse hält einfach mal seinen Fuß hin, Neuer wirft sich schon in den Rasen, der Ball landet allerdings neben dem Pfosten. Und am Tor geht er auch vorbei.

80.

Gnabry geht raus, ganz langsam, provoziert die Bremer Fans. Pfeifkonzert. Macht ihm nichts, das sind sie ja in München mittlerweile gewohnt.

81.

Bayerns Defensive wie eine aufgeregte Mädchenclique vor dem ersten Partyabend. Haben sich aufgebrezelt, laufen wild kreischend durcheinander. Und jetzt heißt es, dass dieser Pizarro, der Typ aus dem Jahrgang über ihnen, auch kommen will. Zur Abiparty. Wann erhält der erste eine SMS von Kevin Großkreutz?

83.

Doch das Bremer Offensivspiel aktuell wie ein Revolver ohne Patronen: Ziemlich ungefährlich. Schlägt Werder mit dem Griffel drauf?

85.

Coman nimmt Gebre Selassie mit einem Tunnel durch die eigenen Beine auseinander. Doch der Tscheche drescht den Ball zur Ecke. So humorlos, der würde sich bei einem Fips-Asmussen-Auftritt über die schlechte Musik echauffieren.

87.

Pizarro gegen Rafinha im Kopfballduell. Und ihr wollt mir erzählen, Carsten Ramelow wäre zu alt für diese Liga?!

88.

Bremen verzweifelt. Jetzt läuft Kruse Neuer an. Versucht den Torwart argumentativ zu überzeugen: »Du willst Spaß, ich will Spaß…« Neuer schlägt kompromisslos den Ball weg. Hoffentlich landet dieses Video nie im Internet.

89.

Und in einer Loge sitzt Jan Delay, zieht seinen Funk-Hut langsam ins Gesicht und kritzelt in sein Songbuch: »Und immer wenn ich an der Weser steh
Werder gegen Bayern verlieren seh‘…«. Ein Song für alle, die Träume haben, alle die Style haben und alle die nichts mit Ulli Hoeneß gemein haben.

90.+1

Und langsam krampft mein Magen zusammen, weil er erkennt, dass die Bayern dieses Spiel sehr wahrscheinlich gewinnen werden. Mit etwas Angsthasenfußball, und etwas Glück, und weil der Gegner heute etwas schwächer war. Die Bayern werden also gewinnen wie 16,5 andere Bundesligisten. Ist die Liga also tot?

90.+3

Gelb-Rot für Moisander. So unnötig, so kurz vor Abpfiff, dass man denken könnte, in Bremen gäbe es nur eine heiße Dusche.

90.+3

Freistoß Werder, dürfen noch einmal eine Per-Mertesacker-Gedächtnisflanke spielen: Hoch und weit...

90.+4

... und dann: Osaka kommt an den Ball, spielt Pizarro an. Der mit einem Stoppfehler. Muss an Ball und Boden gelegen haben, keine Zweifel unsererseits.

90.+5

Und Abpfiff. Die Bayern mit einem 2:1-Arbeitssieg. Brazzo ist erleichtert, Niko Kovac auch, Rummenigge und Hoeneß oben auf der Tribüne sowieso. Aber es ist ja auch nichts schlimmes, dass die Bayern mal gewinnen. Denn es muss sich mit den Siegen gegen die Bayern verhalten wie mit Rouladen: Es muss etwas besonderes bleiben. Mhhh, schmackofatz, Rouladen!

17:26 Uhr

Leute, legt die Füße hoch und macht euch die Rouladen warm (bitte nicht umgekehrt) und genießt den Abend. Hier gibt es nichts mehr zu sehen, aber seid auch nächste Woche wieder dabei, wenn es wieder heißt: »Hör mal, Werder ärgert«.