Schalke 04

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Hamburger SV

Liveticker: Schalke 04 - Hamburger SV

Arprissparty

Wer soff bis di Santo traf, musste sich 'ne Viertelstunde ganz schön ranhalten. Alle anderen sahen, wie elf Schalker gegen Jann-Fiete Arp spielten und Hellmut Krug nicht helfen musste. Trank sich wie immer alles schön: der Ticker. 

15:20 Uhr

Hallo und herzlich Willkommen, oder wie man in Hamburg sagen würde: Moin. Wir, also Max »Königsblau« Dinkelaker und Tobias »Dino« Ahrens, tickern Schalke 04 gegen Hamburger SV. Was uns in diese Lage gebracht hat, wissen wir nicht. Was wir nur wissen: als wir das letzte Mal Schalke gegen HSV gemeinsam tickerten, schoss Pierre-Michel Lasogga ein Tor in der letzten Minute und rettete - mal wieder - Hamburg. Was ja ein gutes Zeichen ist. Für wen auch immer.

15:23 Uhr

Mit einem Sieg würde Schalke vor dem Derby gegen Dortmund in der Tabelle vor der Borussia stehen. Womit natürlich allen klar ist, was heute folgt.

15:25 Uhr

Blick hinein ins Stadion, in die Veltins-Arena, die ja den einzigen Sponsorennamen trägt, den ein Fußballstadion überhaupt tragen darf: den eines Bieres. Aber egal, denn diese verrückten Schalker, also jene auf der Tribüne, singen »Blau und weiß, wie lieb ich dich«. Und alles hüpft und singt und hat Tränen in den Augen. Vor Liebe und Vorfreude. Selbst Clemens Tönnies, der sich für das Spiel oder wenigstens für den Moment in die Stehtribüne gestellt hat. Und wir fragen uns, was das alles drumherum eigentlich soll. Warum vor einem Spiel nicht einfach nur Bier getrunken, Lieder gesungen und Hüpfer gehüpft werden können. Aber was wissen wir schon.

15:28 Uhr

Noch kurzer Blick auf die Tabelle. Schalke wird mit Anpfiff Vierter sein, der HSV immer noch 15. - damit beide Vereine weit über ihren Erwartungen.

15:31 Uhr

Und Markus Gisdol setzt auf Jan-Fiete Arp. Dieses Talent, ach was, diesem 17-jährigen Husaren. Hamburgs größte Hoffnung, seitdem Samy Deluxe sein Restaurant im Karoviertel eröffnete.

1.

Anstoß. Oder wie der VAR sagen würde: Klarer Elfmeter.

2.

Und während alle Welt über Jann-Fiete Arp redet, wurde Hamburgs anderer Stürmer, Bobby Wood, unter der Woche 25 Jahre alt. Anscheinend hat er Erste-Reihe-Tickets für das Spiel Schalke-Hamburg und ein farbiges Leibchen geschenkt bekommen. 

4.

Schalke setzt im Sturm dagegen anscheinend auf di Santo und Burgstaller. Nach dem Siemens-Stellenabbau der nächste Schock für Technik-Liebhaber in Deutschland.

5.

Flanke Konoplyanka und Weston McKennie - dem wir für seinen Namen dankbar sind, weil er uns für einen kurzen Moment an Kevin McKenna denken lässt, wozu wir im sonst so hektischen Alltag ja viel zu selten kommen - köpft den Ball knapp neben das Tor. Schade. Also vielleicht. 

8.

Von Jann-Fiete Arp noch nichts zu sehen. Enttäuschend. Aber wir legen uns trotzdem fest: Wenn das Kind heute wieder trifft, macht sich Uwe Seeler keine Sorgen mehr um den HSV…

10.

Der HSV verteidigt hier bisher tapfer, aber sie haben ja auch einen großen Vorteil: Denn Schalkes Jann-Fiete Arp, also Leon Goretzka, fehlt den Gelsenkirchnern wegen einer Stressreaktion im Unterschenkel. Ob es dem Mann geholfen hätte, seinem Unterschenkel unter der Woche non-stop Jack Johnson vorzuspielen?

11.

Verletzungen, die uns unser Kreisligatrainer nie und nimmer abgekauft hätte: Stressreaktion im Unterschenkel.

12.

Ecke Schalke und Naldo hält seinen glatt-polierten Schädel rein. Woher der Glatzenmann wohl weiß, bis wohin er sich sein Gesicht zu waschen hat?

14.

Jetzt Hamburg zum ersten Mal in der Offensive, Kostic sucht Arp. Der Hamburger Jüngling steht allerdings im Klippo.

15.

Konoplyanka dribbelt in den Strafraum, Hamburgs Jung rempelt ihn weg, Schiedsrichter Hartmann pfeift Elfmeter. Richtige Entscheitung. In spätestens zwei Minuten sollte sich also der VAR eingeschaltet haben und die Sache wieder abgeblasen haben. 

17.

TOOOOOOOOOOR für Schalke. Wahnsinn. Das wir das noch erleben dürfen. FRANCO DI SANTO!?! Genau, der Franco di Santo. Dieser Mann, der sich einst im Körper eines Bundesligastürmers tarnte, um durch deutsche Strafräume zu irren wie eine sehr hohe Summe Falschgeld. Dieser Mann fasst sich jetzt ein Herz, übernimmt Verantwortung und schiebt den Elfer lässig rein. Auf Schalke scheint in diesem Jahr wirklich alles möglich.

19.

»Die Nummer 1 im Pott sind wir!«, singen die Fans und: »Wir sind Schalker, asoziale Schalker«. Was sich ja nicht unbedingt widerspricht.

21.

Hier ist kein lustiger Tickereintrag zu lesen, weil mein Gehirn nach all der Hektik unter einer enormen Stressreaktion leidet. Da hilft es auch nicht, dass mir Kollege Dinkelaker seit drei Minuten verzweifelt »Banana Pancakes« vorklimpert. Ganz im Gegenteil.

22.

Generell klasse, dass Schalke di Santo schießen ließ. Als Zeichen, dass auch ein erfolgloser Mittelstürmer manchmal eben nur ein Tal durchläuft. Ein tiefes Tal, zugegeben. Ein Tal, das sich so weit erstreckt, dass die Berge weder vorne noch hinten zu sehen sind. Aber egal. Es wird anderen Stürmern Mut machen. Den Woods. Und den Hunts. Und den Schipplocks.

23.

Aber was sage ich?! Denn der Hamburger SV hat ja einen Stürmer. Einer, der jetzt eigentlich noch mit warmer Milch auf dem Sofa seiner Eltern sitzen sollte, aber stattdessen wirbelt sich Jann-Fiete Arp durch den Strafraum Schalkes. Noch eine Drehung, und noch eine und noch eine. Ball geht dann vorbei, aber die Hoffnung ist zurück.

24.

Symbolvideo zur Minute 23:

27.

Und schon wieder Arp. Lässt Naldo wie einen 35-jährigen Verteidiger aussehen. »Entschuldigung, sind Sie hier der Zivildienstleistende?« - »Was?« - »Was?«

30.

»Investoren unerwünscht!« bannert die HSV-Auswärtskurve. Was an sich ehrenvoll ist, aber schon jetzt durchsichtig. Spätestens dann, wenn in Barcelona mal wieder Bundesliga gezeigt und die Gesichter aller HSV-Anhänger lang und länger werden.

32.

»Hand gegen Meyer«, sagt Diekmann. Schiri Hartmann ermahnt dennoch einen Hamburger. Bezeichnend.

34.

Gisdol will wechseln, Waldschmidt steht bereit. Wahrscheinlich nimmt er Arp raus: »Junge, so kannst du doch nicht spielen. Sonst fragt sich noch einer, was wir hier eigentlich die letzten elf Jahre gemacht haben.«

36.

Gisdol nimmt Ito runter. Nach 35 Minuten. Weil man ihn im Spiel einfach nicht gesehen hat. Wofür der Mann ja aber gar nichts kann. Denn was soll er auch machen, wenn der Schalker Greenkeeper das Gras nicht kurz genug mäht?

39.

Dabei hätte es mehr Sinn gemacht, Jann-Fiete Arp auszuwechseln. Der muss ja nämlich eh spätestens in der Halbzeit raus. Zumindest, wenn er noch nach Hause kommen will, bevor es dunkel wird. 

41.

Chance Hamburg. Ein Lobanspiel auf Waldschmidt, aber für den Mann ist der Winkel zu spitz, beziehungsweise der Fährmann zu stumpf. Stand eh immer eher so Vier Minus in Mathe: der Ticker.

44.

Falls es irgendwem übel aufgestoßen ist, hier die Erklärung: Der Ticker verzichtet heute ABSICHTLICH auf gewaltverherrlichendes Material und Kraftausdrücke, damit Jann-Fiete Arp sich den Ticker später auch durchlesen darf. 

45.

Spaß. Verdammte Kackscheiße. 

45.+1

Beziehungsweise:

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Halbzeit

Und dann ist Pause. Schalke führt, weil di Santo trifft, Hamburg liegt zurück, weil Jann-Fiete Arp, über den wir jeglichen doofen Witz gerissen haben, noch nicht getroffen hat. Trifft sich jetzt erstmal mit einem Kinnhaken selbst im Gesicht: der Ticker. 

16:24 Uhr

Michi Leopold und Didi Hamann sitzen in weinroten Oberteilen in einem gigantischen Fernsehstudio und schalten jetzt rüber nach Bremen zu Yannick Erkenbrecher und Wolff-Christoph Fuß. Die über Kohfeldt reden. Und damit über eine Zukunft, die für uns noch viel zu weit entfernt im nördlichen Nirgendwo liegt und die uns daher etwas unruhig macht. Wo wir ja durchaus unsere Gemeinsamkeiten mit dem HSV, diesem Superdino der Liga, haben. Denn beim Wort Zukunft wird denen dort auch immer ganz anders. 

46.

Wer A sagt, muss auch Burgstaller sagen. Deshalb: Wiederanpfiff.

47.

Waldschmidt passt den Ball kompromisslos in die Spitze. »Sehr gute Idee!«, sagt Diekmann, weil da Arp steht. Womit die Hamburger Strategie für die kommenden 21. Spieltage feststeht. Und irgendwo macht sich Uwe Seeler, wie es sich gehört, berechtigt Sorgen.

49.

Diekmeier mit der Megachance, weil Arp in der Mitte verpasst. Aber Diekmeier, dieser König unter den Unglücksraben, verpasst es auch im 192. Spiel ein Tor zu schießen. Petitionen für Scheunentore in der Bundesliga waren nie drängender.

50.

Videobeweis attestiert: Schiri Hartmann hat sich nicht VARtan. Kein Handspiel.

51.

Geht es eigentlich nur mir so, oder sieht der frischverlegte Rasen mit all den kleinen Kanten und Ösen nicht aus, als müsse sich heute noch mindestens ein Knie verdrehen oder eine Patellasehne reißen?

52.

Lege mich derweil fest: Wenn Schalkes weiterhin so stabil steht, beordert Armin Laschet den Tedesco noch in diesem Jahr ins Infrastrukturministerium.

56.

Schalke steht aber auch immer tiefer, weshalb die Kamera immer wieder den überlegenden Tedesco einblendet. Noch einen Augenblick länger und der Betreuer holt die Sorgenfalten von Jens Keller aus dem Geräteschuppen.

58.

Und dann wieder Arp. Immer wieder Arp. Spielt die halbe Schalker Abwehr schwindelig und passt die Murmel im allerletzten, aber im entscheidenden, Moment auf Höhe des Elfmeterpunkts. Ärgerlich für Arp: er kann den Pass nicht selbst verwerten, es ist nur Hunt bereit. Weshalb es hier weiter 0:1 steht.

60.

Arp wieder am Ball. Arp wird gefoult. Arp läuft weiter. Die Stadt Hamburg beginnt vorsorglich mit dem Bau einer neuen Musicalhalle.

62.

Und während die Hamburger immer mehr Druck aufbauen, blicken wir stoisch ins Archiv. Der letzte HSV-Sieg auf Schalke? 2011. Siegtorschütze? Ruud van Nistelrooy. Eine Kinokarte kostete 20 Pfennig und wer etwas auf sich hielt, besaß eine Taschenuhr. 

63.

Super-Zeitlupe auf Dennis Diekmeier. Der es heute scheinbar wissen will und offensiver auftritt als eine britische, sturzbesoffene Amateurtruppe auf Cale Rajada. Und der uns gefälligst zum Schotter führen soll. Immerhin haben wir 1,40 Euro auf ein Diekmeier-Tor gesetzt. 

65.

Das Spiel wogt hin und her, jetzt wieder Schalke. Über Konoplyanka, der flankt, einfach weil er es kann. Doch in der Mitte findet sich kein Abnehmer. Denn Franco di Santo, dieses Tor-Ungeheuer, sitzt längst auf der Bank. 

67.

Sakai geht raus, weil er platt war wie die Nase von Sven Ottke. Er übergibt die Kapitänsbinde an Aaron Hunt statt an Jann-Fiete Arp. Apropos Übergeben: Alle Kumpels von Jann-Fiete Arp dürften in den letzten 24 Stunden gekotzt haben. 

71.

Jetzt wird es wild: Jung tritt Meyer um, Hunt zeigt einfach mit dem nackten Finger auf jemand anderen und am Ende rangelt Fährmann mit Papadopoulos. Und das, also mit Papadopoulos rangeln, ist die vielleicht dämlichste Idee der Bundesliga. Gelb für alle. Folgerichtig. 

75.

Und während wir hier über Gelbe Karten und Tacklings und komische Grätschen und das Leben an sich diskutieren, entscheidet Schalke das Spiel. Caliguiri lässt Jung stehen wie einen alten Furz, legt dann rüber zu Konoplyanka, der mit Auge wie ein Zyklop weiter an Burgstaller, der den Ball nur noch einschieben muss wie eine gebrannte CD-Rom. 2:0. Abfahrt.

77.

Dittmann regte sich zuvor auf, ihm würde zu viel geschauspielert. Nach Sichtung des Videomaterials ist aber schnell klar: es wird noch viel zu wenig geschauspielert! 

81.

Und jetzt Kostic, der es unbedingt noch erzwingen will, lässt Naldo aussteigen, steht blank im Strafraum und müsste nur noch zu Jann-Fiete Arp überlegen. Probiert es stattdessen selbst. Wird folgerichtig ausgewechselt.

83.

Wir tickern erst jetzt weiter, weil Kostic gerade zwei Minuten benötigte, um zum Seitenaus zu schreiten. Gute Taktik in der 80. Minute bei einem 0:2 - gegen Bayern. So aber ziemlich dumm bzw. das beste Zeitspiel seit Pierre-Michel Lasogga.

85.

Diekmeier mit Krampf im Oberschenkel. Aber kein Problem für den heraneilenden Papadopoulos, der das Wehwehchen einfach rausbrüllt.

87.

Schalke spielt es jetzt besser runter als jeder Krisenmanager.

89.

Beim letzten Mal wurde übrigens ziemlich genau jetzt Pierre-Michel Lasogga eingewechselt. Aber muss ja jeder selber wissen.

90.

Embolo hakt sich ein und fällt im Strafraum, will noch einen Elfmeter schinden. Insgesamt aber derart dilettantisch, dass sogar Hellmut Krug in Köln den Kopf schüttelt. Bezeichnend.

90.+2

Und jetzt ist es gleich vorbei. Schalke wird 2:0 gewinnen, weil sie einfach ein bisschen besser waren und das nach allgemeinem Verständnis gegen den HSV ausreicht. Dann aber, ja dann, ist Schalke Zweiter. Und während die Zuschauer sich von den Sitzen erheben und »Ole Ole« singen und sich aufs Derby freuen, weil die Vorzeichen kaum besser sein könnten, sitzt Thomas Tuchel (vielleicht) in New York und lächelt milde. Wohlwissend. Und gleich wird er sich vielleicht zum Café verabreden. Mit Roberto di Matteo. Oder Markus Weinzierl. Oder unseretwegen auch mit Jens Keller. Und wird herzhaft lachen.

90.+4

Ende. Aus. Schalke ist Zweiter, Hamburg immer noch nicht abgestiegen und Franco di Santo trifft. Verrückte Welt, in der wir leben. In die wir jetzt aber auch hinaustreten werden. Um Jann-Fiete Arp nach Hause zu bringen oder um Dennis Diekmeier gesondert darauf hinzuweisen: di Santo hat schon getroffen, Junge. In diesem Sinne. Schönen Abend noch.

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