Hertha BSC

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BVB

Liveticker: Hertha - Borussia Dortmund

We try. We fail. We love it.

Was! Für! 1! Spiel! Zwei Platzverweise, fünf Tore und Möglichkeiten für sieben Leben. Warum Hertha gegen Dortmund zwar verliert, am Ende aber der Fußball gewonnen hat, weiß: der Liveticker.

18:15 Uhr

Freunde, es ist noch gar nicht Saisonende und Dortmund fährt trotzdem schon nach Berlin! Ist das die neue Stärke? Oder schon pure Arroganz? Die Bayern spielen erst morgen, Dortmund ohne Witsel, Götze und Paco Alcacer. Wir tickern trotzdem.

18:18 Uhr

Kollege Behnisch kommt rein: »Halo, i bims.« Dann wäre das Niveau ja auch geklärt.

18:20 Uhr

Sky hat sich übrigens etwas bei der Konkurrenz abgeguckt, spricht jetzt intensiv mit beiden Trainern über Taktik. Das Problem? Loddar ist Sammer. Erste und einzige Erkenntnis: Sie spielen 11-gegen-11, wahrscheinlich.

18:23 Uhr

Die Hertha heute übrigens der Guenther Oettinger der Bundesliga: Es geht um Europa. Bei einer Niederlage wäre der Verein mal wieder die grauste Graue Maus. Oder wie man in Berlin sagt: Dienstag.

18:25 Uhr

Kurzer Blick auf die Aufstellung des BVB: Bürki - Wolf, Akanji, Zagadou, Diallo - Weigl, Delaney - Sancho, Reus, Bruun Larsen - Pulisic.

18:26 Uhr

Und Hertha: Jarstein - Stark , Rekik , Torunarigha - Lazaro , Grujic , Maier , Mittelstädt - Duda - Selke , Kalou

18:27 Uhr

Stand der aufgebotenen DFB-Nationalspieler: 1-1. Ein erster Teilerfolg für die Hertha.

18:28 Uhr

Wenn ich es richtig verstanden habe, ist Taschentuchalarm: Viel Tempo auf dem Platz.

18:29 Uhr

Die Hertha wäre bereit. Dortmunds Kader hängt laut TV-Bildern noch im KDW fest.

18:30 Uhr

Die Mannschaften laufen ein. Was für ein Bild: das volle Olympiastadion. Alle halten ihre Schals hochen, singen Frank Zander. Die Erwartungshaltung ist hoch. Die meisten haben dieses Jahr schließlich nur gesehen, dass Hertha gegen die Bayern mithalten konnte.

1.

Anstoss Hertha. Dortmund Tabellenführer. Ohne einen einzigen Ballkontakt. Was für eine Truppe!

2.

Götze also wie einst bei den Bayern: Spielt nicht mit. Hat sich dafür immerhin via Instagram zu Wort gemeldet. Und hält die »fingers crossed«. Mit dem Emoji für eine Faust. Was für ein Mann.

3.

Grujic mit der ersten Torchance. Kalou macht, was Kalou so macht, tunnelt mit der Selbstverständlichkeit auf Swag-Level 100 einen Dortmund, legt auf Lazaro, der auf den Serben. Und dann: bisschen Berlin, weil Gewalt, und bisschen Elend, weil Roller. Was zusammen genommen einen Gewaltroller ergibt. Oder aus Dortmunder Sicht: puh.

4.

Ha. 1:0 für die Hertha. Distanzschuss und Bürki wie ein Mafia-Boss am faulen Samstag: lässt klatschen. Kalou war eh gerade in der Gegend und sagt: Ätsch. Das danke des Zynikers.

6.

Dortmund also hinten. Und trotzdem noch punktgleich mit dem Tabellenführer. Was für eine Truppe..

7.

»Dortmund scheint hier schleunigst um eine Antwort bemüht zu sein«, sagt der Sky-Kommentator. Als wäre nicht alles, was die Dortmunder jetzt hier auf den Rasen plörren, eine Antwort. Irgendwie. Aber was willst Du machen? Fußball ist eben Floskel-City. Nichts für ungut. Die Nacht ist noch jung. Aber hallo.

8.

Schon wieder so ein Kommentatoren-Satz, der Fragen aufwirft: »Das kann selbst Selke nicht!« Was? Stehen?

11.

Dortmund fremdelt. Mit dem Platz, dem Gegner, den Umständen. Alles in allem bisher wie ein beliebiger CSU-Grande, der es auch mal in Berlin versuchen will.

13.

Bruun-Larsen mit dem Versuch aus der Distanz. Zwingt Jarstein zu einer Art Parade. Im Yoga nennt man das: Vorbeuge.

15.

Ha. Tor für Dortmund. Delaney läuft einfach mal los, pöhlt den Ball halbseiden gegen das Beinchen von Rekik, womit er unhaltbar für Jarstein wird. Ausgleich! Wenn das jeweils der Matchplan von Dardai und Favre war, muss ich sagen: beide raus.

17.

Wow, noch eine weitere missglückte Aktion und Erdogan führt den Anstoß zur 2. Halbzeit aus.

19.

Lothar bemängelt jetzt Pärchenbildung im Mittelfeld. Warum? Ist der Altersunterschied zu niedrig?

21.

Und trotzdem: Berlin spielt hier einen richtig guten Ball. Das macht Hoffnung: Ganz besonders den 25.000, die gegen Fortuna Düsseldorf kommen werden.

23.

Die Hertha in diesem Jahr ist mir ein Mysterium. Gegen Gladbach, gegen die Bayern, auch gegen Dortmund spielt Berlin fantastischen Fußball. Allein wenn Lazaro auf der rechten Seite zum Sprint ansetzt - herrlich. Und trotzdem ist Hertha nur Tabellenzehnter. Aber gut, vielleicht will der Verein auch um jeden Preis um das Szenepublikum aus Kreuzberg buhlen: Tolles Potenzial, beschissen in Szene gesetzt, aber egal: Erstmal die Linie lang.

25.

Dortmund hier bisher wie ein »Geschäftsmann« im Görli: Bietet viel an. Wann spaziert Boris Palmer durchs Mittelfeld?

27.

Lazaro und Kalou im Doppelpass. Nehmen Grujic mit. Aber insgesamt wirken die Drei wie orientierungslose Väter, die in der Kita nach ihren Kindern suchen: Verlieren sich im Klein-klein.

29.

Was wirklich erstaunt, dass sich Hertha trotz der Fünferkette nicht einigelt. Rekik und Stark mit gutem Spielaufbau. Das ist so sicher, ich leg mich fest: Mit Thomas Doll stünde es hier nur 0:2.

31.

Wieder eine tolle Kombination über Lazaro und Grujic, dessen Pass in den Rücken der Abwehr missglückt. Aber: Hertha spielt mit. Ja, ist sogar besser als der BVB. Noch eine Viertelstunde und Lucien Favre setzt sich auf die Berliner Bank: »Misch at ’ier nie jemand ’erausgeworfen, Mickael!«

32.

Bruun-Larsen mit einem Versuch aus gut und gern 30 Metern und wie ein ganz normaler Gast in der Schlange vom Berghain: drüber.

35.

Im Stadion und nebeneinander sitzend: Jogi Löw, Jürgen Klinsmann und Berti Vogts. Stelle mir vor, die drei spielen stille Post. Löw zu Klinsmann: »Der Reus spielt bisher wie Fallobst!« Klinsmann zu Vogts: »Der Reus spielt bisher wie Fallobst!« Berti löst auf: »Der Reus spielt bisher wie Vogts. Super!«

36.

Handspiel Weigl, Elfmeter Hertha. Klassische Schutzhand eigentlich, denn ohne Einsatz der Patschefingerchen wäre der Ball mitten ins Bravo-Sport-Gesicht von Super-Julian geprengelt. Aber ach, die Schutzhand gibt es nicht mehr. Gut, dass Henry Maske seine Karriere bereits beendet hat. Salomon Kalou ist all das ganz wumpe, er schiebt den Ball dorthin, wo Gregor Gysi immer hinwollte: links oben.

38.

Nach all den Jahren die gute Nachricht: Endlich versteht die Hertha, was Lucien Favre vor hat.

40.

Es ist wie in der Politik: schwarz-gelb in Berlin derzeit ohne Chance.

42.

Und dann doch, Sancho. Macht es, wie es sich für diese Single-Hauptstadt gehört, macht es allein. Doch Rune Jarstein schaut sich die Sache kurz an, ehe er entscheidet: kein Match. Bitter.

44.

Wieder Sancho. Sucht Pansa. Findet Jarstein. Das schlechteste Sequel seit Toy Story 3.

19.19 Uhr

Und dann ist auch schon Halbzeit. 45 Minuten bisher, die an einen ganz gewöhnlichen Abend in einer Eckkneipe erinnern: zwei Treffer und sonst nichts, was hängen bleibt.

19:24 Uhr

So, jetzt erst einmal Halbzeit. Hertha führt, wer hätte das gedacht? Das Spiel bisher ein bisschen wie die »Käse-Kürbiskern-Cracker«, die meine Freundin mir vorhin mitgebracht hat, weil ich Lust auf »Chips« hatte. Erst skeptisch, weil sah anders aus als gedacht, aber: Es schmeckt!

19:28 Uhr

Aber Dortmund in der ersten Halbzeit auch offensiv derart abwesend, Annegret Kramp-Karrenbauer würde ihnen keine Entschuldigung schreiben.

46.

Wiederanstoß. Berlin startet zu früh - worauf kann man sich noch verlassen?

47.

Ha, von wegen! Berlin noch im Tiefschlaf. Vielleicht, weil noch Wochenende ist. Dan-Axel Zagadou ist’s egal, macht es wie einst Danny Ecker: Springt hoch! 2:2.

49.

Und die nächste Chance für Dortmund! Reus auf Sancho, der knapp verzieht. Würde mich nicht wundern, wenn zur Halbzeit Alexander Gerst eingewechselt wurde - Raketenstart.

51.

Sancho jetzt wie ein fauler Hausbesitzer bei Schneesturm. Macht nicht’s, wartet nur drauf, bis vor ihm einer stürzt. Mehrere Rettungswagen jetzt auf dem Weg ins Olympiastadion.

53.

Herthas Fünferkette jetzt wie ein Porsche, der als Familienwagen ausgeschrieben wurde: Einfach nicht kompakt genug.

55.

Sancho dreht jetzt immer weiter auf. Weigl verteilt hinter ihm die Bälle. Insgesamt macht Dortmund richtig viel Druck. Und das ist, gerade nach dieser schwachen 1. Halbzeit, ja auch irgendwie eine Qualität. Eine, die aussagt: Ja, wir könnten und sollten Meister werden. Sofern das Torverhältnis niemanden interessiert.

57.

Dieses Spiel jetzt wie ein unerwarteter Zoobesuch: Es macht überraschenderweise sehr viel Spaß! Grujic auf der Gegenseite am Sechzehner am Ball, übersieht Duda freistehend links und probiert es selbst. Pfosten! Kalou pöhlt den Abpraller ins Aus - das müde Bison unter den Zootieren.

59.

Und gleich die nächste Chance für Hertha. Duda am Flughafenterminal: Wird auf die Reise geschickt. Im Strafraum und im Eins-gegen-Eins mit Diallo. Fällt - und landet circa im Kölner Keller. Der nicht reagiert. Mieser Gastgeber - 2 von 5 trivago-Sternen.

61.

Zwischendurch schon wieder Sancho mit einer Halbchance, aber wir fällen die Entscheidung eines ängstlichen CDU-Politikers: Können nicht alles aufnehmen. Fühlt sich mies an.

62.

Was für ein geiler Kick hier! Und wenn der deutsche Fußball international nur noch die zweite Geige spielt - so eine fette Pauke ist eben auch was.

63.

Noch mehr Hin und Her hier, und die Aufzeichnung des Spiels könnte als Soap auf RTL laufen.

64.

»Selke nach einer Verletzung zurück«, sagt der Sky-Kommentator jetzt. So nennt man einen missglückten Friseur-Besuch also heute.

65.

Geständnis. Immer wenn ich bei Hertha-Spielen »Tedi« lese, denke ich mir: ne danke, lass mal.

66.

Der Kommentar zum Spiel:

69.

Das Spiel verflacht. Oder wie man in Berlin sagt: Zehlendorf.

72.

Bruun-Larsen mit Traumpass auf Pulisic, mitten in den Lauf und hinein in den Strafraum. Aber Pulisic hat verwachst, muss sich erst noch drehen und dreht den folgenden Abschluss am Tor vorbei. Alles in allem: ein würdiger Nachfolger für André Schürrle beim FC Chelsea.

74.

Hertha jetzt wie ein stinknormaler Berliner an einer stinknormalen Bushaltestelle der Hauptstadt: wartet, das was passiert.

75.

Perfekter Angriff der Dortmunder über Wolf, der perfekt quer legt auf Pulisic, der nur noch einschieben muss mit dem rechten Beinchen, weshalb er, klar, das linke Beinchen nimmt und den Ball neben das Tor stochert. Schöne Szene für alle Freunde von: »Ach Gottchen, wirklich?«

77.

Jetzt auch noch Rudelbildung. Ganz ehrlich, wenn nach dem Spiel noch jemand mit umgeworfener Premiere-Decke einen unschuldigen Fieldreporter wegen der Schiri-Leistung anmacht, dann hatte dieses Spiel wirklich alles, was ich von einem Topspiel erwarte.

79.

Notiz an mich: Das Video morgen früh nochmal anschauen. So wie das kontert...

80.

Unglaublich: Dortmund mit der nächsten Chance. Aber wie ein Autofahrer mit einem vollkaputten Gefährt: Lässt's liegen.

81.

Dieses Spiel ist so gut, Joachim Löw wird ihm nach Abpfiff mitteilen, dass er zukünftig drauf verzichtet.

83.

Und natürlich, bei dieser Leistung, ist das Unentschieden aus Berliner Sicht hochverdient. Man gönnt es ihnen. Aber: Ein Punkt für Dortmund sind halt zwei zu wenig, wenn die Bayern nicht Meister werden sollen. Fühlen sich so SPD-Wähler?

84.

Würde mich nicht wundern, wenn der Tod im Stadion sitzt. Derart viele Sensen werden hier verteilt.

85.

Ha! Jetzt hat er sich offenbart. Torunarigha, was in irgendeiner Sprache wohl »Sensenmann« bedeuten wird, kann nicht an sich halten, geht runter zur Grätsche. Kommt etwas zu spät und hat schon Gelb! Hertha nur noch Zehnt.

87.

Hertha jetzt natürlich wie die übermotivierte Schwiegermutter nach Geburt ihres ersten Enkels: Will's jetzt halten!

88.

Die gute Nachricht für Hertha: In drei Minuten ist alles vorbei. Die schlechte Nachricht: In drei Minuten ist alles vorbei. Ich finde, dieses Spiel gehört vor den UN-Sicherheitsrat. Damit irgendeine Nation sein Veto gegen den Abpfiff einlegt.

89.

Delaney zwanzig Meter vor dem Tor an dem Ball. In einer Situation, in der wir uns fragen, wie geil eine zweite Halbzeit sein kann. Schießt mit voller Wucht gegen die Latte - das schmerzt.

90.+1

Ha! Taktikfuchs Dardai bringt Lustenberger - das 2:2 der Bundesliga.

90.+2

In vier Minuten könnten die Rolling Stones wahrscheinlich fast jeden Hit spielen. Nackt. In unserem Wohnzimmer. Während die Beatles in unserer Küche Abendessen machen. Wir schauen gerne weiter Hertha-Dortmund.

90.+3

Das ist unfassbar! Irgendwann, angeblich vor dem Anpfiff, hat Favre Reus eingewechselt. Hat ihm gesagt, dass das Torverhältnis ihn nicht interessiert. Weshalb Reus, der in dieser famosen Dortmunder Mannschaft heute fast unsichtbar war, dass sich sogar Marek Mintal erschreckt, plötzlich im Strafraum auftaucht. Ach was, nur sein rechter Innenrist, den er in den Pass von Sancho hält - und ihn ins Tor lenkt. 3:2! Dortmund ist Meister. Wenigstens für eine Nacht.

90.+4

Ibisevic holt sich nach einer Tätlichkeit die Glattrote Karte ab! Hertha nur noch Neunt. Und wenn ich dieses Spiel bisher richtig verstanden habe, dann dreht Berlin das noch.

90.+5

Tatsächlich, Hertha probiert es immer noch, schlägt den Ball nach vorne. Sollte allein für die heutige Leistung nächstes Jahr im Europapokal spielen. Die 10.000 würde es freuen.

20:30 Uhr

Und jetzt? Ist's tatsächlich vorbei. Dortmund gewinnt, der Fußball auch. Nur Berlin bleibt Berlin: Steht mal wieder als der nichtsnutzige Verlierer da. Aber egal, denn sie machen es wie immer, feiern sich wahrscheinlich selbst. Und das dürfen sie auch. Während im Hintergrund eine aalglatte Werbeagentur den Vereinsclaim umschreibt: »We try, We fail, We love it.« Recht haben sie.