Frankfurt

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Benfica

Liveticker Frankfurt-Lissabon

#FrankfurtForFuture

Der Eintracht-Hype-Train nimmt weiter mächtig Fahrt auf und rauscht unaufhaltsam in Richtung Baku. Könnte bald sogar eine richtig große europäische Bewegung werden, dieses Frankfurt. Sitzt im Sambawagen und schaut zu: Der Liveticker.

20.45 Uhr

Na? Lust auf das große Glück? Auf 90 Minuten oder mehr, die scheinen, als wären sie das perfekte Spiegelbild des Lebens? Dann viel Spaß im Kino. Und allen anderen: Gude. Und willkommen zu Eintracht Frankfurt gegen Benfica Lissabon. Mit zwei Toren Unterschied muss die Eintracht also gewinnen. Oder wie man rund um das Waldstadion sagt: Jovic.

20.48 Uhr

Kommen wir mal zu den Aufstellungen, hier die der Eintracht: Trapp - Abraham , Hasebe , Falette - da Costa , G. Fernandes , Rode , Kostic - Gacinovic - Jovic , Rebic

20.49 Uhr

Ohne Okocha, Gaudino, Yeboah. Wenn das mal kein Rückschritt in scheinbar vergessene Tage ist. Als würde hier die Eintracht 2000 spielen.

20.49 Uhr

Und die Gäste von Benfica Lissabon mit folgender Aufstellung: Vlachodimos - André Almeida , Ruben Dias , Jardel , Grimaldo - Samaris , Fejsa - Gedson , Rafa Silva - Joao Felix , Seferovic

20.50 Uhr

Das muss man ihnen lassen, die Startelf der Portugiesen klingt einfach geiler. Ruben Dias, Gedson, Joao Felix. Als würden sich ein Renaissance-Maler, ein Jahrhundertboxer und ein Star-Dirigent zum Saufen verabreden, um über die großen Fragen des Lebens zu debattieren. Zum Beispiel: Wie schaffen wir es, Haris Seferovic so anzuschießen, dass der Ball ins Tor geht?

20.53 Uhr

Und der Name des Trainers erst: Bruno Lage! So viel Drama, Baby. Fast wünscht man sich, der Verein stürze noch heute Abend in eine veritable Krise. Nur damit es dann heißen kann: Oh, die Lage ist nicht mehr nur Ernst. Wir haben eine Bruno Lage. Womit ich mich für diesen Tick entschuldigen möchte.

20.55 Uhr

Jetzt das Äquivalent zum Ganzkörper-Klaus: Die Ganz-Stadion-Choreo. Und all die zehntausend Kehlen gröhlen ihre Liebe, die auch Hoffnung ist, in den Abend: »Schwarz Weiß wie Schnee, DAS ist die SGE.« Und was soll man sagen? Stimmt. Das, und: Gänsehaut.

20.58 Uhr

5 Euro, dass Haris Seferovic unter seinem Trikot »SGE« stehen hat. Nur für den Fall, dass er trifft. Schade nur, dass wir es nie sicher wissen werden..

1.

Wir haben unsere Bembel gefüllt und stoßen an! In diesem Sinne: Gude!

3.

Geduld sei an diesem Abend ganz wichtig, haben sie heute oft gesagt. Geduld, das heißt auf Portugiesich übrigens: Na, wer weiß es? Genau, Paciencia! Könnte heute also heute tatsächlich noch wichtig werden.

6.

Hasebe begrüßt Joao Felix, indem er ihm leicht aufs Sprunggelenk steigt. Zeichen setzen.

8.

Erste Torchance für die Eintracht, Odysseas Vlachodimos hält. Zuerst den Ball und dann seine Schulter, weil er sich bei seiner Parade offenbar weh getan hat.

13.

Viel läuft bei der Eintracht über Filip Kostic. Was Adi Hütter mit dem gemacht hat, würden sie in Hamburg gerne wissen.

15.

Ante Rebic knallt sich vorne in einen typischen Ante-Rebic-Zweikampf. »Riesiger Raubsäuger in Kenia entdeckt - Größer als ein Eisbär, bis zu 1500 Kilos schwer: Forscher beschreiben ein Raubtier, das vor 23 Millionen Jahren die Nahrungskette dominierte«, war heute in den Nachrichten zu lesen. Womit auch die Frage nach Rebics Abstammung geklärt wäre.

18.

Makoto Hasebe jetzt im Bild. Ein Gesicht, ein Mann wie ein Geschichtsbuch. Das seinen Mitspielern permanent zukörpert: Jungs, ganz ruhig. Ich habe schon ganz andere Dinge gesehen und gewuppt. Das große Erdbeben von Tokyo 1763. Die Oktogeburt von Hakito und Mariko neun Monate später. Den Toyota Corolla. Also bitte, Jungs. Das hier ist Benfica Lissabon. Wir sind die SGEuropa. Und wir haben noch über 70 Minuten Zeit. Was mehr als 70 Minuten genug sind.

20.

»Es ist schwierig für die Eintracht, Räume zu finden«, so der Kommentator jetzt. Bitter. Und ich dachte, die Immobilienblase sei ein rein Berliner Phänomen.

22.

Stelle gerade fest: Filip Kostic ist wie die Türsteher-Version von Dusan Tadic. Was überhaupt insgesamt für die Frankfurter gilt, wenn man es mit Ajax Amsterdam vergleicht. Ist die Eintracht der beste Reeperbahn-Klub, den Hamburg nie hatte?

25.

Die gute Nachricht: Joao Felix bisher eher ein Joa, Seh nix. Aber auch die Eintracht im berühmten letzten Drittel noch zu ungenau. Als hätte man sich perfekt vorbereitet für die Clubnacht. Die Klamotte passt perfekt zur blass-rosa Tapete. Die Frisur sitzt wie ein Mörder: lebenslänglich. Die Dance-Moves schütteln mit jedem Takt den Swag aus den Beinen. Und dann kommt sie auf dich zu, die vermeintliche Liebe deines Lebens und du weißt genau, was jetzt kommen muss und es kommt: »Ja gut äh, wie gesagt.«

28.

Im Duell Kostic-Benfica steht es weiter 0:0. Derweil Danny da Costa auf der anderen Seite besorgt Richtung Schiedsrichter blickt: »Wann geht das hier los?«

29.

Immerhin: Haris Seferovic bisher mit einem seiner besseren Spiele für die Eintracht.

30.

Eine merkwürdige Stimmung liegt inzwischen in der Frankfurter Abendluft. Alle wollen unbedingt, dass das hier magisch wird, dass das hier klappt. Und dann? Klappt nichts. Ich kenne das. Ich nenne es: Alltag.

33.

Für die Eintracht geht es hier ja nicht nur um den Einzug ins Europa-League-Halbfinale, sondern auch darum, Ajax Amsterdam im Hype-Train-Wettrennen wieder zu überholen. Wobei sie da ja in Frankfurt angeblich gar keinen Wert drauf legen, dass ihnen auf einmal jeder die Daumen drückt. »Everyone likes us, we don't care!«

36.

Tooooooooor für Eintracht, Toooooooooor für Deutschland! 1:0 gegen Benfica, 1:0 gegen Ajax! Rebic zieht die gesamte Benfica-Abwehr auf sich, dann schießt Gacinovic an den Pfosten. Und natürlich steht da Kostic, wer sonst und staubt ab. Steht zwar auch einen ganzen Meter im Abseits, aber wen juckt das schon, wenn wir dadurch möglicherweise noch weitere Europapokal-Nächte mit Frankfurt erleben dürfen?

37.

Okay, Bruno Lage scheint es zu jucken. Der regt sich nämlich tierisch über das Frankfurter Abseits-Tor auf und muss deswegen auf die Tribüne. »I feel you, Bro«, flüstert ihm Adi Hütter noch auf dem Weg nach oben aufmunternd ins Ohr.

41.

Bin mir nicht ganz sicher, ob die Eintracht-Fans jetzt hier »Allez, allez SGE« oder vielleicht doch »Adi, Adi SGE« singen.

45.

Wieder Rebic, wieder attackiert von allen, dann wieder Kostic und dann wieder Abseits. Sagt zumindest der Schiri. Aber ihr ahnt es: Dieses Mal war es natürlich keins.

45+2.

Frankfurt kommt jetzt hier ins Rollen. Wird vielleicht sogar mal eine richtig große Bewegung. #FrankfurtForFuture

45+3.

Halbzeit. Alles drin für die Eintracht. Möchte gar nicht wissen, was im Waldstadion passiert, wenn Frankfurt hier noch ein Tor erzielt. Wobei, eigentlich möchte ich das schon wissen. Ziemlich gerne sogar.

46.

Anstoss zur zweiten Halbzeit. Oder wie man in Frankfurt sagt: Lebbe geht weiter.

47.

Alter! Bzw.: Joao Felix. Nimmt jetzt endlich mal Fahrt auf und die Frankfurter: reagieren so, als führen sie ganz links auf der Autobahn und von hinten kommt die Lichthupe. Von einem Panzer. Und so machen sie Platz und lassen sie gewähren, diese Naturgewalt. Nur gut, dass sie darüber ganz überrascht ist, die Naturgewalt, und also überrascht genug, um den Ball anschließend in die Beine von Falette zu lasern. Der Radarfalle der Eintracht.

50.

Benfica macht jetzt erheblich mehr hier. Also: immerhin etwas. Und wir lernen: 90 Minuten Fado hält am Ende nicht mal der gemeine Portugiese aus.

52.

Kleiner Retro-Moment. Seferovic legt sicher und per Kopf zurück zu Kevin Trapp. Szenenapplaus von Thomas Schaaf.

55.

Das Spiel jetzt so, wie ich mir den Austausch zwischen Horst Seehofer und Angela Merkel vorstelle: quasi nicht vorhanden.

56.

Gacinovic jetzt mit einem Versuch, der große Parallelen zu meinem Liebesleben aufweist: fehlt nicht viel. Zieht einfach mal aus gefühlt Darmstadt ab und strahlt um wenige Zentimeter vorbei. Das wiederum hat mit meinem Liebesleben gar nichts gemein. Das kenne ich nur vom Pissoir.

59.

Frankfurt wie Jörg Dräger nach der 1.254 Sendung »Geh auf's Ganze«, denkt sich: Noch ein Tor, und ich bin erlöst.

62.

Nach wie vor ordentlich Feuer hier in der Partie. Peter Beuth schickt schonmal eine BFE zum Stadion.

64.

Falette räumt Gedson Fernandes ab. Da fehlte nicht viel und er hätte ihn falettetzt.

67.

Vergesst #FrankfurtForFuture! Denn hier wird gerodet! Tooooor für die Eintracht! Halbfinale!

69.

Benfica reagiert und bringt Pizzi. Klingt irgendwie niedlich, ist aber angeblich der beste Vorbereiter der portugiesischen Liga. Pizzi-Lieferdienst sozusagen.

71.

Nächste Chance Frankfurt. Und wieder sind Kostic und Rode beteiligt. Und wieder hätte der Schiri eigentlich abpfeifen müssen, weil der Ball eigentlich im Aus war. Eigentlich hatte Frankfurt in diesem Wettbewerb aber bislang auch alles andere als Glück mit den Schiedsrichtern. Von daher eigentlich alles okay.

75.

Joao Felix. Ob er auch aus Frankfurt einen Brief an seine weltbeste Sophie schreibt? »Heute habe ich beim Fußball ein paar wirklich schlimme Jungs aus dem Balkan getroffen. Die haben mir ganz schön Angst eingejagt. Und dann war da noch so ein alter Japaner, ein echter Samurai! Der hat mich einfach nicht durchgelassen! Eigentlich wollte ich ja noch weiter bis nach Baku. Aber jetzt komme ich ganz, ganz schnell nach Hause!

Dein Felix«

76.

Spielerisch geht weiter wenig. Aber ganz egal, 2:0! Und ich lege mich fest: Das hier ist das beste Remake von »Was nicht passt, wird passend gemacht«, das ich je gesehen habe.

77.

Klingt wie ein Wettrennen im Swinger-Club: Pacienca kommt für Jovic. Ist aber nur ein Wechsel. Enttäuschend. Und trotzdem geil. Weil: Stürmer für Stürmer. Irritierende Eintracht.

79.

Freistoß-Chance für Benfica. Pizzi lupft auf Joao Felix, doch dessen Kopfball fliegt über den Kopf von Kevin Trapp hinweg. Wie Battle-Rap ohne Diss.

80.

Wozu diese Eintracht wohl erst im Stande ist, wenn sie auch noch anfängt, Fußball zu spielen?

81.

Irgendwann wird Frankfurts Trainer Adolf H. vielleicht ein Buch über dieses Spiel schreiben. Möglicher Titel: Mein Kampf. Ist aber nur so eine Idee.

82.

Haltet die Druckerpressen an, fahrt rechts ran, hört auf, was immer ihr auch gerade macht. Danny da Costa hat soeben einen Zidane-Trick versucht. Und überlebt.

83.

Bumms mich, Pfosten! Salvio strahlt den Ball an den Pfosten, von dort geht der Ball ins Toraus. Und damit ist es klar, damit ist alles klar: Gott ist ein Adler.

88.

Und drüben bei Twitter schreibt der Kollege Christoph Biermann völlig zurecht: »Der Schiedsrichter pfeift nach den Regeln der UFC«.

89.

Ein Spiel als Plädoyer für die Beibehaltung der Auswärtstor-Regel. Denn mal ehrlich: eine Verlängerung hätte einen Massenprotest der kardiologischen Vereinigung zur Folge.

90. +1

Ach ja. Hütter, dieser Sauhund, dieser Teufelskerl, hat Rode vom Feld genommen. Seine wandelnde Grätsche. Und dafür Torro gebracht. Einen offensiven Mittelfeldspieler. Und damit willkommen im Zeitalter des Wahnsinns. Genießt die wilde Fahrt.

90. +2

Falette kann nicht mehr. Hat Krämpfe. Und grätscht im Strafraum blitzsauber den Ball ins Aus. WEIL. DAS. JETZT. DAS. DING. DER. EINTRACHT. IST. HIER. Und mir egal, was meine Französisch-Lehrerin dazu sagen würde, aber für mich ist die Sache von nun an klar: Falette heißt - geil.

90. +3

Liebes Hessen. In 60 Sekunden werden die Seismographen ein Erdbeben aufzeichnen. Macht euch keine Sorgen. Es ist nur die Eintracht. Die ins Halbfinale der Europa League einzieht.

22.56 Uhr

Und dann ist es passiert. Eintracht Frankfurt steht im Halbfinale. Das Stadion explodiert, die Fans drängen Richtung Rasen und reißen sich dann doch zusammen, bleiben zurück. Ich würde gern noch mehr schreiben, aber ich sage es ganz ehrlich: Gänsehaut. Und ich weiß jetzt auch nicht mehr. Und es ist auch alles egal. Der Adler fliegt noch. Denn es geht weiter. Bis dahin.