Frankfurt

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Werder Bremen

Liveticker: Frankfurt - Bremen

'O Sole Milot

Flutlicht, Nieselregen, ganz viel Drama: In einem packenden Spiel zeigen uns Bremen und Frankfurt, warum wir den Fußball dann doch noch lieben. Glaubt an das Gute und die Liebe: der Ticker.

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17:45 Uhr

Ei Gude, liebe Freunde zwischen Weserstrand und Rüsselsheim Nord! Eintracht Frankfurt gegen Werder Bremen, das ist wie bei zwei sehr attraktiven Menschen, die händchenhaltend durch die Stadt laufen: eine Paarung, die uns irgendwie glücklich macht. Mit Herrn Nussdorfer und mir werden heute Michael Kutzop und Attila im Ticker aushelfen, was bereits zu handfesten Auseinandersetzungen geführt hat. Kutzop lästerte über Attilas Horst. Dieser Pfosten.

17:50 Uhr

Heribert Bruchhagen wie immer Mann von Welt. Beendet seine Einschätzung zur Causa Andy Möller mit der langzeitstudentischen Vokabel Petitesse. Muss ich erstmal nachschlagen. Bin halt Sportler, Bruchhagen Streber. Und als Sportler ist es bekanntlich meine Pflicht, Strebern das Leben schwer zu machen.

17:53 Uhr

Vielleicht auch mal was zum heutigen Spiel, Herr Raack?, fingerzeigt das kleine Tickerengelchen auf meiner Esc-Taste und ich versuche hastig via kicker.de auf den neuesten Stand zu kommen, was verdammt schwierig ist, wenn man seine Tage damit verbringt, Best of-Videos von Matt le Tissier und Dennis Bergkamp zu inhalieren. Was springt mir bei den Kollegen direkt ins Auge? Das kernige Portraitfoto von SGE-Trainer Adolf Hütter. Jeder Zoll ein Coach. Wäre dieser Mann ein Gangsterrapper, er hieße Haftbefehl. Chabos wissen, wer der Adi ist.

17:56 Uhr

Und die Gäste aus Bremen? Haben den Babo aller Babos auf der Bank sitzen. Hektisch versucht sich Claudio Pizarro einen Reim auf "Ersatzbank" zu machen.

17:59 Uhr

Daumen hoch: Auch Martin Hinteregger auf dem Rasen. Kleiner Tipp für alle Fans, die es nachher etwas später aus dem Stadion schaffen werden: der Mann ist auch heute wieder motorisiert.

1.

Zum Anstoß gleich die erste Überraschung: Werder Bremen hat es tatsächlich geschafft, elf Spieler zusammenzutrommeln. Danke an dieser Stelle an Claudio und Christian von den alten Herren, die sich bereit erklärt haben, heute auszuhelfen.

2.

Geil. Nieselregen, grauer Himmel und schon zwei Grätschen in der ersten Minute. Könnte romantisch werden heute.

3.

Erste kleine Kosticprobe der Eintracht, aber sagen wir mal so: Schmeckt noch nicht so richtig gut.

7.

Uff! Erster guter Angriff der Bremer und dann wird es gleich aber mal richtig gefährlich: Bittencourt luchst seinem Gegenspieler den Ball ab und bedient dann Eggestein, doch der ein mittelmäßiger Handwerker: zimmert an den Pfosten.

9.

Auf der anderen Seite die Eintracht, die im Bremer Sechzehner weit über den Kasten bolzt. Berechtigte Frage an den verantwortlichen Frankfurter: Kamada nicht mehr draus machen?

11.

»Werder-Schweine« hallt es durchs Waldstadion. Waren das nicht eigentlich die mit dem Fisch?

13.

Freistoß Werder: Sahin täuscht an, bricht ab, führt dann doch selbst aus - und verwirrt damit nicht nur die Frankfurter, sondern auch seine Kollegen. Toll.

15.

Hinteregger zieht ab, aber der geht in Richtung Wolken. Gut, Hinti fährt ja sowieso lieber Auto.

18.

Was ich am Fußball auch schon immer schön fand: dieses Spiel bietet die Möglichkeit, von Zeit zu Zeit die Gedanken schweifen zu lassen. Handball gucken ist super. Aber immer kurz vorm Herzinfakt. Fußball nur manchmal. Also schweifen lassen: Bremens Bittencourt ist bekanntlich der Sohn von Franklin Bittencourt, der bekanntlich mit dem großen FC Energie unter dem noch größeren Ede Geyer tatsächlich mal in der Bundesliga spielte. Damals, als das Jahrtausend noch so neu war und sich manche noch immer wunderten, dass der Planet zum Millenium nicht explodiert war. Alt-Herren-Gedanken: Piplica, Miriuta, Beeck, Witold Wawrzyczek - war das nicht erst gestern? Und: Wie geht´s eigentlich Bruno Akrapovic?

20.

Heidewitzka. Frankfurt mit einer doppelten Doppelchance, aber der Mann mit den drei Armen, Werder-Torwart Pavlenka, verhindert das Gegentor. Mit dem würde ich so gerne mal angeln gehen. Fischt jedes Ding raus. Immer noch 0:0.

24.

Apropos Cottbus: Wird hier hoffentlich keiner bezweifeln, dass es jemals einen besseren Freistoßkünstler in der Bundesliga gab, als Vasile Miriuta. Bester Mann. Wurde damals gefragt, was für Hobbys er denn habe. Antwort: "Champagner und Zigarren." Heute baut sich Ronaldo ein Schlaflabor und macht in seiner Freizeit nach eigener Aussage sehr gerne zusätzliche Kraftübungen. Bittere Erkenntnis in Minute 24: Wir leben in einer Gegenwart der Streber.

26.

Bruno Akrapovic durfte übrigens am 8.8.1988 nach Deutschland einreisen und hat deshalb später immer die Rückenummer 8 getragen. Werdet ihr jetzt nie wieder vergessen können.

27.

Und: TOOR! Nein! Doch! Oh! Slapstickfaktor 10 vor dem Frankfurter Tor, Werder scheitert erst an Rönnow, dann an der Latte, dann an einem beinharten hessischen Hodensack, dann wird es Klaassen zu bunt, routiniert schmiert er das Ding unter die Latte. Dieses Tor wurde ihnen präsentiert von Louis de Funès.

31.

1:0 für Werder, aber 15:2-Flanken für die Eintracht. Christian Ziege weint aus dem Halbfeld Tränen der Zuneigung.

33.

Nächste Frankfurter Ecke, von denen es ja auch einige durchaus gefährliche geben soll, wie man so hört.Bahnhofsviertel und so. Diese hier allerdings dann doch eher ein netter Vorort.

36.

Die Eintracht trotz des Rückstands hier weiter wie ein Fan, der am Würstchenstand an der leeren Senfflasche verzweifelt: drückt ordentlich auf die Tube.

38.

Hinteregger und Sargent knallen mit ihren Schädeln zusammen. Sargent bleibt liegen. Und Regen ist nass.

40

Schon wieder Hinteregger. Dieses Mal muss Bittencourt dran glauben. Ist a hint knock life.

42.

Viele Fouls, viele Nickligkeiten, viele Unterbrechungen jetzt. Das Spiel jetzt wie ein kleiner Bach: wenig Fluss.

45.

Jetzt kommt etwas Farbe ins Spiel. Also nicht nur die gelben Karten. Sondern auch Blau. Und Orange. Und Rot. Und Lila. Oder eben: Die Farben, die sich so schön im Kreis drehen, während Sky buffert.

45.+1

Dann ist Halbzeit. Mögen sich nicht nur die Spieler erholen, sondern auch meine Internetverbindung. In diesem Sinne: Kann nur besser werden!

18:49

Geil. Erst "Elitepartner" für Singles mit Niveau, dann die prollige mybet-Werbung mit dem Typen, der beim Kacken gewettet hat. Wäre man beim ersten Date gerne in Hörweite an der Bar.

18:53 Uhr

Immer wenn ich Oliver Kahn dabei zusehe, wie er Menschen was verkaufen will, stelle ich mir den Mann in klassischen Verkaufssituationen vor. Oli Kahn hinter dem Marktstand. Oli Kahn an der Penny-Kasse. Oli Kahn mit einem Staubsauger in der Hand und einem gewinnenden Lächeln im Gesicht vor der Haustür. Oli Kahn im Fußgängerviertel einer mittelniedersächsischen Kleinstadt als Anbieter von Küchenwerkzeugen, mit denen man eine Ananas schälen UND schneiden kann.

18:55 Uhr

Macht es wirklich Sinn, dass Experte Heribert Bruchhagen in einem gigantisch großen TV-Studio, hinter einem nicht enden wollenden Schreibtisch verschwindend, seine weisen Worte verkünden soll? Wirkt doch recht klinisch so. Würde mich nicht wundern, wenn in einem der Hinterzimmer kleine Uwe Seelers von eiskalten Bezahlfernsehenlakaien geklont werden.

18:58 Uhr

Für mich als Mitglied der ersten Stunde der ehrenwerten Brigade Hartmut Strampe natürlich klasse: Dank Var und Video-Schiris sieht man jetzt dauernd angestrengt studierende Unparteiische in einen Bildschirm starren. You´ll never judge alone!

46.

Worüber ich mir in den vergangenen Minuten Gedanken gemacht habe:
- Jay Jay Okocha
- warum meine Eltern mich nicht "Jay Jay" genannt haben
- Tony Yeboah und die Puddingwerbung mit Matthäus

Vielleicht doch ganz gut, dass es jetzt weiter geht.

47.

Alter Schwede, pardon, Tscheche: Pavlenka verhindert mit einer weiteren Sensationsparade den Kopfballtreffer von Paciencia. Wenn er nicht im Bremer Tor steht, hilft er ehrenamtlich als Türsteher auf St.Pauli aus. Alleine.

49.

Tut schon weh, Frankfurt ohne Sébastien Haller und Luka Jovic zu sehen. Oder um es mit dem großen Diego Maradona zu sagen: Sie haben der Eintracht die Beine abgeschnitten!

50.

Joshua Sargent, ein Name, der mich in seiner Militaristik immer sofort an Major Payne denken lässt. Damon Wayans in seiner größten Rolle.

52.

Kurze Aufregung, weil ein Schiedsrichter namens Guido Winkmann zum Video-Assi eilen musste. Gleich werden Langmann und Blindmann eingewechselt. Und Werner schaut in die Flasche wie spät das ist.

54.

Nächste gute Chance für die Eintracht durch Kamada, wieder vergeben. Anruf von Berti Vogts: "Es riecht nach Tor." Dann Ecke. Ball kommt zu Sebastian Rode, diesem kernigen Vollbluthessen, und der schweißt ihn Volley ins lange Eck. Tore, von denen du früher auf dem Weg zur Schule geträumt hast. 1:1! Und sehr sehr verdient.

57.

Ach, herrlich. Sonntagabend, Anfang Oktober, stockduster, Flutlicht, Nieselregen, 1:1, noch ne halbe Stunde. Für solche Gefühle gucken andere Rosamunde Pilcher. Wann kommt Pizarro als Traumschiff-Kapitän?

59.

Immer wenn die entfesselte Stimme des Frankfurter Capos durchs Stadion kreischt, muss ich an Lothar Dohr denken, den Schreck vom Niederrhein. Konnte RWE auch ohne Megafon zusammenschreien, eine Stimme, so mächtig wie die Faust von Bud Spencer. Ihn als Libero haben.

61.

Der Regen ist übrigens wieder stärker geworden, der Rasen jetzt richtig seifig. Nicht mehr lange und Niklas Süle kommt rum, um »Anfield« zu spielen.

64.

Weiterhin viel Hektik, viel Hin und Her. Wenn das so weiter geht, kommt gleich John Bercow vorbei und ruft: »Order«

66.

Rashica! Ist der schnell! Rapidca sozusagen. Wobei: Das erinnert irgendwie an Rade Prica und damit wollen wir den Bremer nun wirklich nicht in Verbindung bringen. Wobei: Wenn wir uns den Abschluss dieser Aktion noch einmal ansehen, dann vielleicht doch.

69.

Bemerkenswert auch, wie Hinteregger seine Rolle als Innenverteidiger interpretiert. Gibt hier im Grunde einen astreinen Linksaußen. Passt aber eigentlich ohnehin viel besser zu ihm. Ihr wisst schon: Torhüter und Linksaußen und so...

71.

Überhaupt die Eintracht hier von der Ausrichtung her wie ein bekiffter Student: total breit.

73.

Mal wieder Foul an Leonardo Bittencourt. Der kriegt hier heute mehr auf die Socken als meine Omma beim Stricken.

76.

Nach wie vor viele technische Unsauberkeiten, viele Fehler, viel Stückwerk. Aber eben auch: Flutlicht, Regen, Grätschen, jede Menge Flanken. Fußball der ganz alten Schule. Trainer heute bei Werder: Otto Rehhagel.

79.

Toschüsse, Ecken, Flanken - überall führt die Eintracht. Aber hilft ja nüscht, wenn im Bremer Tor einer steht, dem das alles ziemlich egal ist.

83.

Schlussspurt im Waldstadion. Dieter Baumann fühlt wieder dieses merkwürdige Ziehen in den Waden.

85.

Täusche ich mich, oder hat Werder die längere Lunge? Und jetzt bringt Kohfeldt auch noch so genanntes frisches Blut. Bargfrede soll helfen, den Punkt mit nach Bremen zu nehmen. Puls steigt, gut so.

87.

Bin immer noch glücklich über Guido Winkmanns Namen und Beruf. Als würde man Dönerverkäufer werden und mit Nachnamen Mitscharf heißen.

88.

Warum musste ich mir nur eben dieses Video angucken, wo sich die als Frauen verkleideten Mike Tyson und Snoop Dogg gegenseitig interviewen? Jetzt kann ich wieder nicht gut schlafen.

89.

TOOOOORR!! 2:1 für die Eintracht, Flanke, Kopfball und Pavlenka, dieser heute so großartige Jiri Pavlenka, macht den ersten Fehler des Tages, und klatscht den Ball vor die Füße von Silva. Tor! Armer, armer Pavlenka.

90.

Was ist jetzt hier los? Klaassen ochst in den Frankfurter Strafraum, wird von Hasebe gelegt und es gibt jetzt tatsächlich Elfmeter. Rashica pinkelt noch einmal Eiswürfel, und... haut den Ball unter die Latte! 2:2! Fußball, du geile Sau.

90.+2.

Ganz ehrlich, einen Verlierer hat dieses Spiel nicht verdient.

90.+3.

Meine Nerven, meine Nerven. Erstmal gleich mit Rune Bratseth meditieren, um runterzukommen. Dann einen guten Schluck vom Jonny Otten. Jonny, du bist mein bester Freund. Weiterhin 2:2.

Abpfiff

Puh. Ende, aus, 2:2. Ein Spiel, so unterhaltsam wie der Junggesellenabschied von Maurizio Gaudino mit Mario Basler als Überraschungsgast. Geile letzten Minuten, richtig highlightig. Wir müssen jetzt erstmal unters Sauerstoffzelt. Schönen Sonntagabend euch allen, vielen Dank fürs Dabeisein und auf bald!