BVB

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Werder Bremen

Liveticker: Dortmund-Bremen

Jede Woche dasselbe 2:2

Dortmund gegen Werder endet wie es begann: Unentschieden und mit dümmlichen Fragen nach der richtigen Mentalität. Warum zumindest das Ergebnis verdient war, verrät der einzig wahre Fanboy des Fußballs: der Liveticker.

18:20 Uhr

Hallo, liebe Freunde, an diesem grauen Samstag. Ein bisschen Farbe bringt hinein: Borussia Dortmund und die gelbste Wand seit Walter Froschs Wohnung. Gegen Werder Bremen, laut Statistik die langsamste Mannschaft der Liga. Aber was will man machen, bei einem Club, der das Toreschießen Senioren überlässt. Spielen heute für euch hier Flachwitz-Bingo: Jonah »Beta-Blocker« Lemm und Ilja »Mariacron zum Frühstück« Behnisch.

18:21 Uhr

Mats Hummels heute nicht dabei. Musste gegen Frankfurt wegen Rückenschmerzen ausgewechselt werden. Hat sich den Rollator von Pizarro geliehen und verfolgt das Spiel zusammen mit seinen Jungs im Vereinsheim des Skat-Clubs.

18:23 Uhr

Es läuft »You'll Never Walk Alone«. Oder wie Marco Reus sagt: »zwei Minuten Mentalitätstraining«.

18:24 Uhr

Ich finde die Kritik an Marco Reus übrigens unter aller Sau. Einem Mann, der »jede Woche die selbe Kacke« hat - und nicht jeden Tag - dem muss man doch helfen und ihn nicht dafür angreifen. Vielleicht hat Claudio Pizarro noch ein bisschen Abführmittel dabei.

18:26 Uhr

Dafür heute in der BVB-Startelf: Mario Götze. Zeigt der Welt heute, dass er besser als die Ersatzbank ist. Immerhin.

18:27 Uhr

Ecki Häuser im Spielertunnel. Trägt Kugelsichere-Weste und Integralhelm. Denn in Marco Reus Gesicht herrscht heute Mienen-Gefahr.

18:28 Uhr

»Kann sich Geschichte beim BVB wiederholen?«, fragt Sky. Und ich denke: Wenn die ihre Hooligans nicht irgendwann in den Griff bekommen, dann auf jeden Fall.

18:29 Uhr

So jetzt mal Augenmerk auf Werder. Nachfolgend die Gründe, warum es heute die Überraschung wird und Werder hier drei Punkte mitnimmt:

1.

Anstoss Bremen. Den haben sie gewollt. Diese Mentalitäts-Monster!

2.

Erste Chance für Dortmund. Die hier anrollen wie ein ICE, der Kurs nimmt auf den Bedarfshalt Meckenheim Industriezentrum. Aber nur Ecke. Stand so alles nicht im Fahrplan.

5.

Bremen versucht hier mit ganz breiter Brust aufzutreten, pöhlt den Ball nicht einfach nur nach vorn, sondern versucht es spielerisch und mit gaaanz viel Ruhe. Aber es wirkt wie eine Täuschung. Wie ein Zehnjähriger, der das Schach-Duell gegen einen Großmeister sucht. Und alles, was er weiß, ist, wann man »Pasch« sagt.

6.

Ecki Häuser seit sechs Minuten nicht zu hören. Da frage ich mich schon, ob er da gierig genug ist.

7.

Die Dortmunder Anhänger singen ohne Unterlass »BVB, BVB, BVB«. Die Fanboys.

8.

Bums mich. TOR für Werder Bremen.

8.

Witsel vertändelt den Ball gegen Klaasen, der zu Rashica chippt und dann wemmst der Mann den Ball sofort und wie ein Cowboy mit Entzugserscheinung ins linke Toreck. Und jetzt allle: Mentali ...

9.

TOR FÜR DORTMUND!

10.

Ja gut, äh. Wenn man Mentalität beweisen kann, dann so. Pisczek flankt einen Parabelflug über den Werder-Strafraum hinweg, und am Ende der Geometrie steht Mario Götze und zeigt der Welt, dass er besser als alle ist, die so gar nichts mit Köpfchen anfangen können, denn Götze köpft den Ball gegen die Laufrichtung von Pavlenka ins Eck und zum Ausgleich. Und irgendwo im Stadion-Inneren zerknüllt Ecki Heuser seine Notizen (»Nach Mentalität fragen!!!«)

13.

Dafür, dass Werder hier mit einem Flickenteppich an Abwehr aufläuft, lassen die Dortmunder sie im Spielaufbau aber erstaunlich arg in Ruhe. Man kann Fair-Play auch übertreiben. Meine Meinung.

15.

Für den Moment ist das Spiel ein Fall für den Klempner. Es plätschert.

15.

Peinlich: Beide Autoren dieses Tickers haben schon in der ersten Viertelstunde Ecki Häuser/Heuser falsch geschrieben. Aber bei der Betonfrisur...

17.

»Meine Güte, das sind Menschen, die da unten rumlaufen und keine Computeranimation«, sagt Buschmann. Und dann kommt Sancho und holzt das Ding aufs Bremer-Tor. Und Pavlenka so: Strg + Alt + Entf.

20.

Das Spiel jetzt ein bisschen wie die Brexit-Verhandlungen im britischen Parlament: Offener Schlagabtausch, niemand gönnt sich gar nichts. Beide Seiten mit Erfolgsmomenten. Und jetzt aber: Alle so verwirrt, dass keiner mehr weiß, was eigentlich abgeht - und am Ende kommt nichts bei rum. Zumindest für den Moment.

23.

Aber immerhin: Dortmund hier so sicher am Ball wie österreichische Burschenschaften. Favre trotzdem skeptisch, dirigiert an der Seitenlinie noch schnell einen Drei-Viertel-Takt. Hazard versucht sich am Solo-Walzer. Landet im Aus. 

26.

Bremen indes versucht es gegen das Dortmunder Pressing »spielerisch«. Was ungefähr so klingt wie: Dieter Bohlen schreibt einen Song, ohne von anderen zu klauen. Klappt beides nicht. Ich plädiere für: Impuls-Trainingslager während der Halbzeit im Camp David.

28.

BVB über links, rüber nach rechts, wieder nach links, gehen hier öfter eine Seite zurück als legastheniekranke Viertklässler beim örtlichen Vorlese-Wettbewerb. Am Ende versucht's Hazard aus der zweiten Reihe. Gute Chance, aber die Latte lag auch niedrig. Drüber. 

31.

Samstag. Wollte mich heute mal so richtig verwöhnen. Schön auf dem Markt einkaufen gehen. Richtig kochen. Mal was Gutes, nicht immer nur schnell-schnell. Mir und der Welt beweisen, dass ich das auch kann, das Insta-Life. Mir beweisen, dass ich mein eigener Filter sein kann. Und dann habe ich die Zeit aus den Augen verloren, der Regen setzte ein und am Ende stand ich vor dem offenen Kühlschrank, schaute ins kalte Nichts und wusste auch nicht weiter. Und so, liebe Freunde, so spielt Borussia Dortmund für den Moment. Jede Menge Rezepte im Kopf und viel zu wenig Zutaten.

32.

Konter-Chance für Bremen, Sargent gibt auf Rashica, der wieder schneller schaltet und abzieht als sein Schatten (Akanji). Aber Bürki ist da, wo ich mich Samstags auch meistens aufhalte: in der Ecke. Halten.

34.

Mo Dahoud ist auch wie so eine Song-Fragment, von dem man vor Jahren mal dachte, das könnte was werden, und ab und an holt man es hervor, denkt darauf rum und dann packt man es wieder weg, weil: heute wird das nicht fertig.

36.

Dortmund erinnert mich insgesamt an ein deutsches Formular. Man muss es ja eigentlich nur ausfüllen. Und man hat auch eigentlich alles dafür beisammen. Aber es bleiben doch so viele Fragen.

38.

Hazard mit dem Versuch aus der Distanz. Aber da ist er wieder, der Gladbacher Hazard, der 85-Prozent-Mann. Der alles kann, aber insgesamt eben meist nur zu 85 Prozent. So wie jetzt: Tolle Ballannahme, toller Antritt und dann wemst er den Ball aus 25 Metern Vollspann in die Nacht. Tor für Schalke.

41.

TOR FÜR DORTMUND

41.

Und da ist es, das 2:1 für Dortmund. Kopfball. Reus. Ausgerechnet Reus. Dieses Mentalitäts ... ach, komm. Mit dem Kopf jedenfalls. Ich werd verrückt. Oder irgendwas, was nach Emotionen klingt. Mir alles egal, weil: ich bin immer noch sauer. Denn gerade eben hat Buschmann irgendwas erzählt und Matthäus irgendwas entgegnet und dann wieder Buschmann: »Hätte, hätte Fahrradkette.« Und dass er da nicht »Wäre, wäre ...« sagt, das werde ich ihm nie verzeihen. Für mich ist das Spiel gelaufen.

44.

Marco Reus hat jetzt übrigens in 13 Spielen gegen Werder Bremen 13 Mal getroffen. 100-Prozent-Quote. So wie ich gegen Werder. Wir haben halt so viel gemeinsam. Auch mental.

45.

Wenn sich Werder noch einen Meter weiter in Richtung eigenen Strafraum orientiert, müssen sie hier Miete zahlen.

45.

Und während ich das schreibe, steckt Mario Götze eine Zuckerstange zu Mo Dahoud, der es mit dem Außenrist versucht und damit alles richtig macht, aber Pavlenka, der alte Beamte, hat das STRG-ALT-ENTF noch in der Zwischenablage und klärt gekonnt mit seinem Stutzen.

19.17 Uhr

Halbzeit. Und das geht auch in Ordnung.

19.29 Uhr

11FREUNDE exklusiv, die Halbzeit-Ansprache von Lucien Favre: (Komm, auch egal, einfach laut aufdrehen)

46.

Wiederanstoß. Bei Männern Mitte 40 der am ungeduldigsten erwartete Beginn eines zweiten Akts seit Gina Wilds Karriereende.

47.

Bis jetzt nur Passspiel im Halbfeld, was ja ungefähr so unterhaltsam ist, wie einen Sack Nägel zu essen oder mit Marco Reus über panoptische Zustände im Überwachungsstaat China zu diskutieren. Deswegen nutze ich die Gelegenheit für eine persönliche Offenbarung: Was ist Gebre Selassie eigentlich für ein geiler Name? Ich bin Fanboy seit immer. Klingt wie eine Mischung aus Percussion-Instrument und neumodischer Yoga-Pose. Bin mir sicher, Yusuf Islam nennt sein nächstes Album so. Oder seinen Bart. Oder seinen Fernseher. Ach, was weiß ich denn. Jedenfalls: geiler Name.

49.

Bremen versucht's jetzt mit langen Dingern. Zeigen der Dortmunder Abwehr deswegen ein Video von Max Kruse unter Dusche. Kein Wunder, dass der da weg ist, bei solchen Eingriffen in die Privatsphäre.

50.

Behnisch verbietet mir die ganzen Sex-Witze. »Jonah, hier lesen Kinder mit. Oder zumindest Philipp Lahm.«

53.

Ecke für Dortmund. Aber da Buschmann sich nicht gurgelnd an seinem eigenen Sabber verschluckt hat, weiß ich, ohne hinzuschauen: ungefährlich.

54.

Tor für Bremen. Nach einem Standard, nach einer Ecke. Zweiter Pfosten völlig frei und Friedl hält einfach irgendwie seinen undergecutteten Kopf dahin, der Ball bekommt durch die Pomade einen Wahnsinnsdrall und fliegt im Zick-Zack ins Dortmunder Tor. Bürki hat kein Shampoo dabei, ist machtlos. 2:2.

57.

Dinge, die pannensicherer sind als die aktuelle Dortmunder Elf:

- ein 30 Jahre alter Opel Astra
- der BER
- Lothar Matthäus' Hochdeutschkenntnisse

59.

Und Bremen hier auf einmal mit richtig Eiern. Wie Junkies bei Familienfesten nach einer Nacht im Berghain: kommen durch. Auf den Flügeln. Aber machen nichts aus ihren Chancen. Womit wir wieder bei den Junkies und ihren Familien wären.

62.

Das Spiel für den Moment wie die SPD: ohne Führung.

64.

Mario Götze mit der nächsten Kopfball-Chance. Und Ranga Yogeshwar bangt um sein Lebenswerk.

66.

Julian Brandt wird gleich für Mo Dahoud kommen. Die einen sagen: taktischer Wechsel. Die anderen sagen: Pomade ist verbraucht.

67.

Gelbe Karte für Julian Weigl. Der Rashica legt. Klarer Fall. Hätte »Mahjong« rufen müssen.

70.

Hui. Hakimi mit der Mittelstrecken-Rakete, Pavlenka kann nur vor die Füße von Hazard klären, doch der Belgier lasert aus elf Metern in Bremer Beine statt ins Tor. Eine sehr extravagante Variante der Haar-Entfernung.

72.

Dortmund jetzt mit Dauerbelagerung des Werder-Strafraums. Nicht mehr lange, und das Spiel wird zum Blauhelm-Einsatz.

73.

Alcacer kommt. Und eingewechselt wird er auch. Für Mario Götze. Der mit dem Kopf abklatscht. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier.

74.

Und da ist fast das Tor durch Alcacer. Sancho mit der Flanke, der Paco ist frei wie sonst nur Rabane-Werbung, aber dann hat der Spanier zwei Probleme: das linke und das rechte Bein. Abstoss Werder.

77.

Bremens Matchplan für den Moment so wie ungefähr alle Auslandsmissionen der Bundeswehr: erstmal sichern.

78.

Nächste Möglichkeit für Bremen: Olaf Scholz fleht die Kommunen an, endlich die Fördermillionen abzurufen. Wird aus dieser Stadt doch noch eine pulsierende Metropole? Und dann schließt Sargent ab wie ein halbbesoffener Kreisliga-Stürmer auf dem Ascheplatz in Niedersachsens Speckgürtel-Nirvana.

80.

Wechsel beim BVB: Sancho raus, Guerreiro rein. Auf der Bühne machen sich Mitarbeiter von Chio-Chips Notizen für den Namen der neuen Geschmacksrichtung mit  bitteren Beigeschmack.

82.

Erkenntnis des Tages: Wenn Marwin Hitz in fünf Jahren Bartwuchs bekommt, sieht er aus wie Arne Friedrich.

83.

Konter BVB, wird abgefangen, Werder kontert zurück, wird abgefangen, der BVB kontert diesen Gegenkonter des Konters wieder zurück. Wird abgefangen. Und Christopher Nolan kauft live die Filmrechte an diesen anderthalb Minuten.

86.

Jetzt kommt Pizarro. So schnell werden sie arrogant.

87.

Hazard tritt eine Ecke in den Bremer Strafrauf, die so lächerlich genau auf der Birne eines Werder-Abwehrspielers landet, dass Favre den Belgier später zwingt, diesen Standard noch einmal in einer Flugkurvendiskussion durchzudeklinieren. Wir lösen vorab. x=Mentalitätskrise

90.+1

Hazard über links, der Ball gelangt irgendwie zu Alcacer. Und der vergibt eine so Hundertprozentige, dass danach selbst Isopropylalkohol wie Wasser schmeckt. Dabei will man sich jetzt nur noch besaufen.

20:24 Uhr

Vorbei. 2:2. Und man sieht mal wieder, wie relativ Währung doch ist: Für die ersatzgeschwächte Werder ist dieser Punkt Gold wert, für den BVB eher nur so einen Klumpen Erde. Der ausgetrocknet ist. Und nach Dünger müffelt.