Pokalwunder
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Klatsche

Liveticker: Die DFB-Pokalkonferenz

Wunder gibt es immer wieder. Heute aber nicht.

Freunde, König Fußball hat gerufen! 1. Runde DFB-Pokal. Jeder will die Großen schlagen, für das Wunder sorgen. Schlägt sich höchstens selbst: der Ticker. 

15:23 Uhr

Heute ist sie wieder da: die große Chance auf ein Wunder. Doch der DFB-Pokal gleicht einer Mathe-Klausur. Immer darauf hoffend, dass es heute gelingt, das Wunder, steht unter der Arbeit trotzdem eine leuchtende 6. Und der Sitznachbar? Der hat natürlich abgesahnt und traut sich grinsend noch zu sagen: »Nee, ich hab' gar nicht gelernt!« Was ich, auch aus meiner bescheidenen Lebenserfahrung heraus, sagen will: macht euch einfach keine Hoffnungen. 

15:24 Uhr

Sky schon wieder am Limit, geht mit der Kamera in die Kabine von Vielleicht-BVB-Bezwinger FC Riesalingen-Arlen und zeigt die Kabinenansprache. Blöd nur: der Tonmann musste draußen bleiben. Weshalb akustisch drei Minuten das hier läuft: 

15:27 Uhr

Wichtige Info: Jörg Dahlmann ist gestern in den Neunzigern steckengeblieben und kommentiert (vorerst) nicht.

15:28 Uhr

Tom Beyer kommentiert hingegen aus irgendeiner Community4you-Arena. Als DFB-Pokal noch real war, hieß das noch Sportplatz. 

15:29 Uhr

Was viele nicht wissen: eigentlich hätte der DFB gerne vorab ein halbstündiges Helene-Fischer-Konzert auf allen Plätzen übertragen. Scheiterte am nicht vorhandenen 3D-Projektor in Erndtebrück, wo noch Kartoffeln statt Lachshäppchen gegessen werden. Glauben wir zumindest. 

1.

Auch in der 1. Runde keine Überraschung: der Anpfiff.

2.

Erste Erkenntnis: Eintracht Frankfurt ist in Erndtebrück stimmungstechnisch minimal im Vorteil. 

3.

Noch immer kein Tor. Bahnt sich ein Favoritensterben an?

5.

Peter Bosz, Dortmunds neuer Trainer und Sympathiebolzen in Personalunion, wurde gerade übrigens nach der Bedeutung des DFB-Pokals befragt. Antwortete, wie ich sonst durch den Supermarkt laufe, und mit der gleichen Resignation: »Ja, das ist auch ein Preis.«

7.

Der SC Freiburg mit Nils Petersen ja heute bei Germania Halberstadt, dem Verein von Petersens Papa gefordert. Wenn Martin Scorcese das Drehbuch zu diesem Spiel schreiben würde, dann träfe Petersen, also Nils, in der 92. Minute ins eigene Tor. Und würde sich anschließend durch Halberstadt tragen lassen und seine Karriere genau dort ausklingen lassen. Leider schreibt Scorcese keine DFB-Pokal-Drehbücher, höchsten Til Schweiger: also klares 0:11.

11.

1:0 - Dortmund trifft gegen Riesalingen-Arlen. Ohne Rücksicht auf die Gefühle des wehrlosen Sechstligisten. Wann greift der DFB hier endlich ein?

13.

Plop! - Hören Sie das? Das waren die geplatzten Träume des Lüneburger SK. Mutu trifft für Mainz zum 1:0.

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15.

Und auch Kaiserslautern führt jetzt gegen SV Eichede. Und die Dame, die zwecks Anlass die Zahl an der Ergebnistafel korrigiert, blickt einem arbeitsreichen Nachmittag entgegen.

18.

Und jetzt führt auch noch der FC Bayern. Womit wieder einmal bewiesen wäre: es gibt keine Kleinen mehr.

21.

Ich lege mich fest: wenn Frankfurts Abraham nicht Fußballer geworden wäre, dann wäre er jetzt Beamter. Drückt sich erfolgreich von der Arbeit, indem er erst einen gnadenlosen Fehlpass spielt, anschließend Erndtebrücks Stürmer festhält und folgerichtig die Rote Karte sieht. Platzverweis = das Bierschinkenbutterbrot des Fußballers. 

24.

Exklusiv: Sky hat sich zehn promimente Amateurmannschaften wie den Leher TS, SV Eichede, LSK Hansa sowie den TuS Erndtebrück exklusiv an sich gebunden. Bei Sport1 werden die Vereine folglich nicht mehr zu sehen sein. Oder so.

28.

Und jetzt? Tor für Lüneburger SK - 1:1! Rene Adler muss den Ball aus dem Tornetz eines Hamburger Vorort holen. Oder wie er es vor einem Jahr noch genannt hätte: Testspiel.

32.

Ausgerechnet - für diesen Moment wurde dieses Wort erfunden - Nils Petersen trifft für den SC Freiburg. Gegen Germania Halberstadt. Gegen die Mannschaft seines Vaters. Was die Kamera nicht eingefangen hat: wie Nils zur Bank lief und mit Tränen in den Augen schrie: »Bist du jetzt stolz auf mich, Papa? Bist du es jetzt endlich?!«

35.

Was in all der Diskussion um eine Pokal-Reform, in der sich die Seiten die Frage stellen, ob Amateure noch gegen Bayern und Dortmund spielen sollen und dürfen, nicht außer Acht gelassen werden muss: Unterhaching spielt gerade gegen Heidenheim. 

39.

SV Eichede hat das nächste Gegentor kassiert. Und die Dame an der Ergebnistafel, ganz pragmatisch, will am liebsten gleich die "3" statt der "2" einhängen. Das ist mein Humor.

40.

Elfmter für Dortmund: Maximilian Philipp mit Propfen in der blutenden Nase wird im Strafraum gefällt. Ob sich der Junge seine Rückkehr nach Freiburg so schmerzhaft vorgestellt hat?

43.

Tja, woher soll die Spannung kommen? Lautern führt, Köln führt, Dortmund führt, Mainz führt, Bayern führt, Heidenheim führt, Freiburg führt und Frankfurt führt auch. Währenddessen feilen die Trainer der Außenseiter an ihren Halbzeitreden: 


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45.

Gute Nachricht für den FC Chemnitz: bisher nur einen Bruchteil von Gegentoren gegen die Bayern kassiert als ein durchschnittlicher Bundesligist.

16:19 Uhr

Es geht in die Pause. Und Mehmet Scholl macht Werbung für Bitburger. Bei dem Mann kommt derzeit aber auch alles zusammen. 

16:26 Uhr

Wir wissen nicht, aus welchem Holz die Amateurtrainer heute geschnitzt sind. Aber es scheint, als wäre es mehr Spanplatte als Zeder. Und deshalb kommt hier noch einmal die beste Motivationsrede seit der Aussicht unsere F-Jugendtrainers auf Capri-Eis, wenn wir gewinnen sollten. Es war ein aussichtloses Unterfangen.
 

46.

Auf jedes Tief kommt ein Hoch. Machen wir aber erstmal weiter mit dem Tief. Wiederanpfiff auf allen Plätzen.

47.

Ob die Jungs von Riesalingen-Arlen wenigstens den Borussen entgegenrufen »Eyy, wir müssen Montag alle wieder arbeiten!«, während sie sich in jeden Zwanzigmeter-Strahl werfen müssen.

48.

Was dich als Außenseiter in der 1. Pokalrunde immer so richtig nervt: frühes Gegentor, Doppelschlag, Elfmeter gegen dich, Platzverweis. Beim Leher TS kommt gerade alles zusammen.

51.

Chemnitz' Daniel Frahn hatte angekündigt: »Wenn wir gewinnen, laufe ich nackt durchs Stadion«. Gute Nachricht für alle FKK-Kritiker, Bayern führt 2:0.

55.

Weil das Finanzministerium von Wunderland gerade mit dem Klammerbeutel gepudert ist, Huddersfield hat gerade sein erstes Premier-League-Tor geschossen. Irgendwie auch schön. 

57.

Dortmund erhöht, Mainz erhöht und Bayern trifft auch. Die Bundesligisten hier ähnlich humorbefreit wie das durchschnittliche Publikum einer Dieter-Nuhr-Show. 

61.

bsdvuösgv-bdfosl-j   lksuv  dflvjm..... Oh 'tschuldigung. Ich hab' beim Trinkspiel den Namen »Wontorra« gezogen. 

66.

»Der Spaß geht morgen weiter«, droht Florian Schmidt-Sommerfeldt, der Lila-Launebär des American Footballs, der jetzt auch Fußball kommentiert, während der SV Eichede chancenlos Kaiserslautern und dem Ball hinterherläuft. Spaß, nennt Schmidt-Sommerfeldt das. Aber gut, der lachte ja auch immer über die Witze von dem Twitter-Typen.

Kaiserslautern erhöht und auch Frankfurt macht gegen Erndtebrück den Deckel drauf. Wir schalten deshalb nochmal kurz nach Essen. 

74.

Heidenheim, Köln und Frankfurt treffen weiter, als könnten sie sich bei entsprechender Zahl der Tore direkt fürs Achtelfinale qualifizieren. Oder im Finale die Musik bestimmen. 

77.

Und die Trainer aller Außenseiter so... 

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79.

Immerhin: die Sky-Kommentatoren nehmen ihren Job ernst, versuchen auch beim Stand von 0:4 und dem Anblick eines entkräfteten, mit Krämpfen am Boden liegenden Sechstligisten noch Spannung herbeizureden. Erinnert mich an meine Mutter, wenn sie mir mal wieder auf die Schulter klopt und sagt: »Auf jeden Topf passt ein Deckel«. 

83.

Aber genug gemeckert, denn auch wenn alle Spiele entschieden sind, bleiben doch die Emotionen. Die leuchtenden Augen der Fans und Spieler heute Mittag. Als der Pokal, der große Fußball, im Dorf Einzug erhielt - zumindest, wenn es die Auflagen erlaubt haben. Und natürlich tut es jetzt weh, für Unterhaching, die mittlerweile 0:4 gegen Heidenheim zurückliegen und natürlich auch für chancenlose Leher und Lüneburger. Trotzdem sollte allen klar sein: für diese Spieler war es einer der größten Tage ihrer Karrieren, die sich fernab vom Glitzergeschäft Bundesliga abspielen. Und dass für diesen Tag immer noch Zeit sein sollte im Rahmenterminkalender, im Programm der Bundesligaprofis und DFB-Marketingfunktionäre, ist allen Fans, Ultras und Sportsfreunden klar, während Halberstadt gegen Freiburg verkürzt. 

88.

Halberstadt verkürzt also. Hat Martin Scorsese etwa doch seine Finger im Spiel?

89.

Langsam lösen sich auch die Krämpfe in den Beinen der Außenseiter, schließlich pfeifen die Schiris gleich zum Trikottausch.

90.+1

Seid übrigens unbesorgt: gleich geht es im Pokal weiter. Mit Arminia Bielefeld. Und Fortuna Düsseldorf. Und Jörg Dahlmann. 

90+2

Halberstadt probiert es noch einmal, letzter Freistoß, der Keeper läuft nach vorne. Aber es reicht nicht. 2:1 für Freiburg. Und im Hause Petersen wird Papa ab jetzt spülen müssen, während Nils sagen wird: »Solange du die Füße unter meinem Tisch hast...«

17:25 Uhr

Das war's dann. Acht Gelegenheiten und keine einzige Überraschung - besser hätte das Liebesleben der 11FREUNDE-Redaktionen nicht beschrieben werden können. Aber egal, denn heute Abend werden zahlreiche Kicker glücklich ins Bett fallen mit den Trikots (ungewaschen) von Marco Reus, Robert Lewandowski und Timothy Chandler. Und ihre Freundinnen und Frauen werden stolz und angewidert zugleich sein. Was widerrum das Liebesleben... ach, vergessen wir das. Schönen Abend euch bzw. schlaft gut.

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