Hamburger SV

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Borussia Mönchengladbach

Liveticker: Der 34. Spieltag

Der Urknall

Auch gefühlt zehn Tonnen Pyro können letzterdings den Abstieg des Hamburger SV nur aufschieben, aber nicht verhindern. Am Ende war es ein langer, qualvoller Tod. Geht jetzt unter der Dusche weinen: der Ticker. 

15:01 Uhr

Hallo und herzlich Willkommen, liebe Fußballfreunde. Lehnt euch zurück, macht es euch bequem, schaut mit uns ein bisschen Fußball. Oder wie sie in Hamburg sagen würden: »Komm inne Puschen, Junge!« Ja, die Gemüter sind angespannt, denn der HSV könnte - wer hätte das vor der Saison gedacht? - absteigen. Also so richtig. Ohne doppeltes Netz und Relegation. Gut, dass Bruno Labbadia die Wolfsburger trainiert. Hat ein Auge auf allen Plätzen: Jonah »das Abstiegsgespenst« Lemm und Tobi »Dino« Ahrens.

15:13 Uhr

Hallo also auch von mir (Lemm). Ich gehe ein bisschen vorbelastet in diesen Spieltag, denn, ob Sie es glauben oder nicht, gestern Nacht, ich träumte davon wie wohl Riccardo Basiles Nacken aussieht und wachte schweißgebadet auf, erschien mir das Abstiegsgespenst. Es sah aus wie Jimmy Hartwig und sang Aalsuppe gurgelnd »Hamburg meine Perle«. Schaurig.

15:15 Uhr

Allerdings wissen wir ja alle, dass das Abstiegsgespenst eigentlich aus Wolfsburg kommt. Es hört auf den Namen Martin Winterkorn.

15:19 Uhr

Glückwunsch an alle HSV-Fans: Der Bremen-Trip könnte im nächsten Jahr ausfallen.

15:20 Uhr

Lothar Matthäus binsenweisheitet schon vor dem Spiel vor sich hin. Geht davon aus, dass der HSV gleich offensiv auftritt, »Die Hamburger werden von Anfang die Zuschauer mitnehmen.« Ob er in die Hölle meint, bleibt offen.

15:22 Uhr

Heute also die wichtigste Konferenz seit Merkels Besuch im Weißen Haus. Und man darf davon ausgehen, dass die Lage in Hamburg ähnlich angespannt ist.

15:23 Uhr

Sky zeigt aus Mitleid das ganze Vorgeplänkel in Hamburg, »Die Perle« inklusive. Wusste gar nicht, dass das eigentlich ein Trauerlied ist.

15:26 Uhr

Jetzt: »Hamburg, meine Perle«. Hört sich an wie ein Konzert, dass man sich des Mitbewohners zuliebe (er spielt nicht einmal, er hat nur die Tonprobe technisch begleitet) anschaut. Nervöses Zucken des Augenlids bei jedem falschen Ton, als wäre man Karl Dall mit Plattensprung. Aber was solls, Kollege Lemm schunkelt fröhlich mit. Noch zwei Strophen und dem Mann wächst ein Seemannsbart. 

15:26 Uhr

Allerdings darf man neben dem ganzen wehmütigen Quatsch nicht vergessen, dass es heute auch um Europa geht. Sechs Teams dängeln heute zwei Champions-League- und die Europa-League-Plätze aus. Und irgendwo fließt ein Tränchen über die Wange von Emmanuel Macron.

15:29 Uhr

Stefan Kießling lässt sich vor den Leverkusener »Fans« feiern. Dabei sehen sich die drei doch auch noch später auf der Aftergame-Party.

15:30 Uhr

Meine Damen, meine Herren: Roy Präger (Experte).


(via tiwtter.com/TfGnther)

1.

Hat die Tabellensituation nicht wesentlich verändert: der Anstoß.

41 Sekunden

Hören Sie das? Das war der Luftballon der Träume, der in Hamburg gerade geplatzt ist. Toooooooor in Wolfsburg. Köln bleibt sich treu, spielt wie ein Absteiger. Guilavogui trifft aus 20 Metern. Bruno Labbadia steht vor einer Aufgabe.

4.

Alter, hier wird schneller geführt als in der Tangotanzschule. Upamecano nickt für Leipzig sicherer ein als ich nach zehn Bier, Alario macht's für Leverkusen. Ein schnelleren Auftakt kenne ich nur aus Wagner Opern.

5.

+++ EIL +++ In Hamburg entsteht gerade eine zweite Elbe. Aus Tränen.

6.

Ibisevic gleicht für Hertha aus. Das ist ja hier wie bei PornHub: Die drehen komplett frei.

7.

Und in Leverkusen vergibt Bailey einen Elfer. Bezeichnend.

8.

Komme nicht mehr mit, schalte deswegen den Fernseher aus und gucke nur noch den »kicker«-Liveticker. Da trifft dann in zehn Minuten auch mal Wolfsburg.

9.

Ach ja: Stuttgart führt auch. Fyi.

10.

TOR in Berlin, Elfmeter in Leverkusen, TOR in München. Und schon wieder TOR in Berlin. Liebe Freunde von der DFL, es ist doch so einfach: 15.30 Uhr.

10.

Der Videobeweis greift in Hamburg ein, entscheidet auf Elfmeter. Und diese Saison des VAR, die zu einem einzigen Test verkommen war, endet wie dieser Satz: mit einer ganz miesen Pointe.

11.

Aaron Hunt, so kalt wie eine gleichnamige Schnauze, läuft an... und trifft! TOOOOR für Hamburg. Zurzeit muss man sagen: immerhin. Aber wer weiß, was der Fußballgott noch parat hält. Nach elf Minuten ist schon klar, dass der Mann heute einen guten Tag erwischt hat.

11.

Hier eine kurze Liste von Ideen, die genauso gut sind, wie, dass Ahrens und Lemm diese Konferenz tickern:

- Nachts um vier seiner Ex schreiben

- Eine Schüssel Nägel essen

- HSV-Fan sein

12.

Die Konferenz wie ein kleiner Junge, der gerade in die Pubertät kommt: Zu Tode betrübt, zum Himmelhoch jauchzend. Jetzt soll es plötzlich um die Champions League gehen, aber Sky zeigt Peter Stöger in Hoffenheim mit Dortmund. Und ich frage mich, wie wohl ein gerade erwachter Koma-Patient diese Konferenz gucken würde.

14.

Fühle mich gerade wie nach einer langen Nacht in einer Raucherkneipe, während ich die Tür aufstoße und auf den Gehsteig trete. Darf kurz durchatmen.

16.

Und Leverkusen trifft, ist sprichwörtlich die Mutti vom Prenzlberg, die mich, der ich halbbesoffen auf ebenjenem Bordstein stehe, wüst mit ihrem Designer-Singlespeed-Fahrrad umfährt. 2:0 für Leverkusen. Sollten noch ein paar Tore folgen und Dortmund verlieren, dann hätte die Borussia ein Problem. Das muss ich unbedingt meinen neuen Freunden vom Tresen erzählen. Bis gleich.

 

18.

 

Tor in München. Bayern gleicht aus. Und Sie wissen, wer. 

22.

Leipzig erhöht auf 3:1 und der Kommentator raunt: »Es ist nicht der Nachmittag von Rune Jarstein«. Frage an mich selbst: Gab es je einen Monat, ein Jahr, gar ein Leben des Rune Jarstein?

24.

Meine Theorie übrigens: Kühne meinte eigentlich nicht den Trainer, als er bei der letzten »Krisensitzung« nach drei Flaschen Schampus verkündete: »I want tits!« Aber wer bin ich schon...

26.

Alter. Roman Bürki mit einem fehlerhafteren Pass als Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung. Dreht sich halb um sich selbst und legt das Ding besser auf als Oldschool-DJs. Kramaric netzt breakdanced ein.

27.

Und die Dortmunder Fans so:

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28.

Und jetzt... liegt der Hamburger SV mit 1:1 zurück. Denn, warum auch immer, suchten sie in der 25. Minute schon die Entscheidung und liefen in einen Konter. Josip Drmic trifft. Ein Schuss wie eine Pistolenkugel, abgefeuert auf einen Halbtoten. Mitten ins Herz.

29.

Und auch auf Schalke jubeln sie und das will schon was heißen. Guido Burgstaller pausiert kurz sein Boxtraining, krempelt die Ärmel hoch und erzielt mal eben die Führung. Erstes Zwischenfazit: Diese Konferenz ist so unterhaltsam, man könnte sie auf VHS-Kasette zeigen und von Hugo Egon Balder moderieren lassen, sie würde immer noch Spaß machen.

32.

Tolle Sache: Eine Stunde vor Saisonende erinnert sich der 1. FC Köln, dass er eine Fußballmannschaft ist. Hector trifft, nein, er schießt vielleicht sogar das Tor des Jahres. 1:1 in Wolfsburg. So fein durchkombiniert wie eine 9er-Wette: Auf Relegation HSV. 

34.

Und ganz Hamburg so:

Troy (Hector!!!!)

38.

Borussia Dortmund nur noch drei Tore von der Europa League entfernt. Herzlichen Glückwunsch beziehungsweise Haha.

40.

Diese Konferenz, man muss es so sagen, ist so voll von guten Szenen, ich überlege gerade spontan, eine Novelle draus zu machen. Erster Satz: »Als Bruno Labbadia eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Fischbrötchen verwandelt.«

41.

Glück gehabt, mit der Frisur kann Daniel Baier auch im Ernstfall eine Alternativkarriere als Zuhälter auf der Reeperbahn anfangen.

43.

Stuttgart führt wieder. Donis macht das 2:1. Den Bayern scheint's egal zu sein. Ist das diese Wettbewerbsverzerrung von der alle immer reden?

44.

Hoffenheim setzt den BVB hier mehr unter Druck als ich das Bierfass gestern Abend. Uth verpasst knapp, aber Bürki sieht schon wieder nicht gut aus. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wälzt sich auf dem Boden und ich bekomme noch ganz andere Sorgen: Wenn er sich weiter so schlecht anstellt, verkauft ihn der BVB noch an das Büromanagement von Markus Söder, bei dem Kreuz.

45.

0,3% der Zuschauerberechtigten in Deutschland demonstrieren gegen einen Abstieg des HSV. Das ist respektabel und deren gutes Recht. Aber es zeigt auch, dass die Deutschland fast vollständig geschlossen hinter konsequentem Abstieg steht.

45.

Dinge, die mir gerade durch den Kopf gehen: Verlängert Sky die Halbzeit-Analyse gleich eigenmächtig und macht ein 45-minütiges Reportage-Format draus?

45+2

Halbzeit. Was für eine schöne Pointe der Fußballgeschichte, dass ausgerechnet Sir Alex Ferguson heute mal wieder Recht hat: »Football, bloody hell!« - Der HSV braucht zwei Tore, könnte aber nur für eins selbst sorgen. Der 1. FC Köln lässt sich noch nicht hängen, müsste aber auch noch gegen Wolfsburg treffen. Stuttgart auf dem Weg in die Europa League. Dortmund muss um die Champions League zittern, wenn Leverkusen weiter Tore schießt. So viel ist unsicher, so viel muss gerechnet werden, nur eins ist klar: in 60 Minuten melden wir uns hier vom Abgrund.

16:26 Uhr

Versuche gerade in der Pause kurz die Konstellationen zu verstehen, ist allerdings in etwa zu durchsichtig wie der Nah-Ost-Konflikt. Rufe deswegen kurz bei der AfD an, die haben bestimmt eine einfache Erklärung.

16:29 Uhr

Hamburg und Wolfsburg könnte in 45 Minuten abgestiegen werden. Das klingt schlimm. Aber was noch viel schlimmer ist: In München schnallen sie gerade die GoPros an die Weizenbiergläser. 

46.

Zum letzten Mal wird zum zweiten Mal angepfiffen. So viel dazu.

47.

Ich glaube, während der Weltmeisterschaft stelle ich mich an den Dortmunder Trainingsplatz. Bin gespannt, wann dort endlich Fußball gespielt wird.

48.

Und zwischendurch zeigt Sky dann Hertha. einen Klub, den man fast vergessen würde, wenn man nicht in Berlin wohnen würde. Und dessen Marketingabteilung einen cleveren Kniff erfunden hat, nämlich immer von der Zukunft zu sprechen, die der Hertha gehört. Ohne auch nur anzudeuten, wann das sein könnte. So, wie sie derzeit spielen, frühestens 2131. Und genau in diesem Moment, wie ein Mann aus genau dieser Zukunft, der zeigen will, dass Hertha auch 2131 noch nichts ist, trifft Timo Werner zum 4:1.

49.

Freiburg führt 1:0. Christian Streich macht sich Sorgen.

50.

Hunt spielt Ito hoch an. Den Japaner, der nur 1,66 Meter groß ist, und deshalb keine Chance im Luftduell hat. Ein Spielzug, der den HSV trotzdem ganz gut beschreibt.

51.

3:1 für Stuttgart! In München, und das sage ich ohne Aufregung, brennt der Baum.

53.

Möchte an dieser Stelle trotzdem mal an alle Hamburger appellieren. Wenn der 1. FC Köln nächstes Jahr in die Stadt kommt. Sei es nun, um im Volksparkstadion zu spielen oder am Millerntor zu spielen. Gebt ihnen ein großes Bier aus.

54.

2:1 Wolfsburg. So viel dazu, aber Kölsch ist ja bekanntlich auch kein Bier.

55.

Das Tor von Yunus Malli wird noch einmal in Köln überprüft, aber der Treffer zählt. Der FC wird mal wieder verschaukelt, meine Meinung.

56.

Und Leverkusen führt jetzt 3:0, könnte sogar noch höher führen, wenn Bailly zu Beginn den Elfmeter verwandelt hätte. Aber langsam wird der Druck höher, auch Hoffenheim muss weiter Tore schießen, um in die Champions League zu gelangen. Und sollten es genug sein, wäre plötzlich Dortmund draußen. Die Bundesliga kurz vor der WM: ein einziges russisch Roulette.

58.

Innerhalb von einer Minute fallen ungefähr zwischen drei und 539 Tore gleichzeitig. Kollege Ahrens, gerade an der Tastatur, klappt den Laptop zu und beginnt zu weinen. So muss man sich also als VAR fühlen.

59.

Marco Reus kann nicht mehr nur Selfies schießen, sondern tatsächlich auch Tore. Und der BVB gleicht aus, 1:1. Ich hielt das vor fünf Minuten noch für ungefähr so wahrscheinlich wie eine Einigung im Koreakonflikt. Wobei, moment mal...

60.

Und man muss sich die Frage stellen: Was geht eigentlich mit Leverkusen? 3 zu fucking 0? Hat Heiko seine Schützlinge vor der Partie Blut respektive Bratenfett von Reiner Calmund trinken lassen? Oder doch Wutspeichel von Rudi Völler? Ich weiß es nicht, ich weiß gar nichts mehr, außer, dass ich es ganz herrlich finde. Pardon, der musste jetzt raus.

61.

Immer noch ein alter Tick von mir: Bei dem Ausruf »Tor in Sinsheim« bekomme ich immer Angst, dass ich mir gleich bierbäuchige, einzähnige Dorf-Kreisliga-Trainer ansehen muss, die denken »Nur stellen« wäre eine vertretbare Taktik. Aber zum Glück bin ich bis jetzt immer im Stadion gelandet.

61.

Stuttgart führt mittlerweile 4:1 in München. Das letzte Mal, dass eine VfB-Elf gegen Bayern gewann, spielten übrigens diese Herren: 

62.

Und Hoffenheim führt wieder. Aki, läuft ganz schön scheiße, oder? »Das ist so, ja.«

65.

Hamburg trifft gegen Gladbach, aber es bringt einfach nichts, weil Wolfsburg gegen Köln führt. Alles blickt jetzt, und ich hasse das zu sagen, nach Wolfsburg. Auch weil Freiburg gerettet scheint. Denn Tim Kleindienst trifft zum 2:0. Würde jetzt, wenn Jörg Dahlmann kommentieren würde, Tim Großdienst heißen. Gott sei dank gibt es den Ticker, Gott sei Dank gibt es uns. Gott sei Dank gibt es Tim Großdienst.

65.

Hertha trifft übrigens zum 5:2. In Berlin-Friedrichshain sind kurz Jubelschreie zu hören, was aber auch am vorbeifahrenden (und eben nicht haltenden) Polizeiwagen liegen könnte.

66.

Haben sich eigentlich Peter Stöger und Sebastian Rode schon zusammen in die abfindungsbedingten Flitterwochen verabschiedet?

67.

Das Spiel in Wolfsburg wird jetzt ruppig, Hektor umgegrätscht. Spontan wird Tobias Drews ans Mikro gesetzt und kommentiert. Wir geben Bescheid, wenn sie gleich die Teleskopschlagstöcke herausholen.

68.

Was nur wenige sehen, ist das Spiel von Schalke 04. Dort lässt Domenico Tedesco minütlich zwischen 4-2-3-1, 5-3-2 und 1-2-3-4 wechseln, einfach weil es Spaß macht.

69.

Bobby Wood bekommt Gelb-rot und muss runter. Oder wie sie in Hamburg sagen: »Vor dem Schicksal gedrückt«.

70.

Und... das war's wohl. Robin Knoche trifft per Kopf. Fun Fact: Der härteste Knochen des Menschen liegt im Innenohr. Was passend ist, denn Knoche hört nicht viel. Nicht in Wolfsburg. Nicht in Hamburg. Uwe Seeler macht sich keine Sorgen mehr, HSV-Fans keine Hoffnung. Und der Dino stirbt einen langsamen, sich seit Jahren angekündigten Tod. Vielleicht finden unsere Nachfahren seine Spuren irgendwann wieder. Und wenn es nur der Knochen des seines Innenohrs ist.

73.

Luft-Anhalt-Moment in Sinsheim und zwar nicht, weil der lokale Bauer wieder zu viel gedüngt hat: Akanji klärt auf der Linie, mehr Leute im Strafraum als in einer Problemschule und dann volleyt Kaderabek den Ball irgendwie hinter Bürki. Und Julian Nagelsmann wird an der Seite zum Super-Saiyajin.

75.

Leverkusen fehlen noch zwei Tore, um an Dortmund vorbeizuziehen. Ansonsten werden sie wieder nur Vize. Und das als Fünfter. Bezeichnend.

76.

Was viele nicht wissen: Die Bayern haben das Weißbiertrinken heute vor dem Spiel schon einmal geprobt. Aber sagen Sie es nicht dem VfB.

78.

Es tut mir, so ehrlich will ich sein, leid um den Hamburger SV. Wenigstens heute, eigentlich in den ganzen letzten Wochen, waren sie vorbereitet. Hatten sich einen Plan zurecht gelegt und fast keinen Fehler gemacht. Und dann wurden sie von der Welle der Ereignisse hinweggespült.

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80.

Servicetick: Bremen spielt übrigens auch noch gegen Mainz. Gebre Selassie hat so eben getroffen. Den Rest ersparen wir Ihnen. Wir sind ja keine Unmenschen. 

81.

»Bailey - wieder überhastet«, sagt Roland Evers. Und ich frage mich, was der Mann über meinen Samstagabend weiß. 

81.

Unfassbar! Bebou trifft Bellarabi, irgendwo. Und Winkmann zeigt wieder auf den Punkt. Leverkusen bräuchte, wenn der Elfmeter sitzt, nur noch ein Tor, um Dortmund aus der Champions League zu kegeln. Das beste Fernduell seit dem Kalten Krieg. 

83.

11FREUNDE wählt die schlimmste VAR-Geschichte der Saison: Herrlich hat Stefan Kießling eingewechselt, damit ausgerechnet er den Elfmeter schießen darf. Und dann schaut sich Guido Winkmann doch noch einmal die Szene an. Und entscheidet sich um! Leverkusen fehlen weiter zwei Tore. Und Kießling das letzte Tor seiner Karriere. Ich sage: ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ, weil die Buchstaben von FRECHHEIT alleine nicht ausreichen. 

84.

Hamburg braucht Pierre-Michel Lasogga.

87.

Kennt jemand ein gutes Hotel in Sandhausen? Frage für einen unerfahrenen Bundesliga-Absteiger.

88.

Legenden besagen, dass wenn die Hamburger Uhr stoppt, Uwe Seeler zu Staub zerfällt.

89.

Bilder aus Hamburg. Als hätte Mario Barth sieben Jahre an diesem Drehbuch geschrieben, und im letzten Moment hätte Guillermo del Torro übernommen. Die Menschen und ihre Emotionen wissen nicht, wohin mit sich und dem HSV. Weinen, singen, zetern, weinen weiter. Man möchte jeden einzelnen in diesem Stadion in die Arme nehmen. Für dieses Spiel und vor allem: für diesen Verein.

90.

Niclas Füllkrug trifft für Hannover 96. Die Stadt Dortmund bietet ihm sofort eine Ehrenbürgerschaft an.

90.+1

Roman Weidenfeller kommt noch rein. Das hat er nun wirklich nicht verdient.

90.+4

In Hamburg stehen in etwa hundert Polizisten auf dem Feld. Finde ich gut, dieser Verein muss endlich für seine vergangenen Saison belangt werden.

90+4

Dortmund qualifiziert sich für die Champions League, weil sie gegen Hoffenheim 1:3 verlieren und Leverkusen nur zwei Tore fehlen und, mit Verlaub, einfach zu blöd war. Aber wenigstens noch Weidenfeller gefeiert. Passender geht's dann auch nicht.

90.+5

Übrigens, liebe Hamburger, möglicherweise sucht Holstein Kiel ab nächster Woche ein neues Heimstadion.

90.+6

Verantwortliche in Hamburg reden auf den Schiri ein: Brych ab!

90.+9

Kramer kuschelt mit Papadopoulos, um sich die Zeit zu vertreiben. Wusste schon immer, dass der einen Vaterkomplex hat.

90.+11

Was für unrühmliche Szenen in Hamburg. Bei allem Respekt, gerade noch vor zehn Minuten schien es, als könnte dieser ehrwürdige Verein (denn ja, das war er mal) wie Phönix aus der Asche steigen. Stattdessen: Diese Shysse. Und wenn sich irgendwer fragt, warum das Ende der Saison nicht länger hinausgezögert werden sollte, der muss sich nur ansehen, wie überforderte Ordner, Polizisten und Aktive auf einen brennenden Zuschauerblock blicken. Deshalb sag ich es wie ein hungriger Verwandter bei der Beerdigung seines grässlichen Großonkels: Macht doch endlich den Deckel drauf.

90.+12

Notiz an mich: In zwei Jahren eine »HSV-Witze für die zehnte Nachspielzeit-Minute«-Kartei anlegen.

90.+15

Das ist, als schaue man einem angefahrenen Reh beim Sterben zu. Ganz langsam. Ich schäme mich vor mir selbst.

90.+16

Immerhin: Alles Bonusminuten auf der Uhr.

90.+18

Vorbei. Der HSV steigt ab. Keine Pointe.

17:37 Uhr

Ich stelle mich jetzt ans Fenster, blicke wehmütig zum Himmel, und warte auf den Kometen, der in wenigen Minuten die Erde erschüttern wird.

17:40 Uhr

Der FC Bayern erhält die Meisterschale. Heute bleibt uns nichts erspart.

17:41 Uhr

Und in München hieven sie eine Meisterschale in der Höhe, Konfetti in Telekom-Farben schießt in die Luft, Freddie Mercury singt über Champions. Und irgendwie wirkt es doch so, als wenn die Spieler diese ganze Veranstaltung nicht mehr ernst nehmen. Als hätten sie gerade einen Strickpulli von Oma Gerlinde geschenkt bekommen und nicht den wichtigsten deutschen Fußballwettbewerb gewonnen. Würde mich nicht wundern, wenn sie gleich in der Kabine Frisbee mit der Schale spielen.

17:45 Uhr

Und das war's. Die Bundesliga-Saison endet wie ein schlechter HSV-Gag, der im Rachen stecken bleibt. Aber wer weiß, vielleicht hat die Werbeagentur ja recht und die Zukunft gehört Hertha. Oder Frankfurt. Oder 'Gladbach. Oder irgendeinem anderen Klub, der sich mal wieder traut, Fußball zu spielen. Denn jetzt, wenn auch der HSV von der Bildfläche verschwunden ist, ist endgültig klar: Die Hoffnung stirbt zuletzt.