BVB

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Borussia Mönchengladbach

Liveticker: Borussia Dortmund gegen Borussia Mönchengladbach

Brandtschutzmaßnahme

Borussia Dortmund schien schon ausgeschieden - der Baum am Borsigplatz drohte zu brennen. Stattdessen: Julian Brandt, Oberlöschmeister. Goss noch Öl dazu: der Ticker.

20.30 Uhr

Servus! Wir sind da. Aber einfach nur, um da zu sein. Wir sind einfach aus Freundlichkeit hergekommen. Weil das ist - das wird einfach ein Spiel, das wir tickern müssen, aber Gott sei Dank gibt es ein Spiel in drei Tagen. Aber damit genug von Brazzo, schließlich spielt hier heute der Bundesliga-Spitzenreiter. Und das auch noch beim wäre-gern-Spitzenreiter aus Dortmund. Kommen heute auch nicht ohne Ironie aus: Tobi »haben sie hergespielt« Ahrens und Florian »jetzt könnt ihr mich auch wieder nach Hause gehen lassen« Nussdorfer.

20.34 Uhr

In der Vorberichterstattung seziert Thomas Broich übrigens gerade detailliert die Dortmunder Schwächen. Für mich als Schalker fällt das ja schon in den Bereich der Softerotik, so ehrlich muss ich sein.

20.38 Uhr

Kommen wir zu den Aufstellungen: Einige Ausfälle auf beiden Seiten (Reus und Hummels beim BVB, unter anderem Jantschke und Embolo bei Gladbach). Auf beiden Seiten zudem ein Schweizer in Tor. Der große 11FREUNDE-Head-to-head-Verglich vor Anpfiff endet demzufolge: Unentschieden.

20.40 Uhr

Jetzt: »You'll never walk alone«. Thomas Broich hat »Gänsehaut«, Jessy Wellmer findet's »schon schön«. Dann reden sie über Trockenobst. Und viel besser kann man die Hymne eigentlich nicht beschreiben.

20.43 Uhr

Aber jetz mal Realtalk: Eigentlich ist das ganz schön geil, was da heute ansteht.Pokal, Flutlicht, tolle Kulisse, zwei Vereine mit Geschichte, Free-TV, kein Videobeweis und am Ende muss einer dran glauben. Schön!

1.

Anpfiff. Gladbach immer noch Tabellenführer, unaufhaltsam.

2.

DasErste durfte sich also ein Spiel aussuchen, hat sich für dieses Spitzenspiel zwischen Dortmund und Gladbach entschieden. Schön. Womit aber auch klar ist: Zur Halbzeit vermelden wir ein, auch in dieser Höhe verdientes, 3:0. Während in Berlin der Punk abgeht. Gern geschehen.

4.

Und jetzt? Die erste richtig dicke Chance! Bruun Larsen läuft nach einem schönen Steckpass allein auf Sommer zu! Hat alle Optionen, aber dann: Abseits. Weil der Linienrichter heute selbst entscheiden muss, hebt also die Fahne. Und es ist? Falsch. Ne glatte Fehlentscheidung. Aber es kommt kein VAR, weil es eben keinen gibt in dieser Pokalrunde. Keine Diskussionen. Keine minutelange Unterbrechung. Einfach weiter. Und was soll ich sagen? Vier Minuten gespielt - ich will diesen Wettbewerb heiraten. Oder wenigstens diese Nacht mit ihm verbringen.

5.

Aha. Dieses Spiel bis hierhin wie unsere beste Kneipenschlägerei. Wir schauen nur zu, aber Gladbach schlägt sofort zurück. Und noch hat keiner getroffen. 

7.

Akanji spielt den Ball nach vorne. Tom Bartels kommentiert: »Ja, gut gedacht, aber...« Toll, wie er hier die gesamte Dortmunder Saison zusammenfasst.

9.

Dortmund jetzt wie ein maximal gewinnorientierter KiTa-Besitzer: Will mit Klein-Klein zum Erfolg.

12.

Finde es aber generell nicht gut, dass schon in der 2. Pokalrunde zwei aalglatte Schwergewichte des Profifußballs in einer hochmodernen Arena aufeinandertreffen, während eine Mannschaft sogar ihre Champions-League-Trikot mit DFB-Pokal-presented by-wasweißich-Badge auf dem Ärmel trägt. Warum wird diese Runde nicht aus Prinzip bei Vereinen ausgetragen, die ihrem Anspruch seit Jahren hinterherlaufen, in zugigen Stadien mit Laub auf dem Rasen, während der Gast mit tausenden Fans in die Stadt einfällt. Und damit zur Info: Bei Hertha steht's noch 0:0.

13.

Beide Mannschaften wie ein verbittertes Ehepaar im 24. Jahr Weihnachten. Schenken sich wirklich nichts.

16.

"Klasse gespielt bis auf die Genauigkeit", sagt Bartels. Der Gehobene-Daumen-obwohl-Pass-viel-zu-weit-und-viel-zu-schnell unter den Kommentatorensätzen.

19.

Gladbach stellt vorne zu, deshalb der BVB mit dem Albtraum aller Arbeitnehmer: muss lang machen. Dafür wartet vorne aber ein schickes After-Work-Event in Form einer durchaus guten Möglichkeit. Am Ende wird dann aber doch nix draus.

22.

Das Spiel gerade wie die mündliche Prüfung eines etwas nervösen Abiturienten: viel Druck, viele Fehler.

25.

»Er versucht ihnen alle Details zu vermitteln«, sagt Tom Bartels über Lucien Favre. Und vielleicht ist genau das das Problem.

27.

Bei Bensebaini geht's wohl nicht weiter. Für ihn kommt gleich Wendt. Und die BVB-Fans auf der Südtribüne singen »Alle Bullen sind Schweine«.

29.

Huihuihui! Hitz legt sich den Ball zu weit vor, bringt sich in arge Bedrängnis, weil Neuhaus sich den Ball schnappt. Doch Hitz am Ende wie ein guter Hausmann. Kann's ausbügeln.

31.

Zuvor gab's auch auf der anderen Seite übrigens eine große Chance. Hazard traf die Dortmunder Latte. Alles gerade ziemlich wild hier. Wann kommt Leon, der Slalomdribbler?

33.

Wen bringt der Rose, wenn sein LV nicht mehr rennt? Oscar, Oscar Wendt!

35.

Uff. Nach der Fackel von Jadon Sancho würde es mich nicht wundern, wenn gleich eine Hundertschaft auf den Platz stürmt, um den Jungen seine Zaunfahne abzunehmen.

37.

Dortmund im letzten Drittel wie eine Bundesdruckerei, wenn der neue Azubi übernimmt: Viele schlechte Pässe.

39.

Und jetzt Gladbach! Mit der Doppelchance. Thuram kommt nach einer Flanke an den Ball, keine Ahnung, wo der überhaupt herkam. Ich meine, ich weiß es wirklich nicht. Weil alles so schnell geht. Gerade erst hat sich Neuhaus auf der rechten Seite, ach was, eigentlich war der BVB noch im Spielaufbau. Und dann: Flanke, höh, Thuram taucht allein vor Hitz auf. Und Marek Mintal setzt sich irgendwo vor lauter Rührung die Tarnkappe ab.

41.

Das Spiel jetzt wie der Abend eines Wahlhelfers in Thüringen: Links-rechts-links-rechts-links-rechts-links-rechts...

44.

Würde mich nicht wundern, wenn der ein oder andere Tierarzt vor den TV-Bildschirmen hektisch nach der Tasche greift, denn: Die Fohlen kommen.

45.

Jetzt aber erstmal: Pause. Was nicht weiter verkehrt ist, weil man das Gefühl nicht los wird, dass dem Spiel ein wenig Ruhe guttun würde.

21.35 Uhr

Tagesthemen. Caren Miosga bezeichnet Bushido als "Gangsterrapper". Thema: FSK 18. Was kommt als nächstes? Wird heute noch Borussia Dortmund als Meisterschaftsanwärter eingestuft?

21.38 Uhr

Übrigens: Der SC Verl steht in der dritten Runde! Womit wir dem FC Bayern zum glücklichen Heimlos schon einmal gratulieren wollen.

21.45 Uhr

Wenn ich Thomas Broich richtig verstanden habe, dann treten hier beide Mannschaften auf wie meine Eltern, wenn damals die Simpsons auf unserem Wohnzimmerfernseher liefen: Es wird viel zu schnell umgeschaltet.

46.

Weiter geht’s! Favre – stand jetzt – noch BVB-Trainer.

47.

Frage: Wenn Lucien Favre nicht nur Fußball- sondern auch richtiger Lehrer wäre, würde er dann eigentlich an der Schule für Eieiei und Zauderei unterrichten?

49.

Die gelbe Wand lässt sich heute übrigens entschuldigen. Die ist heute Abend im Berliner Olympiastadion.

52.

»Schulz fehlt manchmal etwas der Mut«, weiß Bartels. Ja, da kommt er ja früh mit. Jetzt ist die SPD schon verloren.

55.

Schon ein paar Dortmunder Abschlüsse jetzt in der zweiten Halbzeit, doch Sommer bislang immer auf dem Posten. Und das, obwohl seine Zeit am vergangenen Wochenende doch abgelaufen ist.

58.

Kurzer Blick auf die anderen Plätze: Bislang ein toller Abend für die Underdogs. Kaiserslautern wirft Nürnberg raus, Verl schlägt Kiel und ein sympathischer Amateurklub aus dem Osten der Republik zeigt's dem modernen Fußball und zerlegt den millionenschweren aber seelenlosen Werksklub aus Wolfsburg mit 6:1.

61.

Arrrrgh, das war knapp! Scharfe Hereingabe von Wendt, aber Thuram wie der Loser in amerikanischen High-School-Filmen: verpasst den Ball.

62.

Hitz jetzt wie ein innovativer Pornoproduzent in den 90ern aus San Francisco (oder Georgsmarienhütte): Probierts mit den langen harten Dingern.

64.

So, eine Stunde gespielt und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich verstehe die Dortmund-Fans nicht. Die, die unbedingt wollen, dass Favre geht. Denn auch wenn das Dortmunder Spiel nicht dominant ist, wenn viele grundlegende Dinge irgendwie nicht funktionieren, so ist es doch: Unterhaltsam. Geht auf und ab. Das mag dem eigenen Anspruch nicht gerecht werden, aber was wäre die aktuelle Alternative? Dass ein grantelnder Jose Mourinho auf der Trainerbank säße, der zehn Mann massiert vor dem eigenen Sechzehner aufstellen ließe, um zu hoffen, dass vorne der liebe Gott oder zumindest der Zufall entschiede? Das ist so, als bliebe das Leben, das kein schönes ist, weiterhin beschissen. Nur, dass man sich jetzt auch noch um die Gelegenheit brächte, wenigstens zweimal die Woche ins Kabarett zu gehen. Oder wenigstens in den Quatsch Comedy Club.

66.

»Wenn Hakimi Weltklasse sein will, reicht schnell sein alleine nicht aus«, sagt Bartels. Ich sage: Der Medaillenschrank von Usain Bolt sagt etwas anderes, Herr Bartels.

68.

Uff, Thuram im Zwei- bzw. Dreikampf mit den beiden Dortmunder Verteidigern. Trifft die falsche Entscheidung, also: spielt den Ball in die falsche Richtung. Aber wie er sich vorher durchsetzt, den Ball behauptet, dabei aussieht wie ein Büffel auf der Jagd (obwohl: Grasfresser, aber vielleicht gerade deshalb), lässt Kevin-Prince Boateng sicher gerade irgendwas lang durchs Wohnzimmer spielen.

70.

Dieses Spiel ist so schön oldschoolig, ich wäre nicht einmal böse drum, wenn es per Elfmeter nach einer astreinen Schwalbe in der 87. Minute entschieden werden würde.

71.

Aber von wegen! TOOOOOOOOOOR für Gladbach! Nach einem Einwurf kann Gladbach in aller Ruhe aufbauen. Und wie sie aufbauen! Sie setzen einen ganzen Flughafen in die Mitte des Westfalenstadions. Asphaltieren die Startbahn, tragen Räder und Flügel hinein, zimmern auf der linken Seite die Flanken zusammen. Und dann steigt Thuram in die Höhe! So steil, so schön, so schnell - unwiderstehlich! 1:0 aus kürzester Distanz. Und am Gate steht Lucien Favre und zieht das Ticket Richtung Abfahrt.

73.

Dortmund hält direkt dagegen, versucht in Gladbachs Sechzehner irgendwelche Arme anzuschießen. In Zeiten von VAR: Genial. Nur leider ist der ja heute nicht dabei. Und so gilt erneut: Genial, aber... Dortmund.

75.

Gladbach auf dem Weg, Dortmund aus dem Pokal zu werfen. Und die Fragen werden lauten: Welche Konsequenzen wird das haben? Favre raus? Und vor allem: Ist Kovac dann noch zu halten?

77.

Aber vergesst meine Fragen: Denn Dortmund gibt die Antwort, auf einfach alles. Erst verpasst Sancho den Ausgleich, nachdem Brandt ihn freigespielt hatte. Aber in der nächsten Situation ist Brandt schon wieder beteiligt, schießt ein Gladbacher Bein an - trifft! 1:1! Und Bartels sagt: »Hätte mit dem Videobeweis wahrscheinlich nicht gezählt..« Und was soll ich sagen? Die Neunziger sind zurück! Gleich schießt Chappi Dortmund ins Finale. Bleiben Sie dran.

79.

Hallohallohallo?!?!?! Was'n jetz los? Brandt zum Zweiten! Per Kopf! Und jetzt erwartet ihr wieder irgendwelche Wortspiele, ne? Von wegen Feuer und so, höhö. Aber wir lassen uns nicht von jedem Hype anstecken.

83.

Also wir können und wollen für nichts garantieren, Freunde. Aber so wie die letzten zehn Minuten hier abgelaufen sind müssen wir sagen: Wir können und wollen für nichts garantieren, Freunde.

86.

Und plötzlich spielen sie beim BVB, ganz so als hätte es all das Zaudern, all das Zweifeln der vergangenen Wochen nicht gegeben. Vielleicht folgt ja doch alles einfach nur einem ausgeklügelten Plan von Lucien Favre, diesem genialen Mastermind.

87.

Derweil versteckt sich Marco Reus auf der Tribüne unter allem was wärmt: Mütze, Schal, Decken, Gedanken an die Zeiten mit Kevin Großkreutz bei Rot-Weiss Ahlen.

89.

Stindl schließt noch einmal ab, aber der BVB verfährt hier heute auch nach dem Motto von jemandem, der verzweifelt eine Party-Playlist zusammenstellt: Zum Glück gibt’s Hitz!

90.+1

Ecke für Gelb, Marco Rose hätte aber lieber Abstoß für Weiß und sieh dafür: Rot.

90.+3

Als wollte uns dieses Spiel noch einmal daran erinnern, welch wunderbare Zutat eine gesunde Portion Hektik in so einer Partie sein kann, gibt's jetzt noch einmal eine Rudelbildung. Wann kommt Matthias Sammer auf den Platz gestürmt und mischt mit?

90.+4

Und dann ist Feierabend! Vor allem für die Dortmunder, die in all der Hitze dann die komplette Halbzeit cool geblieben sind.

22.41 Uhr

Und Lucien Favre steht vor der Südtribüne und strahlt. Und wir grinsen auch ein bisschen. Weil: Hat schon Spaß gemacht. So ohne Videobeweis. Dafür aber mit viel Hin und Her. Und zwei Torhütern und einem Doppeltorschützen, die allein mit ihren Namen jetzt zu Beginn der kalten Jahreszeit für etwas Wärme sorgen. In diesem Sinne: Macht euch ein paar warme Gedanken und schlaft schön!