B. Leverkusen

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Bayern München

Leverkusen gegen Bayern im Liveticker

2:6! Bayern gewinnt ersten Satz!

Knapp war es nicht, spannend dafür auch nicht. Aber, immerhin: Ohne Aufschlagverlust sichert sich der FC Bayern souverän den ersten Satz. Hoffte vergebens auf ein Break für Leverkusen: der Liveticker.

imago

17:17 Uhr

So Sportsfreunde, bald ist so weit. Kollege Reich und ich haben die Grubenlampen schon in der Hand, in ein paar Stunden geht es wild entschlossen hinunter in den Schacht des zweifelhaften Humors. Bewaffnet mit Spitzhacke werden dann ab 20:30 Uhr gnadenlos »Witze« aus dem Berg gekloppt. Die schlechten genauso wie die guten. Wer dieses Gemetzel nicht verpassen will, stülpt sich also besser einen Helm über. Bis demme.

20:30 Uhr

Und püntklich wie die Maurer geht die Lutzi ab. Flutlicht, Pokal-Halbfinale, zwei Top-Mannschaften, zusammengerechnet ein Top-Mann am Ticker. Und dazu die eine Frage, die wir uns alle stellen: Geht das Spiel über 90 Minuten? Oder über 120? Oder wird sich dieser Pokalfight gar erst im Elfmeterschießen entscheiden? Beziehungsweise: in der Halbzeitpause?

20:31 Uhr

Gut für unsere schon am Nachmittag erdachte Überschrift. Tah ist dabei!

20:33 Uhr

Thomas Müller jetzt in einem Bericht, in dem er sagt, dass die Mannschaft »gierig sei«. Danach Bilder eines Orchesters in Bayern-Trikots, das von einem Chor begleitet wird, der über den FC Bayern singt. Wenn das kein Albtraum ist: Bitte schläfert mich ein.

20:35 Uhr

Jetzt kapiere ich: Der Bericht befasste sich mit einem möglichen Triple der Bayern. Am Ende war die Rede vom »Triple reloaded«. Was der einfallsloseste Titel wäre seit: Police Academy 8 – Next Generation.

20:36 Uhr

Brazzo jetzt im Interview. Redet über seine Versöhnung mit Fredi Bobic. Kaffee habe man zusammen getrunken, sagt er. Was ulkig ist, kennt er Kaffee von der Säbener Straße doch nur aus der Sicht des Zubereitenden. 

20:39 Uhr

Vorhin vermeldeten die Gazetten: Saison-Aus für Vidal. Kaum Beachtung in den Medien fand dagegen das spontane, deutschlandweite Autokorso aller Sprunggelenke, die in dieser Saison noch auf die Bayern treffen.

20:41 Uhr

Natürlich trotzdem enorm bitter, dass Vidal den letzten Pokaltest der Bayern vor dem Finale verpasst. Gute Besserung an dieser Stelle.

20:43 Uhr

Erster Downer: Sandro Wagner spielt nicht. Gerüchten zu Folge hatten die Veranstalter Angst, er würde aus Versehen einem Einlaufkind die Hand zerquetschen. 

20:45 Uhr

Großzügig: Alle Bayer-Fans, die an der Choreo teilgenommen haben, bekommen nach der Niederlage ein Gratis-Aspririn. 

1.

Anstoß. Hoeneß: »Das ist eine absolute Schweinerei, so etwas zu behaupten.«

2.

Jagut, äh: Zwei Minuten gespielt, Bayern führt durch Martinez. Ich sach mal so: Auf TELE 5 läuft »Bloodsport« mit Jean-Claude van Damme. Sollen wir lieber das tickern?

5.

Alter, ey. Erst Ecke Bayern samt Bierbecher-Regen auf den Linienrichter, dann der direkte Gegenzug der Leverkusener, der fast im Ausgleich endet. Leute, wenn ich derart viel Hin und Her sehen will, dann geh ich zum Tennis.

7.

Man muss ja eines sagen: Der Einlaufsong von Bayer ist schon geil. »Enter Sandman« vor der Partie zu spielen, heizt den Fans nochmal richtig ein. Hab die drei gerade pogen sehen.

10.

Tja, ich wünschte, ich würde dies nicht schreiben müssen, aber die Bayern haben gerade das 2:0 gemacht. Flanke Ribery, Tor Lewandowski. Ich geh jetzt die restlichen 80 Minuten das Telefonbuch von Oer-Erkenschwick lesen. Das ist spannender.

12.

Hier, ich kenn mich damit nicht so aus, aber wo genau kann man so eine Petition starten? Hätte da so ne Europa-Superliga-Idee.

13.

Ich befürchte, jetzt können nur zwei zielgerichtete Schwalben Heiko Herrlichs das Spiel nochmal spannend machen.

15.

Nächster Konter Bayern. Man gebe Heiko Herrlich eine weiße Flagge. Ein Handtuch zum Werfen. Einen Außenminister, auf dass dieser einen Waffenstillstand mit anschließender Kapitulation aushandelt. Ich bin humanistisch erzogen worden. Ich kann mir das nicht mehr mitansehen.

16.

Wenn Leverkusen nicht langsam aufpasst, kassieren sie mehr Tore, als Marius Müller-Westernhagen Echos zurückgeben kann. 


17.

Und dann: Anschlusstreffer!!! Kuddelmuddel im bayrischen Strafraum, ein Freistoß wird fast geklärt, ein Schuss wird abgeblockt und am Ende steht trotzdem ein Bender frei und köpft ein. Und das beste daran: Er hat sich dabei nicht den Kiefer gebrochen!

19.

Wird das hier etwa so ein verrückter Pokalabend, an dessen Ende wir uns gegenseitig ins Ohr brüllen, dass im Pokal eben doch alles möglich sei? Andererseits: Wenn der Pokal wirklich seine eigenen Gesetze hat, wo bleiben dann die rechts-nationalen Politiker, die sich in Talkshows dafür einsetzen, diese radikal zu verschärfen?

21.

Kurzer Nachtrag: Den Treffer für Leverkusen erzielte Lars Bender. Bei dem ja alles, was er macht, ein bisschen an einen halben Mensch erinnert: Weil es Hand und Fuß hat.

22.

Kurzer Nachtrag, 2. Wie rechts-nationale Politiker den Pokal verändern wollen würden: »Wir als Patrioten werden dafür sorgen, dass schon bald im Pokal gar nichts mehr möglich sein wird. GAR NICHTS!«

26.

Zum ersten Mal beruhigt sich das Spiel nun ein wenig. Endlich bleibt uns also die Zeit, ein bisschen im Archiv zu kramen. Als Franck Ribery zum ersten Mal für die Bayern in Leverkusen spielte, traf er in deren Viererkette unter anderem auf Hans Sarpei, Karim Haggui und Manuel Friedrich. Richtig, es war das Jahr 1993.

28.

Noch verrückter: Als die Bayern das letzte Mal ein wichtiges Spiel in den Sand setzten, dachten die Großeltern von Hans Sarpei, Karim Haggui und Manuel Friedrich, im Jahr 1993 würden Autos längst fliegen.


30.

Eben ein kurzer Schlenker auf die Bayern-Bank. Und, sehr irreführend: Neben Sandro Wagner ist gar kein Platz für sein Ego frei.

33.

Eigenartiger Komentatoren-Satz gerade über Julian Baumgartlinger: »Takisch super geschult, war ja lange in Mainz«, Klingt wie: »Zieh dir lieber eine Jacke an, ist ja dunkel draußen.« Oder »Er ist ein ganz filigraner Cellist, seine Lieblingsfarbe ist schließlich blau.«

35.

Nächste Chance Bayern, aber Müller vergibt. Aber trotzdem: Für so ein Trainingsspiel unter der Woche geben die ziemlich Gas.

38.

Wieder so ein Satz des Kommenators: »Richtig von Robben, es mal selbst zu probieren«. Überlege, ob es je ein schlechter platziertes »mal« gegeben hat als in Zusammenhang mit dem notorischen Alleinikov Robben. Der Mann ist so eigensinnig, ich bin mir sicher, dass er sich selbst gezeugt, geboren und aufgezogen hat.

40.

Oha, einer der Benders hat sich anscheinend verletzt. Das ist übrigens genau die eine Sache, die im deutschen Fußball noch weniger überraschend ist als eine Meisterschaft der Bayern: Eine Verletzung eines Benders.

43.

Tjoa, schwach angefangen, dann aber das Spiel plötzlich wieder offen gestalten können. Würde wirklich gerne wissen, welche Psalme Heiko Herrlich gleich in seinem Halbzeit-Gebetskreis verwendet. Hosea 6:13? Hesekiel 2:23? Oder mein persönlicher Favorit Nehemia 6:17? Oh, einmal Mäuschen spielen können...

45.

Havertz nochmal mit der Chance, vertändelt aber. Da würde ich jetzt irgendwas Bissiges schreiben, aber der Junge ist erst 18. Als ich 18 war, war meine einzige Kompetenz, Babalou und Bier hinters Dorfgemeinschaftshaus zu kotzen, wo die Kirmes stattfand. Havertz hingegen hat am letzten Wochenende sein 50. Bundesligaspiel gemacht. Also halte ich mal lieber mein Maul. Und trinke einen Frust-Babalou.

21:35 Uhr

Schiedsrichter Siebert pfeift zur Halbzeit. Ob die beiden Teams ihre fünf Schützen schon bestimmt haben?

21:37 Uhr

Immer, wenn der Morph-Spot der Nationalmannschaft kommt, wünschte ich mir, das Bild zwischen zwei Spielern anhalten zu können. Zum Glück gibt es 11freunde.de.

21:43 Uhr

Und dann muss Jan Hofer den Namen »Farid Bang« sagen. Zum Glück sitzt jetzt keiner meiner Eltern neben mir. Gott wäre das unangenehm. 

21:45 Uhr

Fun-Fact: Immer, wenn ein Tagesthemen-Moderator über einen Deutsch-Rapper berichtet, geht ein Jugendlicher aus dem Brennpunkt wieder zur Schule. 

21:46 Uhr

Obwohl die ARD den ganzen Abend über das Wort Doping nicht ein einziges Mal benutzt hat, ist Mehmet Scholl noch immer nicht zurück als Experte. Schade. 

46.

Zweite Hälfte. Die Bayern laufen jetzt von links nach rechts aus. 

48.

Leverkusen jetzt mit Bailey. Dank dem wir im beliebten Gesellschaftsspiel: »Nennen Sie aus dem Kopf drei Jamaikaner« vor unseren Freunden endlich nicht mehr vor Scham im Boden versinken müssen. 

49.

Und gleich die Doppelchance für Leverkusen. Am Ende löffelt Bailey den Ball zu Bellarabi, doch der scheitert an Ulreich. Näher ans Verderben brachte die Bayern zuletzt nur Markus Söder. 

51.

Doch es bleibt vorerst beim 1:2. Der Traum vom Triple lebt.

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53.

Und kaum sage ich es, grätscht Müller den Ball furztrocken zum 3:1 ins Eck und mitten ins Herz aller Fantasten. Wenn Leverlusen nicht demnächst richtigen Widerstand leistet, steht hier gleich ein zitternder Campino mit Zettel vor der Nase auf dem Rasen. 


55.

Übrigens: Nach der Riesen-Doppelchance von Bellarabi und Volland gerade eben bin ich echt gespannt, wann die Sportbild erste Gerüchte über einen bevorstehenden Wechsel der beiden zum FCB lanciert.

57.

1:3 also. Nach meinen Berechnungen braucht Leverkusen jetzt nur noch vier Tore, um nach 90. Minuten in die Verlängerung zu kommen.

60.

Aber gut, was haben wir anderes erwartet als einen souveränen Sieg dieser lächerlich übermächtigen Bayern? Die einzige Überraschung für mich in diesem Spiel bisher ist, dass sich Franck Ribery noch keine ungeahndete Tätlichkeit geleistet hat.

61.

Dann Abseitstor Volland. Verdammt, wo ist die VAR-Fehlentscheidung, wenn man sie mal braucht?

63.

Und das 4:1 der Bayern, Robben tritt auf den Ball, Thiago schnappt sich die Kugel und legt den so wunderbar gefühlvoll ins lange Eck, dass ich schnell ein Kind zeugen will, nur damit ich Thiago fragen kann, ob er es abends ins Bett legt.

65.

5:1 für die Bayern. Leute, ich muss jetzt leider ausmachen. Meine Eltern erlauben mir nicht, Splatterfilme zu gucken.

68.

Sehe schon Kalle Rummenigge im Interview vor mir: »Damit ist sichergestellt, dass ein deutsches Team ins Finale einzieht.«

70.

Verstehe ja nicht viel von Fußball oder Journalismus, aber möglicherweise geht hier ja noch was, wenn rauskommt, dass einer der Bayern den gleichen Anwalt wie Donald Trump hat?

71.

Dinge, die lebendiger sind als die Final-Hoffnungen von Bayer 04 Leverkusen:
- Prince
- Leonard Cohen
- David Bowie


73.

HA! TOOOR! TOOOOR! TOOOOOOOOR! Prince, Leonard Cohen und David Bowie tanzen im Jenseits Tango, denn: Bayer 04 Leverkusen ist zurück! Leon Bailey, dieser für uns Gesellschaftsspiele gewinnende Super-Jamaikaner trifft per Freistoß. Zum 2:5! Geht da noch was?

75.

Gottlob erzählt jetzt, dass Bailey den Freistoß auch noch selber rausgeholt hätte und somit mit einem Tor gleich zwei Scorerpunkte einheimst. Womit ziemlich gut auf den Punkt gebracht ist, auf welche Art Statistiken sich die Gegner der Bayern in Zukunft komplett fokussieren sollten.

76.

»Berlin, Berlin, wir fliegen Business Class nach Berlin«, singen die mitgereisten Fans im Überschwang ihrer Gefühle.

79.

Es gibt fünf Wörter für Typen wie Bernd Leno: Ärmste Sau auf dem Platz. 2:6, drittes Tor Thomas Müller. Abfahrt. 

81.

Abgefahren: Der internationale Verband der lahmenden Enten hat Jupp Heynckes soeben den Ehrenvorsitz angeboten, weil noch nie jemand dermaßen viel für ihren Ruf geleistet hat wie er.
 Glückwunsch.

83.

Wir halten fest: Bayern entscheidet den ersten Satz souverän mit 6:2 für sich.

85.

Wann werden Deutsche Meister endlich wieder volksnah? Und tun, statt Pokal-Halbfinalspiele mit 6:2 zu gewinnen, so anti-abgehobenes Zeug wie dem Lehrling erklären, warum Deutschländer eigentlich Deutschländer heißen?

86.

Mal was ganz anderes: Wann bekommt Linienrichter Koslowski endlich seine eigene Krimireihe im RBB?

87.

Gottlob mit der Untertreibung des Jahres: »Blödes Spiel jetzt für Leverkusen.«

89.

Endlich eine Lösung für das »n«, was in so vielen Funktionen gesucht wird, und was ja auch Bayer von den Bayern trennt: n = 4. 

22:39 Uhr

Beziehungsweise: n = 2:6. Zum Glück erlöst Schiri Siebert alle Beteiligten, uns eingeschlossen, und pfeift pünktlich ab. Die Bayern schlagen Leverkusen, natürlich, und müssen nur der Form halber noch im Finale antreten, bevor es auf den Rathausbalkon geht. Wir gehen jetzt rüber ins Ankleidezimmer, werfen uns einen schwarzen Anzug über und dann schlurfen wir auch schon los gen Beerdigung, immerhin ist spätestens heute  der Wettbewerb im deutschen Fußball tot umgefallen. Tschüss. Bzw.: Seufz.