Kolumbien

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Japan

Kolumbien - Japan im Liveticker

Osako's Castle

Kolumbien spielt fast 90 Minuten in Unterzahl und verliert folgerichtig gegen Japan. Deren Held: Neu-Bremer Osako. Pflanzt sich voller Vorfreude einen Deich in den Garten: der Ticker. 

13:49 Uhr

Freunde, es ist 13:49 Uhr am 19. Juni und es ist davon auszugehen, dass euer Fernseher nie wieder ein schöneres Bild einblenden wird. Von links nach rechts: Lukas Podolski, Rene Higuita, Christoph Kramer (gut, und Jochen Breyer, geht halt nicht anders). Wird unser Fernseher gleich weißgrell leuchten, explodieren und die vier Erzengel stürmen heraus? Ausgerüstet mit einem Poldi-Daumen und dem Skorpion-Kick? Aber wir - Ahrens, Dinkelaker, Levinsohn - das Höllentrio würde sowieso dagegen halten. Damit ihr in Ruhe Kolumbien gegen Japan schauen könnt. Viel Spaß.

13:52 Uhr

Vor vieren Jahren gab's schon mal ein Aufeinandertreffen der beiden in der Gruppenphase. Endstand: 4:1 für Kolumbien. Japans Torwart Kawashima: »Wir haben vier Jahre unter diesem Spiel gelitten.« Japans fußballerische Antwort auf Fukushima, wenn man so will.

13:55 Uhr

Russisches Adjektiv für Piroschki, die das Ablaufdatum längst überschritten haben? Saransk.

13:59 Uhr

Wir haben uns in den letzten Tagen ja oft über Hymnen mit martialischer Musik und/oder Text beschwert. Aber bei der melodischen japanischen Musik würde es mich wirklich nicht verwundern, wenn gleich Prinzessin Mononoke persönlich aus der Umkleide käme.

14:00 Uhr

Lol: Schiedsrichter Skomina hat »Obstsalat« gesagt!

1.

Gleich zu Beginn eine herbe Enttäuschung: Higuita steht bei Kolumbien nicht im Tor.

2.

James ist ein dermaßen feiner Fußballer, er sollte eigentlich im Frack auf der Bank sitzen.

4.

Wahnsinn: Nach vier Minuten ist alles, aber auch wirklich alles, was sich Kolumbien für diese WM vorgenommen hatte, für`n Arsch. Japan greift an, hat die ganz dicke Chance zur Führung, zunächst wehrt Keeper Ospina den Ball klasse mit dem Knie ab und dann, nun ja, klärt Sanchez den Nachschuss mit dem rechten Oberarm. Wo doch jeder weiß: Gebaggert wird beidhändig. So oder so: Elfmeter und Rot. 

5.

Für Carlos Sanchez ist es in jedem Fall das beschissenste Turnier, seit unserem Flunki-Ball-Cup, den wir mit Jever Alkoholfrei austragen mussten.

6.

Und TOOOOOR für Japan! 1:0. Was sie vermutlich auch nicht glauben können, weil ihnen das Tor derart geschenkt wurde, dass Franz Beckenbauer in der Halbzeitpause fragen wird: »Ja, ist denn heut schon Weihnachten?« - Und eins ist klar, der Mann kennt sich mit Geschenken aus. Hätte den Elfmeter aber wohl auch nicht besser schießen können als Kagawa.

8.

Die Südamerikaner liegen hier nach wenigen Minuten mit 0:1 hinten und spielen in Unterzahl. Wenn das so weitergeht, dreht Michael Moore eine Doku über das Spiel und nennt sie »Bowling for Kolumbien«.

9.

Kagawa: Der beste japanische Zehner seit Captain Tsubasa. 

12.

Das letzte Mal als jemand so unglücklich in ein Spiel gestartet ist, hatte mein vierjähriger Cousin eine der Spielfiguren von Mensch-ärger-dich-nicht verschluckt. Zur Beruhigung: Er lebt.

13.

Die meisten Tickets der WM gingen in Kolumbien über die Ladentheke. Und, schön zu sehen: Wenn die Tickets an Fans gehen, sind die Stadien auch voll.  

14.

Haraguchi im Zweikampf gegen Mojica. Weiß aber nicht, ob er ihm den Ball abnehmen oder einfach umsensen soll, sticht ihn abschließend mit dem Ellbogen ins Auge. Haraguchi, der unentschlossenste japanische Krieger seit den Nunjas.

16.

Breaking+++Breaking+++Breaking+++
Japaner und Kolumbianer auf dem Platz jetzt genau gleich groß (in der Summe). 

18.

In der Form, in der Kagawa sich hier und heute präsentiert, muss Dortmund schon Peter Stöger zurückholen, damit aus dem Japaner wieder ein eher durchschnittlicher Bundesligaspieler wird. 

20.

Dass Nagatomo mit blond gefärbten Haaren spielt ist ungefähr so dreist wie die ganzen Kreisliga-Stürmer, die das Ding in neonpinken Nike-Schlappen zehn Meter über den Kasten hauen. Know your place, Nagatomo. Know your place.

22.

Neumann sagt: »Honda nur auf der Bank.« Wolff Fuß hätte gesagt: »Honda in der Garage geblieben.« Ich mag Claudia Neumann. 

25.

Ganz schön schleppend, wie die Japaner sich hier nach vorne bewegen. Das letzte japanische Produkt, das sich so viel Zeit gelassen hat, um zur Sache zu kommen, war Dragon Ball Z. Wie Shinji Kagawa zum Super Saiyajin wird, seht ihr dann in der nächsten Folge.

27.

Inui wird an der Mittellinie gefoult. Wobei, ups, das darf man nicht mehr sagen. Das heißt jetzt Eskimo.

29.

Die Kolumbianer führen hier nach Pässen mit 102:96. Eine Statistik, die in etwa so viel wert ist wie ein Bachelor-Abschluss in Vergleichenden Literaturwissenschaften. Das weiß ich, weil ich seit drei Jahren den Praxistest mache.

31.

Kagawa für Dortmund: hängende Schultern, geringer Aktionsradius, eine Gefahr nur für die eigene Mannschaft. Kagawa für Japan: immer anspielbereit, die eigene Zuversicht im Fuß, das Vertrauen der Mitspieler im Kopf. Das letzte Mal, als jemand so extrem verwandelt wurde, war ich sechs Jahre alt. Und ein kleines bisschen in Marijke Amado verliebt. 

32.

José Pekerman wechselt jetzt auch noch Cuadrado aus. Das letzte Mal, das jemand mit so einer teuren Bank die Welt erobern wollte, musste sich Josef Ackermann anschließend vor Gericht verantworten.

34.

»Gute Saison in Mainz gespielt, der Osako«, sagt Claudia Neumann. So viel zu der Frage, ob Europäer Asiaten auseinanderhalten können oder nicht. Und irgendwo nickt der Trainer von Südkorea zufrieden.

37.

José Pekerman arbeitete während der WM 1978 übrigens als Taxifahrer. Wie man zwei, drei Leute aussteigen lässt, sollten seine Jungs also eigentlich wissen…

38.

»Lauernd, verschiebend, zustellend, aber nicht wirklich aktiv ins Pressing gehend«: So ließe sich auch das Flirtverhalten der 11FREUNDE-Redakteure beschreiben.

39.

Freistoß (unberechtigt) für Kolumbien. Und Quintero, dieser Frechdachs, passt den Ball einfach flach und ganz gemütlich unter der Mauer durch. Der Ball kullert, er verhungert beinahe, man möchte ihm eine Butterstulle mitgeben zur Kräftigung, und trotzdem kommt er an, im ganz langen Eck. Weil Japans Keeper fällt wie eine Bahnschranke. Dummerweise wie eine defekte Bahnschranke. 1:1. Ausgleich!

43.

Andersherum wäre so etwas nicht denkbar. Von allem, was man aus Mario-Barth-Witzen so über die Kultur der Japaner gelernt hat, sind diese viel zu höflich, um einen geschenkten Freistoß ins Tor zu schießen. 

45.

»Die Ordnung der Seele«, so heißt das literarische Werk von Makoto Hasebe. Hätte sich mal lieber mit der Ordnung der Freistoßmauer beschäftigen sollen.

14:52 Uhr

Paul Pogba, ein Spieler, dem vorgeworfen wird, sich auf alles außer Fußballspielen zu konzentrieren, macht eine Werbung, in der er sich auf alles außer Fußballspielen konzentriert. Marketingstrategie: Ungenügend.

15:00 Uhr

Was ich mich seit 30 Jahren frage: Für welches Produkt machen die Mainzelmännchen eigentlich Werbung? Und: Müsste dieses Produkt nicht längst in jedem deutschen Haushalt zu finden sein?

46.

Übrigens: Tauscht man bei Schiedsrichter Skomina das »K« mit einem »L«, packt das »K« dafür dorthin, wo grade noch das »I« zu finden war, und streicht zum Schluss das »N«, dann ergibt das? Na? Na? Natürlich: »Slomka«. Zum Glück habe ich heute morgen genügend Alu-Hüte gefaltet....

49.

Sucht euch einen Partner, der euch so viel Aufmerksamkeit schenkt wie Nagatomo der Seitenauslinie.

51.

Geil: In Russland muss McDonalts noch Werbung für McNuggets machen. Was für ein tolles Land das sein muss, in dem nicht jeder Bürger paniertes, kleingehäckseltes Abfallfleisch aus Massentierhaltung schon kennt, bevor er den eigenen Namen schreiben kann.

53.

Fun Fact: Die Mannschaft der Kolumbianer wird »Los Cafeteros« genannt, weil das Land so viel Kaffee herstellt. Na dann können wir aber nochmal von Glück sprechen, dass wir hier nicht »Los Griesgramos« gerufen werden für die ganze Scheißstimmung, die in diesem Land produziert wird.

54.

Aber: Für diese Scheißstimmung, da seid ihr doch für verantwortlich!

55.

Die Japaner laut Neumann jetzt wie ein extrem untalentiertes Bienenvolk: schwärmen zu langsam aus. 

57.

Aus der Reihe »Wortspiele, die man besser sein lassen sollte«: »Ein Erdbeben, das die Japaner ganz schön erschüttert hat.« Unglücklich, Frau Neumann.

61.

James Rodriguez, ein Mann so dribbelstark, dass er sich selbst auf den Hosenboden setzt.

62.

Immerhin: Pekerman riskiert hier alles. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, das kann auch schiefgehen: 

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65.

Aussichtsreicher Angriff für Japan, dann Haraguchi am Ball, aber: Fehlpass. Als Berliner kann ich sagen: Das hat er bei uns gelernt. Wobei: An aussichtsreichen Angriffe war er bei uns eigentlich nie beteiligt.

68.

5:1 Ecken für Japan. Ungefähr so als würde der Taubstummenverband Saarland-West eine Spende von 50 Paar Sennheiser-Kopfhörern erhalten.

69.

Hätte mir vor vier Wochen wer gesagt, dass bei der Partie zwischen Kolumbien und Japan der einzigen DFB-Pokalsieger auf asiatischer Seite spielt, hätte ich mich gefragt: Seit wann hat James die japanische Staatsbürgerschaft? 

71.

Kagawa geht. Kompliment an den Spielmacher: Tauchte heute öfter zwischen kolumbianischen Ketten auf als die Brusthaare eines Kartellchefs.

72.

Ich würde sogar sagen, das war die beste Kagawa-Performance seit dieser hier: 

73.

Die dicke Chance für Sakai. Also für den von Marseille. Den man aber ohnehin nicht mit dem Sakai von Hamburg verwechseln kann, denn: Der Ball ging nur knapp vorbei. Nicht meterweit.

77.

Yuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuya Osako nickt das Ding hier nach einer Ecke zum 2:1 für Japan in die Maschen! Straft uns alle Lügen, denn die Japaner können anscheinend doch Eckball. Können im Grunde ja sowieso alles, diese technisch versierten Superkicker. Außer Shinji Kagawa zu alter Form verhelfen. Aber das kann sowieso niemand.

80.

Dicke Chance James, in die Wolken, danach Freistoß, aber diesmal ist der japanische Keeper auf dem Posten. Die Ereignisse überschlagen sich hier schneller als eine A-Klasse Mitte der Neunziger (vor dem ersten Elch-Test). 

81.

Jefferson Lerma gerade mit einem Hackentrick, der eigentlich mit einem Warnhinweis für Zuschauer unter 18 Jahre versehen werden müsste, so schmutzig und schön war dieses Kabinettstückchen. Ab 0 Uhr dann in der Wiederholung bei Sport 1 zu sehen.

84.

Deutschland verliert, Argentinien strauchelt, Brasilien nur 1:1 und jetzt könnte auch noch Kolumbien verlieren. Wenn das Favoritensterben derart weitergeht, sollte sich Kollegah dringend mal nach seinem alten Label-Kumpanen umsehen.

86.

José Pékerman (68) ist übrigens nur fünf Jahre älter als sein japanisches Gegenüber Akira Nishino (63). Nishino hat den Großteil seines Lebens allerdings auch im Raum von Geist und Zeit verbracht. Ein unfairer Vergleich.

89.

Wann macht Pekerman den Marv (Kevin allein zu Haus)? Wann holt Pekerman die Brechstange raus?

90.+2

Falcao bei einem hohen Ball dermaßen weit im Abseits, dass Hausfrauen der Siebziegerjahre kollektiv schreien: »So: Jetzt haben wir es endlich kapiert!«

90.+1

Noch vier Minuten und die Japaner führen ihre Version des Kurvenklassiker »Ihr könnt nach Hause fahren auf«:

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90.+3

Zwei Minuten bleiben den Kolumbianern noch, um hier etwas Zählbares mit nach Hause zu nehmen. Kennt man so auch aus der Großraumdisko kurz vor Ladenschluss.

90.+4

Letzte Minute und eine letzte wichtige Frage: Wann heiratet Carlos Bacca endlich einen Menschen mit Nachnamen Chew?

90.+5

Blöd auch für die kolumbischen Spieler im Falle eines Vorrunden-Aus: Ivan Duque, der neue Präsident des Landes, hat die Straffreiheit gerade erst wieder abgeschafft.

15:56 Uhr

Und jetzt ist es tatsächlich zu Ende. Was für ein Wahnsinn, auch Kolumbien stolpert im ersten Gruppenspiel. Gut, dass das ZDF mit Rene Higuita einen echten Experten an der Seite hat, wir hören mal kurz rein. [...] Ja. [...] Aha. [...] Oh. [...]. Also wenn wir es richtig verstanden haben, dann fehlte Kolumbien ein Skorpion-Kick-Torwart und Frisuren, die wie Klobürsten aussehen. Zumindest da sehen wir noch Handlungsspielraum. Wir sehen uns wieder, aber nicht erschrecken.

16:06 Uhr

Wow, »El Loco«, der völlig verrückte Torwart, zusammen auf der Bühne mit Rene Higuita.