Iran

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Spanien

Iran-Spanien im Liveticker

Die Verwandlung

Iran begann als Außenseiter und endete als Liebling. Wie der Wandel zur dreiärschigen Spinne gelang, weiß: der Liveticker.

19.45 Uhr

Tach! Oder wie man im Iran sagt, angesichts der anstehenden Aufgabe: Ach Du Scheiße. Aber es gibt ja bekanntlich keine Kleinen mehr. Außer bei den Spaniern. Und genau das könnte für den Iran zum Problem werden. Ist heiß wie eine Paella an der Grenze zwischen Villariba und Villabajo: der Liveticker.

19.49 Uhr

»Ein Sieg des Außenseiters ist unwahrscheinlich«, so Kommentator Gerd Gottlob zur Begrüßung. Keine Ahnung, gegen wen er meint, hier anzutreten. Aber schön, dass er so realistisch ist.

19.51 Uhr

Und noch ein Gottlob hinterher: »Seit einigen Stunden alles trocken.« Gut so. Wir tickern auch immer nüchtern.

19.53 Uhr

Die Hymne des Iran. Und das Schöne daran, ganz ohne Gag: Auch iranische Frauen im Publikum.

19.53 Uhr

Die Hymne des Iran. Und das Schöne daran, ganz ohne Gag: Auch iranische Frauen im Publikum.

19.54 Uhr

Sergio Ramos nun bei der spanischen Hymne mit einem Blick, der zutrauen lässt, dass er sie demnächst mitsingt.

19.55 Uhr

Und dann lächelt Ramos beim Shakehands jedem einzelnen Iraner ins Gesicht. Und das, liebe Freunde, darf genauso verstanden werden, wie es vermutlich gemeint ist: als Drohung.

19.56 Uhr

Iran im 4-2-3-1. Klingt wie eine Gleichung, die ich lösen möchte: keine Chance.

1.

Konnte seine Favoritenrolle voll ausspielen: der Anpfiff.

2.

Pique hat vor dem Spiel noch schnell einen Spatz vom Feld beseitigt. Per Charaktergrätsche. Und irgendwo hat Shakiras Songwriting-Prozess begonnen.

3.

So nun, ich kenne niemanden aus der iranischen Startelf. Nicht schlimm, ich glaube mich kennt ja auch niemand aus der iranischen Startelf. 

4.

Die Spanier drücken hier direkt mal härter als die dicke Tante auf der Familienfeier. Flanke in den Strafraum, aber Irans Keeper Beinranvand zeigt die härteste Faustabwehr seit Axel Schulz. Schade, dass Fackelmann kein Sponsor dieses Turniers ist.

5.

Doch dann, das Unerwartete: Ein Iraner mit einer Geste der Solidarität für Katalonien. Versucht sich direkt von den Spaniern zu lösen. Aber die Spanier, man kennt sie, nutzen alle erlaubte Härte, um jegliche Strömungen gegen sie aufzuhalten. Vielleicht benutzen sie ja auch bald Ramos Rechten, um die Demonstranten niederzubolzen.

7.

Von Diego Costa bislang nichts zu sehen. Ha! Wo seid ihr »Experten« jetzt?

8.

Isco gewinnt über Links mehr Raum als Hausbesetzer in Berlin-Wedding. Dann stürmt allerdings die Polizei. Und Rio Reiser singt aus dem Himmel: »Schmeißt doch endlich die Iraner aus dem Halbfeld raus«. Bewegend.

11.

Zwischenfazit: Die Spanier halten die Iraner bisher so ungefährlich, dass die EU die gesamte Mannschaft in der kommenden Woche als Vermittler zu Donald Trump schicken will.

13.

Torschuss Iran. Allerdings weiter weg vom Aluminium als Klimaschützer. Und de Gea schickt ein Stoßgebet gen Himmel.

16.

Iran hier mit der Taktik, die dem Land so lange selbst vor Augen geführt wurde, lebt hier ein Chancen-Embargo. Spanien solidarisiert sich prompt. Vorbildlich.

18.

Die Art, mit der Spanien Fußball spielt, ist eine sadistische. Als würde man jemandem, der wirklich darauf drängt, die Wahrheit hinter einer Begebenheit zu erfahren, fortwährend vertrösten: Ich sag's Dir gleich, ich sag's Dir gleich. So passen sie denn Ball hin und her, immer noch einen Spielzug mehr bis in die Gewissheit, jederzeit zuschlagen zu können. Das kann man schön finden, bewundern. Oder aber man tut es mir gleich und hofft auf den Iran.

20.

Seit David Silva die Frisur von Heiko Westermann aufträgt, spielt er auch ein wenig wie Heiko Westermann. Sind wir hier einer großen Sache auf der Spur?

20.

Spanien belagert den Iran. Wann greift Russland ein?

21.

Der Iran bisher wie einer, der auf den großen Lottogewinn hofft, ohne einen Lottoschein gekauft zu haben.

22.

Sergio Ramos mit einem direkten Freistoß, prügelt den Ball direkt in die Mauer. Jeder eben so, wie er kann.

24.

Diego Costa fällt. Und so stellt sich der nächste Freistoß in den Abend. Diesmal darf David Silva, schlenzt den Ball direkt in die Arme des iranischen Torhüters. Heiko Westermann gefällt das. Sein Erbe lebt weiter.

27.

Kollege Yorck, der Mann hinter dem 11FREUNDE-Podcast und ebenfalls anwesend, verlangt folgenden Tick lesen zu können: »Da zähle ich doch lieber die Knoten im Perser-Teppich, als weiter dieses Spiel zu schauen.« Beschwerdebriefe bitte an yorckle@yahoo.de

30.

Zirkus Iniesta jetzt. Der alte, graue Mann schwebt über den Rasen, sprenkelt Zucker zu den Mitspielern. Und am Ende dieser Kette der Leichtigkeit steht David Silva in der Luft, scherenschlägt den Ball dann aber doch über das Netz. Heiko Westermann gefällt das. Sie wissen schon.

31.

Immer, wenn wütende Leser in Facebook-Kommentarspalten schreiben, was ja irgendwie auch schon zu traurig ist, um das hier zu erwähnen, aber: Immer, wenn wütende Leser in Facebook-Kommentarspalten schreiben: »Euer Liveticker war auch schon mal besser«, dann denke ich, dass auch diese WM-Spiele mal besser waren. Und rieche an einer Locke von Puyol. Mehr Details möchte ich Ihnen an dieser Stelle ersparen.

32.

Wenn Gottlob sagt »Silva dazu« beginnt ein Automatismus in mir und ich warte unweigerlich auf einen Tequila-Shot. Das hat nichts mehr mit Fairplay zu tun.

34.

Flanke Iran, Ramos aber abrissbirnt das Ding so weit übers Tor, dass sein Elfmeter von 2012 anruft und fragt: »Schatz, betrügst du mich?«

37.

Der iranische Keeper liegt schmerzerfüllt am Boden. Diego Costa steht neben ihm und bemüht sich, so zu tun, als hätte er nichts gemacht. Jaja, denke ich, nichts gemacht. Und dann stelle ich mir Diego Costa wieder als Türsteher vor, an irgendeiner Schlagerdisse. Und wie er zu dem Iraner sagt: »Sorry, heute geschlossene Gesellschaft« und ihn dann mit einem Pfund zurück auf den Bürgersteig mallorcaballert. Beidfüßig.

39.

Heute in der U-Bahn sah ich einen Mann, der ein Buch auf seinem E-Book-Reader las und fortwährend beim Umblättern der Seite seinen Zeigefinger anleckte. Ich möchte diesen Zeigefinger nachträglich »Andres Iniesta« taufen.

41.

Spaniens Chancenlage bisher wie meine bei der süßen Blondine gestern Abend: So schlecht, dass man lieber vor Scham warm duschen und Nickelback hören möchte.

42.

Vielleicht aber ist das auch nur Spannungsaufbau für die Tagesschau. Funktioniert auf jeden Fall.

43.

»Da würde ich jetzt den Iranern raten, es nicht zu übertreiben«, sagt Gottlob. Und vor seinem Haus formiert sich eine »Free Palästina«-Demo.

44.

Immerhin: die iranischen Fans haben Spaß, auch ohne Tor. Vielleicht können sie ihr Geheimnis ja mal an deutsche Fanmeilen verraten.

45.+1

Drei Minuten Nachspielzeit. Es bleibt uns aber auch wirklich nichts erspart.

45.+2

Na also: David Silva hält hier unerwarteter drauf als Hollywood-Paparazzos. Aber leider wie die Schlagzeilen später über den Bildern: Einfach daneben.

45.+3

Bisher beste Szene des Spiels: der Halbzeit-Pfiff.

20.50 Uhr

Halbzeit also. Das unbestechliche 11FREUNDE-Fazit: Für ein Handballspiel bisschen wenig Tore bis jetzt.

20.51 Uhr

Hingegen die Einschätzung von Experte Stefan Kuntz: 0-0. Teufelskerl, der.

20.52 Uhr

Jetzt die Tagesschau. Asylpolitik, Seehofer und Co. Machen wir es kurz: 1-0 für den Wahnsinn.

20.53 Uhr

Kurz zurück nach Kasan, unser Mann vor Ort, Tausendsassa Andreas Bock, mit einer Wortmeldung:

20.55 Uhr

Frisch aus der 11FREUNDE-Datenbank: Isco (55) und Sergio Ramos (53) haben in der ersten Halbzeit mehr Pässe an den eigenen Mann gebracht, als die gesamte Mannschaft des Iran (49). Eine Stellungnahme des BAMF steht zur Stunde aus.

20.57 Uhr

Jetzt die Lottozahlen, Iran-Spanien-Edition: 0, 0, 0, 0, 0, 0. Zusatzzahl: Gähn.

20.59 Uhr

Zum Wetter: in der ARD kommt ein Tiefdruckgebiet namens Stefan Kuntz auf sie zu.

21.01 Uhr

 

Jetzt kurz noch die Analyse der ersten Hälfte. Schön, dass wir Ihnen die Bilder hier auch präsentieren können. 

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21:02 Uhr

Bommes sagt: »Halten wir fest, das hier ist eine reine Geduldsfrage.« Stimmt, also bitte zurück ins Stadion schalten.

21:03 Uhr

Man, ey, wenn hier noch mehr meiner Favoriten sterben, kann HBO die WM bald als neue »Game Of Thrones«-Staffel verkaufen.

46.

Wiederanpfiff. Iran bis jetzt mit hundert Prozent Ballbesitz. Die Wende?

46.

Antwort: Nein. Spanien wieder am Ball. Das Ding hier ist einseitiger als Schulaufsätze in der vierten Klasse. Und hat genauso viel Gehalt.

48.

Schön auch, wie sich Iniesta schon die japanische Kultur angeeignet hat. Kriegt ein vielversprechendes Zuspiel von Pique, schiebt es dann aber der Höflichkeit halber ins Nichts. Zieht er gleich auch noch seine Schuhe aus, bevor er wieder den iranischen Strafraum betritt?

50.

Und dann Ecke, Fast-Tor Spanien, Iran aber verhandelt auf der Linie eine Feuerpause. Busquets ist das egal, er bombt aus 20 Metern nochmal drauf. Beiranvand ist da. Die Welt atmet auf.

53.

Alter! Süßer die Vuvuzelas nie klingen. Aus Zufall landet das Leder auf dem Fuß eines Iraners, der sich kurz daran erinnert, wie er auf Klassenfahrt in der 5. mal mit seinen Kollegen Hochball gezockt hat. Nimmt das Ding schamlos direkt. Doch dann: Außennetz. Der mieseste Spielverderber seit dem Typen, der das Leder immer ins Gebüsch geballert hat.

54.

Und dann: Hallo, Diego Costa. Oder auch nicht. Ein Tor, wie es dieses Spiel verdient. Der Ball irgendwo im Strafraum, Costa auch, kurz Gewusel, Eigentor. Sollte man sich nun freuen? Schreiben Sie mir eine Mail an: woistdennnurderzauberbeidiesermannschafthin@traurigerspaniensympathisant...

55.

Das Tor war so ekelig, bald wird es anstelle des Kottis zum Drogenumschlagplatz.

60.

 

Kopfball, Iran, weit am Tor vorbei. Ein Fan wird gezeigt, er jubelt trotzdem. Vielleicht kennen sie auch einfach alle die Regeln dieses Sports nicht? Und denken wohlmöglich, sie würden gerade gewinnen? Wir schalten kurz zu unserem Nahost-Korrespondenten, der die Sachlage erörtert: 

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63.

Iran mit dem Ausgleich. Aus dem Gewühl heraus, zappelt der Ball plötzlich im Netz. Im Iran, in Kasan und in der 11FREUNDE-Redaktion brechen alle Dämme. Doch dann die Ernüchterung, abseits sagt der Schiedsrichter, sagt auch der Videobeweis. Was heißt Scheiße auf persisch? VAR!

64.

Ach, es ist eine Schande. Otto Rehhagel war so kurz davor, Trainer des Turniers zu werden.

66.

Was uns niemand nehmen kann, im Gegensatz zum Ausgleich: den Torjubel der Iraner. So viel Freude habe ich zuletzt gesehen, als es hieß, im Saunaclub um die Ecke gäbe es jetzt eine Sauna.

68.

So dringend, wie Spanien hier die Schnittstelle sucht, würde ich mich nicht wundern, wenn wir heute noch das große Comeback von USB 1.0 erleben.

69.

Unfassbare Szene. Ecke der Spanier, und dann Kuddelmuddel, wie der Spanier zu aller Unübersicht sagt, und anschließend liegen drei Iraner auf der Torlinie, machen die Schranke, als wären sie Widergänger eines Kafka-Charakters. Eines Abends, als Irans Abwehr aus unruhigen Eckbällen erwachte, fand sie sich in ihrem Strafraum zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt. Die drei-ärschige Spinne.

72.

Oder um es mit Pur zu sagen: Abenteuerland.

75.

Segeln zwei Iraner an einer Flanke vorbei. Keine Pointe.

76.

Foul eines Iraners, der Schiri lässt laut Gottlob »Gnade vor Recht« walten. Und irgendwo zerbeißt Hassan Rohani eine Verfassung.

77.

Anschließender Freistoß von Isco. Der allerdings wie ich bei meinem letzten Fahrradunfall: Geradeaus in die Mauer rein.

79.

Was jetzt noch in diesem Spiel passieren kann:

- Spanien schießt noch eins
- Iran schießt auch eins
- Spontan entzündet sich der Mittelkreis, Vincente del Bosque steigt aus einer Wolke Zorn an die Oberfläche, rammt seinen Dreizack in den Boden und zieht die gesamte spanische Mannschaft in die Hölle und zwingt sie dort, für ewig Spiele von Wacker Burghausen zu schauen.

81.

Mehdi Taromi! Klingt wie ein neues Superfood-Restaurant in Berlin-Mitte. Ist allerdings ein iranischer Kicker, der gerade eine vielsprechende Chance hat. Ist dann aber am Ende wie der Besuch im Superfood-Restaurant: überschätzt.

83.

»Immer gut im Ansatz, aber dann fehlt doch was«, sagt Gottlob über Isco. Und ich über meine Freundin, wenn sie mal wieder beim Friseur etwas »freches« wollte.

85.

Wenn zum dritten Mal gewechselt wird und man es nicht merkt, dann waren die Windeln entweder schon benutzt oder die Nationalmannschaft des Irans spielt.

87.

Die Spanier so gut im verwalten, der BER mittlerweile in ihrer eigenen Hälfte fertiggestellt.

88.

Diego Costa geht raus. Zündet sich noch auf dem Weg zur Seitenlinie eine Zigarre an, setzt die Pilotenbrille auf und springt spontan in einen vorbeifliegenden Kampfjet. Was für ein Kerl!

89.

Wenn Spanien hier noch mehr Pässe hin und her schiebt, können sie bald ganz Europa einbürgern.

90.+1

Schöner Moment: Spiel unterbrochen, Silva zieht trotzdem drauf. »Was denn, Foul ist, wenn blutet«, bellt er dem Schiri noch zu, dann muss er nach Hause. Die Laternen sind schließlich schon an.

90.+3

Geben hier immer noch den Ton an: die Vuvuzelas.

90. +4

Ein letzter Einwurf für den Iran, doch die Nummer geht nach hinten los, beginnt als halber Flugkopfball und endet als Enttäuschung. Und dann ist es vorbei, Spanien gewinnt, absurd genug bei all der Überlegenheit, glücklich mit 1:0 gegen den Iran. Oder wie man in Spanien sagt: Hierro.

21.55 Uhr

Finito, Freunde. Was bleibt? Wie immer der Bus heißt, den der Iran da heute in das Stadion von Kazan gestellt hat, das Modell wird Mode machen. Und ansonsten? Spanien kocht auch nur mit Wasser. Kann aber jederzeit hochkochen. Oder so. Mag es lieber kühl: der Liveticker. Prost.